Fakefurter Kranz – Die etwas einfachere schwedische Variante des berühmten Frankfurter Kranzes

Aus der Rubrik: Ich möchte heute einen ganz besonderen Kuchen kredenzen, habe aber weder Zeit noch das nötige Können, um einen solchen herzustellen.

Also, Schwedens sind ja zuweilen etwas schludrig, wenn´s ans Tortenbacken geht. Die Kuchen sehen wirklich selbstgemacht aus, rechts und links quillt Sahne, Teigplatten lugen vorwitzig aus nachlässig verspachtelter Creme hervor. Moderne Fooddesignende wissen solche kleinen Makel ins rechte Licht zu rücken: Je uriger, desto schwedischer. Zumeist präsentieren sie Pfannkuchentorte & Co. auf einem wie zufällig hingeworfenen Geschirrtuch aus grob gewebtem Linnen. Daneben glänzt (nicht zu sehr) die Kuchenform (blauschwarz) mit ein paar rustikalen Krümeln dran. Damit man sieht: Aha, hier wurde gearbeitet, wenn nicht gar geackert. Die trendige Farbpalette der auf grobkörnigem Papier gedruckten Magazine tendiert tatsächlich ins Blauschwarze. Selbst die Erdbeeren haben einen Blaustich. Ich denke bei Blau günstigstenfalls an Blaubeeren, in puncto übrige Speisen jedoch eher an das Verfallsdatum… Anyway. Markiges soll assoziiert werden. Back to nature. Auf ´ner Scholle bäckt der Olle. Und so ist auch dieser cremige Kranz kein Biskuit-Traum mit feinziselierten Marzipanröschen. Auch wenn ich für die Füllung anstatt Blaubeermarmelade Himbeerkonfitüre genommen habe. Nein, es ist ein einfacher Rührteig mit einer ehrlichen Buttercreme und, in Ermanglung von Belegkirschen, gar keinen! Er schmeckt trotzdem sehr gut. Eine schnelle kräm-tårta mit Rührteig gehört in Schweden zur unabdingbaren haushaltstechnischen Illusionskunst. Der Schwede bringt sie von seinen Auslandseinsätzen mit, konfiguriert sie dann skandinavientauglich, indem er Überflüssiges weglässt, dabei auf Geschmack setzt. Mit einer Ausnahme: Bei der überaus beliebten Princesstårta, in ihrem grellgrünen Marzipankleid, versteht der Schwede/die Schwedin keinen Spaß. Da muss jedes Detail stimmen. Dagegen unser robuster, demokratischer Fake-Kranz, der jedem gelingt: Er zickt nicht rum, sinkt nicht ein, nur weil man heute eben nicht seinen besten TortenbäckerInnen-Tag hat. Und auch Zugluft bringt ihn nicht um. Er ist nur einen Tick kleiner als sein berühmtes Vorbild. Deshalb frisch ans Werk mit diesem vorgetäuschten Frankfurter Kranz, der schnell gemacht ist, dazu mit jedem Tag besser wird. Ihr braucht ja nicht gleich an einem Wer-backt-den-aufwendigsten Frankfurter-Kranz-Wettbewerb teilzunehmen. Ganz so, wie die Züchterin unseres alten Dackelchens, das mit einem Knickschwanz zur Welt gekommen war, davon abriet mit ihm beim Teckel-Championchip konkurrieren zu wollen. Geliebt haben wir unsere kleine Siri trotz zu kurz geratenen Schwänzchens ganz bannig. Und so wird es euch auch mit dem Fakefurter Kranz gehen. (Liebe kleine Siri!)

Ihr braucht: Eine Kranz- oder Guglhupfform (Ø 22 cm)

Zutaten Rührteig:

  • 100 g weiche Butter oder Margarine
  • 150 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • Ein Schuss Amaretto oder Himbeergeist oder ein Fake-Aroma
  • 1 Prise Salz
  • 3 Eier (Größe M)
  • 150 g Weizenmehl (Type 405)
  • 50 g feine Speisestärke
  • 2 gestrichene TL Backpulver

Zum Füllen und Verzieren:

  • 1 kleines Glas Himbeer- oder Erdbeergelee
  • 1 Tüte Haselnusskrokant oder Mandelblättchen

Etwas Margarine zum Einfetten der Form, etwas Mehl zum Bestäuben.

Zutaten Buttercreme:

  • 1 Päckchen Puddingpulver Vanille- oder Sahnegeschmack
  • 400 ml Milch
  • 2 EL Zucker
  • 250 g weiche Butter, Zimmertemperatur
  • 50 g Puderzucker
Frankfurter Kranz Oster#
Zur Stärkung erst mal eine (Kaffee-)Bohne

Und so geht´s:

Kuchenform fetten und mit Mehl ausstäuben. Backofen vorheizen: Ober-/Unterhitze etwa 180 °C / Heißluft etwa 160 °C.

Der Rührteig:

Butter/Margarine cremig rühren. Nach und nach Zucker, Vanillin-Zucker, Amaretto und Salz unterrühren, bis eine gebundene Masse entsteht. Eier nacheinander auf höchster Stufe zugeben. Mehl mit Speisestärke und Backpulver mischen, auf mittlerer Stufe kurz unterrühren. Den Teig in die vorbereitete Kuchenform füllen und glatt streichen. Im unteren Drittel des Backofens ca. 45 Minuten backen. Stäbchenprobe machen!

Kuchen nach Beendigung der Backzeit 10 Min. in der Form stehen lassen, dann vorsichtig auf einen Kuchenrost stürzen und vollständig erkalten lassen. Bei einer Silikonform geht das Aus-der-Form-lösen ganz einfach, bei anderen Formen müsst ihr vielleicht vorsichtig mit einem Kunststoff-Messer nachhelfen.

Und jetzt die Buttercreme:

Pudding nach Anweisung aus Puddingpulver, den 400 ml Milch und Zucker kochen. In eine Schüssel umfüllen und bei Zimmertemperatur erkalten lassen. Immer wieder umrühren, damit sich keine Haut bildet. Alternativ mit Klarsichtfolie abdecken. Am besten nehmt ihr nach dem Puddingkochen auch direkt die Butter aus dem Kühlschrank, denn:

Pudding und Butter müssen, bevor sie miteinander verrührt werden, dieselbe Temperatur, nämlich Zimmertemperatur, haben!

Zimmerwarme Butter und Puderzucker mit dem Mixer hell cremig rühren. Zimmerwarmen Pudding esslöffelweise unterrühren und weiter zu einer glatten Creme schlagen.

Füllen und Verzieren:

Den Kuchen 2 x waagerecht durchschneiden. Die zwei unteren Böden erst mit dem Gelee, dann mit der Hälfte der Buttercreme bestreichen. Obersten Boden oben drauf setzen. Den Kuchen mit der restlichen Creme umhüllen. Mit Krokant/Mandelblättchen verzieren.

Soll die Creme etwas fester werden, stellt sie kalt. Allerdings wird sie dann auch schnell steif und lässt sich nicht mehr so gut verarbeiten. Wenn ihr gerne mit der Spritztülle arbeitet, nur zu. Ich lasse das mal besser, denn sonst ist nachher mehr Creme auf meiner Schürze als auf der Torte.

Das Meisterwerk am besten über Nacht durchziehen lassen und servieren.

Ach, übrigens: Anstatt Belegkirschen habe ich einfach ein paar Kleckse Gelee auf die Torte gegeben. Wer hat schon Belegkirchen zuhause?

Frohe Ostern wünscht Euch Eure Stina!

Noch ´ne Tasse? Wie ich mein Faible für skandinavisches Design auf Porzellan verewigte.

Design nordisch

Tassen sind etwas, das wir täglich benutzen. Und sicher sind wir uns einig, dass eine schwarze Tasse mit messerfletschendem Totenkopf drauf weniger gute Laune verbreitet als eine mit einem lustigen Wichtel bei der Gartenarbeit. Nicht zuletzt, weil letztere mein Spezialgebiet sind. Die Wichtel und die Gartenarbeit. Doch auch die Totenkopftasse erfüllt situationsbedingt sicher ihren Zweck: Bei Streitigkeiten mit z.B. fiesen Nachbarn entspricht sie wohl eher der Seelenlage der Protagonisten. Könnte ich mir vorstellen. Aber auch da würde ich den Wichtel empfehlen. Denn dazu sind sie ja da: Um gute Laune zu schenken, fünfe mal gerade sein zu lassen. Peace! Außerdem male ich keine Messer. Aus Prinzip nicht.

Ich gebe zu, mein liebstes Malmotiv sind Wichtel. Stelle mir vor, wie sie da in ihrer kleinen Parallel-Welt und doch mitten unter uns leben. Socken verstecken, Fingerhüte stibitzen (macht sich gut als Sektkühler im Wichtel-Wandregal), Indianergeld mopsen, gemütlich Mini-Muffins verzehren und dabei über ihren neusten Coup lachen. Da ich derzeit jedoch viel mit nordischem Design zu tun habe, ließ ich mich zur Abwechslung von der Fülle skandinavischer Design-Ikonen inspirieren. Nicht, dass ich eine begnadete Künstlerin wäre. Ich male einfach gern. Schon meine Mutter wusste mich stundenlang zu beschäftigen, indem sie mir nach der Schule zeitnah meine Malstifte und eine Tafel Schokolade reichte. Wenigstens die Schokolade zeigte dabei umfangreiche Erfolge. So fällt der Dank an meine Mutter etwas zwiespältig aus.

Das Aquarell zur Tasse, unterstützt von Filzschreibern

Eine meiner größten und gleichzeitig einsamsten Leistungen war es wohl, meinen Setzkasten mit all meinen gesammelten Figürchen, Fläschchen usw. abzuzeichnen. Und natürlich Ungalulla, eine Stadt, die ständig wuchs, an der man jedwedes Stadium kindlicher Malentwicklung ablesen konnte. Damals war ich mächtig stolz auf meine Zeichnungen, fertigte ich doch über einen Zeitraum von vier Jahren jeden Tag ein neues Bild an. Wo ich damals die Hartnäckigkeit hernahm, weiß ich nicht mehr. Denn als Jugendliche hatte ich, im Zuge meiner weiterführenden deutschen Schullaufbahn, eine Vier bis Fünf in Kunst. Im Klartext: Ausreichend bis Mangelhaft. Trotzdem nahm ich unverdrossen an einem regionalen Malwettbewerb teil. Mit dem Ergebnis, dass man mir mitteilte, das nächste Mal solle ich das Bild aber selber malen, nicht meinen großen Bruder machen lassen. Ich legte also eine kreative Pause von mehreren Jahren ein. 

Duck & Duckling werden´s wohl gerade noch so ins Taxi schaffen!

Als Jugendliche, mit vierzehn, fünfzehn, malte ich heimlich weiter. Gar grässliche Drachen zum Beispiel, die meine Freunde mit verwunderter Abscheu betrachteten. Wagte mich damit sogar an die Jugendzimmer-Wand meiner besten Freundin und erhielt prompt Hausverbot von ihren Eltern. Später dann: Mein Mann und ich als Elfenpaar, die Flügel so zart, dass wir, von nicht eben filigraner Statur, im Auenland wohl auf ewig als Bodenpersonal Dienst tun müssten. Die Freunde wussten zu dieser meiner neusten Kreation nichts zu sagen. Schweigen kann echt eklig sein.

Stilleben mit Almedahls Sill-Motiv, Bengt & Lottas Rentier, Normann Copenhagens Blocktable, dem Architectmade-Vogel sowie den Flowerpot-Leuchten von &Tradition… und Gitte

Aber: Ich malte weiter. Trotz des Schweigens guter und weniger guter FreundInnen. Möchte hiermit allen Opfern niederträchtiger Kunstlehrerinnen in aus alten Perserteppichen gefertigten Schlabberröcken zurufen: Macht weiter! Malen ist eine wirklich tolle Sache. Egal, ob es sonst noch jemandem gefällt. Das ist ein bisschen so wie mit dem Singen. Vielleicht habt ihr, die ihr so gerne in den blauen Himmel trällert, schon mal gehört: „Oh, nee, hör auf! Du kannst nicht singen!“ Leute, solche Statements stören keinen großen Geist! Singt weiter! Habt ihr außerdem schon einmal daran gedacht, dass nur noch nicht die richtige Musik für eure Stimme erfunden wurde? Ihr diesbezüglich vielleicht einfach nicht im richtigen Erdteil geboren wurdet?

Nichts also, was sich nicht mit einem bisschen guten Willen oder einer gezielten Auswanderung regeln ließe. Zurück zu meinen Tassen-Überlegungen. Wollte also Aquarelle zum Thema malen, welche – nach bildtechnischer Bearbeitung durch meinen Mann – auf Tassen gedruckt werden sollten. Alle auf 12 x 12 cm, Aquarellpapier. Und hier sind sie:

Motiv Nummer 1: Wer, so sinnierte ich, kauft die Teakholz-Enten des dänischen Designers Hans Bølling zu einem Preis, der Raum für üppigste Erklärungen lässt? Ich weiß: Die Idee, das Holz, die Herstellung… Kreativität will bezahlt sein. Was könnte ich also auf die Tasse malen? Stellte mir eine wendige Dame prämittleren Alters vor. Mit hochwertigen Einkaufstüten aus (umweltfreundlichem) Papier. Mit Schmetterlings-Sonnenbrille, auf hohen Pumps einem quietschgelben Taxi entgegeneilend, da sie um 17.00 zu einer Erdbeer-Margerita mit ihrer besten Freundin verabredet ist. Gesagt, getan, verbog ich meine Gliederpuppe in die richtige Position, aquarellierte drauflos. Wer keine Gliederpuppe hat, findet im Internet Abbildungen mit der entsprechenden Pose. Nach dem Motto: Gliederpuppe nach einem Taxi winkend. Früher habe ich mich vor dem Spiegel selbst verknotet, um ein Modell menschlichster Anatomie direkt vor Augen zu haben. Aber mit zunehmendem Alter…

Finger und Hände sind beim Malen eine heikle Sache. Nach dem zehnten Versuch (Hatte mit meinem Radiergummi schon beinahe das Papier aufgerubbelt) bekam das Shopping-Girl elegante Handschuhe. Den etwas zu markigen Schönheitsfleck würde mein Mann hoffentlich nach dem Einscannen wegretuschieren können, sonst würde sie aussehen wie Mr. Beans kleine Schwester. Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Die niedliche Entencombo Duck and Duckling, die 1959 einen Verkehrsstau in Kopenhagen verursacht hatte und damit zum Design-Klassiker aufgestiegen war, sollte ebenfalls mit aufs Bild. Ich malte sie ein wenig schlampig von einem Foto ab, da ich die hochpreisigen Vögel leider nicht mein eigen nenne. Gleichzeitig trieb mich die Sorge um, ob die Entchen es ebenfalls ins Taxi schaffen bzw. in ihrem neuen Zuhause, bei einer so auf ihr Äußeres bedachten Dame, gut haben würden. Ihr seht also: Sind die Figuren erst auf dem Papier, beginnen sie flugs ihr problembeladenes Eigenleben. Den passenden Rahmen geben diesem Bild übrigens blühende Marimekko-Bäume, denn damals war Frühling. Man sollte ihn förmlich riechen können. Das Taxi ist gelb. Nebulös erinnere ich mich an Filme aus den Sechzigern, die in New York spielen, mondän, großstädtisch, wo eben solche Taxis fahren. Irre ich mich bezüglich der Farbe? Künstlerische Freiheit! Juhu!

In der Nacht schlief ich schlecht. Hatte Einschlaf-Yoga mit einem Haufen Dehnübungen praktiziert und war jetzt putzmunter. Meine Arme und Beine fühlten sich überlang an. Musste an den berühmten Holzaffen des Dänen Kay Bojesen denken. Dieses extravagant teure Tierchen widerlegt den Grundsatz von „Design ist Kunst, die sich nützlich macht.“ Außer, man zählt dekoratives Staubfangen zu den haushaltstechnischen Erleichterungen. Fand, dass so ein Design-Affe gut in eine Yoga-Session passen würde. In die Entspannungsphase. Shavasana – meine Lieblingsübung. Gleich am nächsten Morgen wollte ich eine liegende Yogini zeichnen. Ich sage es gleich: Es wurde eine Sitzende aus ihr, da die liegende Version eindeutig an einer Überdosis Yoga dahingeschieden zu sein schien. Ich verknotete erneut die Gliederpuppe. Om! Ins minimalistische StringPocket-Regal – Nichts soll uns ablenken! Om. Om. – setzte ich die knallig bunten Singvögel Ruth und Kay, ebenfalls von Herrn Bojesen. Ich malte die Regalbretter rot aus. Oh, Rausch des Schaffens! Seligkeit der Farben! Alles wurde rot, rot, rot. Yoga mit einem Hauch China-Restaurant. Gut, ich konzentrierte mich auf den Faltenwurf des Feinripp-Hemdchens der Yogini. Bettete sie auf ein rotes Marimekko-Kissen. Neben ihr ein meditativ versunkener Design-Affe. Ganz entspannt. Als sozusagen gefährliches Element rankt sich eine fleischfarbene Taika-Ranke des finnischen Labels Iittala nach oben. Denn jedes Paradies wird bedroht. Yoh! Rosa, Hellblau, Rot, Schwarz und Weiß – meine Lieblingskombi. Ich bin damit ganz allein auf der Welt. Mein Mann sagt, das Yoga-Bild sei „halt mal was anderes.“ Ein anderes Wort für: „Echt jetzt?“

Love and peace!

Nummer 3. Mein absoluter Favorit: Die Frau mit dem Bratenwender. Ist mir einfach so entsprungen. Musste nicht mal meine Gliederpuppe verbiegen und verwursteln. Erinnert ein wenig an Gitte Hænning. Den Älteren unter uns ist die dänische Sängerin noch mit ihrem Cowboy als Mann oder dem knallroten Gummiboot (rot, rot, rot!) in guter Erinnerung. Übrigens ist sie eine toughe, quirlige Frau und internationale Jazzgröße. Vielleicht hatte sie auch mal was mit Rex Gildo… Da steht sie also jetzt. Die Dänin. Frisch und frei. Mit den Sill-Geschirrhandtüchern und ein paar Picknick-Dillstengeln der schwedischen Textilmanufaktur Almedahls, die an einem Haken von Bengt & Lotta hängen. Über Gitte leuchten die feschen Flowerpot-Leuchten von &Tradition. Unten steht der Blocktable von Normann Copenhagen. Um den kleinen Vogel des Dänen Kristian Vedel wird sie sich später kümmern… Keine Angst, er wird nicht im Kochtopf landen. Er ist aus Hooolz! Ich denke mir, sie wird ihn auf dem Schoß sitzen haben, ab und zu über sein glattes Köpfchen streicheln, während sie ihre Gemüsesuppe löffelt. Bevor sie in ihrer Werkstatt letzte Hand an den Nachbau eines Drachenschiffes aus dem späten 10. Jahrhundert n. Chr. legt.

Mich erinnern die frohen Farben des Aquarells an einen Ausflug in den Freizeitpark Rust. Während dieses denkwürdigen Aufenthalts wurde mein Mann bei einer Tour im rotierenden Wikingerboot (als einziger!) völlig durchnässt, überlebte mit knapper Not eine mordsmäßige Fahrt mit der High-Tech-Achterbahn. All das, nachdem wir ein lecker Fischbrötchen an einem nachgebauten norwegischen Kai genossen hatten. Eine unschlagbare halbe Stunde lang waren wir tatsächlich der Illusion verfallen, an einem norwegischen Fjord zu sitzen, hatten uns die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und den Möwen (ja, wirklich!) gelauscht. Und eben lecker Fischbrötchen gegessen. Was lernen wir daraus? Manchmal soll man einfach sitzen bleiben, wo man sitzt. Anstatt dem Grauen geradezu frenetisch entgegenzueilen.

So passt´s sogar auf einen Kühlschrank-Magneten. Nach der Bildbearbeitung durch meinen lieben Mann.

So. Mein Mann hat die Aquarelle eingescannt und fachmännisch bearbeitet. Damit sie ein bisschen praller, klarer wirken. Die Motive wurden auch schon auf die Tassen gedruckt. Wie sich fast alles, was ich produziere, früher oder später auf Tassen wiederfindet. Ich mag es eben, wenn Alltagsgegenstände Geschichten erzählen. Ist wie ein stimmungsvolles Tagebuch. Und ich verspreche auch, dass ich es bei den bereits verschenkten Tassen belasse. Ich weiß doch, wie das ist, wenn man eine Tasse geschenkt bekommt… Die nächste Tombola kommt bestimmt. Ausgenommen Gitte Hænning. Ich meine, der könnte ich doch noch eine schicken…

Meine Lieben, malt und singt

Auch wenn es dann

Auf lange Sicht

Nur euch was bringt!

Yeah!

Dieser Artikel erfolgte unaufgefordert und unbezahlt. Und wenn da jetzt river auf den Tüten steht, dann könnt ihr damit tun, was ihr wollt.

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Leckere Ferrero-Rocher-Torte für Nicht-Fans

Yeah! Ich geb mir die Kugel!

Vom smarten Umgang mit einer Horde Krokantkugeln

Sieht spacig aus, ist aber ein ziemlicher Umwelthammer.

Ehrlich? Ich mag Ferrero-Rocher-Kugeln nicht besonders. Ferrero Küsschen, ja. Dennoch bekomme ich die Krokantvariante mit schönster Regelmäßigkeit geschenkt. Die Kugel. Mit den Nüssen. Mit der involvierten Waffel. Mit dem Nougat. Bislang war Weiterverschenken eine Option, denn es gibt echte Fans. Normalerweise stapeln die Schokokugeln sich fein säuberlich in einem durchsichtigen Plastikkästchen. Aber diese Weihnachten, diese Weihnachten bekam ich eine riesige Kunststoff-Pyramide, in der sich Kugeln in rauen Mengen türmten. Gleich einer Lotteriespirale mit lauter Nieten. Zumindest für mich. Vielleicht mutmaßt ihr, dass die edlen Spendenden allesamt einen Groll gegen mich hegen. Aber nein, weit gefehlt! Aus unerfindlichen Gründen glaubt man/frau, ich sei der größte Krokant-Kugel-Fan überhaupt. Das kommt davon, wenn man seinen Standpunkt nicht deutlich macht, weil man den Schenkenden nicht verprellen möchte. Kann ja schlecht sagen, dass mir die Küsschen lieber wären. Da war also es also, das Ding aus einem anderen Schokoladen-Universum. Ein Spitzbunker aus Plastik, jede einzelne Praline in wehrhafte Goldfolie verpackt, in braunen Papierförmchen meiner Lust auf Süßes harrend. Auf jeder klebte noch ein kleines Etikett mit dem allseits bekannten Logo. Macht also gefühlte zweihundert Schildchen. Sie starrten mich an. Die tausend Augen des Dr. Marbuse waren ein Klacks dagegen. Mein persönlicher umwelttechnischer Weihnachts-Ober-Gau. Also weiterverschenken…

Dann wurde es doch noch lecker.

Sah mich schon mit der Spirale des Todes einem meiner umweltbewussten Freunde aufwarten. „Also nein, Stina, das hätten wir nicht von dir gedacht!“ Achtung Vortrag! Und dann wären die Ungeliebten womöglich im Müll gelandet. Oder auf eine Rundreise durch Deutschland geschickt worden, damit sie am Ende wieder bei mir gelandet wären. Nach Ablauf des Verfallsdatums. Dann fielen mir die gesunden Äpfel ein. Esse sie natura nicht gerne. Als Kuchen aber – Mmh!

Ich recherchierte, wie ich die verflixten Teile in etwas Essbares verwandeln könnte. Leute, wollte nicht noch ein vierwöchiges Konditoren-Praktikum absolvieren müssen, um die Kugeln zu verbasteln! Auf einen Sahne- oder Zuckerschock kann ich ebenfalls verzichten. So hab ich mir dann was Eigenes ausgedacht. Mein Dank hier an alle, die mich mit ihren Rezepten inspiriert haben. Nicht zu kompliziert sollte die Torte in der Herstellung sein. Außerdem wollte ich meine Aggressionen gegenüber den Krokantmonstern (besonders den waffligen Anteilen) ausleben. Zwei Fliegen mit einer Klappe also.

Nachdem ich etwa 20 Minuten versucht hatte, den Einstieg in die Pyramide zu finden, zerfetzte ich mit roher Gewalt den bis dato unsichtbaren Klebstreifen am unteren Ende des Bauwerks. Dann musste erst mal der Gelbe Sack her, um der Kunststoffmassen Frau zu werden. Die 24 NASA-Kugeln waren da noch nicht mal ausgepackt. Also wieder Müll. Warum macht man sowas? Warum kauft man sowas? Warum bekommt man sowas geschenkt?

So, erhalte ich jetzt eine Packung, mache ich einfach eine Torte draus. Sie ist echt delikat, hält sich lange (hätte mich auch gewundert, wenn nicht, ha!), wird sogar immer besser. Hier also mein Rezept für eine leckere Ferrero-Rocher-Torte. Einfach, aber man braucht Zeit, Geduld und Mut. Denn wissen wir, was in so einer Kugel eigentlich drin ist?

Ihr braucht:

Eine Springform Durchmesser 26 cm

Backpapier für den Boden der Form

Für den Teig:

150 g Margarine, zimmerwarm

150 g Zucker

4 Eier

1 TL Backpulver

200 g Haselnusskerne, gemahlen

1 TL Zimt

1 Prise Salz

Zum Bestreichen des Bodens:

2 EL Mirabellenmarmelade

Für die Füllung:

22-24  Ferrero-Rocher-Kugeln

400 g Sahne

Je 1 TL Speisestärke u. Puderzucker miteinander vermischen und wie Sahnesteif verwenden.

1 Päckchen Vanillezucker

Zum Verzieren:

30 g Haselnusskerne oder Mandeln, gehackt

40 g Bitterschokolade

Zubereitung:

  1. Backofen aufE-Herd 175° / Umluft 150° vorheizen.
  1. Weiche Margarine und Zucker schaumig rühren.
  2. Eier unterrühren
  3. Backpulver mit den gemahlenen Haselnüssen vermischen und unterrühren.
  4. Den Boden der Springform mit Backpapier auslegen und den Teig darin verstreichen.
  5. Im vorgeheizten Backofen 25 – 30 min. backen. Vollständig auskühlen lassen.
  6. Springformrand vorsichtig vom Kuchen lösen. Falls nötig, vorher mit einem Plastikmesser leicht vom Rand lösen. Boden auf eine Kuchenplatte stürzen. Backpapier abziehen.
  1. Einen Tortenring oder den Springformrand wieder um den Boden legen. Boden mit Mirabellenmarmelade dünn bestreichen.
  2. Ferrero-Rocher-Kugeln in einer Schüssel fein zerdrücken.
  3. 400 g Sahne steif schlagen, dabei Speisestärke-Puderzuckergemisch und Vanillezucker einrieseln lassen.
  4. Die Ferrero-Rocher-Brösel unter die Sahne heben. Auf dem Boden verteilen und glatt streichen.
  5. Etwa 1 Stunde kühl stellen.
  6. Gehackte Nüsse in einer Pfanne goldbraun rösten.
  7.  Bitterschokolade in Stücke brechen. Im Wasserbad unter Rühren schmelzen.
  8. Geröstete Nüsse am Rand entlang auf die Torte streuen. Geschmolzene Schokolade von weit oben kreuz und quer auf die Torte gießen, sodass ein Netzmuster entsteht. Ihr könnt aber auch Spiralen gießen, Blümchen usw. Das geht am besten mit einem Pfännchen mit Ausguss oder einem Milchkännchen.
  9. Falls noch Rocher-Kugeln übrig sind: Mit einem Messer halbieren und auf die Torte setzen. Mindestens 2 Stunden kühl stellen.

Die Torte hebt sich bei guter Kühlung bis zu 4 Tage auf. Schmeckt am 2. Tag noch besser, wenn sie so richtig gut durchgezogen ist.

Guten Appetit!

Stina Advent

La Houba – Der Cocktail, der aus den Vogesen kam

La Hoube Cocktail La Houba

Ich geb es zu: Ich bin eine alte Cocktail-Schlürferin. Zu hohen Fest- und Feiertagen genehmige ich mir ein Mixgetränk. Mit oder ohne Alkohol – Hauptsache, es schmeckt. Mag sein, dass der Wohnzimmerschrank meiner Eltern mich entsprechend faszinierte, in dem es tatsächlich eine Minibar gab. Als Kind fand ich natürlich eher die kleinen Gabeln in der dazugehörigen Schublade interessant, mit denen sich z.B. Cocktailkirschen vortrefflich aufspießen ließen, und mit deren Hilfe man immer wieder sein Glas fand. An ihrem Ende befand sich eine schwarze Katze, ein Kleeblatt oder ein Herz. Im Einsatz habe ich sie allerdings kaum gesehen. Allenfalls wurde der Eiskühler für Martini Bianco oder Rosso gebraucht. Ein Spiegel an der Rückwand sowie eine kleine Lampe, die man an einer Schnur an- und ausknipsen konnte, machten aus dem kleinen Gefach einen geheimnisvollen Ort. Ich weiß noch, dass ich mir gerne die bunten, verschnörkelten Etiketten auf den Flaschen ansah. Gleich nebenan wurden die alten Rommé-Karten mit den garstigen Jokern aufbewahrt, mit denen wir ebenfalls zu hohen Festtagen bis tief in die Nacht spielten, wahlweise Knabbergebäck oder Weihnachtsplätzchen naschten. Später wurde der dunkle Mahagonischrank (seiner Zeit der letzte Schrei) durch eine helle Schrankwand im Wohnzimmer ergänzt. Auch hier gab es Schubladen, mit dunkelgrünem Filz ausgelegt, damit sowohl Untersetzer als auch Korkenzieher nicht das Furnier verkratzten. Natürlich auch eine Leuchte, die sich wundersam in den Gläsern spiegelte. Kam Besuch, wurde die Schranktür nach unten geklappt und ein Likörchen ausgeschenkt.

La Hoube Cocktail

Mag auch sein, dass ich noch immer inspiriert werde, wenn ich die eleganten Hausbars in Filmen aus den Fünfzigern oder Sechzigern sehe. Drei Männer im Schnee, die Zürcher Verlobung, Dashiell Hammetts Der dünne Mann. Die Herren im Anzug, die Damen im Petticoat oder eleganten Kostüm. Gut, auch eine Steghose mit Norwegerpullover wäre nicht schlecht. Doch, meinem Traum von einer gelungenen – ich sage wirklich GELUNGENEN – Silvester-Party kommen diese Szenarien tatsächlich nahe. Bin da etwas altmodisch. Und das Frauenbild dieser Zeit, – na, da möchte man ja gar nicht drüber reden. Schauderhaft. Da musste meine Generation noch ganz schön was ausbaden.

Und noch eins: Schluckspechte, die alles in sich kippen, finde ich einfach nur eklig. Aber: Einen Cocktail ab und an, mit einer grünen Olive, halte ich für edel und festlich. Gerade, dass es nicht zur Gewohnheit wird, macht es so fein. Habe mir sogar ein kleines Mix-Set geleistet, inklusive Rezepten. Mein Lieblings-Cocktail in diesem Büchlein ist ein alkoholfreier mit hellem Traubensaft. Doch hier komm zunächst einer, der es in sich hat, vielleicht weil er aus den tiefen Vogesenwäldern stammt. Sehe Kaminfeuer vor mir, man klopft sich den Schnee von den Schultern, wirft die Mützen hinter sich  – und da ist es schon: Das Tablett mit La Houba – der feurigen Schönheit aus den Bergen. Kreiert von meinem Mann. Benannt nach einem kleinen, mystischen Bergdorf mit Blick auf den Felsen von Dabo. Nicht geschüttelt, nicht gerührt.

Also: Einfach nacheinander in ein Glas tun, Zitrone an den Rand, Pfefferminzblatt schwimmen lassen und genießen. Und grämt euch nicht, dass die Bestandteile nicht aus den Vogesen stammen. Hauptsache, sie passen hierher! Wer nicht soviel Wodka möchte, tut einfach die Hälfte rein. Es geht ja in erster Linie um den Geschmack, oder?

Stina Advent

Iwwa die Brick – Mannheim sehen und leben

Mannheim. Keine zwei Stunden von hier entfernt, und ich war noch nicht ein Mal da. Das lag nicht unwesentlich an Joy Fleming, die stimmgewaltig den Neckarbrückenblues sang. Der Karl, den Hut in den Nacken geschoben, schlumpfte darin mit schöner Regelmäßigkeit zu einer anderen. Ich geb`s zu: Das Lied lud mich als Jugendliche nicht zu einer Besichtigungstour ein. Die besungene Stadt in meiner Vorstellungskraft somit ebenfalls nicht. Dachte: Rauchende Schornsteine, verbrennende Kohle, Männer mit rußverschmierten Gesichtern, Schutzhelme, Wirsingrouladen, Maschendraht mit Stacheldraht-Ambitionen. Kinder, die, barfüßig, im verdreckten Hemdchen auf der Straße stehen und selbstversunken in der Nase bohren. Ich weiß, auch hochwohlgeborener Nachwuchs bohrt in der Nase. Alle Kinder tun das irgendwann mal. Manche bleiben dabei. Und dann ist da noch Ludwigshafen, sozusagen die Creme de la Creme industrieller Tristesse.

Bei Engelhorns.

Also, Mannheim. Ein immerwährender Kalauer meiner Jugendzeit ging so: Wenn ein Mann auf Reisen geht, hängt seine Frau das Schild „Schweinfurt“ an die Haustür, ist er wieder zuhause, ihr ahnt es schon, eins mit „Mannheim“. Der Witz war ungefähr so prickelnd wie eine Socke in Aspik. Noch ein Grund mehr die Stadt an Neckar und Rhein weiträumig zu umfahren. Bis…

Bis mir ein honoriger Herr, seines Zeichens Architekt, auf der Arbeit sein Leid über die Flut an Billigläden klagte, die eine Stadt im Null Komma Nix kommerziellem Dünnschiss preisgäben. Dieser ist leicht erkennbar, denn er riecht durchdringend nach Nylon und anderen Chemiefasern. Der honorige Herr drückte das natürlich feiner aus. Also er, er fahre aus just diesem Grunde immer nach Mannheim. Dort hätten sich die Gewerbetreibenden zusammengeschlossen, um ein abwechslungsreiches Einzelhandelswesen zu erhalten. Ich recherchierte. Was ich fand, hörte sich nicht schlecht an, passte aber so gar nicht in mein selbstgebasteltes Bild.

Residenzstadt im Quadrat – oder alle Wege führen zum Schloss: Die Innenstadt, zwischen Rhein und Neckar gelegen, ist als Gitter konzipiert: Die Mannheimer Quadrate. Drumherum läuft eine Ringstraße, die strahlenförmig vom Schloss ausgeht: Die Bismarckstraße. Dazwischen liegen die rechtwinklig angelegten Straßenzüge, die Kurfürst Friedrich IV von der Pfalz um 1600 anlegen ließ. Deshalb tragen die meisten Straßen im Zentrum keine Namen sondern eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen. Der Traum eines jeden Briefträgers also… Zwei breitere Hauptstraßen durchziehen die Innenstadt. Die Breite Straße, auch Kurpfalzstraße genannt, verbindet das Schloss mit dem Neckartor und mündet in die Haupteinkaufsstraße Planken.

Unterwegs Richtung Planken.

Flugs erzählte ich meinem Mann vom neuen Image der bislang von uns geschmähten Kommune. Mein Mann sagte: „Also, ich habe gehört, Mannheim sei wirklich das Letzte.“ Worauf ich, ganz selbsternannte Anwältin unterschätzter Einkaufsparadiese, antwortete: „Du meinst bestimmt Ludwigshafen.“  Das saß. Ich konnte ihn zu einem Ausflug nach Mannheim überreden. Auf dem Weg vom Saarland aus durchquerten wir Baden-Württemberg, landeten in Hessen, dann wieder in Baden-Württemberg, zu dem Mannheim schließlich gehört. Über eine lange Straße fuhren wir ein, bis diese sich in ein imposantes Rondell, den Friedrichsplatz, merke! eines der größten zusammenhängenden Jugendstilensembles Deutschlands, erweiterte. Mit Arkaden, Fontänen, Parkanlagen, Wasserturm. Mondän und unerwartet. Nach der Ampel parkten wir in einem Parkhaus in der multikulturellen Fressgasse, was sie auch im besten Sinne war, stiegen aus und waren sofort mitten im Geschehen. Aus gegebenem Anlass waren die zahlreichen Hotels, Restaurants, Bars und Cafés zwar geschlossen, dennoch konnte man sich lebhaft vorstellen, wie großstädtisch es hier außerhalb Coronas zugeht. Tempuswechsel: Geradeaus geht´s zum oben erwähnten Planken, der Mannheimer Shoppingmeile. Mit natürlich den üblichen Ketten und einer etwas verträumten Galleria-Kaufhof.

Immer im Blick: Der 60 Meter hohe Wasserturm. Aber: In den Seitenstraßen dieses Einkaufsnetzes findet ihr eine Menge kleiner, interessanter Geschäfte. Als alter Skandinavien-Design-Fan muss ich natürlich zu Cotto Wohnaccessoires. Viel Sechziger-Jahre-Architektur gehört zum Zentrum von Mannheim, schenkt ihm einen gewissen Retro-Schick. Musste tatsächlich an Kopenhagen denken. Allerdings im Mini-Format. Oder an Jacques Tatis Herrliche Zeiten. Man bewegt sich also durch die Stadt, entdeckt Überraschendes, Barockes, wie die älteste Pfarrkirche Mannheims, St. Sebastian, die innen sehr prachtvoll gestaltet sein soll. Vor ihren Toren findet außerdem ein üppiger Wochenmarkt statt. Verlaufen ist, wegen der umsichtigen Ideal-Stadt-Planung extrem unwahrscheinlich.

Das Mannheimer Schloss: Größter Barockschloss-Komplex Deutschlands und Sitz der renommierten Mannheimer Universität. Zusammen mit der Jesuitenkirche, der Alten Sternwarte, dem Alten Rathaus und St. Sebastian ein wunderbares Barockensemble. Schon unter dem schöngeistigen Kurfürst Carl Theodor gediehen die Schönen Künste gar vorzüglich. Heute darf sich Mannheim UNESCO City of Music nennen. Und das trotz Xavier Naidoo. Kleiner Scherz am Rande…

Wir lassen uns also treiben, biegen mal rechts, mal links ein. Betrachten fasziniert die Steiff-Dekoration bei Kaufhof. Mit Bären, Katzen, Hunden, Affen, Maulwürfen in einer Art Wirtshaus-im-Spessart-Szenerie. Oh sel´ge Kindheit, in der ich einen kleinen Plüschaffen namens Jocko mein eigen nannte! In Quadrat Q5 14 -22 gibt es übrigens noch einen Original-Steiff-Spielzeugladen, aktuell von einer Frau Dörselen geleitet, wie ich lese. Klingt sehr sympathisch.

Etwas ganz Besonderes ist das traditionsreiche Kaufhaus Engelhorn. Das Sortiment ist exquisit. Es gibt sogar Lakrids by Bülow, das ihr unbedingt mal probieren solltet. Etwas teurer, aber raffiniert. Selbst, wenn einem das nötige Kleingeld fehlt (Seufz!), sollte man alleine schon wegen der großstädtischen, an Frühstück bei Tiffany erinnernden Atmosphäre des Engelhorn-Haupthauses, eintreten. Zwischen den einzelnen Kaufhaus-Gebäuden spannen sich zur Weihnachtszeit Lichterketten mit Herrnhuther Sternen. Wann sieht man die denn mal in dieser Menge? Ein bisschen weiter, die Straße runter, liegt linkerhand eine kleine Papeterie mit nützlichen und weniger nützlichen Preziosen. Ich kaufe… nichts! An uns vorbei radeln junge Leute mit Instrumentenkoffern auf dem Rücken, denn es gibt hier auch eine Musikhochschule. Muss ja, wegen City of Music. Platz zum Lustwandeln hat man hier wirklich. E yo, Mennhaim, yo! Ddu bist offffen und luffftisch! Vorsicht ist einzig vor der Straßenbahn geboten. Wusste gar nicht, dass ich noch so schnell rennen kann.

Mannheim, nach Stuttgart die zweitgrößte Stadt im Dreiländereck – Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, ist tatsächlich das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Metropolregion Rhein-Neckar mit derzeit ca. 318.301 Einwohnern. Industrie-, Handel-, Universitätsstadt – all dies trifft auf die ehemalige Residenzstadt zu, die außerdem über Deutschlands zweitgrößten Rangierbahnhof sowie einen der wichtigsten Binnenhäfen Europas verfügt.

Die Masken im Gesicht, versuchen wir einen leckeren Kakao zu trinken. Man ist ja schon so an sie gewöhnt. So kurz nach dem Genuss eines Fischbrötchen vielleicht etwas verwegen. Wie Strauchdiebe verziehen wir uns in eine dunkle Seitengasse, drücken uns in einen Ladeneingang. Ein erschrockener Händler räumt seine Apfelsinen weg. Eine Südfrucht hätte uns jetzt zur Gärung noch gefehlt! Wir taumeln zurück ins Parkhaus. Verlassen die weihnachtlich geschmückten Straßen. Gekauft haben wir nur eine Packung Kaffee und, immerhin, Schuhe für Stefan. Wir überqueren eine Riesen-Brücke. Rauch steigt aus riesigen Industrie-Schloten. High-Tech, Chemie. Ja, ist denn heut´ schon Ludwigshafen?

Fazit: Mannheim ist keine Postkarten-Idylle wie Heidelberg, dafür sehr quirlig und lebendig. Sechziger Jahre Stahl trifft Jugendstil, Barock, Gründerzeit. Parks begrünen das Stadtbild. Wie z.B. der Luisenpark. Mit seinen 80.000 Quadratmetern eine riesige grüne Oase mitten in der Stadt. Ich lese, es gibt ein original chinesisches Teehaus, tausende Tier- und Pflanzenarten (Echt jetzt?!), und auch dem Storch gefällt es hier so gut, dass er gar nicht mehr gen Süden fliegen will, stattdessen wie wir im Nest hockt.

Auf jeden Fall muss es in einer Universitätsstadt ein Studenten-Viertel geben. Das sehen wir uns im Frühling an. Hoffentlich ohne Maske. Habe von einem namens Jungbusch gelesen. Aha, am Hafen liegt es. Das Kreativ-Eldorado Mannheims für die ganze Familie samt Galerien, Szene-Kneipen und hippen Bars. Gut, Szene ist nicht so mein Ding. Aber ansehen lohn sich wohl trotzdem. Und dann sind da noch die ganzen historischen Sehenswürdigkeiten. Stelle es mir so vor: Wir sitzen uns in ein Straßen-Café, lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen und beobachten das Monnemer Treiben. Abends könnte man sogar dem Theater einen Besuch abstatten. Oder mit dem Handy und meinem Mann eine Partie Riesenschach spielen, mit sich selbst als Figur. Meinte ja nur, wegen der akkuraten Straßenaufteilung…

Ich entschuldige mich hiermit offiziell bei den Mannheimern, dass ich annahm, ihre Stadt sei ein chemieverseuchtes, rußiges Etwas. Dabei ist sie doch so spannend, im Aufbruch und grün! Sollte ich mich auch mal nach Ludwigshafen wagen?

Danke auch, Herr Architekt, für den wirklich wertvollen Tipp! Und Joy Fleming war eine super Sängerin und Frau!

So, der zweite Corona-Shutdown ist amtlich. Nehmt´s mir nicht übel, dass ich gerade jetzt einen solchen Artikel einstelle. Doch ich hoffe, dass vielleicht schon nächstes Jahr ein unbeschwerter Weihnachtsbummel möglich sein wird. Und dann kommt Monnems große Stunde.

Eine frohe Adventszeit wünscht euch Stina

Advent, Advent…

Lerne Schwedisch im Advent

Ich weiß gar nicht, wie lange ich diesen Adventskalender schon besitze. Jedenfalls ist er mir lieb und teuer geworden. Den Sommer verbringt er, zusammen mit allem möglichen Krimskrams wie Schneekugeln ohne Schnee, Sternen mit abgebrochenen Zacken, Wichteln ohne Mütze, in meiner Lieblingskommode, die ebenfalls schon einige Jährchen auf dem Buckel hat. Jedes Jahr am ersten Dezember gründele ich also wieder nach dem schon etwas abgegriffenen Papierbogen. Weil er so schön nostalgisch ist. Und weil ein weihnachtlich erleuchtetes Städtchen darauf zu sehen ist, in dem man selbst gerne wohnen würde. Ich zumindest mal. Vielleicht gefällt er euch ja auch. Mag sein, dass ihr euch sogar die Zeit nehmt, bei einer Tasse Tee oder Kaffee, in die wundersame Weihnachtswelt einzutauchen, wo Stress und Ich-muss-noch-so-viel-erledigen einfach keinen Zutritt haben. Jeden Tag, oder sagen wir besser: Alle zwei Tage werde ich weitere Türchen für euch öffnen, damit eure Adventstage ein bisschen heller strahlen. Bin ja jetzt schon etwas im Verzug. Wer Schwedisch lernen möchte, findet kleine Bildunterschriften in dieser Sprache. Und wie wird das ausgesprochen? Den jeweiligen Satz einfach in ein Übersetzungsprogramm in die Schwedisch-Spalte kopieren, auf das Lautsprechersymbol klicken und vips! könnt ihr es hören.

Übrigens: Am 24. werdet ihr dann das ganze Bild bestaunen können. Ich wünsche euch eine ganz wundersame Weihnachtszeit!

Morgen, am 13. Dezember, feiert man in ganz Schweden das Fest der heiligen Lucia, der Lichterkönigin. Mit ihrem Gefolge, den tärnor (Jungfern) und den stjärngossar (Sternenjungen) erleuchtet sie die Dunkelheit und verspricht uns, dass die Tage bald wieder länger und heller werden. Es gibt lussekatter, quietschgelbe Saffran-Hefe-Teilchen mit zwei Rosinen darin samt hochprozentigem Glögg, dem schwedischen Glühwein. Lustigerweise findet dieses Jahr ein Lucia-Umzug auf dem Dach des Stockholmer Schlosses statt, damit auch in Corona-Zeiten möglichst viele Leute zusehen können. Eine liebe Freundin hat mir außerdem gerade den Link für den Luciamorgon in Jukkasjärvi geschickt. Schaut´s euch doch mal an!

Jag önksar er en riktigt GOD JUL!

Stina Advent

Kein Hexenwerk: Schwedische Deziliter (dl) umrechnen

Sicher habt ihr schon gemerkt, dass schwedische Rezepte zumeist in dl angegeben werden. Was? Vor dem Backen erst mal noch rechnen? Da geh ich doch lieber eine Runde spazieren. Aber Leute, das ist doch kein Problem! Damit ihr vips! umrechnen könnt, verlinke ich euch eine nützliche wie informative Seite: Trollland. Mit seinen drei L`s ist ja allein schon der Name zauberhaft. Journalistin und Nordlandexpertin Birte erklärt euch dort puderzuckerfein alle schwedischen Maßeinheiten. Ganz ohne Magie. Also: Upp och hoppa! Auf, ans Werk!

Stina Rezept

Die lustigste Badewanne der Welt – Ich mache keine Werbung; ich find´s nur einfach gut!

Zenkuru Badewanne badkar

Oder, wie mein Bruder sagen würde: Klappen gehört zum Handwerk!

Oder: Die Lösung für kleine Badezimmer

Können Badewannen lustig sein? Wohl nicht per se. Aber die Insassen schon! Not Diamants are a girls best friends, nein, der Badezuber ist es! Wahrlich unglaublich, wie ein Teil aus türkisfarbenem Plastik unsere Lebensfreude derart steigern kann. Tatsächlich erinnert das Ganze an jene Puppenbadewannen aus Kunststoff mit Fake-Armaturen, in der wir seinerzeit Schlummerle nebst Teddybär einer neuen Frisur zuführten. (Schlummerle? Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt an die Schlafpuppe mit Weichkörper, die das tat, was Babys, hoffentlich, zumindest manchmal tun sollten: Schlummern.) Selten also kamen die Haare respektive das Fell unbeschadet durch eine solche Wellness-Anwendung. Die Innereien des Teddys, in den Sechzigern noch aus Stroh, fingen an zu verfaulen, was man recht bald am üblen Odeur des Schmusetiers erkennen konnte. Die Augenlider mancher Puppe klimperten nach erfolgtem Vollbad wie jene Hildegard Knefs nach einer durchzechten Nacht. Dass ich noch einmal so ein Plastikteil mein eigen nennen würde… Wer hätte das gedacht? Und dass ich selbst, statt Schlummerle und Teddy, diesmal drin säße! Den Kopf an die Nackenstütze gelehnt, die Beine ausgestreckt (Nein, ich bin kein Zwerg!), wohlig im duftenden Schaum eines Badezusatzes dahindämmernd…

Und das kam so: Als wir vor einiger Zeit den Beschluss fassten die dunkelblauen Siebziger-Jahre-Kacheln unseres Bades gegen etwas weniger Katakomben-Flair auszutauschen, entbrannte zwischen meinem Mann, mir (Partei A) und meinem Schwiegervater (Partei B) ein heftiger Streit. Damals hatte es Partei A gerade mal über die Fünfziger Marke geschafft, während Partei B munteren Schrittes die Achtzig überschritten hatte. Neben der Angst vor Teelichtern, die zuweilen ganze Häuser in Flammen aufgehen lassen sollen, und, seiner Meinung nach, in enger Verwandtschaft zu Grablichtern stehen, hegt mein Schwiegervater eine immense Abneigung gegen mehr als 10 Liter Wasser in geschlossenen Räumen. Mineralwasser in Flaschen ausgenommen. Schwiegermütter mit täglichem Verbrauch von 5 Litern Sprudelquelle ebenfalls exklusive. Wie leicht entstünden durch Baden Überschwemmungen, breche man gar samt gefüllter Wanne durch die Decke ins Parterre. Außerdem, so beharrte er, sei Baden unzeitgemäß. Heute dusche man. Viel hygienischer als in seinem eigenen Schmutzwasser herum zu dümpeln! Womöglich noch umgeben von schicksalsschwangeren Teelichtern samt einschläfernder Meditationsmusik, die ebenfalls an ewige Ruhe gemahne. Ich frage mich: Woher kannte er unsere Gewohnheiten nur so genau?

Gut, ganz unschuldig war ich an seiner Phobie nicht, da ich in froher Runde, zu vorgerückter Stunde gerne die Story von Oma Dreher zum Besten gab. Während meiner Studentenzeit in Saarbrücken wohnte sie eine Etage über mir, von wo sie eines Tages mitsamt ihrer Toilette im Badezimmer meiner Wohnung landete. Denn das Haus stammte aus dem 18. Jahrhundert, die Hohlräume zwischen den Deckenbalken waren mit Stroh gefüllt. Da Oma Dreher gerne badete, dabei aber vergaß den Wasserhahn zuzudrehen, hatte sich das Stroh so voll gesogen, dass die Decke brach. Stroh und Badewasser: Eine Amour four. Was die alte Dame jedoch nicht davon abhielt, nach erfolgreicher Renovierung weiterhin ihren Badeorgien zu frönen.

„Mit Tosca kam die Zärtlichkeit!“

Si tacuisses… wären wir Badende geblieben! Partei B führte gegen unsere Einwände jetzt zunehmende Gebrechlichkeit ins Feld. Von welcher Partei B bislang zwar verschont geblieben war, die jedoch – so sicher wie Damokles` Schwert – bereits fröhlich über unseren Köpfen schwinge. Da brauche man eine begehbare, barriere-, sprich: badewannenfreie Zone. An einer Badewanne bleibe der Uneinsichtige hängen (Hä?), wenn er nachts mal raus müsse. Er respektive sie bräche sich überdies beim Rausklettern den großen Zeh. Ganz zu schweigen vom Hinschlagen auf – durch Überschwemmung verursachtem – glitschigem Boden. Zack, Oberschenkelhalsbruch. Und bräche man sich den Hals, sei das erwiesenermaßen schlecht. Die Badewanne müsse raus! Unter dem Albdruck seiner eigenen Horror-Visionen raufte mein Schwiegervater sich das noch einigermaßen volle Silberhaar. Wie prickelnd dagegen sei eine erfrischende Vitaldusche! Vips und weg, der ganze Dreck unmittelbar im Ausguss. Das Haar meines Schwiegervaters lag jetzt übrigens wieder glatt wie Schwanenfedern an. Ich war überzeugt. Mein Mann ebenfalls. Sah ich mich doch wie jene dicken, schwarzen Käfer, die beim Waldspaziergang schwerfällig über den Weg taumeln, vor einer etwaigen neuen Badewanne auf dem Rücken liegen. Reglos. Ohne die Chance auf einen lieben Menschen, der mich auf den Bauch dreht, damit ich ins Bett kriechen könnte. Wo ich mich dann bis in alle Ewigkeit schämen dürfte, da ich nicht von einer Badewanne hatte lassen können.

Was bekamen wir also? Ein richtig modernes Bad. Mit Möbeln, die einer Sintflut biblischen Ausmaßes standhalten könnten. Statt der markanten schwarz-beigen Fliesen wählte ich die gediegeneren, irgendwie voll-beigen, damit ich im hohen Alter nicht meinen jugendlichen Überschwang würde bereuen müssen. Was noch? Ach, ja, eine begehbare Dusche mit Klarglas-Abtrennung, von der wir seither vergeblich versuchen die äußerst kalkhaltigen, kommunalen Wasserspritzer abzukratzen. Tritt man beim Rückwärtsgehen versehentlich barfuß auf die Laufschiene, hört man die Engel im Himmel singen. Und den kleinen Zeh hab ich mir des Nächtens auch schon gebrochen. Am Türrahmen, weil ich zu faul war meine Puschen anzuziehen.

Vier lange Jahre lang dachte ich, gerade wenn es draußen so richtig eklig nasskalt war, kurz vor dem Einschlafen an meine alte Badewanne. Ja, ich träumte von ihr. Wenn ich ganz doll fokussierte, konnte ich sogar dieses ungeheuer wohlige Frösteln spüren, das auf Hals, Schultern und Armen prickelt, wenn man sich in der Badewanne aufsetzt. Es ist ja gerade dieser Übergang von heiß zu kühl und umgekehrt, der so köstlich ist. Komm, dachte ich mir, wenn du dich mental so gut in eine imaginäre Badewanne versetzen kannst (Beachtet das geniale Wortspiel!), dann brauchst du doch gar keine richtige! Zumal mein Mann den Bekehrten mimte, indem er immer wieder betonte, wie sehr ihm die Duscherei (Duschkopfeinstellung: Regenwald) behage. So sprach er Jahr um Jahr, bis…

Bis ich die faltbare Wanne im hippen Fifties-Design entdeckte!

Wer einmal in einer schwedischen Mietwohnung weilte, kennt sie: Die Nasszelle. Häufig ohne Fenster. Immer ohne Bewährung,. Da aber auch winterharte Nordleute schaumbaden wollen, ist die zusammenklappbare Badewanne seit Längerem ein Dauerseller in Schweden. Findige Menschen (darunter eine Hausfrau, die ein diesbezügliches Startup gründete) bescherten dem Badesüchtigen diverse Meisterwerke balnearischer Raumwunder. Aber keines war wie…

TATAAA:

Ich sah sie. Ich liebte sie. Vom ersten Augenblick an. Wir bestellten sie. Bei einer schwedischen Firma. Weil die deutsche gerade nur weiße hatte. Jetzt steht sie aufgeklappt in unserem Bad. Wir könnten sie auch wieder zusammenfalten und platzsparend verstauen, aber: Sie ist so hübsch! Strahlend türkis. Mit Haltegriffen, Körbchen und Bänkchen, damit auch kleine Leute sich über Wasser halten können. Und Kopfstütze.

Eines Abends war es soweit. Leise Meditationsmusik in Endlosschleife ertönte, als ich nach einem langen Arbeitstag die Wohnung betrat. Mein Mann hatte zwei Teelichthalter (in sicheren Teelichthaltern) aufgestellt. Ein Badezusatz namens Kuschel sorgte für üppige Schaumkronen (Nun ja, musste sie bildtechnisch vervielfältigen, damit man meinen Badeanzug nicht sieht). Im praktischen Hängekörbchen (Hallo? Das der Badewanne, nicht des Badeanzugs!) harrte meiner Mineralwasser (Reminiszenz an Partei B). Serviert im bruchsicheren Plastikbecher, wohlgemerkt. Tatsächlich musste ich noch ca. eine ¾ Stunde warten, da das Wasser zu heiß war, und die Badewanne irgendwie voll thermo ist. (Hmm, funktioniert dann also auch zum Kühlen von Bierkästen im Sommer, oder, eh!, Champagner! Probiert´s aber lieber nicht aus. Ist so vom Hersteller wohl nicht vorgesehen.) Aber dann: Oh seliges Vergessen. Beinahe wäre mir ein kleines Lied über unsere neue Errungenschaft in den Äther entschlüpft. Doch ich bremste mich. Nachdem ihr jetzt solange durchgehalten habt, möchtet ihr sicherlich…

Ein paar technische Daten zu der Badewanne von Zenkuru, für die wir uns entschieden haben:

  • Für ca. 150 Liter Wasser, wenn ihr drin sitzt
  • Empfohlene Körpergröße/Personengewicht ca. 185 cm/120 kg
  • Maße, ausgeklappt: L 128 cm, B 60 cm, H 53 cm
  • Maße, zusammengeklappt: 128 x 63 x 20 cm
  • Gewicht: 11 kg
  • Material: Polypropen, Thermoplastisches Elastomer (TPR), Stahlrahmen
  • Größe Ablaufschlauch: Durchmesser 3 cm, 95 cm lang

Man sitzt angenehm weich, der Rücken wird dennoch gestützt. Abgerundete Kanten aus Hartplastik erlauben es, die Beine auch auf dem Badewannenrand abzulegen. Die Arme sowieso. Ansonsten gewinnt die Wanne durch das Einfüllen des Wassers an Stabilität. Der Boden ist rutschfest. Mit 1,68 m kann ich sogar meine Beine ausstrecken, wenn ich aufrecht sitze. Mein Mann, 1,86 m, muss die Beine anwinkeln. Wasser kann über den Duschkopf o.ä. eingefüllt werden. Ein Pfropfen verschließt die Wanne. Durch Einsatz eines mitgelieferten Schlauchs kann das Wasser nach dem Baden in den normalen Ausguss abgelassen werden. Das stabile Stahlgestell sorgt für ein leichtes Ein- bzw. Aufklappen der Wanne.

Zur Wanne gehören neben dem Schlauch ein Ablagekörbchen (süß!), eine bequeme Nackenstütze, beides zum Einhängen per Klick, sowie ein kleiner Hocker mit Saugnäpfen, damit er nicht verrutscht. Der schwedische Vertrieb Cool Stuff empfiehlt, die Wanne nach dem Baden mit einem trockenen Tuch auszureiben, oder feucht mit etwas Spülmittel. Und sie ist gar nicht teuer!

Tipp: Es gibt sie nicht nur über die schwedischen und deutschen Filialen von Cool Stuff sondern auch von Schwänlein. Falls ihr nach anderen Modellen sucht: Schlagwörter deutsch: Badewanne faltbar/klappbar // schwedisch: badkar / badbalja  / vikbar

Merke: Es geht uns doch gar nicht darum jeden Tag in der Badewanne abzuhängen. Aber allein die Vorstellung nach einem arbeitsreichen Tag in schaumiges Vergessen abtauchen zu können, hilft den oft stressigen Alltag zu meistern. Und wenn es dann endlich so weit ist: Der Duft des Badeöls, das Zerplatzen der kleinen Schaumblasen an der Oberfläche, wenn man seinen großen Zeh ins warme Wasser tunkt… Welch ein Genuss! Seufz! Luxus! Wo bleiben die Geigen?!? Und wir sind ja nicht die ersten, die Baden schön finden. Ich meine, da waren die Römer, die Finnen…

Badewanne klappbar Schwänlein
So… türkis!

Übrigens: Mein Schwiegervater (Partei B) nennt eine äußerst hübsche Badewanne sein eigen. In der allerdings weder er noch meine Schwiegermutter – aus besagten Gründen – jemals baden. Und da man – ich vergaß – im heißen Wasser schrumpelt. Meine süße Rache besteht aus einer Vielzahl weihnachtlicher, sommerlicher, herbstlicher, österlicher, alltäglicher Teelichthalter mit echten Teelichtern darin! Und unserer geheimen, zusammenklappbaren Plastikwanne mit einem Fassungsvermögen, das zehn Kästen Mineralwasser locker übersteigt. Aber sonst sind eine Schwiegereltern wirklich die besten, die man sich wünschen kann!

Dieser Artikel erfolgte wirklich unaufgefordert und unbezahlt. Kaum zu glauben, aber wahr!

Stina Rezept

Stina (inkl. Falten) wurde fotografiert von Stefan Strauß. Technische Daten von Cool Stuff. Taucht mal ab, ihr Lieben

Zitroniger Zitronen-Mascarpone-Kuchen von TanjaMarie

Zitronen_Mascarpone_Kuchen

Ich wollte, dieses super leckere, schnelle Rezept wäre in meiner Versuchsküche entstanden. Ist es aber nicht. Es stammt von TanjaMarie, einer findigen Bloggerin aus dem sonnenverwöhnten Breisgau. Hab ihren Zitronen-Mascarpone-Kuchen gestern Abend ausprobiert und – vips! – war er auch schon verputzt. Leicht und locker wie ein besonders schöner Traum, und so schmeckt er auch. Dabei so cremig, dass er auf der Zunge zergeht. Das Rezept verlinke ich euch hier. Dann könnt ihr auch gleich die wunderschöne Blümchendeko von TanjaMarie bewundern.

In Ermangelung von Butter habe ich den Kuchen mit Margarine gebacken. Mit Butter wird er natürlich noch leckerer. Den Zuckerguss habe ich anstatt mit Zitrone mit Amaretto-Likör hergestellt. Damit kann man also getrost experimentieren. Mein Tipp für den November: Packt ein paar Stücke dieses Schmankerls in eine Frühstücksbox, nehmt euch eine Kanne heißen Schwarz- oder Grüntee mit, zieht euch warm an und dann nichts wie raus an die frische Luft. Dort schmeckt´s nochmal so gut!

Also: Besucht TanjaMarie auf ihrem ebenso schönen wie nützlichen Blog!

Rezept Zitronenkuchen
Fluffig, fluffiger, am fluffigsten.
Stina Rezept

Original schwedische Kola-Muffins

Backen Kola Muffins Rezept schwedisch

Hier kommt wieder mal ein echt schwedisches Rezept. Diesmal nicht von Tante Maja, sondern eins, das meine Mutter vor Jahren mal aus einer soliden Hausfrauenzeitschrift ausgeschnitten hat. Aus welcher genau, kann man vor lauter Schokoklecksen nicht mehr erkennen. Die hat nicht meine Mutter sondern ich zu verantworten. Nur das man´s sagt. Jedenfalls werden sich alle „gottegrisar“, alle Schleckermäuler, freuen.

Ein wenig Zeit braucht man schon um sie zuzubereiten, die schokoladigen Muffins mit dem dicken Cremehäubchen. Aber eigentlich ist es nur das Schmelzen der Butter bzw. Margarine, das etwas aufwendig ist. Um ein bisschen anzugeben (Warum sehen meine Torten immer anders aus, als die Kunstwerke in diversen Backbüchern?) kommen die kleinen Verführer gerade recht. Aber Achtung: Schwedens lieben es extra süß. Sollte das für eure Gaumen zu heftig sein, so nehmt einfach etwas weniger Topping pro Muffin. Oder ihr tut weniger Zucker in die Creme. Doch wenn ihr das ultimative Creme-Erlebnis wagt, die Muffins ein, zwei Tage im Kühlschrank stehen lasst, durchdringt die Schokolade gleichsam den Teig und, voilà, ihr habt die größte Praline der Welt! Trinkt ihr Kaffee oder Tee dazu, solltet ihr diesen nicht mehr süßen. Denn was zu viel ist, ist zu viel.

„Gottegrisar“ sind eigentlich, ja, hm, Schnabulierschweinchen. Aber bevor man das gesagt hat, mopst einem vielleicht schon jemand den letzten Muffin vor der Nase weg.

Die Creme schmeckt übrigens auch super gut in einem Rührkuchen, den ihr in zwei Hälften schneidet, dann die unterste sowie die oberste mit Creme bestreicht. So ist es pro Stück auch nicht mehr so üppig.

Kola hat übrigens nichts mit Coca Cola zu tun. Es ist ursprünglich eine Süßigkeit aus Butter, Zucker, Kakao, Sahne oder Sirup, die unbedingt zum schwedischen Weihnachtsfest gehört und wie kleine Pralinés angeboten wird.

Und jetzt: Upp och hoppa! Frisch ans Werk! Für die dl-Maßangabe besorgt ihr euch am besten den praktischen Messlöffel-Bund, die måttknippa, des bekannten schwedischen Möbelherstellers.

Der Teig (für 12 Muffins):

  • 100 g Butter
  • 2 Eier (Größe M)
  • 2 ½ dl Puderzucker
  • 1 ½ dl Weizenmehl
  • 4 EL Kakao zum Backen
  • 1 TL Vanillezucker
  • 1 TL Zimt
  • 1 Prise Kardamom
  • 1 Prise Salz

Die Füllung:

  • 50 g Margarine
  • 1 ½ EL Mehl

1 – 1 ½ dl Zucker

  • 1 ½ EL Kakao zum Backen
  • ¾ dl Milch
  • 1 dl Sahne
  • 1 Schuss Amaretto oder etwas anderes Hochprozentiges

Und so geht´s:

Teig: Butter in einem Topf bei schwacher Hitze schmelzen und etwas abkühlen lassen. Eier und Zucker in einer Rührschüssel zu einer dicken Creme schlagen. Geschmolzene Butter langsam unter Rühren zufügen.

Mehl, Kakao, Vanillezucker, Zimt, Kardamom und Salz in einer Rührschüssel mischen. Alles über die Ei-Zucker-Butter-Masse geben und zu einem geschmeidigen Teig verrühren.

Ofen auf 175 °C, Umluft, vorheizen.

Teig in die Muffinsformen verteilen. Alternativ mit Papierförmchen auskleiden und dann einfüllen.

Auf zweitunterster Schiene ca. 15 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen und in der Form vollständig auskühlen lassen.

Datti im Kola-Himmel

In der Zwischenzeit einen Kaffee oder Tee trinken, oder sich anderweitig vergnügen.

Als Model hat sich diesmal Datti, zur Verfügung gestellt. Sie ist die Schwägerin der dänischen Designikone Kay Bojesen. Datti trägt einen schicken Norweger-Pullover in Retro-Rot samt keckem Zipfelmützchen. Bevor sie in den Winterurlaub zu ihrem Mann Boje aufbricht, wollte sie nochmal auf ihren flotten Skiern vorbeikommen. Danke Datti! Und schöne Ferien!

Toppingcreme: Margarine in einem Topf bei mittlerer Hitze schmelzen. Mehl, Zucker und Kakaopulver unter ständigem Rühren hinzufügen. Milch, Sahne und Amaretto hinzufügen. Weiterrühren und dabei sachte die Temperatur erhöhen, sodass die Masse zu kochen beginnt und dicker wird. Das geht relativ schnell. Nach 1 – 2 Minuten Topf vom Herd nehmen. Etwas abkühlen lassen (Masse wir immer dicker!). Über den Muffins verstreichen und genießen.

Wartet nicht zu lange, bis ihr die Creme über den Muffins verteilt. Dann wird das Topping sehr ebenmäßig und schön glänzend. Ich habe dazwischen noch Wäsche aufgehängt, die Wohnung aufgeräumt, meinem Hund Bällchen geworfen, was im PC nachgesehen, tja, und dann wurden sie eben nicht ganz so perfekt…

Die Muffins heben sich übrigens im Kühlschrank recht lange auf. Der Weltrekord liegt bei 7 Tagen. Man kann sie also auch als Single backen und dann jeden Tag eins verschnabulieren.

Backt´s mal nach