Happy Halloween!

Halloween Jutta Stina Strauß Julclub Geist Gespenst

Sagt euch der Name Frank Zappa noch etwas? Ich hoffe schon, denn dieser geniale Musiker hat einen der schönsten Halloweensongs ever geschrieben. Das Goblin-Girl. From the mystery world, versteht sich. Ist es nicht schön, mit dem Fest der grinsenden Kürbisse und unheimlichen Gestalten in die düstere Jahreszeit (die gerade mit goldenen 20 Oktobergraden glänzt) zu gleiten? Trick or treat? Die einen hassen, die anderen lieben es. Es gehört nicht hierher? Wenn´s aber doch schön ist und das Jahr bereichert? Für mich bedeutet die Zeit um Halloween: Ich kann abends endlich wieder mit einer Tasse Tee, einem guten Buch, einer spannenden Serie auf dem Sofa entspannen, ohne dass ich ein schlechtes Gewissen haben muss, weil draußen der Berg ruft, oder ich im Garten so schön Unkraut rupfen könnte. Ehrlich, ich glaube, selbst den abgebrühtesten Naturgeistern war dieser vor Hitze knackende Sommer des Guten zu viel.

Also: Die dunkle Jahreszeit. Spooky, wenn man sich darauf einlässt. Es gibt wieder Kürbissuppe, die eine oder andere Hexe huscht um die Ecke, merkwürdige Geräusche lassen uns einmal mehr ängstlich über die Schulter blicken. Warum schaut der Hund jetzt so ins Leere und bellt dabei wie verrückt? Und was geht über jenen angenehmen Schauder, den eine gute Gespenstergeschichte uns über den Rücken jagt. Wie jene von Jerry Bundler, von einer versierten Geschichtenerzählerin mit vor Dramatik bebender Stimme vorgetragen. In der Serie Ghosts (auch als BBC-Produktion sehenswert) sind die Geister so liebenswert, dass man direkt Teil der unfreiwilligen Wohngemeinschaft in Button House werden möchte. Selbstverständlich nicht als Gespenst. Dreimal schwarzer Kater!!! Eine unserer ersten Gemeinsamkeiten entdeckten mein Mann und ich, als wir über den Namen eines Schwarz-Weißfilms aus den Sechzigern rätselten. Dabei ging es um ein metaphysisches Experiment auf einem unheimlichen Herrensitz. Und, soviel sei verraten, im Haus wohnt das personifizierte Böse. Der schicksalsschwangere Satz einer Protagonistin „Oh, mein Gott! Wessen Hand habe ich gehalten.“,  war uns beiden im Gedächtnis geblieben. Der Film heißt übrigens Bis das Blut gefriert nach dem Roman Hill House von Shirley Jackson. Und die Hand war nicht jene der Zimmergenossin. Äh, kann jemand die Haare an meinen Armen glätten?

Ähnlich eindringlich, nichts für zarte Seelen ist Die Frau in Schwarz mit Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe. Die Serie Evil sorgt ebenfalls für schauriges Dämonengruseln, bringt dabei jedoch eine Art von Gemütlichkeit in die Wohnstube, die irgendwie gar nicht sein dürfte. Aber da sind eine tuffe Psychologin, ein zweifelnder Priester, eine medial versierte Nonne, ebenfalls tuff, und eine Menge düstere, olivgrüne Tapeten, wie sie für Horrorfilme obligatorisch sind. Was will man mehr? Insgeheim vermute ich ja, dass besagter Wandschmuck in vielen amerikanischen Behausungen zur Standardausrüstung gehört und bedauerlicherweise gar nicht stört. Halloween hin oder her.

Fenetrange Lichtenberg Chateau Halloween

Die Bilder in diesem Beitrag stammen übrigens aus dem kleinen Ort Fénétrange am Rande der Nordvogesen, im Département Moselle. Abseits der Touristenströme, mit einer Menge verblichenen Charmes. Ein verlassenes Genesungsheim, in dem es garantiert spukt, ist sozusagen das gruselige Sahnehäubchen. Unheimlich heimelig dagegen sind die Stadtwanderungen mit dem Nachtwächter bei Einbruch der Dunkelheit.

Fenetrange Lichtenberg Chateau Halloween

Tatsächlich werden wir am kommenden Sonntag mit anderen Halloweenfans auf dem Château Lichtenberg im Krummen Elsass herumgeistern. Diese lädt am letzten Oktoberwochenende zu einem Event, das für Kinder nicht geeignet ist, und also auch mich das Fürchten lehren wird. Erinnere mich da an einen alemannischen Faschingsumzug mit gar grauslichen Gestalten, der ein ansonsten beschauliches Schwarzwalddörfchen und ja, auch mich in Angst und Schrecken versetzte. Nur ein gewaltiges Schinkenbrot konnte mich damals wieder erden, ein ebenso gewaltiges Bier meine Kehle besänftigen. Die war nämlich von meinen unzähligen Schreckensschreien ein wenig angegriffen. Nun also Château Lichtenberg. Mein Mann als maskierter Frontman (ist ja schon schrecklich genug) aus der noch schrecklicheren Serie Squidgame, die ich, das möchte ich betonen, nicht schaue, da sie mir zu blutig ist. Ich erscheine, Achtung, Kontrastprogramm! als putziges, wenn auch schon betagtes Goblingirl. Dazu bringe ich naturgegeben alles mit, was ein solches Wesen braucht, außer der grünen Gesichtsfarbe, die ich aber, je nach Schreckenslevel, vielleicht gratis dazubekomme. Denn was, wenn ein echter Psychopath sich, sagen wir mal, als Ersthelfer verkleidet, schwächelnden Burgbesuchern teuflisch grinsend eine echte, unheilvolle Spritze in den Oberarm jagen würde? Gar mit einem Serum, das noch nicht vollständig ausgetestet ist! Oder ich müsste mal für kleine Goblins und erblicke beim ausgiebigen Händewaschen im Spiegel hinter mir eine Freddy KrügerIn mit einem Messer, das nicht von Pappe ist?

Fenetrange Lichtenberg Chateau Halloween

Da kann man dann nichts machen, tröstet mein Mann verhalten. Nun, hoffen wir das Beste. Und wenden uns kulinarischen Hotspots zu:

Im Restaurant Hotel Muhlheim au Soleil gibt es, wie uns das offenbar übermotivierte Übersetzerprogramm verrät, als Menübestandteile Bein vom Wildschwein und Gemüsegärtner. Also, wem da nicht das Wasser im Munde zusammenläuft…

Fenetrange Lichtenberg Chateau Halloween

Auf Französisch hört sich das doch besser an. Traut euch einfach hin!

Wer mit der ganzen Familie halloweenmäßig unterwegs sein möchte, kann sich ebenfalls auf der Lichtenberg austoben. Nur solltet ihr vorher das Programm lesen, das ich euch unten verlinkt habe, damit ihr nicht am falschen Tag mit euren Kids anrückt. Vielleicht habt ihr ja Lust den wunderbaren, preisgekrönten Film Coco anzusehen. Übrigens, habe gerade recherchiert: Von wegen Goblins und putzig! Die sind ja richtig fies! Aber jetzt hab ich, wie gesagt, schon alles parat. Vielleicht gibt es ja auch Goblins ohne spitze Ohren. Die hab ich nämlich vergessen.

Übrigens: Fénétrange mit seiner mittelalterlichen Altstadt geht auch so:

Fenetrange

Oj. Mein Mann hat mir gerade eine oberscharfe Pfefferone als Paprika kredenzt. Brauche einen Arzt. In diesem Sinne: Happy Halloween!

Eure Stina

Traenheim: Zum Weinen schön

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Ich habe Spinnweben im Gesicht, und dabei ist es noch nicht mal Halloween. Nein, der Altweibersommer schüttet seine güldenen Strahlen über mir aus. Und eben auch eine Menge Spinnweben. Nach einer langen Dürreperiode hat es endlich geregnet. Die Natur atmet auf. Eigentlich wollten wir ja auf den Flohmarkt nach Marmoutier. Wer aber stattdessen nach Wasselonne fährt, braucht sich nicht zu wundern, wenn in diesem Vogesenstädtchen sonntägliche Stille herrscht. Wo wir allerdings schon hier sind, können wir auch die Gegend erkunden. Alles im kraftstoffmäßig abgesteckten Rahmen, versteht sich. Wir wollen ja keinen Kredit für einen kleinen Ausflug aufnehmen müssen. Nach Traenheim wollten wir immer schon. Nicht wegen des Namens sondern weil der kleine Ort von Weitem so anheimelnd durch die Weinberge schimmert. Es ist der vierte September. Die größte Hitze ist vorbei. Unser Dackel braucht Auslauf. Und ich liiiebe Weinberge!

Der Altenberg de Bergbieten ist eine elsässische Weinlage. Seit 1983 ist sie Teil der Alsace Grand Cru Appellation, gehört damit zu den 50 potentiell besten Lagen des Elsass. Das Weinanbaugebiet gehört zur Gemeinde Bergbieten, liegt allerdings zwischen den beiden pittoresken Dörfern Traenheim und Bergbieten, ca. 25 km westlich von Straßburg. Das günstige Mikroklima sowie die Bodenqualität lassen die Traube für Riesling und Gewürztraminer zu hervorragenden Weinen reifen. Diese werden derzeit von vier Winzern aus Traenheim sowie einer Genossenschaft produziert und verkauft.

Nur selten gelingt es mir, meinen Mann in die Reben zu locken. Dabei gibt es doch nichts Schöneres als dieses transparente Zusammenspiel aus Weinblättern, knorrigen Stämmen, prallen Weintrauben, in blaudunstigen Nebel gehüllten Bergkämmen. Die Rebstöcke schön ordentlich in Reihen und irgendwie Toscana. Traenheim selbst zeigt sich an diesem frühherbstlichen Sonntagmorgen in strahlendem Sonnenschein. Brunnen plätschern, Schmetterlinge und Schwalben segeln glückselig durch die frische, klare Luft. Vielleicht werden die Schmetterlinge auch von den Schwalben gejagt, flattern um ihr Leben. Nun denn, kein Paradies ist vollkommen. Traenheim also: Ein sauberes, aufgeräumtes Dörfchen mit schmucken Fachwerkhäusern, edlen Weingütern und einem Gasthaus, in dessen lauschigem Innenhof man sich elsässische Spezialitäten schmecken lassen kann. Wein wird hier seit dem Jahre 1050 angebaut. Merowinger und Römer haben in dem kleinen Ort ihre Spuren hinterlassen.´´´ Von wegen Wein und dem guten Klima für die Knochen.

Folgt einfach der Hauptstraße, und ihr findet linkerhand eine große Schautafel mit Standortbestimmung. Sentier Viticole klingt verlockend, und schon durchwandern wir in einem großen Bogen Weinberge und Dorf. Dazu braucht man inklusive kleiner Pausen auf den Aussichtsbänken nicht mehr als eine Stunde. Diese Zeit solltet ihr euch allerdings nehmen, da ihr großartige Ausblicke auf die Vogesen wie die elsässische Ebene genießen könnt. Wenn ihr die die Informationen auf den edlen Plexiglastafeln allesamt lesen möchtet, solltet ihr eine halbe Stunde mehr einplanen. Alternativ könnt ihr den Sentier Viticole auch an der Place de la Fontaine beginnen.

Le Loejelgucker: Ein stilvolles, nicht ganz billiges, dafür exquisites Gasthaus aus dem 18. Jahrhundert. In Gaststube, Winstub und Gewölbe kommen FeinschmeckerInnen auf ihre Kosten Natürlich darf der Flammkuchen, die tarte flambée nicht fehlen. Montags- bis Freitagsmittags gibt es die Plat du Jour, entweder Vorspeise und Hauptspeise oder nur Hauptspeise, zu einem überaus guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Sehenswert: Die Wandmalereien von Jean
Cramer
aus dem Jahre 1946, die die Arbeiten im Weinberg im Jahreslauf zeigen.

Le Loejelgucker – Auberge de Traenheim

Einen gelungenen Ausflug zu diesem sonnenverwöhnten Fleckchen Erde stelle ich mir so vor: Erst eine kleine Wanderung durch den Sentier viticole, dann die Einkehr im Le Loejelgucker. Bei einem guten Glas Wein könnte man auch schon eine Fahrradtour planen, die sich, auf der ebenfalls hier verlaufenden, idyllischen Route des Vins anbietet. Gen Abend machen sich WeinkennerInnen während einer Weinprobe mit den Spitzenerzeugnissen der hiesigen Domänen vertraut. Dann allerdings braucht man einen BOP, eine noch bewusst operierende Person, die einen wieder nach Hause kutschiert.

Fahrt mal hin

Stina

Schluss mit dem Dornröschenschlummer. Burg Lichtenberg geht mit der Zeit!

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Googelt man nach den schönsten Burgen in den Nordvogesen oder dem Alsace Bossue, dem Krummen Elsass, fällt schnell der Name Lichtenberg. Das ist zunächst mal der Ort, der verschlafen am Fuße jener Anhöhe träumt, die über einen leichtgängigen Fußmarsch von höchstens zehn Minuten zu erreichen ist. Darauf nämlich thront die gleichnamige Burg. Die Lichtenbergische also. Noch brennt uns die Sonne heiß auf den Nacken, bald aber führt der Weg durch einen schattigen Kastanienhain. Schlauberger können auch mit dem Auto nach oben fahren, in die Wanderschuhe schlüpfen und so tun, als hätten sie die gesamten Vogesen passiert, ohne auch nur einen einzigen Schweißtropfen zu vergießen. Das ist natürlich unlauter und wird mit einer sofortigen Vierteilung der mitgebrachten Sandwi(t)ches geahndet. So, jetzt, wir: Einmal an der wehrhaften Burgmauer vorbei, durch das mächtige, eisenbewehrte Tor hindurch, und wir betreten die Innenanlagen.

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Dem italienischen Architekten Andrea Bruno ist das Kunststück gelungen, eine mittelalterliche Burg in die Moderne zu führen. Altes Gemäuer trifft zeitgemäße, ja, futuristische Architektur. Zu der Ruine aus rosa Vogesenstein gesellt sich Kupfer, Glas und Holz. Ein merkwürdiges Gebilde ragt, scheinbar freihängend, aus der Burgmauer hervor. Abgefahren, würde man Neudeutsch sagen. Theoretisch könnten kommende Generationen die Burg sogar wieder in den Urzustand versetzen. Ich allerdings würde es so lassen. Carta von Venedig hin oder her. Denn mit dieser Art Modulsystem ist Burg Lichtenstein nicht nur ein Relikt aus längst vergangener Zeit, nein, sie katapultiert sich ins 21. Jahrhundert, wird zum Gemeindezentrum, zum Architekturhotspot, zum Ort für spielerischen Umgang mit der Vergangenheit. Neben den obligatorischen Führungen finden hier (Rollen-)Spiele-Events statt, man kann die Burg für Kindergeburtstage buchen, die Laienschauspieltruppe Théâtre de Lichtenberg gibt derzeit Karl Valentins Posse Chevalier Unkenstein et les Raubritter. Auf Elsässisch, versteht sich. Mal sehen, ob ich meinen Mann zu einem Ausflug überreden kann… Das ist nämlich Volkstheater, und da hat er irgendwie ein Ohnsorg– bzw. Komödienstadel-Trauma. Jo, mei!

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Wir folgen den numerisch ausgeschilderten, ausgetretenen Pfaden, wie schon Tausende vor uns. Denn Burg Lichtenberg erfreut sich, abgesehen von jenem bereits verblichener Burgbewohner (Was wäre eine Burg ohne Gespenster?), auch regen touristischen Zuspruchs. Wir machen Platz für eine Reisegruppe in Birkenstocks und Sandalen mit Klettverschluss. Weiße Socken inbegriffen. Nur so viel sei verraten: Alle sprechen Deutsch. Drei Augenblicke später stöckelt eine junge Französin recht unbekümmert über die unebenen Platten. Klischees erfüllt. Wir wenden uns also den Vogesenkämmen zu, die in üblich dunkelblauer, smaragdgrüner Manier das Auge weiten, einfach grandios wirken. Uns denken lassen, dass das mit dem Klimawandel doch gar nicht so schlimm sei. Aber, he, Leute, es ist so schlimm!

Lichtenberg Burg Chateau Elsass Vogesen

Jedenfalls: Waldbaden von oben. Tatsächlich findet man auf der Burg allenthalben ein ruhiges, lauschiges Plätzchen, wo es sich verweilen lässt. Da wäre z.B. die uralte, schattenspendende Linde, wohin die Liebespaare gerne verschwinden. Wie zwei scheue Rehe hüpft uns gerade eins davon entgegen. Mit ziemlich roten Köpfen. Nun, konnten wir ja nicht ahnen. Mit den ganzen herabhängenden Zweigen und so. Die stöckelnde Französin balanciert derweil auf der Burgmauer. Reines Gottvertrauen, sag ich mir. Ich finde die Burgmauer an dieser Stelle gar nicht mal so dick. In die Kasematten, so erfährt die deutschsprachige Reisegesellschaft gerade, flüchtete sich noch im Zweiten Weltkrieg die gesamte Lichtenberger Bevölkerung. Musste Monate vor dem Feind in Dunkelheit und Kälte ausharren. Wer wolle, schlägt die Reiseführerin jetzt vor, um die trüben Gedanken zu vertreiben, könne den Bergfried bekraxeln. Ich schließe mich den in Mehrheit betagten Teilnehmenden an und befinde, nein, das muss nicht sein. Außerdem küsst sich gerade schon wieder das Liebespaar da oben. Unter wehender Flagge. Wieviel Platz, frage ich mich, könnte da oben also noch für uns 10 bis 15 Schuhplattler sein?

Der Architekt: Andrea Bruno ist ein international anerkannter Architekt, der sich auf die Restaurierung alter Gemäuer spezialisiert hat. So durfte er sich bereits am piemontesischen Castello di Rivoli, am römischen Amphitheater von Tarragona in Spanien, und bei den archäologischen Ausgrabungen von Maà auf Zypern austoben. Zudem ist er Berater des italienischen Auswärtigen Amtes und der Unesco. Guter Mann!

Wir werfen noch einen Blick in die Lego-Ausstellung Licht´ en briques, wo Bauklötzchen-Enthusiasten in mühevoller Kleinarbeit eine mittelalterliche Landschaft mit allem, was dazu gehört, zusammengepuselt haben. Sehr süß und 100% Lego, wie der Flyer verspricht. Apropos süß. Wer mich kennt, weiß, dass ich einem Stück Kuchen niemals abgeneigt bin. Zurück also zum Event-Raum, der äußerst funktional, skandinavisch hell und luftig ist, lustige Holzspiele parat hält, und gerade auf eine mittelalterliche Spielesession für Groß und Klein vorbereitet wird. Die freundliche Dame vom Einlass, wie es sich gehört in schwarzem Gothic-Outfit, betreut auch die Cafeteria. Lässig und unaufgeregt verteilt sie Eis, Mineralwasser, Torte an die brav in Reihe wartenden Touristen. Als handele es sich um den berühmten Zaubertrank des kleinen gallischen Dorfes. Irgendwie müssen die mitbekommen haben, dass Hektik von diesen Burgmauern abgehalten wird, wie der Vampyr vom Knoblauch. On a du temps. Es muss gesagt werden: Im Burgcafé gibt es sagenhafte Tarte au Myrtille, sagenhaften Kaffee und sagenhafte Orangina. Wenn das kein Burgsommer ist!

Lichtenberg Burg Chateau Elsass Vogesen

Die Burg: Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, wird die Burg der Herren von Lichtenberg unter Konrad von Lichtenberg, Bischof zu Straßburg, um 1286 großzügig erweitert. Im Zeitalter der Renaissance werden, auf Wunsch des neuen Burgherren, des Grafen von Hanau Lichtenberg, renommierte Architekten mit dem Umbau beauftragt. Darunter Daniel Specklin, der berühmte Städtebaumeister Straßburgs. Eine prächtige Residenz entsteht. Mit Türmen, Ringmauer, Burggraben, Exerzierplätzen. Unter Vauban wird Burg Lichtenberg zu einem wichtigen militärischen Stützpunkt. 1678, nach der Belagerung und Eroberung der Burg durch Truppen des Sonnenkönigs, Ludwig XIV, fällt sie an den französischen Staat. Jahrzehntelang schützt sie die Nord-Ostgrenze Frankreichs zuverlässig. Erst 1870, während des deutsch-französischen Krieges, wird die Burg so stark bombardiert, dass sie vollständig niederbrennt. 1992 erweckt man sie dann aus ihrem Dornröschenschlaf. Seither ist die Anlage, dank auch der Bevölkerung von Lichtenberg, Ausstellungsort, Begegnungsstätte, Dokumentationszentrum für mittelalterliche Burgen. (Quelle: Burg Lichtenberg)

Übrigens: Im burgeigenen Shop könnt ihr Schilde und Schwerter für kleine Ritter, Hexenkochbücher, Freundschaftsbändchen, Kräuterteemischungen u.v.m. erstehen. Eben alles, was der Mittelalterfan so braucht!

Lichtenberg Burg Chateau Elsass Vogesen

Wer übernachten möchte, findet hier, hier und hier Informationen. Essen und übernachten könnt ihr hier. Um Lichtenberg herum gibt es eine Vielzahl Hotels, Restaurants, Gîtes. Da der idyllische Ort zum Biosphärenreservat Nordvogesen gehört, außerdem in einer der schönsten Regionen des Elsass liegt, hat man einiges für den Tourismus getan.

Müde kehren wir nach Hause zurück, machen uns eine Tasse des mitgebrachten BioTees. Conrad le Bâtisseur, steht drauf. Drin sind Melisse, Himbeeren, Grüne Minze, Orangenblüten, Brombeeren, Kamille sowie Heidekraut. Wir schlafen wie die Babys. Wenn das keine Zauberei ist…

Fahrt mal hin! Einen schönen Sommer wünscht euch

Stina

Cimetière Gallo-Romain / Keltisch-Römischer Friedhof im lothringischen Walscheid

Walscheid Lothringen Keltisch-Romanischer Friehof Cimetiere gallo-romain

Ob wir den Wanderweg zum keltisch-römischen Friedhof, dem Cimetière Gallo-Romain, auch wirklich in 2 Stunden packen, ist fraglich. Denn der Anstieg vom Rande des kleinen lothringischen Ortes Walscheid hinauf ist schweißtreibend und anstrengend. Aber auch abwechslungsreich. Kleine Bäche bahnen sich sprudelnd ihren Weg ins Tal, spektakuläre Felsformationen, die so typisch für die Nordvogesen sind, ragen unvermittelt neben uns auf. Aber wir wollen sie unbedingt sehen, die geheimnisvolle Ruhestätte von Kelten und Römern. Schnaufend folgen wir dem roten Kreis-Symbol. Nach ca. 40 Minuten entlohnt uns der atemberaubende Ausblick vom Hohwalschplatz für die Mühen. Ein kleines Schmankerl zwischendurch, bevor es zum eigentlich Hotspot geht. Wer es schon mal bis zu diesem Felsen geschafft hat, braucht nur noch ein paar Meter Geduld. Die Grillhütte ist ganz neu. Ich könnte hier auch bleiben, Merguez grillen, kauend und sinnierend auf die samtig grünen Bergketten schauen und warten, ob sich um Mitternacht etwas tut.

Immer dem roten Kringel nach. Ob rechts oder links herum. Viele Wege führen nach Rom.

Uff, die Hälfte ist geschafft. Auf einer kleinen Lichtung liegt er dann endlich. Le Cimetière. Das Wort kommt übrigens von Coemeterium, Spätlateinisch für Ruhestätte. Das liegt nahe. Wie die Verstorbenen, die an diesem Ort ihre letzte Heimstatt gefunden haben. Und irgendwie ist es hier auch ruhig und friedlich. Mitten im Wald. Auf dieser Anhöhe, die jetzt so still erscheint. Nur das stetige Summen diverser Hummeln und Bienen ist hörbar. Wir wandern bewegt zwischen den Stelen umher. Wer hier wohl seine letzte Ruhe gefunden haben mag? Wie kleine Häuser sehen sie aus, die Grabstätten, haben verschiedene Größen. Alle ruhen auf einem Sockel, werden geschützt von einem Satteldach. Durch ein kleines Loch konnten Opfergaben gesteckt werden. Nach einer großangelegten Ausgrabung 1862 wurden die schönsten Stücke in die Museen von Saverne, Strasbourg, Colmar und Metz überführt. Offenbar findet man sie aber auch in Parks und wohl leider auch bei privaten Sammlern. Wir spüren, das ist ein alter Platz. Hier ist viel passiert. Wer weiß, ob uns nicht gerade jetzt so ein alter Kelte beobachtet, gestützt auf seinen Stock…

Knorrige Zeitzeugen

Still ist es hier also. Man hört den Wald, die Vögel. So war es hier nicht immer. Denn die Anhöhe wurde schon im 9. Jahrhundert vor Christus besiedelt. Von dem einstigen Dorf Les Trois Saints – abgeleitet von drei Figuren auf einem Grabmal – und seiner Burg sind nur noch ein paar Steine übrig. Einige Jahrhunderte lang lebten die Menschen dort von Ackerbau, Viehzucht und Jagd. Wie sollen wir uns das vorstellen? Sah es aus wie bei Asterix und Obelix? Vertrugen sie sich mit den Römern. Hatte man untereinander geheiratet, Kinder gezeugt? Trägt der alte Kelte, der uns beobachtet, karierte Hosen? Der kleine Friedhof gehört zu einer Reihe von Überbleibseln aus längst vergangenen Zeiten. Säuberlich umrahmt von einer neuzeitlichen kleinen Mauer, damit man nicht zufällig dran vorbeiläuft. Einige Grabstätten sind mit geometrischen Mustern geschmückt, manche tragen sogar ein Abbild der Dahingeschiedenen. Das bringt sie uns näher. Sind ja nur durch ein paar Jahrhunderte von uns getrennt. Ganz still sind wir jetzt, nehmen die gelassene Atmosphäre in uns auf. So viele waren vor uns da. So viele werden nach uns da sein.

Quelle: Schautafel am keltisch-römischen Friedhof Walscheid

Auf dem Rückweg kommen wir an eine immense Wanderweg-Kreuzung mit den Steinkreuzen von Hengstbourg und Beimbach. Ab hier verwandelt sich das beschauliche Bergabwandern in eine aparte Kletterpartie. Bäume wurden gefällt, liegen quer über dem Weg. Da ich kein Klettergenie bin, absolviere ich den Parcours, indem ich mich auf den jeweiligen Stamm setze, die Beine dann auf die andere Seite schwinge. Das ist nicht schwierig, nur ein wenig umständlich. Und ein wenig beängstigend. Habe die beunruhigende Vision auf einem dieser riesigen Ungetüme talabwärts zu sausen. Aber normalerweise hält so ein Stamm…

Urig.

Geschafft! Nach tatsächlich 2 Stunden, inklusive Verweildauer. Ein Erlebnis! Ist es besonders heiß, könnt ihr nach der Tour ein erfrischendes Bad im Étang de Walscheid nehmen, danach im Café de la Grotte Volkstümliches – natürlich auch Flammekueche – speisen. Oder ihr fahrt einfach nach Hause, vielleicht in euer Feriendomizil und lasst diesen wunderbaren Ort der Stille in eurem Geiste noch etwas nachwirken. Wir vergessen dich nicht, alter Kelte.

Immer dem roten Kringel nach: Der Wanderweg ist supergut ausgeschildert. Hier findet ihr genauere Infos! Und hier. Verlaufen könnt ihr euch nicht. Und ihr müsst auch nicht auf dem Friedhof übernachten.

Wandert mal hin!

Stina Advent

Waldbaden um Guirbaden

Unseren 20. Hochzeitstag wollten wir mit einer kleinen Wanderung samt anschließendem Essen feiern. Denn hat man in den Vogesen erstmal einen Hügel erklommen, passt nichts besser als ein zünftiges Mahl. Wie ihr spätestens jetzt wisst, bin ich keine übermäßig ausdauernde Wandersfrau, sondern eher eine Flachlandtirolerin. Ich esse aber gern. Wie man ebenfalls sieht. Wenn ich eine Strecke heim- pardon – heraussuche, handelt es sich meist um eine von 2,5 bis 3 Stunden. Rundweg oder hin und zurück (Auf dem Rückweg sieht alles eh nochmal anders aus). Pausen exklusive. Spätestens nach 2,75 Stunden fange ich an zu nörgeln, weil mir scheint, dass meine großen Zehen auf Untertassengröße angeschwollen, meine Wanderschuhe gleichzeitig um mindestens 20 % geschrumpft sind. Oder ich ganz einfach genug Grün gesehen habe. Waldbaden ist ja super, aber in der Badewanne absolviere ich ja auch kein Hochleistungsprogramm. Sondern entspanne beim munteren Plantschen in Fichtennadelgrün. Wie auch hier liegt in der Kürze die Würze. Mit Staunen verfolge ich die stolzen Ausführungen jener, die sechs, sieben Stunden durch unwegsames Gelände traben und dabei ihren einzigen Proviant, einen Proteinriegel aus dem Jahre 2018, für den nächsten Tag aufsparen.

Ein Stina-Weg sollte demnach keine zu steilen Passagen beinhalten, da ich dazu neige den Abstieg auf dem Hosenboden zu absolvieren, weswegen ich schon in Po-polsternden Fahrradhosen gewandert bin. Fesche Wanderer, die durch mich erheitert, in jedem Falle aber ausgebremst werden, mutmaßen für gewöhnlich zweierlei: „Die Arme ist sicher mit ihrem Fahrrad gestürzt und zwar so, dass sie sich nur noch rutschend bewegen kann. Ihr Bike liegt derweil wohl am tiefsten Grund der Schlucht. In diesem Alter sollte man sich nicht überschätzen“ (Falsch!) oder „Was für eine Zimperliese!“ (Richtig!) „Was macht die erst am Donon?!“ Mein Pech also, dass ich Burgen liebe. Denn die muss man sich meist erkraxeln. Da lob ich mir doch das Château de Guirbaden, das auf der Mitte eines angenehm zu gehenden Wanderweges thront.

Château de Guirbaden. Ist zwar eine Burgruine, allerdings die größte im Elsass. Wer hätte das gedacht? 270 m lang, 70 m breit. Eine Höhenburg aus der Stauferzeit, 11. bis 13. Jahrhundert. Ein riesiges Monument, in liebevoller, ehrenamtlicher Arbeit von Freiwilligen aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Schon der beeindruckende Plan an der Burgmauer weist auf die Gewaltigkeit des Projekts hin. Hungerturm, Zitadelle, Wohnbereich, Kapelle, Donnerbalken. Alles da. Ehrfürchtig bestaunen wir die mächtigen Quader, die schon verbaut wurden, sowie jene, die noch einzusetzen sind. Eine Herkulesarbeit. Und da läuft auch schon eine fleißige Helferin mit grasgrünem Helm und Schubkarre hurtig den Berg hinan. Ich denke Muskeln, Ausdauer und ja, die feste Gewissheit, hier etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit zu tun, zu bewahren.

Wanderer räkeln sich träge im Sonnenschein. Umsummt von Bienen, Hummeln, umflattert von Schmetterlingen auf bunten Kräuterwiesen. Es duftet würzig. Die Aussicht: Grandios. Von einer Höhe von 565 Metern bestaunen wir die blauen Vogesen um den kleinen Ort Grendelbruch. Schauen schaudernd die steilen Hänge hinab. So, wie die Burg bereits seit über tausend Jahren auf das Vallée de la Bruche blickt. Auf Fototafeln wird das Vorher-Nachher des Projekts anschaulich erklärt. Auch die wechselvolle Geschichte der Burg, die mehrmals zerstört und wiederaufgebaut wurde.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie sogar von den Bewohnern selbst geschleift, weil die Schweden im Anmarsch waren. Ab und an lebt das Mittelalter in einem Burgfest farbenprächtig – vor allem auch unblutiger – auf. Dann werfen sich die Einheimischen in Schale, Ritterrüstung genannt, binden sich Schürzen um, setzen sich Kopftuch oder Helm auf, greifen zu Heugabeln und Schwertern um das umtriebige Treiben nachzustellen, das hier wohl einst herrschte. Natürlich weilte auch Friedrich Barbarossa hier. Wo tat er das eigentlich nicht?

Selbstverständlich gibt es auch eine Legende um einen Schatz und eine Odile, Nachfahrin der Templer, die einst mit ihm (mit dem Schatz, nicht mit Friedrich) begraben werden wollte. „Sie wollte nie heiraten und starb jung an einer Krankheit.“, erläutern die Bewahrer von Guirbaden. Das hat man also davon, wenn man unbedingt Junggesellin bleiben will. Niemand sollte erfahren, wo Grab und Schatz zu finden waren. Nun, jemand hat geplaudert. Das Verhängnis nahm seinen Lauf.

Chateau Guirbaden Grendelbruch Vallee de la Bruche Vosges Vogesen Wander
Freundliche, engagierte Helfende auf Guirbaden

Sehr viel Genaueres erfahrt ihr auf der Homepage der Burg. Auch über Feste, Führungen und die Möglichkeiten den Fortbestand der Burg durch eine Spende oder sogar Mitarbeit zu sichern. Also auf, ihr Hobby-Archäologenden, frisch ans Werk!

Die angrenzende Gemeinde Grendelbruch ist ein uriges, ruhiges Vogesendörfchen inklusive Wochenmarkt und plätschernden Brunnen. U.a. im Grenouille und Pot au feu soll man sehr gut essen können. Lasst euch am besten vor Ort inspirieren, denn im Umkreis gibt es viele interessante Restaurants. Ausprobiert haben wir das La Schlitte in La Broque,ein apartes Blockhaus am Rande des kleinen Ortes. Hier gelingt das Kunststück traditionell französisch-elsässische Küche mit Experimentierfreude zu paaren. Der norwegische Lachs war ein Gedicht. Das animal glacé für die kleinen Lutins sollte man allerdings nicht wörtlich nehmen. Übrigens war der Service ausgezeichnet. Etwas hochpreisiger geht es in der Auberge Metzger in Natzviller zu, wo ihr auch übernachten könnt. Vergesst aber nicht zu reservieren, denn die Auberge wurde vom Guide Michelin immerhin zum kulinarischen Highlight mit super Preis-Leistungsverhältnis gekürt.

Eine informative Erlebniskarte mit u.a. Fahrradrouten, Fermes Auberges, Themenwanderungen, traditionellen Handwerksbetrieben findet ihr hier. Die jedes Jahr neu erscheinende Broschüre Sentiers plaisir informiert über Wanderungen sowie Veranstaltungen im Vallée de la Bruche.

Guirbaden Chateau Burg Vosges Vogesen Wander Vallee de la Bruche

Der Wanderweg: Am Ortseingang Grendelbruch liegt linkerhand der Friedhof. Ihr aber fahrt rechts in das Quartier du Guirbaden. Rechts an einem Mast seht ihr schon das Wanderweg-Symbol: Ein liegendes Rechteck, rot-weiß-rot. Am Ende der Straße liegen linkerhand Parkplätze. Parkt das Auto und geht weiter geradeaus durch einen Schlagbaum hindurch, auf dem ebenfalls obiges Wanderweg-Symbol zu sehen ist.

Jetzt geht es für ca. 50 Minuten geradeaus (Der Weg ist super gut ausgeschildert). Dann macht der Weg eine Linkskurve. Dieser folgt ihr NICHT. Stattdessen geht ihr immer geradeaus. Haltet euch also rechts. Und da ist auch direkt wieder das Symbol. Der Weg wird jetzt schmaler, uriger, schlängelt sich aufwärts zur Burg. Nach deren Besichtigung geht ihr denselben Weg wieder zurück bis zum Ausgangspunkt. Wetten, dass ihr jetzt Hunger habt! Oder gehört ihr etwa zu jenen Unverdrossenen, die auf dem ebenfalls hier verlaufenden Chemin des Châteaux-Forts d´Alsace von Burg zu Burg wandern möchten? Sei´s drum, essen müsst ihr trotzdem.

Lasst´s euch gutgehn!

Stina Advent

La Houba – Der Cocktail, der aus den Vogesen kam

La Hoube Cocktail La Houba

Ich geb es zu: Ich bin eine alte Cocktail-Schlürferin. Zu hohen Fest- und Feiertagen genehmige ich mir ein Mixgetränk. Mit oder ohne Alkohol – Hauptsache, es schmeckt. Mag sein, dass der Wohnzimmerschrank meiner Eltern mich entsprechend faszinierte, in dem es tatsächlich eine Minibar gab. Als Kind fand ich natürlich eher die kleinen Gabeln in der dazugehörigen Schublade interessant, mit denen sich z.B. Cocktailkirschen vortrefflich aufspießen ließen, und mit deren Hilfe man immer wieder sein Glas fand. An ihrem Ende befand sich eine schwarze Katze, ein Kleeblatt oder ein Herz. Im Einsatz habe ich sie allerdings kaum gesehen. Allenfalls wurde der Eiskühler für Martini Bianco oder Rosso gebraucht. Ein Spiegel an der Rückwand sowie eine kleine Lampe, die man an einer Schnur an- und ausknipsen konnte, machten aus dem kleinen Gefach einen geheimnisvollen Ort. Ich weiß noch, dass ich mir gerne die bunten, verschnörkelten Etiketten auf den Flaschen ansah. Gleich nebenan wurden die alten Rommé-Karten mit den garstigen Jokern aufbewahrt, mit denen wir ebenfalls zu hohen Festtagen bis tief in die Nacht spielten, wahlweise Knabbergebäck oder Weihnachtsplätzchen naschten. Später wurde der dunkle Mahagonischrank (seiner Zeit der letzte Schrei) durch eine helle Schrankwand im Wohnzimmer ergänzt. Auch hier gab es Schubladen, mit dunkelgrünem Filz ausgelegt, damit sowohl Untersetzer als auch Korkenzieher nicht das Furnier verkratzten. Natürlich auch eine Leuchte, die sich wundersam in den Gläsern spiegelte. Kam Besuch, wurde die Schranktür nach unten geklappt und ein Likörchen ausgeschenkt.

La Hoube Cocktail

Mag auch sein, dass ich noch immer inspiriert werde, wenn ich die eleganten Hausbars in Filmen aus den Fünfzigern oder Sechzigern sehe. Drei Männer im Schnee, die Zürcher Verlobung, Dashiell Hammetts Der dünne Mann. Die Herren im Anzug, die Damen im Petticoat oder eleganten Kostüm. Gut, auch eine Steghose mit Norwegerpullover wäre nicht schlecht. Doch, meinem Traum von einer gelungenen – ich sage wirklich GELUNGENEN – Silvester-Party kommen diese Szenarien tatsächlich nahe. Bin da etwas altmodisch. Und das Frauenbild dieser Zeit, – na, da möchte man ja gar nicht drüber reden. Schauderhaft. Da musste meine Generation noch ganz schön was ausbaden.

Und noch eins: Schluckspechte, die alles in sich kippen, finde ich einfach nur eklig. Aber: Einen Cocktail ab und an, mit einer grünen Olive, halte ich für edel und festlich. Gerade, dass es nicht zur Gewohnheit wird, macht es so fein. Habe mir sogar ein kleines Mix-Set geleistet, inklusive Rezepten. Mein Lieblings-Cocktail in diesem Büchlein ist ein alkoholfreier mit hellem Traubensaft. Doch hier komm zunächst einer, der es in sich hat, vielleicht weil er aus den tiefen Vogesenwäldern stammt. Sehe Kaminfeuer vor mir, man klopft sich den Schnee von den Schultern, wirft die Mützen hinter sich  – und da ist es schon: Das Tablett mit La Houba – der feurigen Schönheit aus den Bergen. Kreiert von meinem Mann. Benannt nach einem kleinen, mystischen Bergdorf mit Blick auf den Felsen von Dabo. Nicht geschüttelt, nicht gerührt.

Also: Einfach nacheinander in ein Glas tun, Zitrone an den Rand, Pfefferminzblatt schwimmen lassen und genießen. Und grämt euch nicht, dass die Bestandteile nicht aus den Vogesen stammen. Hauptsache, sie passen hierher! Wer nicht soviel Wodka möchte, tut einfach die Hälfte rein. Es geht ja in erster Linie um den Geschmack, oder?

Stina Advent

Wohin im Sommer? Nach Gondrexange!

Gondrexange canal kanal

Wie aus Eimern hat es letzte Nacht geschüttet. Sturm ist eine Untertreibung für das, was da gegen Türen und Fenster drückte. Wandern in den Vogesen? Fehlanzeige. Schließlich möchte man nicht wie Ödön von Horváth, seines Zeichens Dichter, von einem herabfallenden Ast erschlagen werden. Zumal auf den Champs Elysées. Was man sich nicht alles aus seinem Studium der Literaturwissenschaften behält! Oder eher: Wie wenig! Irgendwie scheint sich mir dieses, im Fluss der Weltliteratur doch eher marginale Ereignis eingebrannt zu haben. Wann immer der Wind ins Geäst fährt, denke ich: Ödön von Horvárth! Nicht: Kloppstock! Kleiner Germanistenwitz am Rande und Rätselnuss für alle, die immer mal Goethes Werther lesen wollten.

Wir fahren also ins Flachland. Juchhe! Dahin, wo es weite grüne Ebenen, schwarz-weiße Boardercollies und jede Menge Schafe gibt. Wo sich malerisch – bereits umgestürzte Eichen – in der Landschaft fläzen, ihr morsches Geäst gen Himmel strecken. Mitten im Parc Naturel Regional de Lorraine des Grand Est liegt Gondrexange. Etwa 10 km von Sarrebourg erstreckt sich die lothringische Seenplatte: Le Pays des étangs. Ein Eldorado für Wassersportler, Wanderer und maritime Vögel aller Art. Wir parken vor dem Campingplatz in besagtem Gondrexange, einem Örtchen, das aufgrund der eierschalengelben, lachs- und rosagetünchten Häuser – nicht wenige mit südländischem Schrägdach – selbst an einem 1. März mit sonnigem, fast mediterranem Charme unser Herz erwärmt.

Hauptattraktionen sind der Rhein-Marne-Kanal sowie der ausladende See, dessen älteren, kleineren Teil wir zu umrunden gedenken. Vom Parkplatz aus gehen wir ein paar Meter zurück Richtung Hauptstraße, überqueren die Kanalbrücke und biegen dann rechts auf den prima asphaltierten Treidelpfad ab. Immer geradeaus, dem Kanal folgend, vorbei an kleinen Teichen, auf denen gemütlich mancherlei Seevögel paddeln. Schwäne fliegen malerisch über uns hinweg. Schließlich überqueren wir eine grüne Eisen-Brücke. Ca. 150 m weiter klettern wir rechterhand einen kleinen Abhang (1 m) hinauf und folgen dem Pfad durch lichte Buchenwälder, vorbei an sattgrünen Wiesen – Dänemark lässt grüßen.

Ja, es ist matschig. Aber wen stört das, wenn der Liebste Sandwiches und einen verdammt heißen Kräutertee mit Honig aus dem Rucksack zaubert? Zufrieden knabbern wir als krönenden Abschluss unsere mitgebrachten Schokokekse. Am strahlend blauen Himmel segeln weiße Wolken. Ist sie da, hat die Sonne schon richtig Kraft. Zu unseren Füßen sprießen Gänseblümchen, Löwenzahn und strahlend blauer persischer Ehrenpreis. Das ist doch mal ein Frühlingsanfang, wie er im Buche steht! Wie ihr vielleicht wisst, bin ich Enid-Blyton-geprägt. Ja doch, diese altmodische englische Kinderbuchautorin. Ihre Fünf-Freunde sind mir nun mal so ziemlich als erstes literarisches Produkt über den Weg gelaufen. Wie dem Gänschen der Konrad Lorenz. Und so denke ich, wenn ich an Wasser mit Schilf, ausgedehnten Weideflächen mit Schäfchen, und Dörfern mit spitzem Kirchturm vorbeikomme: The famous five, oder einfach fem-böckerna, wie sie auf Schwedisch heißen.

Illustration Gerda Raidt
Wunderbare Illustration von Gerda Raidt aus Enid Blytons „Fünf Freunde meistern jede Gefahr“, Verlag: cbj

Im Hintergrund die blauen Berge, Les Vosges. Wenn das nicht nach Geheimnis riecht! Hier wäre ich auch gerne mit besten Freunden plus Fahrrad entlanggeradelt, hätte Unlauteres aufgespürt um mich abends an Tee und Käsebroten gütlich zu tun! In Sicherheit, bei Mama! Kinderdetektivische Ermittlungsarbeit also, bevorzugt ohne näheren Verbrecherkontakt mit einhergehender Gehirnerschütterung. Wir erinnern uns? Ödön von Horváth…?

Die Landschaft strahlt Weite, Gelassenheit aus. Unser Schritt entschleunigt sich. Es gluckert und plätschert allenthalben. Im April, Mai werden kleine Entenküken auf der gekräuselten Wasserfläche erste Ausflüge wagen. Die Teiche wurden übrigens im Mittelalter von Mönchen zur Fischzucht angelegt. Wären wir, anstatt abzubiegen, geradeaus gegangen, hätten wir den Port du Houillon, seines Zeichens ein Hafen für Freizeitkapitäne, einen sogenannten Port de Plaisance, erreicht, an dem im Sommer rund um die kleine Restauration, den Boots- (ohne Führerschein!) und Fahrradverleih (elektrisch!) munteres Treiben herrscht. Er liegt übrigens am wunderschönen Canal des Houillères de la Sarre, dem Saar-Kohle-Kanal, der ab 1866 zum Transport von Steinkohle diente.

Nach ca. einem Kilometer ebenen Geländes gelangen wir an unseren Ausgangspunkt zurück, den Campingplatz. Mit hauseigenem Plage, auf dem ein einsames quietschgelbes Schippchen liegt. Doch der nächste Sommer kommt bestimmt. Dann werden hier wieder Kinder spielen und ihre neuen Schwimmflügel testen. Es wird nach Eis- und Sonnencreme duften. Vielleicht sogar nach Kokos. Jemand wird eine Zigarette rauchen und der Rauch zu uns herüberwehn, von irgendwoher dudelt ein Radio. Auch das gehört dazu. Jedenfalls zählt Camping-Urlaub zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Aufbleiben, bis man vor Müdigkeit auf die Liege kippt. Füße erwursteln sich angenehme Positionen in einem Schlafsack, der immer zu kurz scheint. Draußen am Wäscheseil hängen die nassen Badesachen zum Trocknen. Dumm, dass es heute Nacht regnen wird. Jeden Morgen mit Luftmatratze und Schwimmtier an den Strand. Abends Würstchen vom Grill und Kartoffelsalat. Nudelsalat kam später. Wann ist noch mal die Disco im Dorfgasthof?

Wieso eigentlich muss der Nachwuchs von frühster Jugend an auf Fernreise? Nachhaltiger, oft kreativer kann doch ein Aufenthalt in der Nähe sein. Vielleicht nicht mehr, wenn die Kleinen von überspannten Resort-Animateuren bereits auf Hochleistungs-Freizeitler getrimmt worden sind. Kommt auf die Déformation touristique der Eltern an. Diese Reiseziele im lothringischen Naturpark klingen doch auch gut: Tarquimpol, Rhodes, Langatte. Ersteres ist zudem ein Hort mystischer Erzählungen und eine Fundgrube für Archeologen. Wer möchte nicht der Sage von den Mönchen lauschen, die im Étang de Lindre leben? Maritimes liegt so nah! Brauche eine Kapitänsmütze!

Was kann man hier also für einen gelungenen Urlaub tun? Wandern, Kanu, Barke und Tretboot fahren, zelten, Würstchen braten, eine urige Kota mit rot-weiß-karierten Gardinen mieten, Rad fahren, Vögel beobachten, fischen, schwimmen, sich zum ersten Mal verlieben, Wölkchen zählen, windsurfen, sich nochmal ineinander verlieben, einen Ausflug in die Vogesen unternehmen, Krimis lesen, Boule spielen, Pastis trinken, Tennis spielen, an einem Strohhalm kauen, nichts…

Das Restaurant de la Plage, ehedem übrigens ein sehr gutes, dabei preisgünstiges, hat leider dauerhaft geschlossen. Manno! Der Kota-Grill öffnet wohl erst mit Beginn der Kota-Vermietung. Die Bäckerei L´Ami du pain wird hochgelobt, glänzt mit Spezial(!)-Brot und süßen wie herzhaften Teilchen, öffnet aber erst im März. Wer schon jetzt Hunger hat: Chez Petit Jean im vier Kilometer entfernten Héming macht einen soliden Eindruck. Lasst euch von der dortigen Zementfabrik nicht abschrecken. Denkt Camelot, wehrhafte Burg. Die Leute müssen ja irgendwo ihre Flûtes verdienen. Denkt Moules Frites. Im Seengebiet – früher beliebte Sommerfrische für stressgeplagte Saarbrücker – besitzt jedes Dorf sein kleines Café-Restaurant, wenn nicht sogar einen Gourmet-Tempel.

Ach ja: Hunde sind am Strand leider nicht erlaubt. Dann wandern wir eben mit Nuri und tauchen unsere Zehen woanders in den See.

Übrigens führt der berühmte Fahrradweg EuroVelo 5 über die Treidelpfade des altehrwürdigen Saarkohle- sowie des Rhein-Marne-Kanals. Für eine mehrtägige Tour könntet ihr also in der Keramikstadt Sarreguemines einsteigen um dann durch das pittoreske Saartal über das Krumme Elsass den Parc naturel de Lorraine zu durchcruisen, bis bei Gondrexange der Canal de la Sarre mit dem Canal de la Marne au Rhin zusammenfließt.

Highlights in der Umgebung: St. Quirin, eins der schönsten Dörfer Frankreichs, zudem ein alter Pilgerort mit herzallerliebsten Kanälchen. Sieben Sakralbauten, Les sept roses genannt, zeugen von der bewegten Vergangenheit des Dorfes, lassen sich auf dem gleichnamigen Circuit erwandern. Rundherum gibt es weitere Wanderstrecken, auf denen sich Gallo-Romanisches entdecken lässt. Essen kann man etwas teurer im Restaurant du Prieuré und auch wohnen. Reservierung nicht vergessen!

Abreschviller steht ganz im Zeichen des Waldes. Nach einer ruckelig-romantischen Tour mit dem Train forestier, einer dampfgetriebenen Waldeisenbahn, durch das Tal der Roten Saar, könnt ihr hier formidabel, ebenfalls mit Vorreservierung, in der Auberge de la Forêt speisen. Wenn ihr den – ziemlich authentischen – Indianerangriff, mit dem Einheimische in den Sommermonaten Touristen erschrecken, überlebt… Die Fahrt in der liebevoll gestalteten Museumsbahn macht großen wie kleinen Kindern Spaß. Wissbegierige lernen bei einem Film, was die Eisenbahn hier früher so transportierte. Zwei große Kioske mit Sitzgelegenheit sind angeschlossen. Kauft euch ein Eis, zieht die Badesachen an und kühlt euch im Weiher um die Ecke ab. Abreschviller selbst ist übrigens ein hübscher Ort mit einer wunderbaren Gîte. Es gibt mehrere Wohneinheiten, auch für größere Gruppen. Bei schönem Wetter kann man im Garten einem munteren Bächlein lauschen. Wohnen und sehr gut essen könnt ihr auch im Hôtel du Charme Les Cigognes. Bei schlechtem Wetter reizt ein Innenpool.

Super Tipps rund um die Region findet ihr hier.

Warum also in die Ferne schweifen? Besucht mich auch auf Pinterest!

Entenbildchen, Layout-Elemente von Canva, zusammengebastelt von mir. Alle anderen Fotos in diesem Beitrag von Stina. Beitragsbild von Stefan Strauß.

Schönen Urlaub wünscht euch

Stina

Kleine Notiz vom sturmumtosten Struth

Krokus vogesen
Struth Nordvogesen vosges du nord

Der Wind bläst kräftig an diesem Freitagnachmittag Anfang Februar. Mit einem kleinen Spaziergang ins Wochenende starten, das wollten wir. Zufällig passierten wir Struth, ganz in der Nähe des elsässischen Vorzeige-Örtchen La Petite Pierre, der kleine Stein. Struth also. Gerade mal 251 Einwohner. Und dennoch ein ganz besonderes Dorf. In zweierlei Hinsicht: Hier gibt es eine Synagoge sowie einen Garten der Steine. Angelegt von Monsieur Pierre Richard – nein, nicht dem Pierre Richard. Eine ganze Menge Steine also, und damit scheinen bei Weitem nicht alle Geheimnisse des Dorfes gelüftet zu sein.

Wuthering Heights. Die Frisur hält nicht. Wir beschließen noch ein wenig durchs Dorf zu bummeln. Beschaulich, unaufdringlich liegt es in der noch zögerlichen Februarsonne. Und recht eben. Ideal zum Fahrradfahren. Könnte auch in Norddeutschland liegen. Der Birnbaum des Herrn von Ribbeck kommt mir unweigerlich in den Sinn. Doch der ist derzeit noch kahl. Stattdessen haben sich die ersten Frühlingsblüher ans Licht gewagt: Winterlinge, Schneeglöckchen, Krokusse. Auch die Häuser und Gärten sind herausgeputzt. Windpiele in den Bäumen, fantasievoll geschmückte Blumenkästen vor den Fenstern, Gartenplastiken in Rostoptik. Man hat den Eindruck durch ein Künstlerdorf zu gehen. Worpswede lässt grüßen. Inzwischen sausen uns die Ohren. Nein, leider, ein Café finden wir hier nicht. Wir beschließen nach Hause zu fahren.

Zuhause, bei einer heißen Tasse Earl Grey und selbstgebackenem Birnen-, nein, Apfelkuchen, finde ich heraus, dass wir an dem ein oder anderen Kleinod vorbeigeweht sind. Allein die kleine Synagoge samt altehrwürdigem Friedhof sind Grund genug also einmal wiederzukommen. Vom siebzehnten Jahrhundert an lebten hier jüdische Familien in friedlicher Eintracht mit – sage und schreibe – vier anderen Religionen. Neben der kleinen neoromanischen Synagoge gab es eine jüdische Schule, heute die Mairie, sowie ein rituelles Bad. Etwas von der Weltoffenheit Struths scheint auch heute noch den Ort zu durchwehen. Doch auch hier mordeten und deportierten die Nazis, machten vielfältiger Kultur ein grausames Ende. Eine Mahnung an uns alle: Wir sollten solchen menschenverachtenden Banden keinesfalls wieder Raum in Deutschland und Europa gewähren. Wir haben die Wahl…

Die Region wirbt übrigens mit dem Slogan „L´océan c´est la fôret“ dafür in die wunderbaren Vogesenwälder abzutauchen. Wer das freundliche Ländle im Département Bas-Rhin erkunden möchte, findet eine übersichtliche Schautafel im Ort. Und dann ist da noch der Jardin de Pierre. Frankreichkenner Gerd Heger, vom Saarländischen Rundfunk, hat einen ausführlichen und schönen Artikel über diese kleine Oase der Ruhe geschrieben. Konnte allerdings nicht in Erfahrung bringen, ob der Garten im englischen Stil noch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Aber es gibt eine Telefonnummer. Gleiches gilt für die Synagoge. Mehr über sehenswerte Gärten im Elsass erfahrt ihr auch hier.

Übernachten kann man in dieser Ferienwohnung. Leider habe ich kein Gasthaus entdeckt. Aber im Umland gibt es reichlich. Mit dieser kleinen Notiz möchte ich euch lediglich inspirieren einmal absteits der Pfade zu wandeln. Die kleinen Struths rechts und links des Wegs zu entdecken. Haltet die Augen offen. Braust nicht einfach so durch.

Und hier noch ein paar Frühlingsgrüße aus meinem Vogesen-Garten. Wenn ich an einem Samstagmorgen durch das leise sprießende Grün spaziere, geht mir das Herz auf. Ein paar freche Blaumeisen zwitschern, knabbern schon an den Futterknödeln. Hie und da lugen schüchtern ein paar Krokusse hervor. Die Luft riecht samtig-frisch. Bin – wenn auch nur zeitweise – Landbewohner. Endlich durchatmen!

Schneeglöckchen
„Leise zieht durch mein Gemüt liebliches Geläute…“

Gestern habe ich Veilchen entdeckt! Und die ersten Zugvögel sind auch schon über uns hinweggezogen!

Einen wunderschönen Vorfrühling wünscht euch

Stina

Der Kuhberg ruft

Wanderung Kühberg Vogesen

Im warsten Sinne des Wortes sagenhaft: Das sind die Vogesen. An einem milden, sonnigen Weihnachtstag ein wunderbares Naturerlebnis. Die kleine Wanderung, vorbei an imposanten Felsformationen aus rosa Sandstein, den Grès roses des Vosges, hin zu einem mystischen Aussichtspunkt lässt uns innehalten im oftmals rauen Lauf der Gezeiten. Wenn ihr schwindelfrei seid, nehmt eine Flasche Crémant mit, Käse samt Baguette, und genießt den Augenblick. Auch Wandermuffel kommen hier auf ihre Kosten.

Kuhberg vosges vogesen
Ohne Moos nix los!

Also dann: Wanderung zum Aussichtspunkt Kuhbergkopf / Rocher du Kuhberg

Ca. 5 km Rundweg, La Hoube – Kuhbergkopf – La Hoube, ca. 1,5-2 Stunden. Leichte Steigung am Anfang, leichter Abstieg in der Mitte. Schwierigkeitsgrad: Mittel.

Ihr startet hinter dem Ortsausgang La Hoube, Richtung Hellert (D 98 D), an den Recycling-Containern. Dahinter, rechter Hand den schmalen Weg aufwärts und in den Wald hineingehen. Der Wanderweg ist mit einem roten Dreieck markiert (s.o.). Er verläuft Richtung Kempel m f / maison forestière, aber so weit gehen wir nicht. Nach etwa 10 Minuten erreicht ihr linker Hand eine imposante Felsgruppe. Ein Stückchen weiter seht ihr ein erstes Hinweisschild „Point de vue“. Macht einen kleinen Abstecher, kommt wieder zurück auf den Weg (Die Alternative wäre ein Satz Flügel!).

Geht etwa 10 Minuten bis zum nächsten Point-de-vue-Schild: Ein kleiner Abstecher nach links, und ihr steht auf dem Kühberg- oder Kuhbergkopf, einem Aussichtsplateau 595 m über dem Meeresspiegel. Zum gepflegten Sitzen unweit des Abgrunds gibt es eine Holzbank. Die Aussicht ist unglaublich: Vor euch liegen die Kämme der Nordvogesen. Links seht ihr den Felsen von Dabo, rechts schaut ihr ins Pays de Sarrebourg. Wald, Wald, Wald, dazwischen leuchtende kleine Weiler. Interessant sind die zahlreichen, in den Fels gegrabenen Becken, in denen sich das Regenwasser sammelt. Ob naturgegeben oder menschengemacht, darüber streiten sich die Gelehrten. Da die geheimnisvollen Vogesen sagen- und mythenumsponnen sind, gibt man gerne der These von einer kultischen Verwendung den Vorzug. In grauer Vorzeit sollen hier sogar drei steinerne, gehörnte Köpfe gewacht haben. Opferstätte? Hexentanzplatz? Heute ist jedenfalls nur noch ein Kreuz zu sehen, das von emsigen Christen in den Stein geritzt wurde.

Dabo Kuhberg

Atmet ein, atmet aus! Nehmt den Geist des Berges in euch auf! Begebt euch wieder auf den Wanderweg mit dem roten Dreieck. Folgt ihm weiter geradeaus. Jetzt kommt ein kleiner Abstieg, den man mit gutem Schuhwerk (und vielleicht einem Wanderstab) sicher bewältigen kann, auch wenn man ungeübt ist. Am Fuß kreuzt ein weiterer Wanderweg. Links geht´s zum Forsthaus Kempel. Ihr aber wendet euch nach links, und geht dann nochmal links um die Kurve. Ihr befindet euch parallel zur Straße nach La Hoube, die ihr jetzt seht und hört. Folgt dem Weg weiter nach La Hoube. An den altbekannten Containern ist die Wanderung zu Ende. Es sei denn, ihr habt jetzt richtig Hunger bekommen, Dann folgt der Rue Belle Vue etwa 1,5 km geradeaus und biegt an der T-Kreuzung links ab. Ihr steht vor dem gutbürgerlichen Restaurant Le Zollstock. Biegt ihr an der Kirche rechts ab und geht geradeaus, findet ihr das Hôtel Restaurant des Vosges, wo ihr ebenfalls landestypisch essen sowie eure müden Glieder ausstrecken könnt. Und wenn ihr unterwegs das Glasmännlein seht, dann grüßt es von mir!

Zweisamer Wanderer

Viel Spaß beim Wandern wünscht euch

Unverhofft kommt oft – ein Hoch auf Mini-Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmarkt Marmoutier

Für den inzwischen populären Weihnachtsmarkt in St. Quirin war Blitzeis angesagt. An einem dunklen, verregneten Sonntag durch noch dunklere Vogesenwälder kurven? Noch war Samstag und das Wetter hielt. Kurzentschlossen fuhren wir nach Marmoutier, einem pittoresken elsässischen Örtchen im Département Bas-Rhin mit romanisch-gotischer Basilika, die jedem Kunstgeschichte-Studierenden dies- und jenseits der Alpen ein Begriff ist. Wir parkten unseren Wagen, merkten erst jetzt, dass wir die Leine für unseren kleinen Dackel vergessen hatten. Er durfte in der warmen Jacke meines Mannes Platz nehmen. Auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt: Keine Menschenseele. Doch, aus einer Haustür wagten sich zwei vermummelte Gestalten mit Hund – und Leine – in die bittere Kälte um Richtung Marktplatz zu streben.

Der Weihnachtsmarkt entpuppte sich als eine Ansammlung von ungefähr 8 festlich beleuchteten Büdchen auf dem Vorplatz der Basilika. Kohlebecken spendeten Wärme. Ach ja, eine kleine, feine Galerie mit Kunstgewerbe hatte ebenfalls geöffnet. So ungefähr stelle ich mir die ersten Events dieser Art vor. Überschaubar. Nachdem ich mich ein Wochenende zuvor über den prunkvollen Straßburger Weihnachtsmarkt geschoben hatte, zusammen mit gefühlt 2 Millionen Kaufrauschigen, war dies, als hätte jemand die Uhr um mindestens hundert Jahre zurückgedreht. Ein Absturz in vorkapitalistische Zeit? Ein Komm-wir-drehen-um? Keineswegs! Denn siehe: „Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch seh´n.

Weihnachtswunder Nr. 1: Der Glühwein war selbst gemacht, duftete nach Gewürzen und beinhaltete irgendeinen stimmungsaufhellenden Schnaps. Ob er denn schmecke, wurden wir gefragt, ob noch etwas fehle. Nein, alles super! Welch Wohltat nach Warteschlangen an Straßburger Glühwein-Ständen mit Undefinierbarem! Alles, damit einem beim Umdrehen der nächstbeste Passant im Weihnachtstaumel das sauer erkämpfte Heiß-Getränk aus der Hand schlägt.

Weihnachtswunder Nr. 2: Wir verweilten auf einer Bank sitzend, mit viel Bewegungsfreiheit an unserem Gewürzwein nippend. Auf den dazugehörigen Tisch hatte uns das Christkind eine Leine gelegt – in Gestalt eines kaputten Expanders. Ja, sowas… Danke!

Weihnachtswunder Nr. 3: Eine freundliche junge Dame nebst freundlichem Herrn tauchte auf. Die beiden berichteten überraschend, dass sie von hier stammten, er preisverdächtige Kaninchen züchte, es in Obersteigen eine ebenfalls freundliche Dame gäbe, die Interessantes über die dortige Klosterkapelle zu erzählen wisse, dass außerdem demnächst ein Konzert in der Basilika von Marmoutier stattfinde, bei dem die junge Dame mitsinge. Am 06. Januar 2020. Näheres folgt. Habe bisher noch nichts im Netz gefunden. Wenn ich´s mir recht überlege, könnte es sich bei den beiden um Nikolaus samt Christkind gehandelt haben…

Craftiges Bier

Weihnachtswunder Nr. 4: Crafts-Biere sind in. Dass wir hier eine exzellente Auswahl finden würden, gebraut von zwei „Brewer-Girls“ mit Geschmack, Sachverstand, Umweltbewusstsein und definitivem Hang zum Natürlichen… Wer hätte das gedacht? Mein Mann probierte ein fruchtiges, helles Erzeugnis der Brasserie Bat. Hätte gerne das Weihnachtsbock gekostet, aber einer muss ja fahren. Im nächsten Jahr werde wir die beiden in ihrer Brauerei zwecks Interviews besuchen und Genaueres probieren… äh berichten. Man beachte das Wortspiel: pro-bieren! Etymologisch wäre jetzt auch das geklärt.

Weihnachtswunder Nr. 5: Fand genau den richtigen Adventskranz für uns! Ein bisschen kitschig, irgendwie psychodelic, sehr französisch und vor allem selbstgemacht.

Merke: Auf Mini-Weihnachtsmärkten findest du Selbstgebasteltes, solides Handwerk, Gebäck, heimelige Beleuchtung, super alkoholische Getränke, Leinen, keine Hektik, kein Weihnachts-Pop-Gedudel, jedoch freundliche Menschen mit Ideen. Und das macht Weihnachten doch aus, oder? Nicht umsonst heißt es schließlich: „Morgen Kinder wird´s was geben!“. Was das sein wird? Wer weiß das schon so genau.

Weitere Weihnachtswunder findet ihr hier!

Liebe Grüße

Eure Stina