Vom Donon über Plombières-les-Bains nach Gérardmer und zurück

Abseits ausgetretener Pfade die blauen Berge zu erleben, das wollten wir. Folgt uns auf eine wunderbare 2Tages-Reise von den Nordvogesen in die Südvogesen und retour!

September. Kaiserwetter: Stahlblauer Himmel, leuchtendes Gelb, flammendes Orange. Mit Hund und Kegel starten wir unsere Vogesentour von La Hoube im lothringischen Teil der Nordvogesen aus. Möglichst kleine Straßen wollen wir befahren, Autobahnen vermeiden. Allez hop, los geht´s auf die serpentinenreiche Piste Richtung Donon. In Abreschwiller empfängt uns der heimelige Duft des Herbstes. Holzfeuer, nachtfeuchtes Laub: Erinnerungen an die Zeit, in der ich mit meiner Mutter im hinteren Teil unseres Gartens, gleich bei den Himbeeren, Feuerchen entfacht habe um in der Glut Kartoffeln zu garen. Wir passieren St. Quirin, eines der schönsten Dörfer Frankreichs, wo das Café des Vosges, natürlich in der Rue du Général de Gaulle, kundenfein gemacht wird. Es duftet nach frischgebrühtem Kaffee, knusprigen Croissants, aber wir schrauben uns auf gewundenen Straßen, über Haarnadelkurven weiter in die Vogesen hinein. Kühe, Schafe, hippe Highland-Rinder, schattige Weiler mit pickenden Hühnern. In dem hübschen Bergdörfchen Raon-sur-Plaine erstehen wir endlich ein paar ofenfrische Croissants samt einer delikaten Quiche Lorraine. Der farbenfroh aufgepeppte, entzückende kleine Ort eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Wanderungen mit herrlichen Aussichten rund um den Donon. Wer die ruhige Bergatmosphäre genießen möchte, kann im Hôtel Restaurant de la Poste, natürlich in der Rue du Donon, logieren oder sich ein Ferienhäuschen bzw. eine Wohnung mieten.

Schautafel am Lac de la Plaine

Raon-sur-Plaine mit ungefähr 146 Einwohnern liegt im Plaine-Tal, 430 Meter ü.M. Es ist die nördlichste Gemeinde des Départements Vosges, Arrondissement Saint-Dié-des-Vosges. Drum herum liegt das Département Bas-Rhin. Nur drei Kilometer weiter erhebt sich der sagenumwobene, 1008 Meter hohe Donon, der höchste Berg der Nordvogesen. Einen Artikel zu einer Wanderung auf den Donon mit seiner gallo-romanischen Geschichte findet ihr hier.

 In-Celles-sur-Plaine, Grand Est, Departement Meurthe-et-Moselle steuern wir die Base nautique an. Mit Campingplatz, Kiosk, Minigolf, Restaurants und kleinen Holzhäusern direkt am See, die man mieten kann, ein richtiges Freizeit-Eldorado. Leider nur bis Ende August könnt ihr mit Tretbooten oder Kanus den Lac de la Plaine erkunden, der sich in unmittelbarer Nähe zum weitaus größeren Lac de Pierre Percée befindet, jedoch mit einem wunderbaren Mittelgebirgspanorama punktet. Wer möchte, kann die Seen auf einer Voie verte umradeln. Siebziger Jahre-Feeling kommt auf, als wir unseren Gaskocher auspacken um an einem der vielen Picknickplätze frischen Espresso zu kochen und unsere lothringischen Köstlichkeiten zu verzehren. Im Wasser dümpeln Enten, Schwäne ziehen ihre Kreise, auf Molen hocken merkwürdige schwarze Vögel mit langen Hälsen, die ihre Flügel zum Trocknen ausstrecken. Celles-sur-Plaine selbst ist eine wunderliche Mischung aus Bergdorf, See-Idylle und Holzindustrie mit einem Händchen für Sommerfrische.

Simplement nature: Mitten in der Natur erfährt man Wisssenswertes über Aroma-Pflanzen, medizinische Heilkräuter und andere Naturprodukte. Außerdem werden Verkostungen und Ausstellungen geboten. Gruppenreisende können hier eine Gîte mieten.

La Hallière: Anfang des 19. Jahrhunderts erbautes hydraulisches Sägewerk.

Edelstein- und Mineralienfans kommen in dieser Region ebenfalls auf ihre Kosten. Die urigen Läden mitten in der Pampa lohnen einen Stopp.

Auf gewundenen Straßen erreichen wir um die Mittagszeit Épinal, denn hier wollen wir die Cité de l´Image bestehend aus Bilderbogen-Museum samt Druckerei besuchen.

Épinal Vosges Vogesen
Erstmal einen Kaffee…

Seit drei Jahrhunderten widmet sich die Cité de l´Image dem Druckereigewerbe. Und so präsentiert das Museum eine außergewöhnliche Sammlung typischer, farbiger Bilderbögen mit nostalgischem Charme, aktualisiert durch zeitgenössische Kunstwerke, die sich mit der langen Tradition dieser volkstümlichen Druckerzeugnisse auseinandersetzen, sie überraschend neu interpretieren. Temporäre Ausstellungen machen den Besuch der Cité zu einem kurzweiligen, zuweilen auch gruseligen Vergnügen.

Im historischen Zentrum der Hauptstadt des Département Vosges, das von der mächtigen Basilika St. Maurice aus dem 11. Jahrhundert, einer mittelalterlichen Festung nebst Englischem Park sowie der Mosel dominiert wird, stärken wir uns mit einem Kaffee. Schläfrig liegt Epinal an diesem Mittag da. Shoppen ist nicht, denn die Geschäfte haben Mittagspause. Selbst die Markthalle döst im Ruhemodus. Gleich gegenüber des Cafés mache ich mich im Office du Tourisme schlau, denn ich bin ein Touristenbüro-Nerd, liebe diese bunte Flut an Information, die mich Neues, Niegesehenes entdecken lässt. Mit dem Auto sind es ca. 5 Minuten zur Cité. Parken können wir kostenlos. Für sechs Euro pro Person tauchen wir ein ins Universum der Bilderbögen, einer Frühform des Comics, wie mir scheint. Kurioses wechselt sich mit Historischem ab. Ist manchmal auch dasselbe. Die temporäre Ausstellung zur – oft leidvollen – Geschichte des Wolfes ist nichts für schwache Nerven. Unser eigener kleiner Wolf, der bislang brav in seiner Hundetasche ausgeharrt hatte, stimmt in das (dezente) Geheul aus den Lautsprechern ein. Zeit zu gehen, bevor das Ganze infernalisch wird, denn Nuri hat ein recht durchdringendes Geläut. Im angeschlossenen Museumsshop finden wir ein schönes Plakat, das meinen Mann an seine Zeit als Druckvorlagenhersteller erinnert. Muss ein schöner Beruf gewesen sein, was er so erzählt. Das Affiche wird in unserem Wohnzimmer einen Ehrenplatz erhalten.

Weitere kulturelle Épinal-Highlights findet ihr hier.

So viel Buntes auf die Augen macht hungrig und müde. Wir stärken uns mit einem Baguette aus einer bretonischen Bäckerei. Man weiß ja nicht, wann genau wir unser Abendessen bekommen werden, denn wir haben eine Spezialvariante französicher Gastlichkeit mit, ja, Abendmahl gebucht. Gespannt steuern wir unser Chambre d´hôtes, Le Prieuré, das Priorat, in Aydoilles an. Die Landschaft verändert sich, sanfter schwingen sich die Berghänge ins Tal hinab. Ein wenig Spielzeugeisenbahn-Flair. Im Herzen des kleinen Dorfes mit dem komplizierten Namen könnt ihr mit Charme und Authentizität logieren. Die ältesten Teile des kleinen Klosters datieren aus dem 15. Jahrhundert. Der eindrucksvolle Empfangsraum mit riesigem Kamin versetzt in eine andere Zeit. Würde mich nicht wundern in diesem dickwandigen Gewölbe einem Abt oder Ritter zu begegnen. Im Winter prasselt hier sicher ein wärmendes Feuer. Der Hausherr, distinguiert–freundlich, erscheint. Wir sinken auf ein rotes Sofa, harren der Dinge, die da kommen mögen. Ein ausgestopfter Dachs leistet uns Gesellschaft. So wie eine Madonna in blau erleuchteter Nische, die über das Gästebuch wacht. Ein neu eintretender Gast hält uns für die Besitzer. Wohl, weil wir so dahingestreckt in den Polstern ruhen. Nein, nein, wehren wir ab, wir sind auch nur Gäste. Da erscheint auch schon erneut Monsieur, der wahre Patron, bittet uns ihm zu folgen. Über eine ausgetretene Steintreppe, ein dämmriges Zimmer passierend – Wilder Wein rankt üppig vor den Sprossenfenstern – geht’s in unsere Herberge für eine Nacht. Alles da, auch ein anachronistischer Fernseher. Dezent verteilt finden wir durchaus dekorative Attribute des Christentums: ein altes Gebetbuch, Heiligenbildchen, wie auch meine Oma sie hatte und zur Erbauung gerne verstreute. Das Badezimmer ist modern und dreimal so groß wie unseres zuhause. Wie in Frankreich üblich sind Laken und Bettdecke so stramm unter die Matratze gezogen, dass man erst mal tüchtig mit den Füßen strampeln muss um sich den nötigen Freiraum zu erkämpfen. Für ein erholsames Nickerchen sinke ich in ein dickes, weiches Kopfkissen…

Vor dem Abendessen ergehen wir uns im weitläufigen Garten nebst Tennisplatz. Wahnsinnig viele Vögel sind im dichten Grün unterwegs. Ja, auch singende Nachtvögel gäbe es hier, versichert uns der Hausherr stolz. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Eine Dame ruft uns à table. Da ist auch wieder der andere Gast, ein junger Herr aus Lyon. Auf Geschäftsreise. Der Traum jeder Schwiegermutter. Gespeist wird mit Monsieur und Equipe, einfach aber schmackhaft. Highlight ist das leckere, hausgemachte Brot. Auf ebenfalls hausgemachte Desserts folgt eine umfangreiche Käseplatte, welche der Gastgeber eingehend erläutert. Der Rosé stamme aus dem Languedoc. Gutgelaunt entscheide ich: Ein, zwei Gläschen können nichts schaden. Die Unterhaltung verläuft kultiviert, Französisch, Englisch, Deutsch, wie´s gerade passt. Ich erkläre, woher das schwedische skål kommt, rufe damit – wie immer – angenehmes Schaudern hervor. Der Wein dreht mich auf, ich schlafe schlecht. Was aber nicht an der außergewöhnlichen Unterkunft liegt. Höre ich da jemanden seufzen? Schleifen schwere Kutten über den steinernen Boden? Gar Ketten? Meine Phantasie wird durch solch geschichtsträchtige Gemäuer angeregt; ich kann nichts dafür. Hoffe, es war nur der Gesang der Nachtigall, die sich vielleicht verkühlt hat, somit nicht in stimmlicher Höchstform tirillierte.

Beim Frühstück treffen wir ihn wieder, den schon in jungen Jahren weltgewandten Herrn aus Lyon nebst einem Paar aus Belgien. Alle bestens ausgeruht und frisch wie der junge Tag. Reisetipps werden ausgetauscht, Bonne route gewünscht. Man wird sich wohl nicht wiedersehn, aber interessant war´s trotzdem, obwohl ich ja so meine Small-Talk-Bedenken hatte. Alter Schwede!

Prieuré Aydoilles Épinal
Dachs, pass auf…

Heute bin ich dran mit den Ideen für´s Sich-treiben-Lassen. Nicht schlecht, nach gerademal drei, vier Stunden Schlaf. Mein Mann gibt mit den Reiseerlebnissen vom Vortag an. Das soll ich erst mal toppen! Nun denn: Die Landschaft hinter Epinal ist nicht spektakulär, mutet eher wie ein großer, zusammenhängender Garten an. Aber ein schöner. Eine verflixte Umleitung, die uns immer wieder in dasselbe Dörfchen lenkt, bringt mir Punktabzug. Obwohl ich es liebe über klitzekleine Sträßchen zu kutschieren, möchte ich hier nicht mein restliches Leben verbringen. Mein Mann wird ungeduldig (Punktabzug!). Und so rauschen wir – Umleitung hin oder her – einem beherzten Einheimischen durch die gesperrte Straße hinterher, Richtung Belfort. Ich wühle in den Tourismusbroschüren. Wo seid ihr, ihr besonderen, niegesehenen Highlights? Erspähe ein kleines Schild. Die Eingebung. „Lass uns nach Plombieres-les-Bains abbiegen!“, meine ich betont beiläufig, „Da soll es einen terrassierten Garten geben.“ Eine lange Promenade erstreckt sich rechts und links der Hauptstraße, ziemlich bald links geht es zu den Jardins en terrasses.  Joj!, da hat sich jemand verwirklicht. Ein Hort der Phantasie, voll mit Gewürz- und Zierpflanzen, mit (Binsen-)Weisheiten auf kunstvoll arrangierten Täfelchen und Steinen gespickt. Wir kraxeln über relativ planlos erscheinende Wege (so wäre das auch bei mir geworden), steigen auf Steinmäuerchen. Gesamteindruck: Pittoresk. Ein paar (etwas) rauchende Jugendliche lungern im Schatten eines Steinhäuschens, lauschen den Ausführungen einer Dame über naturgemäße Gelee-Herstellung. Hummeln delektieren sich an purpurnen Sonnenhüten, Schmetterlinge tanzen durch die Luft, Vögel schwirren in Bodennähe: Der Garten hat Seele, leitet zudem in schöne, gut gekennzeichnete Wanderwege über, die vielleicht auch mit Kindern respektive mit mir zu bewältigen sind?!?

Wir spazieren wieder ins Tal hinab, unter uns eines der zahlreichen Thermalbäder des lothringischen Teils der südlichen Vogesen: Voilà, Plombières-les-Bains. Die Stadt der tausend Balkone. Eine Kleinstadt mit Charakter. Zu den 100 Plus Beaux Détours de France, den 100 schönsten Umwegen Frankreichs zählend. Bereits vor dem 5. Jahrhundert v. Chr. von den Kelten bevölkert. Und wer anders als die Römer mit ihrer Vorliebe für´s Planschen in warmem Wasser baute hier vor 2000 Jahren die erste Therme? Napoleon III, Kaiserin Josephine, Voltaire und Beaumarchais kurten hier. Verträge wurden im Glanze klassizistischer Architektur unterzeichnet und mit einem Glas Crémant d´Alsace besiegelt.

Doch gemach: Plombieres-les-Bains ist ein Kurort, eine station anti-stress, auf der Routes des Bains mit dem verblichenen Charme der Jahrhundertwende. Umgeben von Vogesenausläufern lockte er selbst die Pariser Hautevolée mit seiner guten Luft und den Anwendungen gegen Rheuma und Frauenleiden. Das Römische Bad und Spa-Zentrum Calodaéd: Das sind noch heute Waldeslust, Vogesenduft, heilendes Quellwasser, Wellness, Wohlbefinden und Schönheitssalons. Das Spa, durch Napoleon III. erbaut, ist ein architektonisches und historisches Juwel, das seinesgleichen sucht. Interessant finde ich die sechstägige Schnupperkur in den noch völlig intakten Anlagen. Weitere Infos (auch in Corona-Zeiten) findet ihr hier.

Plombières_les_Bains Vosges
Kurgäste
Shopping in Plombières
Entspanntes Shopping in Plombières-les-Bains

Und als wäre solche Pracht nicht genug, gibt es zudem einen Miniaturen-Park, eine Gulliver-Welt also mit berühmten französischen Bauwerken, einen Abenteuerpark, Botanische Lehrpfade und hübsche Wanderstrecken. Außerdem finden Musikfestivals statt. Zwar sind die goldenen Zeiten des Kurhauses, das jetzt ein Kino beherbergt, vorbei, doch über den Platz wehen weiterhin klassische Klänge und jene aus den Roaring Twentys. An der Fassade prangen großformatige Fotos aus den Fünfzigern und Sechzigern: Die Großen der französischen Musikgeschichte. Alle sind sie hier aufgetreten. In Petticoat und Perlenkette. In Smoking und gewienerten Lackschuhen. Überhaupt scheint hier eine kleine Stadt erfolgreich dem Bädersterben zu trotzen, indem sie ein wahres Füllhorn an charmanten Ideen über den immer noch zahlreichen Touristen auskippt.

Aus der Blütezeit
Die Renommiermeile in ihrer vollen Blüte

Die verblichene Pracht der Häuser am Ortseingang täuscht. Ihr denkt vielleicht: „Hier müsste mal renoviert werden.“ Ja, stimmt, aber fahrt weiter bis zu dem ersten Platz an der Kirche und trinkt erst mal einen Kaffee in einem der Restaurants. Und dann macht euch auf Richtung Kurhaus, wo sich das Städtchen zusehends „verjüngt“, bis ihr euch in dem charmanten kleinen Zentrum à la Marienbad mit heiterem Flair samt recht kuriosen Läden wiederfindet. Wer sich traut, kann die Altstadt auf dem Rücken eines Pferdes auf sich wirken lassen, geführt von einer Fremdenführerin mit Cowboyhut. Ich sagte doch, es ist kurios.

Plombières les Bains Orangerie

Von der im klassizistischen Pomp gehaltenen Orangerie klingt leises Gläserklirren und Besteckgeklapper herüber. Für 18,50 bekommt man auf der Terrasse oder im schier umwerfenden Speisesaal unter den Blicken gestrenger Damen und Herren aus Gips sowie ausladendem Kristalllüster ein Drei-Gänge-Menü vom Feinsten serviert. Der Service ist aufmerksam, kompetent und äußerst freundlich. Der Herr am Empfang des angeschlossenen Hotels lässt es sich nicht nehmen unseren Dackel zu streicheln. Das ist nett und nicht selbstverständlich. Im Foyer sichte ich einen goldenen Gepäckwagen, Marke Hallo? Hotel Sacher, Portier! Logiert man hier, empfiehlt sich eine wohltuende Wellness-Behandlung. Ein schöner Weihnachtsmarkt im November gehört ebenfalls zum festen Repertoire Plombières. Werde versuchen meinen Mann zu einem eintägigen Kurzurlaub im nahenden Winter in just jenem Etablissement zu überreden. Plombieres-les-Bains ist ja so cool! Yeah!

Hat mir weitaus besser gefallen als Luxeuil-les-Bains, obwohl dieses mit Renaissance-Bauwerken und ebenfalls mit Wellness und Badefreuden wirbt. Wir sind jetzt zwei Tage unterwegs und haben schon so viel Unterschiedliches gesehen. Betrachten wir es als Stippvisite, die Lust auf einen längeren Aufenthalt macht.

Plombières les Bains Centre
Kurbad Plombières les Bains Vosges

Wir haben sozusagen eine Kehrtwendung hingelegt, Richtung La Bresse, befinden uns jetzt in den sagenhaften Hochvogesen mit ihren herrlichen, atemberaubenden Ausblicken. Alpin, nur ohne Schnee. Unser Ziel ist Gérardmer. Die bunten Vogesenhäuschen weichen Chalets aus grauem Stein und Holz. Im mondänen Gérardmer herrscht gediegener Betrieb. Man trifft sich zum Essen, lustwandelt am See. Am nächsten Morgen werden wir per Tretboot den Lac de Gérardmer erkunden, wegen der sengenden Sonne aber nicht mal die halbe Stunde schaffen. Eiii, meine Knie! Oh nein, wir werden älter! Schnell noch ein Geschenk für die Schwiegereltern. Das ist knieschonend und macht Spaß. Als Wäsche-Hauptstadt ist der Kauf einer Tischdecke, eines Nachthemdes oder edler Bettwäsche geradezu ein Muss. Werde den flotten Schlafanzug für die Schwiegermutter in ein knallrotes Geschirrtuch einschlagen, wobei letzteres entschieden sinnlicher ist als ersteres. Sorry, der Schwiegervater geht diesmal leer aus. In doppelter Hinsicht, hi! Aber noch ein Schlafanzug von LinVosges wirkt irgendwie nicht so prickelnd. Für die ebenfalls edlen Tisch-, Bett- und Nachtwäscheprodukte der renommierten Marke Blanc des Vosges fehlt meinem Mann leider der Sinn und die Geduld. Nehme an, er knabbert noch an der Bilderflut von Èpinal. Haben wir das wieder gespart.

Wunderschön: Lac de Gérardmer

Übernachten und hervorragend essen können Shoppingmüde in der Auberge du lac in Xonrupt-Longemer, nur ca. fünf Minuten vom Zentrum Gérardmers entfernt. Die Zimmer des familiengeführten Hotels sind einfach, der Service super. Die hellen, modernen Gasträume mit alpenländischem Charme geben dem Gast, was er sucht: Gemütlichkeit samt Vogesenfeeling. Staubige Kupfergefäße oder jahrhundertealte Strohblumen-Arrangements sucht man hier – Gott sei Dank! – vergebens. Leute mit Hund sind übrigens herzlich willkommen.

Besonders die Nachspeisen sind üppig und extravagant. Selbst eine Kugel selbstgemachtes Mirabellen-Eis mit Sahne kommt so opulent wie inspiriert daher, dass es eine Augenweide ist. Und die „kleine“ Portion Choucroute garnie bzw. Salade Vosgienne packe sogar ich. Bei einem Spaziergang um den Lac de Longemer könnt ihr das reichhaltige Mahl abtrainieren und sogar schwimmen gehen. Außerdem lässt sich Überschüssiges auch bei einer Partie mit dem Tretboot abstrampeln. Jetzt in der Nachsaison wirkt die Freitzeitanlage recht beschaulich. Im Sommer steppt der Bär am Strand mit Eisbüdchen und Waffeln mit Sahne. Im Winter locken weiter oberhalb Skifreuden.

Wir sind wieder on the road. An den Hotspots Col de la Schlucht, Lac Blanc, Lac vert usw. vorbei. Karge Landschaften, Krüppelkiefern, Skilifte, Rodelbahn, wahnsinnige Ausblicke über die Hochvogesen.

Wieder ins Tal. Hinter Saint-Dié-des-Vosges wird die Landschaft wieder interessant, sommerlich, lieblich. Entzückende kleine Weiler mit Namen wie La grande Fosse laden zum Verweilen ein. Die Jardins de Callunes, Gärten der Besenheide, in Ban-de-Sapt werden unser letzter Halt sein. Sie erstrecken sich über 4 ha und sind – laut garteneigenem Flyer – in acht verschiedene Landschaftsbereiche unterteilt:

  •     Der Kiefernhain
  •     Der Heidegarten
  •     Der Staudengarten
  •     Der blumenreiche Graben
  •     Das Tablett
  •     Der kleine Bergsee
  •     Der große Steingarten
  •     Der Steinbruch

Sich zwischen einer Müllkippe und einer Gartenanlage zu entscheiden fiel den Dorfbewohnern nicht schwer. Unter der Regie des Gartenbauarchiteten Jacques Couturieux realisierte die Kommune zwischen 1994 und 1996 in dem verträumten Vogesenörtchen einen Landschaftsgarten für wahre Pflanzenenthusiasten. Auf einer Höhe von 550 Metern. Schon im Jahr der Eröffnung heimste dieser den ersten Preis für Gärten und Parks Lothringens ein.

Hunde sind leider verboten. Ich versuche es trotzdem. Schließlich ist der Dackel ein (Garten-)Zwerg und die Tasche extra für derartige Gelegenheiten konzipiert. Bleibt der Hund auch in der Hundetasche? Sûre? Versprochen. Na dann. Der freundliche Herr erlaubt´s, indem er uns einen Wegeplan in die Hand drückt. Über einem kleinen Gebirgssee summt es, das dazugehörige Bächlein gluckst und gluckert munter vor sich hin. Wilde, zauberhaft gewachsene Eichen gibt es hier, einen Kiefernhain, Rhododendren, Hortensien, einheimische Stauden, Berglorbeer und natürlich Heidekräuter. Ein Garten der Kontemplation, der Ruhe. Bänke laden zum Verweilen ein. Es zwitschert. In der kleinen Restauration kann man Kaffee trinken, im Lädchen gibt´s Nachhaltiges: Vogelhäuschen, Blumenzwiebeln, Pflanzen, Marmelade, Gartendeko im angesagten Rost-Style. Man wirbt um Unterstützung, denn so ein Terrain muss gepflegt werden. Deshalb sind die selbst gezogenen Pflanzen, die verkauft werden, einen Tick teurer, allerdings auch an schwierige Gartenwelten aklimatisiert. Im Frühling kommen wir wieder. Vielleicht zum Rhododendron-Fest. Denn zu Ehren der Pflanzen finden hier auch verschiedene Events statt. Doch nicht nur die Jardins de Callunes sind sehenswert, auch die freundlichen, bunten Dörfchen in der Gegend um das Vallée du Hure sind für all jene, Abgeschiedenheit, Natürlichkeit und Ruhe suchen. Außerdem lockt ein weitverzweigtes Netz von Wanderwegen. Übernachten kann man im Logis Hôtel Restaurant des Roches in Saales oder La ferme de Marion in Ban-de-Sapt bzw. diversen Gîtes.

jardins de callunes Vogesen Saint Dié
In den Jardins de callunes

Über Schirmeck, Niederhaslach, Oberhaslach, Cascade de Nideck fahren wir zurück nach Wangenbourg. Aber das ist eine andere Geschichte. Unser Häuschen steht noch. Der Dackel freut sich, dass er wieder ohne Leine rennen darf. Sind total fertig, bipp und alle. Nächstes Mal nehmen wir uns wenigstens Zeit für ein Mittagsschläfchen. Aber schön war´s trotzdem!

Und das sagt mein Mann, der häufig mit seinem leuchtend gelben Motorrad unterwegs ist: „Normalerweise fahre ich über die D44 den Donon hinauf. Hinter Saint-Quirin lohnt es sich aber die D 993 zu nehmen, die quasi parallel zur normalen Motorradstrecke verläuft, Richtung Turquestein/Blancrupt. So kommt man auf direktem Wege zum Lac de la Plaine und weiter auf landschaftlich schönen Strecken nach Épinal, Plombières-les-Bains. Gérardmer sowie durch die Hochvogesen mit ihren Bergseen.“

Plombières_les_Bains Vogesen Vosges
Holladihiiija

War jedenfalls eine super Idee mal so zu fahren, da dieser Weg abseits der üblichen Touristenströme liegt, jedoch mit herrlichen Landschaften überrascht.

Der darf ja nicht fehlen!

Seht´s euch an!

Eure Stina

Oberleckere Schneewittchen-Torte mit Kirschen und Quark-Sahne-Creme für AngeberInnen

Schneewittchen-Torte snövit-tårta

Dieses einfache Back-Rezept sorgt für Furore im Wichtelwald – Garantiert!

Schneewittchen-Torte snövit-tårta

Schneewittchen: Da denke ich doch gleich an tiefe, dunkle Wälder mit jeder Menge Zwerge, die um eine hübsche Prinzessin herumwuseln. Dass einer der kleinen Kerle ihr zuliebe mal eine Torte kreiert hat, finde ich nur plausibel. Märchenhaft lecker ist sie allemal. Das Rezept wurde mit allerlei sachdienlichen Hinweisen von Tante Maja in ihrem dicken Backbuch aufgeschrieben. Snövit-Tårta heißt es dort, Schneewittchen-Torte eben. Mitgebracht hat es ein Urlauber aus Deutschland: Berthold steht mit einem fetten Ausrufezeichen daneben. Danke, unbekannter, edler (Rezept-)Spender. Hihi. Nun, welcher Kuchen würde sich in Schweden besser integrieren lassen als dieser, da es hier gleichfalls dunkle, tiefe Wälder gibt? Sicher findet sich auch zwischen nordischen Kiefern ein kleines, liebeskrankes Männlein, das einer schönen Frau mit Haaren so schwarz wie Ebenholz, einer Haut wie Milch und kirschroten Lippen eine solche Torte backen würde. Um ihr Herz zu gewinnen. Sollte sich eine solche Dame denn mal zu ihm verirren. Und äße sie dann gerne einen Kuchen, der ihre markantesten Merkmale eins zu eins abbildet. Meinte jetzt farblich.

Schneewittchen-Torte snövit-tårta

Jedenfalls lieben Svenssons diese einfach herzustellende, Eindruck schindende Torte. Ebenso wie das bekannte, wesentlich süßere Pendant mit Blockschokolade, geschlagenem Eiweiß und anderen Untiefen, das ungleich mehr Zeit beansprucht (Werde ich trotzdem mal ausprobieren, später mal). Da es sich bei Schneewittchen aber vermutlich um ein zartes Wesen und keine Sumo-Ringerin gehandelt hat, passt, meiner Meinung nach, meine frisch-leichte Variante besser. Denkt aber daran, dass der Tortenguss im Norden immer einen Tick röter, knalliger sein muss als in Deutschland. Die Kokosstreusel sind auch nicht original. Aber da ich Spaghetti-Eis liebe, dachte ich, sie würden gut passen. Am besten macht ihr die Torte morgens, wenn ihr sie nachmittags kredenzen wollt, denn sie muss für mindestens 4 Stunden in den Kühlschrank. Also: Frisch ans Werk! Heiho, heiho!

Ihr braucht für den Teig:

100 g Margarine

150 g Zucker

1 Prise Salz

3 Eier

200 g Mehl

½ Päckchen Backpulver

1 Päckchen Vanillezucker

1 großzügiger EL Milch

2 EL Nussnougat-Creme

1 Glas Sauerkirschen

Für die Quarkfüllung:

500 g Quark (20% Fett)

1 EL Zucker

1 Päckchen Vanillezucker

2 Becher Schlagsahne (400 g)

2 Päckchen Sahnesteif

Für den Guss:

1 Päckchen Tortenguss ROT!!!

250 ml Kirschsaft (aus dem Glas Sauerkirschen auffangen)

Eventuell: Kokosraspel zum Bestreuen.

Schneewittchen-Torte snövit-tårta
So weiß wie Schnee

Gör så här (Sprich: Jörschohär) – So wird´s gemacht:

Alle Zutaten für den Teig zu einem Rührteig verrühren. Teig halbieren. Unter eine Hälfte die Nussnougat-Creme und den Esslöffel Milch rühren.

Sauerkirschen gut abtropfen lassen. Dabei den Saft in einer Schüssel auffangen.

Den Boden einer Springform (D 26 cm) mit Backpapier auslegen. Rand mit ein bisschen Margarine einstreichen und ein wenig Mehl dagegen stäuben.

Ofen auf 175 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

Dunklen Teig in die Springform füllen und glattstreichen. Jetzt den hellen Teig darüber geben und glattstreichen. Die Sauerkirschen auf dem Teig verteilen. Im vorgeheizten Backofen 45 – 50 Minuten backen. Ich backe auf der zweituntersten Schiene, aber ihr kennt euren Backofen am besten. Nach Ende der Backzeit Kuchen aus dem Ofen nehmen und in der Form vollständig auskühlen lassen. Wenn der Kuchen wirklich kalt ist, aus der Form lösen.

Schneewittchen-Torte snövit-tårta
Richtig schön knallig rot: Der Guss

Quark in eine Schüssel geben, mit Zucker und Vanillezucker verrühren. Die Sahne mit dem Sahnesteif steif schlagen; ich mache das in zwei Portionen, da gerade im Sommer die Sahne schnell gerinnt. Geschlagene Sahne vorsichtig unter die Quarkmasse heben.

Rührkuchen auf eine Tortenplatte stürzen, sodass der dunkle Teig oben ist. Springformrand wieder um den Kuchen legen. Die Quark-Sahne-Füllung auf dem Kuchen verteilen. Schön glattstreichen.

Den Tortenguss mit 250 ml Kirschsaft statt Wasser nach Packungsanweisung zubereiten. Höchstens eine Minute abkühlen lassen (darf nicht wirklich steif werden). Dann zügig über der Quark-Sahne-Füllung verteilen, sodass eine spiegelglatte Oberfläche entsteht. Eventuell mit Kokosraspeln bestreuen. Den Springformrand nicht ablösen! Für mindestens 4 Stunden in den Kühlschrank stellen. Erst danach könnt ihr den Springformrand, gerne mit der vorsichtigen Hilfe eines Messers, lösen und eure Märchentorte genießen.

Smaklig måltid! Guten Apetit wünscht eure Stina und sicher auch Berthold!

La Paloma ohé – Wir sehn uns wieder am Étang de Lindre

Mehr als einen Flügelschlag, nämlich zwei Anläufe, brauchten wir, um uns den sagenumwobenen Étang de Lindre zu erwandern. Das erste Mal kamen wir gerade bis Tarquimpol, bis uns heftiger Regen und Wind ins sichere Auto zurück trieben. Ein Kommentar zu meinem Artikel über Gondrexange hatte uns neugierig gemacht. Untote Mönche, Wassergeister… Riefen uns da nicht die lothringischen Nebel von Avalon? Leider hatten sie nichts von einem Regenschirm gesagt.

Man muss sie mögen, diese Landschaft. Manche werden murren: Zu eben, zu wenig los, zu viele Schafe. Ja, all dies trifft auf das Pays Saulnois zu, das, so lesen wir, touristisch wenig zu bieten hat. Außer man steht auf eben „zu wenig los“ und mag Schäfchen, die bei Regen zugegebenermaßen eher traurig daher trotten, im Sonnenschein aber übermütig von Löwenzahn zu Gänseblümchen hüpfen. Wenn ich echt mal in mich gehen möchte, dann ist dieser Landstrich genau das Richtige. Schon stelle ich mir vor, wie der Wind bauchige, anthrazitfarbene Wolken übers Land treibt, während ich mich, den Mantelkragen hochgeschlagen, gegen peitschende Herbststürme stemme. Ganz allein auf weiter Ebene und, sagen wir, zwanzig Jahre jünger. Die Gischt vom nahegelegen See peitscht mir ins Gesicht. Marke Dartmoor. Hund von Baskerville. Irgendein alleinstehender, gutaussehender Graf harret meiner hinter einem Ginsterbusch, damit er mich halbverhungert zum Tee und süßen Petitfours einladen kann. Über mir rauschen Wildgänse mit schrillem Schrei gen Süden… Aber noch ist Sommer. Marke Grillgut und Dosenbier.

Daran ändert auch das jäh auftauchende Schloss nichts, das, wenngleich geraniengeschmückt, wunderbar in diese introvertierte, bei Regen dezent düstere Szenerie passt. Wen wundert´s, dass in jenem Château ein Esoteriker namens Stanislas de Guaita (1871-1922) das diffuse Licht der Welt erblickte um späterhin den kabbalistischen Rosenkreuz-Orden zu gründen. Heute, beim, wie gesagt, zweiten Anlauf, wirkt das Château keineswegs düster, sondern äußerst gastfreundlich. Fürstlich übernachten soll man hier können, exklusives Frühstück inklusive, bevor man zu einer Wanderung oder Radtour auf dem Circuit des étangs aufbricht. Wenn man den Hausherrn schön bittet, so erfahre ich aus dem wunderbaren SR-Beitrag von Natalie Weber, erzählt er das eine oder andere gruselige Schmankerl aus der Region. Das Château d’Alteville gehört zu dem kleinen Örtchen Tarquimpol, das am Südufer des Étang de Lindre, auf einer Halbinsel gelegen ist und zum Parc naturel régional de Lorraine zählt. Bei knapp 65 Einwohnern, plus/minus, und einem (hoffentlich) in Frieden ruhenden Esoteriker, steppt hier nicht gerade der Bär. Dicht an dicht drängen sich die putzigen Häuschen im typischen lothringer Graubeige. Einzige Farbtupfer: Die bunten Fensterläden und Türen. Und die üppigen Geranien. Irgendwie bretonisch. Irgendwie maritim. Irgendjemand muss hier leben, sonst würden ja die Blumen vertrocknen. Wir aber treffen nur einen struppigen Hund mit Schielauge, der sich von uns streicheln lässt. Das Dorf ist, wie der Hund, die Ruhe selbst. Um die archäologischen Details zu erkunden, die sich in Hauswänden, Torbögen etc. verstecken, wollen wir wiederkommen. Am Ortseingang wacht, rund und massiv wie ein Bergfried, die für Lothringen sehr untypische Dorfkirche. Dann gibt es eine Rue du théatre, die doch tatsächlich auf eines der größten Amphitheater Galliens hinausläuft, welches allerdings nur aus der Luft auszumachen ist. Tarquipol liegt nämlich an der alten Römerstraße von Metz nach Straßburg, und so konnten hier schon mal 12.000 Zuschauer bei Spiel und Spaß an frittierten Otternasen knabbern. 1274 zum ersten Mal als „Tackempail“ erwähnt, durchlief der Weiler deutsch-französische Namensmetamorphosen, die allesamt etwas mit „Teich“ zu tun hatten. Trotzig überlebte es auch die deutsche Besatzung, indem es elegant vom plumpen „Taichen“ zum geheimnisvollen Tarquimpol zurückkehrte. So hieß es schon während des Dreißigjährigen Krieges. Sind wir froh! Denn merke: Nazis haben keine Phantasie! Und wenn, dann nur schlimme.

Im 10. Jahrhundert begannen Mönche den kleinen Fluss Seille, die umliegenden Weiher und Sümpfe aufzustauen um Fische zu fangen und zu züchten. Einmal im Jahr wird das Wasser des Teichs, der doch vielmehr ein See ist, abgelassen, wobei sich die Kanäle zur Freude der Fischer mit Karpfen, Schleien und Hechten füllen. Schon scharren internationale Archäologen mit den Füßen, können sie doch endlich nach den Relikten vergangener Zeiten gründeln. Will man allerdings etwas über Mönche wissen, die auf dem Grunde des Sees immer noch unermüdlich der Fischzucht frönen, gar lockenden Feen erliegen oder vor gottlosen Wüstlingen erschauern, muss man tief in der Volksseele graben. Oder den Schlossherrn befragen. Unter Umständen bringt mir dieser Reim den Pulitzer-Preis ein. Da! Schon wieder!

Um den eigentlichen Weiher zu umrunden, sollte man sich nach Lindre-Basse begeben. Der schnurgerade Weiler liegt ca. 3 Kilometer von Dieuze, einem typisch lothringischen Städtchen mit – natürlich – einer Bar du Centre sowie einer Bar Place, in der man seinen Apéritif genießen kann, entfernt. Ein kleines, aber feines Restaurant wirbt mit regionalen Spezialitäten. Aber davon später. Zunächst einmal fahren wir durch die unaufgeregt ebene Landschaft, die der Seele, ach, so gut tut. Links und rechts Getreidefelder, dazwischen goldene Sonnenblumen, kleine Wäldchen, die sicherlich viel Wild bergen, da Rehe und Füchse über die Straße wechseln. Lindre-Basse, ebenfalls in lässiger Beschaulichkeit, überrascht am Ende der Hauptstraße mit einem überwältigenden See-Panorama. Über uns segeln Schwalben, Störche landen auf ihren Nestern, Fischreiher gründeln nach dem, was sie halt so fressen, Enten jeglicher Couleur paddeln im Schilf. Wir blicken über den größten Fischweiher Frankreichs (620 Hektar!) samt Vogelschutzgebiet. Ein Paradies für Ornithologen, die, ausgerüstet mit Fernglas, Anglerhut und glänzenden Augen Richtung Vogel-Beobachtungs-Stand pilgern. Ein grauhaariger Herr führt mit großer Geste ein gut situiertes Pärchen in die Geheimnisse des Étang de Lindre ein. Wir vermuten, man kann ihn buchen.

Blau, grau und gelb ruht der See. Über uns der hohe Himmel, Schäfchenwolken, allenthalben Gezwitscher. SOMMER. Im Hintergrund die dunstig blaue Vogesenkette. AusflüglerInnen relaxen auf Aussichtsbänken, in der Aire-de-pique-nique wird Käse, Baguette und Wein ausgepackt. Rechts von uns liegen die steineren Fischzucht-Becken, die derzeit allerdings kein Wasser tragen, links geht´s die Staumauer – Obacht! – hinab. In entgegengesetzter Richtung befindet sich die ornithologische Kinderstube, wo Hunde keinen Zutritt haben. Wir lenken unseren Dackel also wieder Richtung Fischbecken. Zwei Wanderpfade führen um den See. Die Kurzpromenade „Sentier des Paysages“ von 1,8 sowie der etwas längere „Sentier Lindre-Tarquimpol“ von 8 km. Dabei sollte man sich immer links halten, also immer am Seeufer entlang gehen. So kommt man auch an den Beobachtungsstationen vorbei.

Der Weiher selbst blitzt nur noch ab und an durch, da Waldpassagen und Schilf ihn verdecken. Ist aber trotzdem schön. Nimmt man ein Stück wenig befahrener Straße in Kauf, kann man also bis nach Tarquimpol wandern, muss dann aber wieder umdrehen, denn es handelt sich nicht um Rundwanderwege! Für Wissensdurstige gibt es das Centre piscicole, das Fisch(erei)-Zentrum in Lindre-Basse gegenüber der Staumauer, das Spannendes und Wissenswertes über lokale Geschichte, Traditionen, kulturelles Erbe, Umwelt, Natur und touristische Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Enthusiasten hängen noch 3 Kilometer dran um sich von Dieuze aus über den Sentier de l´étang des Esserts zu nähern. Dieuze ist übrigens eines der Tore zum wunderbaren Parc naturel régional de Lorraine. In der kleinen Stadt wurde früher Salz gewonnen. Zahlreiche Bauten wie die Porte des Salines Royales zeugen davon.

Weiter Himmel

Passend zur Salzgewinnung gibt es in Dieuze das kleine Restaurant La Poêle à Sel – Restaurant Traditionnel & Cuisine Maison mit gemütlicher Außenterrasse. Leider hat die Küche Sonntagabend geschlossen, sodass wir unseren Besuch auf ein anderes Mal verschieben mussten. Die Betreiber waren jedenfalls ausnehmend freundlich. Irgendwann also mehr dazu.

sentier des paysages Lindre-Basse
Wo sind wir eigentlich?

Also: Wenn ihr mal ein wenig Meerfeeling mitten in Lothringen genießen wollt, ist der Étang de Lindre genau das Richtige. Und die Nordvogesen sind ja auch nicht weit. Man hat sozusagen beide Extreme in unmittelbarer Nähe. I love it! Einen schönen Juli wünscht euch

Stina

Jemand mit Regenschirm

Pays des étangs – Land der Teiche

So nennt man die weitläufige, weitverzweigte Seenlandschaft, die sich im Osten Lothringens befindet. Bekannt sind vor allem Stauseen wie Stockweiher oder Mittersheimer Weiher. Sie dienen als Speicherbecken für den parallel zur Saar verlaufenden Saar-Kohlen-Kanal, der die Saar mit dem Rhein-Marne-Kanal verbindet und somit in das umfangreiche Netz französischer Wasserstraßen einbindet.

Der Étang de Lindre liegt zusammen mit 11 weiteren Weihern in der Domaine de Lindre, einer ca. 1000 Hektar großen Naturlandschaft, die aufgrund ihrer umfangreichen, einzigartigen Flora und Fauna als Teil des europäischen Schutzgebiet-Netzes NATURA 2000 ausgewiesen sind. Es steht zudem als RAMSAR-Gebiet auf der Liste des Weltnaturerbes zum Schutz von Feuchtgebieten.

Die Domaine de Lindre gehört zum Kanton Le Saulnois des Arrondissements Sarrebourg-Château-Salins. Die übergeordnete Verwaltungseinheit ist das Département Moselle der Region Gand Est.

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Schwedische Syltgrottor mit Felsenbirnen-Marmelade

syltgrottor

… oder einer anderen Marmelade, die ihr zur Hand habt. Lecker wird´s auf jeden Fall!

Hier wieder ein echtes schwedisches Rezept mit Felsenbirnen-Marmelade. Diesen kleinen, breitwachsenden Baum habt ihr sicher schon häufig gesehen ohne ihn richtig wahrzunehmen. Dabei ist er eine richtige Augenweide. Ja genau, das, was da an der Böschung, sogar am Rande der Autobahn, blitzt und grünt. Im Frühling leuchten seine weißen Sterne, im Sommer glänzen kleine, blauschwarze Beeren an ihm (Vögel lieben sie!), und im Herbst überrascht er mit feurig rotem und gelbem Laub. Dabei ist er total anspruchslos. Die aus den Beeren gewonnene Marmelade muss gut durchgesiebt werden, da an jeder Beere ein kleiner Strunk sitzt. Die Felsenbirne liefert viel Vitamin C, weshalb sie, aus der Hand genascht, sehr gesund ist. In meinem Garten habe ich gleich mehrere Exemplare. Das Rezept für Felsenbirnen-Marmelade hänge ich gleich unten an; allerdings nur auf Deutsch, weil ich heute keine Zeit mehr habe zu übersetzen. Natürlich könnt ihr für die Grottor, die Gebäck-Höhlen, auch jede andere Marmelade bzw. Gelée nehmen. Am häufigsten findet man in Schweden wohl Hallongrottor, die mit Himbeergelee gefüllten. Das hier ist sozusagen die wilde Variante. Wie immer spart ihr euch viel Zeit, wenn ihr eine sog. måtknippa, ersteht. Sucht im Internet einfach nach Schwedische Messlöffel, und ihr werdet fündig und froh und könnt all meine feinen Rezepte nachbacken.

Schwedisches Gebäck

Aber zunächst mal das Rezept für die Hällmispelgrottor. Först på tyska. Erst auf Deutsch…

Für ca. 21 Stück

Teig:

  • 4 1/2 dl Weizenmehl
  • 1 dl Zucker
  • Eine Prise Salz
  • 1 TL Backpulver
  • 2 TL Vanillezucker
  • 180 g Butter bzw. Margarine (Kannst du auch gerne mischen!)
  • Etwas Philadelphia-Frischkäse, siehe unten!
  • 1 EL frischgekochter Espressokaffee (Trink den Rest!)
  • Etwas Puderzucker zum Bestäuben der fertigen Grottor
  • Ca. 21 Muffinsförmchen aus Papier

Füllung: 1 dl Felsenbirnen-Gelée oder andere Marmeladen bzw. Gelées

So wird´s gemacht: Koch dir zuerst eine Tasse Expresso. Lass ihn abkühlen. (Wenn du vorher einen Esslöffel davon zur Seite stellst, kannst du den Rest natürlich heiß trinken.). Heize den Ofen auf 200°C vor. Mische Mehl, Zucker, Vanillezucker, Backpulver und Salz in einer Schüssel. Wiege die Butter/Margarine ab (180 g) und fülle mit dem Frischkäse auf, bis die Waage 200 g anzeigt. Schneide die Butter/Margarine in Scheiben und gib sie samt Frischkäse zu der Mischung in deiner Schüssel. Knete das Ganze zu einem geschmeidigen Teig. Gib den Espresso dazu. Knete eine kleine Weile weiter.

Platziere die Papierförmchen auf einem Backblech. Forme den Teig zu walnussgroßen Bällchen und lege sie in die Papierförmchen.

Jetzt kommt die Füllung: Mach eine kleine Vertiefung in jedes Bällchen und gib einen Klecks Marmelade hinein.

Backe die Bällchen ca. 10-12 Minuten auf der mittleren Schiene. (Möchtest du die Grottor obendrauf heller, dann nimm die zweitunterste Schiene.) Lass die fertigen Grottor auf einem Kuchengitter auskühlen. Bestreue sie mit Puderzucker.

Felsenbirne Marmelade

… dann auf Schwedisch. Sedan på svenska:

Till ca 21 stycken

Deg:

  • 4 1/2 dl vetemjöl
  • 1 dl socker
  • en nypa salt
  • 1 tsk bakpulver
  • 2 tsk vaniljsocker
  • 180 g smör resp margarin (Blanda gärna!)
  • Lite Philadelphia-färskost, se nedan!
  • 1msk färskbryggt espressokaffe (Drick resten!)
  • Lite florsocker att strö över de färdiga grottorna
  • Ca 21 muffinsformer av papper

Fyllning: 1 dl häggmispelsylt eller annan sylt

Gör så här: Börja med att brygga en kopp espresso och låt den kallna. Sätt ugnen på 200°C. Blanda samman mjöl, socker, vaniljsocker, bakpulver och, salt  i en skål. Väg matfettet och fyll på med färskosten tills vågen visar 200 g. Skär matfettet i bitar och tillsätt det samt färskosten. Arbeta snabbt samman till en smidig deg. Tillsätt espresson. Knåda vidare ett tag!

Placera pappersformerna på en bakplåt. Forma degen till valnötsstora bollar och lägg dem i pappersformerna

Nu kommer fyllningen: Gör en fördjupning i varje boll och klicka i lite sylt.

Grädda i mitten av ugnen i 10-12 minuter. (Eller, om du föredrar ljusare bakelser, på näst nedersta falsen.) Låt kallna på galler. Strö över florsocker.

Bakat och klart!

Trevlig midsommar! Schönes Midsommar!

Lest auch meinen Beitrag zu Midsommar. Dort findet ihr das Rezept für eine leckere Erdbeertorte.

Auf dem Moselradweg

Moselradweg

Es gibt Tage, da stimmt einfach alles. Amseln zwitschern. Meisen piepen durchs geöffnete Fenster. Eine Hummel summt aufgeregt zur nächsten Blüte. Wir beobachten die kleine Camera obscura, die jeden Morgen an der Wand erscheint, sobald sich die ersten Sonnenstrahlen auf unsere Nasenspitzen schleichen. Die Tannen im Garten stehen Kopf, die Dächer ebenfalls. Zum Frühstück backe ich finnische Roggen-Blini mit Preiselbeerquark. Dazu gibt es eine Tasse heißen Kaffees und die Aussicht auf einen wunderschönen Ausflug mit dem Rad. Dem Elektrorad. Denn ich bin ein Fan davon.

Wir fahren an die Mosel. Dahin zog es mich bis dato nicht. Die Erinnerung an endlose Besichtigungen von deutschen Kirchen und Klöstern, für die mein Vater schwärmte, hatte mich auf Jahre negativst geprägt. Nun also doch. Und sie ist schön, die Mosel! Komme mir vor wie im Süden. Die Toskana vielleicht. So vollständig von schwindelhohen Weinbergen umgeben. Dazwischen das glitzernde Wasser des Flusses. Aus waldigen Höhen kommend, genießen wir bei Leiwen den Blick auf die schönste Moselschleife zwischen Trier und Bernkastel. Hier führt übrigens auch der Moselsteig entlang, ein herrlicher, 365 km langer Fernwanderweg, mit unglaublichen Ausblicken, den wir sicher irgendwann mal begehen. Heute aber stellen wir unser Auto auf einem Parkplatz in Neumagen-Dhron ab, direkt neben einem Premium-Platz für Camper und ebenso direkt am Ufer. Die Vorderräder sind schnell montiert, der Dackel in der neuen Do-it-yourself-Wäschekorb-Konstruktion mit Polster, jeder Menge Luft und einem Kauknochen sicher untergebracht. Wir überqueren die Moselstraße, halten auf den Haupteingang des altehrwürdigen Hotel-Restaurants „Zum Anker“ zu. Gehen nach links, biegen nach rechts in die Pelzergasse ein, folgen ihr bis zur Römerstraße, biegen die erste wieder links ab. Dem Fahrradsymbol folgend geht´s gleich wieder nach links, leicht bergab, wo auch die Feuerwehr stationiert ist.

Wir sind auf dem Moselradweg. Passieren wunderbar grüne Auen. Leise schnatternde Enten dümpeln unter schattenspendenden Weiden, am strahlend blauen Himmel kreisen die Merlane. Es wird eben bleiben, so entlang des Flusses. Ich freue mich. Kleine Buchten mit Kieselbänken laden uns zum Verweilen, wegen des rauen Windes allerdings nicht zum Baden ein. Außer das Dackelchen. Es badet, paddelt Stöckchen hinterher, schnaubt fröhlich ins Wasser. Kinder spielen mit Eimerchen und Schaufel, wohlbehütet durch flatternde Sonnenhütchen. Die Eltern lesen, dösen auf mitgebrachten Klappstühlen. Nein, es riecht nicht nach Sonnencreme. Es ist beschaulich. Ein Gemälde in sanften Farben.

Irgendwie fontanesk!

Vorbei geht´s an Gründerzeit-Villen, schieferverkleideten Häuschen und traditionsreichen Weingütern. In einem kleinen Ort namens Brauneberg können wir nicht widerstehen, obwohl wir zum Auftakt der Fahrt jeder ein hartgekochtes Ei samt Stulle verzehrt haben. Doch eine lauschige Straußenwirtschaft, ein Winzerhotel folgt dem anderen: Plötzlich haben wir Hunger. Wir entscheiden uns für das schmucke Restaurant Steinmetz, sitzen in dem in kleine Inseln unterteilten Garten – nebst plätscherndem Koi-Teich. Brav fülle ich unseren Corona-Zettel aus. 1 Hausstand. Ungetestet. Die Pfingsrosen blühen, Insekten summen, der Salat mit Garnelenspieß ist delikat, die Maispoularde zart. Das Tüpfelchen auf dem i ist jedoch die Schorle aus dem hauseigenen weißen Traubensaft, ein äußerst delikates Nebenprodukt der Weinherstellung. Die hausgebackenen Kuchen und Torten sollen auch ganz famos sein, aber wir wollen ja auf den Sattel kommen. Deshalb blicken wir, nur an einem Espresso nippend, über die grüne Wiese hinweg auf die Mosel, sehen Schiffe vorbeiziehen, den Winzern, die keinen Sonntag kennen, bei ihrer steilwandigen Arbeit zu.

Moselradweg Neumagen-Dhron

Hier könnten wir verweilen, zumal es sechs Gästezimmer gibt, die, sobald die Lockerungen greifen, stante pede belegt sein werden. Frischgeduscht in kühle Laken sinken ist nicht. Wir treten in die Pedale. Bernkastel-Kues also. Wieder einmal wird mir klar: Der Weg ist das Ziel. Trotz seiner pittoresken Fachwerkkulisse ist mir dieser Hotspot heute zu touristisch. Dass der Radweg einige Kilometer an einer Schnellstraße vorbeiführt ist auch nicht prickelnd; dafür aber entschädigen die übrigen Abschnitte der Tour. Doch ein Kaffee an der Mole muss sein, bevor wir uns wieder auf die Räder schwingen und so zurückstrampeln, wie wir gekommen sind.

Neumagen-Dhron ist übrigens der älteste Weinort Deutschlands. 1878 hat man hier ein Grabmal in Form eines römischen Weinschiffs gefunden. Auszubildende der Handwerkskammer Trier haben es in Holz nachgebaut, damit man mit ihm in echt die Mosel befahren und dabei Wein trinken kann. Wenn es dann mit dem Rudern nicht mehr klappen sollte, übernimmt ein Dieselmotor. Derzeit wartet die Stella Noviomagi, der Stern Neumagens, auf Corona-Freigabe. Meine das nicht wörtlich. Hach, wie aufgeräumt, wie freundlich alle sind. Die Menschen winken. WINKEN! In der hellen Frühsommersonne, mit einem Getränk, einem Schnitzel mit Pommes, gar einem Eis mit Erdbeeren, glänzt das Versprechen auf ein Stück Normalität. Beflügelnd! Glücklich und voller Eindrücke landen wir nach knapp 47 Kilometern vor unserem Kofferraum. Klopfen uns auf die Schulter. Nur noch schnell mit dem Auto nach Brauneberg zurück, um 6 Flaschen dieses außergewöhnlichen Traubensafts zu erstehen. Über waldige Passagen mit kleinen Bächen geht´s dann, wohlig in die Polster gedrückt, nach Hause. Motorradfahrer mögen die kurvenreiche Strecke wohl auch. Mein Moseltrauma ist überwunden. Alte Schrecken lassen sich neu entdecken. Alles ist schön. Alles wird gut. Ich hab´s doch gesagt: Der Weg ist das Ziel.

Moselradweg

An Unterkunftsmöglichkeiten mangelt es der Mosel nicht. Wenn Hotels, Gästezimmer, Pensionen wieder uneingeschränkt Besucher empfangen können, ist es jedoch sinnvoll zu reservieren.

Mosel radfahr

Einen schönen Sommer wünscht euch

Stina (P.S. Das Rezept für die Blinis stelle ich euch später ein!)

Sverigekaka med lingon –

Sverigekaka

der einzig wahre Schwedenkuchen mit leckeren Preiselbeeren!

Wieder ein Rezept von Tante Maja. Macht es wie sie und steckt ein paar schwedische Fähnchen hinein, denn immerhin gibt es keinen schwedischeren Kuchen! Er firmiert übrigens auch unter dem Namen Pensionärskaka – sprich: Panschunärschkaka. Dunkelt das erste a in kaka etwas ein. Als würde ein Elch aus euch sprechen, oder, als würdet ihr aus Sachsen stammen… Warum der Kuchen so heißt, weiß ich nicht. Vielleicht, weil Rentner bekanntermaßen nie Zeit haben, weshalb dieses schnelle Rezept ideal für sie ist. Sverigekaka, Schwedenkuchen, finde ich aber schöner und irgendwie demokratischer.

Apropos Deziliter „dl“. Besorgt euch eine schwedische „måttknippa“ aus dem bekannten schwedischen Möbelhaus. Dieser Ring mit Messlöffeln kostet nur ein paar Öre, wird euch aber unschätzbare Dienste beim Backen schwedischer Kuchen und Törtchen leisten. Adjö – sprich: ajö –  lästiges Umrechnen!

Pensionärskaka
Beinahe wäre kein Stück mehr zum Fotografieren übrig geblieben…

Für den Teig:

  • 3 Eier (Größe M)
  • 3 dl Zucker
  • 3 dl Weizenmehl
  • 2 TL Backpulver
  • 1 TL abgeriebene Zitronenschale
  • 1 dl kochendes Wasser

Für die Füllung:

  • 1 dl Milch
  • 125 g Butter
  • 2 ½ Päckchen Vanillezucker (alternativ 2 EL Zucker und Mark einer Vanilleschote)
  • Ca. 1 dl Preiselbeeren aus dem Glas

Etwas Puderzucker zum Bestreuen. Der Kuchen schmeckt besonders lecker mit einem Klecks Sauerrahm oder Schlagsahne.

So geht´s:

Für den Teig: Eine Springform (D 26 cm) mit Backpapier auskleiden. Den Rand einfetten und mit etwas Mehl bestäuben. Ofen auf 175 °C Umluft vorheizen.

Ei und Zucker zu einer schaumigen Masse aufschlagen.

Weizenmehl, Backpulver, Zitronenschale mischen.

Ei-Zucker-Mischung abwechselnd mit dem kochenden Wasser dem Mehl-Backpulver-Zitronenschalen-Gemisch zufügen und zu einem glatten Teig verrühren. In die Springform füllen.

Im vorgeheizten Backofen ca. 35 Minuten backen. Vollständig auskühlen lassen. Kuchen einmal quer in zwei Teile schneiden. Unteren Teil auf eine Kuchenplatte, oberen Teil auf ein Kuchengitter legen.

Für die Füllung: Milch, Butter und Preiselbeeren unter ständigem Rühren langsam aufkochen. Vanillezucker hinzufügen und rühren, bis er geschmolzen ist (alternativ die Nummer mit dem Zucker und der Vanilleschote). Ruhig ein bisschen weiterköcheln lassen und weiterrühren. Füllung vorsichtig über den unteren Boden gießen. Keine Angst, er saugt alles auf! Den oberen Boden drauf legen.

Den fertigen Kuchen unbedingt mit Frischhaltefolie bedeckt oder – besser – unter einer Kuchenglocke über Nacht in den Kühlschrank stellen, damit er richtig durchziehen kann.

Mit Puderzucker bestäuben und mit Schlagsahne oder – typisch – Sauerrahm servieren.

Schwedisch Backen

Och nu på svenska:

Världens saftigaste Sverigekaka med lingon. Smakar allra bäst dagen efter när den har badat ordentligt i vaniljsockersåsen! Ett faster-Maja-recept!

Botten:

  • 3 ägg (storlek M)
  • 3 dl strösocker
  • 3 dl vetemjöl
  • 2 tsk bakpulver
  • 1 tsk riven citronskal
  • 1 dl kokande vatten

Fyllning:

  • 1 dl mjölk
  • 125 g smör
  •  2 ½ paket vaniljsocker (alternativt 2 msk strösocker & 1 vaniljestång)
  • Ca 1 dl lingonsylt

Lite florsocker att strö över. Visgrädde eller gräddfil till servering.

Gör så här:

Botten: Smöra och mjöla en springform (26 cm i diameter). Sätt ugnen på 175 °C, fläkt. Vispa ägg och strösocker pösigt.

Blanda mjöl, bakpulver, citronskal och tillsätt under ständig omrörning till äggsmeten tillsammans med det kokande vattnet. Arbeta till en slät smet. Häll smeten i formen.

Grädda i ugnen i ca 35 minuter. Låt kakan kallna fullständigt. Dela den tvärs i två delar. Lägg bottnen på en kakplatta, locket på ett kakgaller.

Fyllning: Koka ihop mjölk, smör samt lingon. Tillsätt vaniljsockret och rör om tills det har smält. Häll fyllningen på kakans botten tills den har sugit upp allt.

Lägg på kakslocket. Täck kakan med plastfolie eller – bäst – lägg den i kakförvaring med lock. Låt stå i kylen över natt.

julclub

Strö över lite florsocker och servera gärna med vispgrädde eller gräddfil.

Smaklig måltid – Guten Appetit! Stina

Saarlandsteine – The happy ones

Saarsteine

Wusst ich´s doch! Das Glück liegt am Wegesrand!

Happy stones, Steine, die glücklich machen. Eine wirklich schöne Entdeckung auf einem Spaziergang mit unserem kleinen Dackelchen. Ich musste sie einfach fotografieren. Tatsächlich waren es noch viel mehr. Meter um Meter. Eine Kette aus buntbemalten Steinen. Jetzt wollte ich doch wissen, was es damit auf sich hat. Darf man sie mitnehmen? Soll man stattdessen etwas anderes hinterlegen? Handelt es sich um ein Versteck, und jemand ganz bestimmtes soll suchen? Ist es gar eine geheime Botschaft?

Das erste Mal entdeckte ich sie auf diversen Vorgartenmäuerchen in unserer Straße, dann auf einem Waldspaziergang mit unserem Dackelkind. Ein künstlerisch wertvoller Ottifanten-Stein trompetete mir fröhlich aus einem Astloch entgegen. Konnte mich gerade noch beherrschen, ihn nicht in die Tasche zu stecken. Hätte sich wunderbar auf meinem Schreibtisch gemacht! Die Idee hatte wohl auch jemand anderes. Schon am nächsten Tag war der Wunderstein nämlich aus der alten Buche verschwunden, aber kein neuer lag da. Mein kriminalistischer Spürsinn war geweckt. Ich folgte den selbstgemalten Alles-wird-gut-Regenbögen an den Fensterscheiben eines Nachbarhauses, da ich einen Zusammenhang ahnte. Siehe da: In einer Garageneinfahrt, auf einem wackeligen Holztischchen, trockneten frischbemalte Exemplare in der Sonne.

Zuhause dann Aufschlussreiches: Die Idee ist aus den USA zu uns herüber geschwappt. Neben viel Überflüssigem endlich mal was Nützliches. Denn diese Steine machen fröhlich, sie machen sogar Mut, die Covid19-Ein- und Beschränkungen zu überstehen. Stärken den Zusammenhalt. Mitnehmen darf der Finder sie offenbar auch, sollte aber einen neuen dafür hinlegen. Und jeder ist anders, jeder ein passioniertes kleines Kunstwerk. Im saarländischen Köllerbach begleiten sie Spaziergänger zum quirligen Rauschen des gleichnamigen Flüsschens. Die „Fuchsklasse“ scheint hier am Werk gewesen zu sein, wie man auf einem Stein lesen kann. Inzwischen haben Fans Foren geschaffen, in denen man seine „Findlinge“ oder eigene Kunst-Steine posten kann. Aufmunternd, mahnend, lustig, kreativ, von Herzen. Ganze Schulklassen, Lehrerende, Eltern haben sich hier verewigt. Normalerweise habe ich etwas gegen Ketten. Freiwillig möchte ich mich nicht in eine solche einreihen. Muss sofort an die furchteinflößenden Kettenbriefe denken, die in meiner Jugend unentrinnbares Unheil verhießen, wenn man den Brief nicht abschrieb und an jemand anders schickte. Aber diese Ketten? Genial. Wer weiß? Vielleicht erkennt ihr ja den ein oder anderen wieder!

Einen schönen Beitrag zum Thema findet ihr auf SR1 . Haltet die Ohren steif

Eure Stina

It´s so british!

Diesmal kein Backrezept oder Reisetipp. Rücke gleich mit der Sprache raus: Haben uns ein Mini-Gewächshaus für den Balkon geleistet! In Growhouse L, 1,83 m lang, 65 cm tief, gibt es nun genügend Raum für meine selbstgezogenen Tomaten, die Zucchini und den Pflücksalat, und – ähm – auch ein paar merkwürdige mausgraue Pilze, die plötzlich aus der Erde geschossen kamen. Frage mich, ob meine Tomaten jetzt etwa halluzinogen, Typ „Lucy in the sky“, werden… Ein paar vorgezogene Paprika-Pflänzchen, eine Schlangengurke sowie eine Bio-Tomate habe ich hinzugekauft, da die mitgelieferten Regale sonst gar zu leer ausgesehen hätten. Gefreut haben wir uns bannig, als das Gewächshaus endlich stand, und die grünen Mieter einziehen konnten. Denn aufgrund Covid19 können wir seit Monaten nicht in unseren Vogesen-Garten und bliesen den trübsinnigsten Gartenblues, den man sich vorstellen kann. Ein kleiner Trost musste her. Ihr glaubt gar nicht, wieviel man spart, wenn man gezwungenermaßen zuhause bleiben muss.

Seitdem schauen wir jeden Morgen, Mittag und Abend, wann immer unser Blick auf den Balkon fällt, nach unseren Schätzen. Klingt wie ein Klischee, aber man kann ihnen beim Wachsen zusehen. Eine feine Sache, so ein Gewächshaus. Inzwischen gibt es Modelle in allen möglichen Varianten, von minimalistisch bis verspielt, von freistehend bis anlehnungsbedürftig. Einfacher kann ein Balkon oder eine Terrasse nicht zum Obst-, Gemüse- oder Blumenlieferanten werden. Dabei ist unser Minigewächshaus gleichzeitig ein hervorragender, an der schmalen Balkonseite aufgestellter Windschutz, durch den man auch die schönen grünen Bäume in Nachbars Garten noch sehen kann. Luftig und leicht statt blickdicht und starr.

Nach langer Recherche haben wir uns für den Anbieter Gewächshausplaza entschieden, der sich nach eigenen Angaben derzeit vor Bestellungen gar nicht mehr retten kann. Deutschland im Urban-Gardening-Rausch. Die überaus freundliche Beratung sowie die zügige Lieferung taten ein Übriges. Also nochmal: Growhouse L. Leichtes Aluminium-Gestell, sturmsichere Glasfenster, die sich an der Vorderfront bzw. auf dem Dach variabel schieben lassen. Mein Mann hat das Rahmenskelett mit einer Ankerschraube umfall- und unfallsicher am Balkongeländer befestigt. Eine detaillierte Aufbauanleitung steht als Download bereit, wird aber auch mitgeliefert. Zwei Leute sollten es beim Aufbau schon sein, einer, mit der Vision des fertigen Gewächshauses, sowie einer, der arbeitseifrige Übereiltheit bremst, dafür auf die genaue Einhaltung der empfohlenen Arbeitsschritte pocht. Mit sorgfältigem Sortieren der Bauteile vom kleinsten Schräubchen bis zur längsten Leiste – habe farbige Post-its mit der entsprechenden Bezeichnung auf die Teile geklebt – brauchten wir zum Aufbau mit Minipause etwa 6 Stunden. Mit einem Schlitzschraubenzieher als einzigem Werkzeug. Vierkantmuttern mögen vielleicht etwas Old Style anmuten, sorgen aber für einen stabilen Halt, ziehen sich geschmeidig bei. Klapperschutz montiert. Fertig. Nach getaner Arbeit saßen wir verzückt vor unserem Werk und haben uns erst mal einen Kaffee genehmigt. Im Windschatten. Adé Adlerhorst-Feeling. Jetzt schweift unser Blick selbst beim Fernsehen immer wieder hinaus auf den Balkon – Ach, unser schönes Gewächshaus! Abgesehen davon, dass es immer eine Freude ist, zartes Grün aus einem Samenkorn sprießen zu sehen: Die sanfte Wärme, die einem bei jedem Öffnen der Scheiben entgegenweht, gleicht einem heiteren Versprechen auf reiche Ernte. Wäre ich ca. einen Meter kleiner, würde ich vermutlich ein Stühlchen hineinstellen um mir an kühlen Tagen die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Würde „Wind in den Weiden“ von Kenneth Grahame lesen, und gemeinsam mit dem weisen Dachs und dem großspurigen Kröterich eine Tasse Brennnessel-Tee trinken. Aber das ist eine andere Geschichte…

Eines meiner Lieblingsbücher: Kenneth Grahames „Wind in den Weiden“ – Lebensweisheit im Pocket-Format

Ganz billig ist der Spaß mit den edlen Glasscheiben nicht, gegenüber sich gelblich verfärbendem Plastik allerdings eine Augenweide. Für das Growhouse L müsst ihr schon mit deutlich über 500 Euro rechnen. Allerdings gibt es auch kleinere Anlehnhaus-Modelle ab etwa 270 Euro.

Hier noch ein paar Infos von der Seite des Herstellers zu Growhouse L:

✓  Hochwertiger Aluminium Rahmen

✓  3 mm Sicherheitsglas

✓  Inklusive 6 Regale, 3 schmal und 3 breit

✓  25 Jahre Garantie auf den Rahmen

Breite 65 cm x Länge 183 cm, Traufhöhe 135 cm (vorne) ansteigend auf Firsthöhe 149 cm (hinten)

Serienmäßig wird Growhouse L in Aluminium blank geliefert. Gegen Aufpreis könnt ihr es aber auch in Schwarz, Weiß oder einem herrlich nostalgischen Dunkelgrün bestellen. Und natürlich auch mit kleineren Abmessungen. Außerdem gibt es Zubehör wie Pflanzschalen, Abdeckplatten, Frostwächter usw.

Biene Rostoptik Gärtnerei Langhirt Hülzweiler
Besucht mich auch auf Pinterest! Die flotte Biene in Rostoptik stammt übrigens von der Gärtnerei Langhirt im saarländischen Hülzweiler

Schaut euch ebenfalls die hübschen nostalgischen Mini-Gewächshäuser an, die jedem englischen Landhausgarten zur Ehre gereichen würden. Ich sage nur: „Westminster“.

Übrigens arbeitet Gewächshausplaza mit renommierten englischen Herstellern zusammen, die ihr Handwerk verstehen und auf eine lange Tradition zurückblicken können.

Nachhaltiger kann Freude nicht sein!

Haltet die Ohren steif

Eure Stina

Superschnelle Hasenplätzchen – für Eilige

Diese Hasen sind schneller gebacken, als ein Langohr hoppeln kann. Wenn ihr die passenden Ausstechförmchen habt, dann steht einer Hasenparty nichts mehr im Wege. Fehlt nur noch der Löwenzahnwein! Frohe – hicks! – Ostern!

Running gag

Zubereitungszeit: ca. 1 1/2 Stunden (Beschwören möcht ich´s nicht)

Menge: ca. 35 Häschen (zwei Backbleche voll)

Kalorien: Danke der Nachfrage!

Das braucht ihr:

  • 300 g Weizenmehl
  • 100 g Puderzucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 TL abgeriebene Zitronenschale
  • 200 g Margarine (zimmerwarm)
  • 1 Eigelb (Größe M)

Für den Guss:

  • 2-3 gehäufte EL Puderzucker
  • Zitronensaft von ca. 1/4 Zitrone
Pack die Badehose ein, oder lass es einfach sein!

So wird´s gemacht:

Mehl, Puderzucker, Vanillezucker mischen. Ei trennen. Eigelb zusammen mit Margarine dem Mehl-Gemisch zugeben und mit den Händen zu einem geschmeidigen Teig kneten.

Ofen auf 180 °C (Umluft 160°C) vorheizen. Zwei Backbleche mit Backpapier auskleiden. Teig auf einer mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche ca. 4 mm dick ausrollen und Häschen ausstechen. Auf die Backbleche legen und 15 Minuten backen, bis die Plätzchen eine leichte, goldbraune Farbe annehmen. Herausnehmen und auf einem Kuchenrost abkühlen lassen.

Für den Guss den Puderzucker mit soviel Zitronensaft verrühren, dass eine sämige Masse entsteht. Wer möchte, kann sie noch mit Lebensmittelfarbe einfärben. Guss in eine Spritztülle füllen und Häschen nach Herzenslust verzieren. Da ich faul bin, tragen nur ein paar von ihnen Hosen, zeigen sich also in ihrer natürlichen Anmut. Mit Lebensmittelfarbe, Nutella o.ä. einen kleinen Klecks auf´s Zuckerauge geben. Fertig!

In einer Keksdose halten sich die Häschen etwa 2 Wochen.

Frohe Ostern wünscht euch

Stina