Energie tanken auf dem saarländischen Momberg

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Kleiner Berg mit großer Wirkung

Der Tipp kam von unseren lieben Freunden Astrid und Eddi. Es regnet nicht. Wir haben Zeit. Energie kann man immer gebrauchen. Grund genug uns auf den Momberg bei Gronig im Sankt Wendeler Land zu beamen. Als wir am Waldparkplatz Kapellenwiese aus unserem kleinen Space Star aussteigen, fängt es an zu nieseln. Natürlich. Doch das stört keinen großen Geist. Die Kapuzen auf und los. Nach kurzem Anstieg – festes Schuhwerk solltet ihr tragen – erreichen wir das energiegeladene Plateau, auf dem zunächst das markante Kriegerdenkmal ins Auge fällt. Wir sind also richtig, genießen den Ausblick auf die Sankt Wendeler Hügellandschaft. Jemand hat ein paar Steine, eine Vase mit einem Kiefernzweig auf den Holztisch gestellt. Ein schönes Willkommen. Jetzt eine kurze Drehung: Die sogenannte Energietankstelle liegt vor uns. Hier sollen müde Geister aufgeladen, Kranke mit neuer Lebensenergie versorgt, das Energiewesen Mensch mit dem Kosmos, der Urkraft verbunden werden. Der Kraftort ist strahlenförmig, fünfzackig angelegt. Eine Bündelung, wir mittendrin. Kleine Tafeln zeigen an, welche Energie hier für was fließt. Ihr könnt euch einfach fünf bis zehn Minuten hinstellen um die Energie in euch strömen zu lassen. Oder ihr macht die angezeigten Übungen. Eure Körperhaltung entspricht dabei den Runen auf den Schildern. Gar nicht so einfach – rechts kniend, das andere Bein aufgestellt, den linken Arm nach vorne ausgestreckt, den rechten nach hinten gebogen – kosmische Energie zu empfangen. Denn da sind auch noch die JoggerInnen, die HundebesitzerInnen, die SpaziergängerInnen. Ablenkung also. Ich blinzle, versuche – ganz professionelle Strahlensammlerin – die Leute auszublenden. Jetzt sind alle weg, schwankend komme ich auf die Beine. Fühle mich wie ein Strichmännchen mit Rheuma. Nu, das wird schon, denke ich, und klopfe mir geistig selbst auf die Schulter.

So wird getankt! Sachkundige Anleitung auf dem Momberg.

Da kommt ein Pärchen mit Hund. Ich stehe wieder gerade, winke lässig. So ein bisschen Energie haut mich nicht um. Denke ich. Sie nähern sich. Verweilen. Eine schöne Konversation entspinnt sich zwischen uns. Sehr offen, herzlich. Obwohl wir uns doch gar nicht kennen. Ihr Hund Mailo, was übrigens der Liebenswürdige heißt, und unser Dackel Nuri, der Erleuchtete, spielen energetisch aufgeladen. Freundlich. Liegt´s vielleicht am besonderen Ort? Mein Mann spendiert eine Runde Schokowaffelhäschen. Wir mampfen gelassen, im Einklang mit dem Orbit.

Liebenswürdigkeit, Licht und Zuversicht

Sie kommen oft hier hoch, berichten sie. Zumal der Onkel des jungen Mannes, seines Zeichens Heilpraktiker, der (Wieder-)Entdecker und Urheber des außergewöhnlichen Heilplatzes war. Fleißig markierte er alle Kraftpunkte, suchte die Runen, die entsprechenden Übungen aus, machte sie der Allgemeinheit zugänglich. Ausgewiesene Cracks der Radiästhesie, der Lehre von der Strahlenwirkung auf Organismen, bescheinigten dem saarländischen Momberg überdies außergewöhnliche Strahlkraft. Die, könnte ich mir vorstellen, auch schon die Kelten in einige Verwirrung und Verzückung gestürzt haben dürfte. Selbst die Zugvögel würden sich, so munkelt man, vor dem Berg aufteilen um dahinter wieder in gewohnter V-Formation weiterzufliegen. Wie dem auch sei: In mühevoller Arbeit wurde das energetische Plateau von ehrenamtlichen HelferInnen, mit Unterstützung des Vereins zur Förderung der Dorfentwicklung Gronig, angelegt. Ein NewAgeHype blieb zum Glück aus, der Momberg ein stiller, mystischer Ort.

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Leider, so erzählen die beiden Energiesuchenden, sei der Platz im Zuge gemeindetechnischer Eingriffe arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Steine der Umgrenzungen wurden verschoben, zwei Mammutbäume gefällt (glaubt man dem NABU, sind die eh ein wenig invasiv), Markierungen aus der Erde gerissen. Emsige BewahrerInnen des Mombergs sind allerdings schon dabei, die Schäden zu beseitigen. Auf Basis des Keltischen Baumkreises wurden sogar kleine Bäume gepflanzt. Hier findet ihr euren persönlichen Baum samt entsprechender Charakterisierung. Im Frühling, im Sommer sollen wir mal wieder kommen. Dann sei es geradezu wunderbar hier. Auch den keltischen Ringwall sollen wir anschauen, der ein kleines Stück weiter verläuft. Vielleicht sieht man sich ja wieder…

Wir wandern ehrfürchtig weiter in der Strahlenwelt. Die feuchte Kälte werden wir erst wieder beim Abstieg fühlen. Herz, Lunge, Nerven, Liebe, Harmonie. Für alles gibt´s ein Täfelchen. Samt Atemtechnik und Körperhaltung. Ihr müsst euch nur in den kleinen Steinkreis, euer persönliches Stonehenge stellen. Dann könnt ihr loslegen.

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Schon ein bisschen aufgeladen suchen wir jeder unseren Baum aus dem Keltischen Baumkreis. Meiner ist der Ahorn. Aha, ich, als Ahornfrau, strebe nach Freiheit und Ungebundenheit. Habe ich auch schon gemerkt, nur weiß ich oftmals nicht so richtig, wohin damit. Wenn ich sie dann mal habe. Bei der nächsten Tafel sollen wir einen Lichtstrahl von unserem Kopf über die Füße in den Boden schicken. Zur Erdung, Einswerdung mit dem Kosmos. Ich konzentriere mich. Glaube, da war eine weiße, durchscheinende Verbindung.

Meine Lieblingsrune ist die FA-Heil-Rune, denn von hier aus kann ich allen Wesen Licht senden. „Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben. Ich bin erfüllt mit heilendem Licht.“, steht auf der Tafel. Leise spreche ich es nach. Schön, nicht?

Tatsächlich gelingt der Rückweg wesentlich beschwingter als der Aufstieg, der noch von den Anstrengungen der vergangenen Woche geprägt war. Will sagen: Wir bekamen die Füße nicht hoch, ich stolperte über die ein oder andere garstige Wurzel. Jetzt albern wir herum, überlegen, was wir nachher kochen, fühlen uns, ja, aufgeladen. Keltisch-germanisch aufgeladen. Und wir hatten ja auch dieses schöne Gespräch. Wir kommen wieder. Im Frühling, im Sommer, wenn das Licht durch die zarten Blätter der Bäume fällt.

Die Energietankstelle auf dem Momberg (483 m) liegt oberhalb von Gronig, einem Ortsteil der saarländischen Gemeinde Oberthal im St. Wendeler Land. Vom Parkplatz an der Kapellenwiese aus wandert ihr auf dem Premiumwanderweg Rötelsteinpfad etwa 20 Minuten bergauf, bis ihr am Kriegerdenkmal ankommt. Zur Energietankstelle könnt ihr also in relativ kurzer Zeit hinlaufen, verweilen, und denselben Weg zurückkehren. Zwei, drei Stunden würde ich aber mindestens einplanen, damit ihr auf dem Heilplatz nicht etwa in Stress geratet. Kommt ja auch drauf an, wieviele Organe, Wünsche, Ängste ihr bedenken wollt. Achtung: Es könnte sein, dass ihr den Abstieg verpasst. Warum auch immer. Vielleicht, weil ihr verstrahlt seid, LOL. Dann geht den Pfad einfach weiter. Er führt etwa eine Viertelstunde später ins Tal.

Auf dem Parkplatz könnt ihr euch anhand großer Schautafeln auch über andere Wanderwege, z.B. den Waldlehrpfad Gronig, schlau machen. Möchtet ihr den 14,6 km langen Rötelsteinpfad, der übrigens an den Überresten eines keltischen Ringwalls vorbeiführt, erwandern, solltet ihr schon vier bis fünf Stunden mitbringen.

Schon eine große Tour: Der gesamte Rötelsteinpfad

Die Anfahrt: Auf der L134 am Ortsausgang Gronig in Richtung Selbach führt ein ausgeschilderter Weg Kapellenwiese rechts bergauf. Folgt dem Weg bis zum Parkplatz.

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Tankt mal auf!

Stina Julclub Leben bei den Wichteln

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Mystischer Wasserwald bei Hultehouse

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Es gibt Orte, die haben eine ganz besondere Atmosphäre. Hier zwitschern die Vögel lauter, Blätter rascheln geheimnisvoll im Wind, die Strahlen der Sonne wirken wärmer. Euch streift der Atem der Geschichte. Ja, es wird einem ganz spirituell zu Mute. So ein Ort ist die keltisch-römische Siedlung im Wasserwald.

Nasses Moos auf glitschigen Felsen ist gar nicht so selten, jetzt, Ende Januar. Zumal in den Nordvogesen. Immerhin ein Mittelgebirge. Mit bisweilen rauem Charme. Die warme Decke liegt ganz allein zuhause, während mein Mann und ich uns auf einem Felsen, auf meinem Schal, drängeln, die letzten Lebkuchen knabbern und heißen Pfefferminztee trinken. Dackel Nuri inspiziert derweil die Gegend. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre sind wir jetzt schon dem – zumindest am Anfang – gut beschilderten Pfad mit dem gelben Punkt auf den Leim gegangen. Immer hat er uns über unwegsames Gelände, durch matschiges Gras, über rutschige Baumstämme geführt. Man hätte es eigentlich wissen müssen. Mystisch ausgedrückt: Irgendjemand wollte nicht, dass wir so mir nichts dir nichts – oder überhaupt – zum Wasserwald kommen. Einfacher: Wir haben´s vermasselt. Damit euch das nicht passiert, ihr safe and sound am Wasserwald ankommt, findet ihr am Ende des Artikels eine Wegbeschreibung.

Die kleine Ansiedlung ist nämlich ganz leicht über einen gut begehbaren Fußweg von Hultehouse aus zu erreichen. Packt eine Decke zum Draufsitzen ein, eine Thermoskanne mit Tee oder Kaffee und ein paar Brote, Kuchen, Croissants. Was immer euch einfällt. Denn ihr werdet verweilen. Auf den alten Steinmauern sitzen. Durchatmen, zur Ruhe kommen. Auch mal ruhig sein, nicht reden. Eben dem Wald, der Natur, dem besonderen Ort die Kommunikation mit euch überlassen.

Ist das nicht schön? Einfach mal nicht reden!

Die Überreste des Dorfes im Wasserwald aus gallo-römischer Zeit (3. vorchristliches Jahrhundert) befinden sich an der Grenze der Departements Bas-Rhin und Moselle auf einer kleinen Hochebene der Nordvogesen. Die einstigen Bewohner des kleinen gallischen Dorfes gehörten zu dem Stamm der Mediomatriker, die sich erfolgreich gegen die römischen Invasoren (Romans go home!) und deren Kultur zur Wehr setzten. Asterix, ick hör dir trapsen. Sie waren Selbstversorger, lebten das, was historisch gesehen als Kultur der Vogesengipfel gilt.

Seht ihr ihn auch, den blauen Punkt neben unserem kleinen Hund? Muss eine Elfe sein oder so was ähnliches. Natürlich könnt ihr den Wasserwald auch als einen Haufen bemooster Steine, ein paar übriggebliebene Grundmauern betrachten, euch die Sonne auf der Nase tanzen lassen. Aber vielleicht ist da doch noch etwas mehr… Oder ihr stammt, wenn ihr aus dem Saarland kommt, sogar von den ehemaligen Bewohnern, den Mediomatrikern, ab. Ihr seid besonders rebellisch? Allergisch gegen Römertöpfe? Ganz klar: Potentielle Wasserwald-Fans!

Archäologische Fundstücke aus dem Wasserwald könnt ihr übrigens im Musée de Sarrebourg ebendort bestaunen.

Nur ein Haufen alter Steine oder Kraftort? Probiert´s aus!

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Bitte nach links abbiegen!

Ausgangspunkt ist der kleine Weiler Hultehouse oberhalb von Lutzelbourg in den Nordvogesen. Von Lutzelbourg aus schlängelt sich eine Straße nach Hultehouse, die dort in die Hauptstraße übergeht. Dieser folgt Ihr immer weiter nach oben Richtung Chalet Club Vosgien du Limmersberg. An der Kreuzung Rue de la Côté und Route de Dabo seht ihr schon die Wanderwegweiser. Biegt nach links ab. Immer geradeaus, den Berg hoch. Am Wasserhäuschen könnt ihr parken. Oder auch im Ort, der sehr beschaulich ist.

Grenzwertig: Borne

Jetzt wird es ein bisschen tricky. Nur NICHT nach rechts auf den Wasserwaldweg mit dem gelben Punkt abbiegen! Haltet euch links. Der Weg zum Wasserwald war nämlich ehemals mit diesem gekennzeichnet, endet aber im Nirgendwo. Der neue Weg wurde mit dem blau-weißen liegenden Rechteck bzw. dem roten Kreis, und dem grünen Punkt zusammengelegt. Am einfachsten ist es, wenn ihr dem Wegweiser vom Parkplatz am Wasserreservoir aus zum Chalet des Club Vosgien du Limmersberg mit dem gelben Dreieck folgt, am Chalet, das linkerhand liegt, vorbei und immer geradeaus wandert. Ab hier ist der Weg gut ausgeschildert (mittleres Bild) und führt euch schnurgerade zum Wasserwald.

So könnt ihr auch wieder zurückwandern. Auf dem Weg werdet ihr an ein paar interessanten Grenzsteinen aus dem 18. Jahrhundert vorbeikommen, sog. bornes. Für Hin- und Rückweg braucht ihr bei normalem Tempo eine gute Stunde.

Viel Spaß! Grüßt mir die Waldgeister und Ahnen

Stina Julclub Leben bei den Wichteln
#julclubmeinlebenbeidenwichteln

„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“

Julclub Stina Wichtel Wichtelkunst Collage Regen Schirm

Wichtelkinder planschen durch die Pfützen – Meine Collage gegen regnerischen Trübsinn

Wer kennt das nicht? Draußen regnet es in Strömen; am liebsten würden wir uns auf dem Sofa in eine dicke Decke mummeln und einen Riesenpott heißen Tee schlürfen. Mein Tipp: Rein in die Gummistiefel, den Friesennerz übergeworfen, den Regenschirm aufgespannt! Und dann ab in die Pfützen. Hopsen, planschen, patschen. Genial. Dann, nach einer heißen Dusche, aufs Sofa, in die Decke einmummeln, Riesenpott Lieblingstee schlürfen, Lieblingsserie gucken, vielleicht sogar eine Runde pofen. Ach, wie herrlich!

Macht´s mal nach!

Stina

Maronentorte, Esskastanientorte, Maronicremetorte – aber bitte mit Sahne!

Maronentorte Sahnecreme Maronenmus Rezept Kastanientorte einfach

Einfaches, leckeres Rezept für einen gehaltvollen Herbst

Jedes Mal Anfang Oktober packt mich das Maronenfieber. Was gibt es Hübscheres als die hellgrünen, stacheligen Bällchen in der milden Herbstsonne leuchten zu sehen? Obwohl es weniger angenehm ist, die Esskastanien aus ihrer piksenden Ummantelung zu lösen. Da helfen selbst die dicksten Handschuhe manchmal nicht. Wie gut also, dass es Maronenmus schon fertig in Dose, Tube oder Glas gibt. Manchmal heißt es auch Maronencreme oder Kastanienpüree Für diese fluffige, wunderbare Maronentorte solltet ihr darauf achten, dass das Mus bereits gesüßt ist, denn dann klappt´s auch mit meinen Zuckerangaben. Wenn ihr es süßer mögt, gebt ihr einfach noch ´ne Portion Zucker drauf. Ich allerdings mag es lieber ein wenig zurückhaltender. Als Mus habe ich Crème de Marrons de l’Ardèche von Clément Faugier verwendet. Nicht, weil ich denke, dass diese die beste ist, aber sie ist hier im Saarland und dem angrenzenden Frankreich die am häufigsten vertretene. Will sagen: Habe keine Vergleichswerte. Die 500 g-Dose ist allerdings wegen ihres nostalgischen Designs ein echter Hingucker und viel zu schön zum Wegwerfen. Vielleicht wird ja, nachdem die Torte mit der feinen Kastaniensahnecreme befüllt wurde, ein kleiner Übertopf daraus. Was soll ich sagen: Die Kastaniensahnecremetorte ist allein schon wegen des leichten, dreistöckigen Biskuits eine Gaumenweide. (Wie ihr vielleicht wisst, bin ich nicht so die Tortendekorationskünsterin. Da könnt ihr euch austoben. Auf dass das Backwerk neben der Gaumenweide auch zur Augenweide avancieren möge.) Hinzu kommt das aromatische, mit nichts zu vergleichende, ungemein herbstlich anmutende Aroma der Maronen. Der perfekte Genuss für einen Kaffeeklatsch, wenn draußen die Sonne von einem stahlblauen Himmel durch die bunten Blätter scheint, während das ein oder andere davon schon Richtung Boden segelt. Und wir uns auf heimelige Herbsttage freuen! Übrigens passt schwarzer, grüner, ja sogar Kamillentee wie auch schwarzer Kaffee hervorragend zu diesem wirklich einfach herzustellenden Tortenwunder. Traut euch, ist kein Hexenwerk!

Zutaten für den Biskuitboden:

2 EL Butter

5 Eier (Größe M)

200 g Zucker

1 Prise Salz

170 g Weizenmehl (Type 405)

Zubereitung des Biskuitbodens:

Springform (Ø 26 cm) am Boden mit Backpapier auslegen.

In einem kleinen Topf die 2 EL Butter schmelzen. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen

Eier mit Zucker und Salz mit dem Rührgerät 5 Minutenauf höchster Stufe schaumig schlagen, bis eine helle, homogene Masse entsteht..

Mehl vorsichtig unterheben.

Butter zugeben und mit einem Schneebesen kurz untermengen.

Teig in die Form füllen. Evtl. glattstreichen, damit nicht zu viele, besser noch gar keine Blasen drauf sind.

Im vorgeheizten Ofen 35 Min. backen. Nach Ende der Backzeit Backofentür vorsichtig öffnen und mit der flachen Hand prüfen, ob der Kuchen gar ist. Muss sich in der Mitte noch leicht elastisch anfühlen, darf aber nicht an eurer Hand kleben.

Aus dem Ofen nehmen. Bevor ihr den Springformrand entfernt, mit einem Backmesser (Kein scharfes Messer nehmen!) vorsichtig zwischen Teig- und Springformrand entlangfahren. Teig dann vollständig auskühlen lassen.

Creme de Marrons de l´Ardeche Clement Faugier Maronenmus Esskastaniencreme

Zutaten für die Creme:

500 g Kastanienmus, gesüßt

2 EL Rum oder ½ Röhrchen Rumaroma

Einen guten Schuss Milch

100-140 g Puderzucker (Je nachdem, wie süß ihr´s mögt; mehr Zucker könnt ihr immer noch hinzutun.)

1 Päckchen Vanillezucker

600 ml Schlagsahne, gut gekühlt

2 Päckchen Sahnesteif

Außerdem: Aprikosenkonfitüre zum Bestreichen des untersten Bisquitbodens.

Evtl. Schokoraspel für den Rand als Verzierung. Das nächste Mal nehme ich solche fertigen Schoko-Blätter.

Zubereitung der Creme:

Kastanienmus in eine Schüssel geben. Rum/Rumaroma und einen guten Schuss Milch dazugeben. Alles gründlich miteinander verrühren, sodass ein geschmeidiger, immer noch fester Brei entsteht.

Puderzucker und Vanillezucker hinzufügen und verrühren.

Die 600 ml Schlagsahne in zwei Portionen mit dem Sahnesteif steifschlagen. Also 2 x 300 ml mit je einem Päckchen Sahnesteif. Die beiden Sahneportionen vorsichtig unter die Kastaniencreme heben, bis sich alles gut vermischt hat.

Fertigstellung der Torte:

Biskuitboden auf eine Kuchenplatte heben.

Zweimal durchschneiden.

Untersten Boden auf der Kuchenplatte lassen.

Mittleren Boden auf Extrateller, obersten Boden auch auf extra Teller legen und beiseite stellen. (siehe Fotos!).

Untersten Boden dünn mit Aprikosenkonfitüre bestreichen. Darüber 1/3 der Kastaniensahnecreme verteilen.

Mittleren Boden aufsetzen. Leicht andrücken und mit dem nächsten Drittel Creme bestreichen.

Obersten Boden aufsetzen. Leicht andrücken und mit dem letzten Drittel Creme bestreichen. Dabei auch den Tortenrand mit Creme verkleiden.

 Fertig!

Hier noch eine Ansicht der elsässischen Gemeinde Grendelbruch mit seinen sieben Zwergen und einer Menge Esskastanienbäume sowie ein kleiner Tipp, falls ihr am 14. Oktober noch nichts vorhabt.

Nicht vorenthalten möchte ich euch allerdings diese Wahnsinns-Princesstårta, die meine liebe Freundin Sabine anlässlich eines schwedischen Krebsfestes hergestellt hat. Eine wahre Tortenkünstlerin! Sieht lecker aus und hat auch so geschmeckt. Ähm, trotzdem solltet ihr euch auch an der Kastanientorte versuchen. Bin sicher, ihr bekommt eine wunderschöne Verzierung hin.

Einen schönen Herbst wünscht euch

Stina

Gekonnte Liaison: Fish and Chips meets l’esprit français: Von der Baie de la Somme bis Le Touquet Paris Plage

Le Crotoy Strand Pas de Calais Urlaub

Eine Woche Urlaub am Meer? Ausgangspunkt: Saarland. Ohne Flugzeug? Na, klar! Nordfrankreich! Zum Glück und passend zu unseren Reiseplänen entdeckte ich unlängst den ebenso informativen wie kurzweiligen Blog Mein Frankreich und damit auch St. Valéry sur Somme. Außerdem, so wussten wir von früheren Besuchen, vereinen Picardie und Pas de Calais aufs Schönste normannische Bodenständigkeit mit flämischer Betriebsamkeit, französische Kulinarik mit skandinavischer Weite. Freitagmorgen um fünf torkelte ich also schlaftrunken ins vollgepackte Auto. Wir transportieren unsere Fahrräder nämlich, aus irgendeinem geheimen Grund, den nur mein Mann kennt, im Wageninnern. Ich quetschte mich also neben unseren kleinen Rauhaardackel Nuri, der sich auf dem Beifahrersitz breit gemacht hatte. Mein Mann, ausgeschlafen wie immer, fuhr. Über die Autobahn, ganz geschmeidig. Da wir den Anweisungen unseres Navis allerdings grundsätzlich misstrauen – „Folgen duSie der Straße zwei Kilometer Richtung Nannzi“ – kamen wir mit etwa zwei Stunden Verspätung in St. Valéry sur Somme an. Der Weg ist aber bekanntlich ja auch das Ziel.

Altstadt St. Valéry sur Somme

Saint-Valéry sur Somme: Ein kleiner, pittoresker Ort mit mittelalterlichem Kern im oberen Teil und einer belebten Hauptstraße im unteren, die mit einer respektablen Dichte geschmackvoller, gutsortierter Kunsthandwerksläden und Galerien aufwartet. Eine Menge Restaurants und Cafés sowie eine schöne, breite Uferpromenade, auf der man längs der Baie de la Somme lustwandeln kann, komplettieren das Bild vom perfekten Urlaubsstädtchen. Zur Mittagszeit duftet es nach gebratenem Fisch und Softeis. Von schmiedeeisernen Balkonen aus besehen sich die Einheimischen die Touristen, die im Grunde dasselbe tun wie sie selbst. Aperitif trinken, Schalentiere verzehren, Leute gucken. Alles ganz lässig. Selbst, wenn es an den Wochenenden besonders hoch hergeht: ValéryanerInnen lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch dann nicht, wenn sie in der Gastronomie arbeiten. Doch bei aller Betriebsamkeit ist Saint Valéry immer noch ein beschauliches Fleckchen Erde. On a du temps. Das scheinen auch die Wasservögel zu wissen, die gemächlich durch die in nordischen Blau-Grau-Rosa leuchtende Baie de Somme schreiten, staksen, segeln oder paddeln. Malerisch, mit sanftem Schwung zieht sich die Bucht, die als eine der schönsten der Welt gilt, in das hübsche Städtchen.

Das unvergleichlich weiche Licht der Baie de Somme war schon immer Künstlermagnet, ähnlich dem dänischen Skagen. Die breite Uferpromenade folgt dem Lauf der Bucht, die genau genommen eine Flussmündung ist. Manchmal findet sogar ein nächtlicher Kunsthandwerkermarkt statt. All das erinnert mich ein wenig an skandinavische Fischerdörfchen. Das touristische Sahnehäubchen verleiht St. Valéry-sur-Somme jedoch die nostalgische Bahn samt Dampflock, die bedächtig ihre Bahnen zieht. Nicht nur Eisenbahnfans scheint die Fahrt richtig Spaß zu machen, denn die Fahrgäste schauen alle gleichermaßen verzückt aus ihren Karrees. „Vielleicht sollten wir….?“ „So weit kommt´s noch!“, meint mein Mann. Verstehe: Irgendwas-bleibt-immer-sechzehn trifft auf Rentneramusement. Kinder mit bunten Käppis, Omas mit Sonnenhütchen winken, wir winken zurück. Urlaub!

Bei Ma Biche fleurs, plantes et objets de décoration, eine Mischung aus Kuriositätenkabinett und Blumenladen, kaufe ich einen Plüschseehund. Ein wenig skurril ist er schon, ein bisschen unheimlich vielleicht, wegen der realistischen Zeichnung seines Plüschfells. Ich nenne es ein Kunstobjekt. Auf der Heimfahrt wird er ein gutes Nackenkissen abgeben. Zuhause begrüßt er uns jetzt jeden Morgen im Bad, wo er hingehört. Immer noch skurril aussehend. Allein sein Gesichtsausdruck gibt Rätsel auf.

Eine erste Portion Austern gönnen wir uns in Le Mathurin, einem außergewöhnlich guten Restaurant für fangfrischen Fisch und Meerestiere. Eine prima Stärkung für unsere nächtliche Fahrt ins Schloss, wo wir übernachten werden.

Saint-Valery-sur-Somme ist eine nordfranzösische Gemeinde mit 2.435 Einwohnern im Département Somme in der Region Hauts-de-France. Sie gehört zur Picardie, einer historischen Region, deren Hauptstadt Amiens ist. Berühmter Bewohner: Jules Verne.

Schloss Picardie Baie de la Somme Chateau de Behen Nordfrankreich

Château de Béhen: Wir fahren durch efeuüberwucherte Wäldchen, schummrig beleuchtete Dörfer, überqueren kleine Kanäle. Eine Eule segelt gespenstisch durch das Zwielicht. Die Fahrt von St. Valéry aus dauert nachts länger als geplant. Das Schloss, das sich nachmittags mit seinen Türmchen und Erkern, seinen roten Klinkern noch so elegant gegen den blauen Himmel abzeichnete, ist jetzt heimelig erleuchtet, die Nacht ist lau. Wie Samt. Ich mag ihn ja, den leicht verblichenen Charme betagter Bauwerke, die ihre beste Zeit vielleicht schon hinter sich haben. Jetzt flanieren hier halt keine Adligen mehr im reichverzierten Gehrock, keine Fräuleins mit Sonnenschirmen aus Brüsseler Spitze. Jetzt wird vermietet. Stockrosen säumen die Wege. Pferde, Schafe, Esel und das in dieser Gegend unvermeidliche Minipony knabbern auf der Koppel an sattgrünem Gras. Es darf auch geritten werden. Und es soll auch Kaninchen geben. Streichelzoo. Wenn das nicht volksnah ist. Ein richtiges Schloss, also mit Wirtschaftsgebäuden, Remise und so.

Eine strenge, graurosa Dame mit gepuderter Perücke beobachtet uns missbilligend aus ihrem verschnörkelten Goldrahmen heraus, während wir unsere Habseligkeiten für die Nacht die wuchtige Eichentreppe hinauf schleppen. Sie hat wohl schon feinere Equipage gesehen. Unser Zimmer, ein freundliches Upgrade, da in dem von uns gebuchten irgendwelche Handwerker werkeln, ist fast eine Suite. Lindgrün und rosa. Mit schweren, alten Möbeln, einem Schrank, in dem sich ganze Heerscharen von Liebhabern vor dem eifersüchtigen Ehemann verstecken könnten. Das Sprossenfenster gewährt freien Blick auf die Knabbernden. Also die Vierbeinigen. An den Wänden hängen Drucke aus dem 18. Jahrhundert. Themen, wie sie sich gehören: „Die Dame mit den kleinen Füßen“. Bewundert von einem Galan in Kniebundhosen. Mit ebenfalls kleinen Füßen. Schäferidylle. Ein wenig gruselig: Das Kinderbett aus längst vergangener Zeit. Hui Buh! Die letzte Nacht im Kinderbett! Spukt es hier? Nein, meint der Hausherr mäßig amüsiert. Wie kann er das wissen, bei so vielen Gängen, Türen, Gängen, Türen, Gängen…?

Schloss Picardie Baie de la Somme Chateau de Behen Nordfrankreich

Auch das Bad ist richtig groß und frisch renoviert. Wir sehen noch ein wenig fern. Tatsächlich ein deutschsprachiger Beitrag: Die Bee Gees wiegen uns mit Falsettgesang in den Schlummer: „Ha, ha, ha, stayin‘ alive!“ Hoffe, etwaige Gespenster nehmen das nicht wörtlich. Doch wir schlafen völlig entspannt und losgelöst. Vor allem unbehelligt. Am nächsten Morgen auf dem Weg zum Speisesaal eine Art Fresko über der Tür: Nackte, pummelige Putten traktieren eine schwarzweiße Ziege mit Weintrauben, kitzeln sie am Bart. Was Putten halt so machen. Den ganzen Tag. Urlaub in einem Château mit Kuscheltieren. Der Schlossherr, Monsieur Norbert-André Cuvelier, freundlich, halblanges Haar, hager, ein Original. Was möchten wir zum Frühstück trinken? Kaffee, bitte. Er entschwindet mit einem betriebsamen Coffee, Coffee. An den Wänden bemerkenswerte Gemälde eines ortsansässigen Künstlers, die gelinde gesagt Rätsel aufgeben. Wir dachten schon, der Hausherr hätte selbst zu Pinsel und Farbe gegriffen um seine Zukunftsphantasien mit spitzköpfigen Pärchen vor Sonnenuntergang auf Leinwand zu bannen. Aber nein. Interessant, sage ich. Muss an meinen Seehund denken. Wir frühstücken Croissants mit dotterblumengelber, normannischer Butter und Marmelade. Dazu reicht Monsieur exzellenten Käse und Obst. Diese Übernachtung wird uns im Gedächtnis bleiben. Einmal im Schloss… Doch jetzt müssen wir weiter.

Schloss Picardie Baie de la Somme Chateau de Behen Nordfrankreich
Möchte mal wissen, was das für komische Lichtreflexe sind… HuiBuh!
Le Crotoy Pas de Calais Meer Nordfrankreich Urlaub

Le Crotoy: Ein hübsches, beschauliches, geschichtsträchtiges Fischerdörfchen mit einer Haupteinkaufsstraße, sauberem Strand, Strandpromenade und Mini-Kermess am Kai. Bunte Schwimmreifen, Eimerchen, Schäufelchen und Förmchen, lachende Heringsschwärme auf pittoresken Fischkonserven, Seehunde aus Gips und Porzellan, Sammeltassen, ein Wikingerschiffchen für das Fensterbrett. Was braucht der Mensch mehr? Klar, die obligatorischen Fischhändler dürfen natürlich nicht fehlen. Kleiner Plausch inklusive. Le Crotoy strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Die Häuser sind gepflegt, von Balkonen quellen leuchtendrote Geranien, kobaltblaue Klappläden klappern leise in der Meeresbrise, und alle Wege scheinen irgendwie zum Strand zu führen. Jacques Tati at his best. Wir suchen uns ein Café am Kai. Kinder fahren in dem mit Bussen, Elefanten, Marienkäfern ausgestatteten Karussell. Ein kleiner Junge in einem rosa Flugzeug zieht verzweifelt am Steuerknüppel. Als einziger in einem Flieger mit kaputter Hydraulik am Boden zu kreisen, ist damals wie heute oberpeinlich. Ich weiß, wovon ich rede, sauge mitfühlend an meinem recyclebaren Strohhalm. Allein: Der orangerote Aperol Spritz in der kleinen Bar ist für meine Verhältnisse zu heftig. Es ist auch erst halb zwölf mittags. Dachte, es wäre schon später. Alsbald, ich ein wenig schwankend, machen wir uns nach Le Touquet Paris Plage auf, um in der dortigen Herberge ein Mittagsschläfchen zu halten.

Le Crotoy Pas de Calais Nordfrankreich Urlaub
Es werde Licht! Strand von Le Crotoy.

Le Touquet Paris Plage: Juhu, wieder standfest! Das ist er also, der weltberühmte Ferienort, dessen Zusatz Paris Plage der Intervention gut betuchter PariserInnen zu verdanken ist, die hier schon seit dem 19. Jahrhundert, spätestens aber seit den 1930er Jahren ihre Sommerfrische in vollen Zügen genießen Er ist, Achtung!, die Perle der Côte d´Opale, der Opalküste. Denn in Le Touquet führen immerhin fast 11 Kilometer feinster Sandstrand am Meer entlang, illuminiert von diesem beinahe überirdischen, perlmuttschimmernden Licht. Spazierengehen, Shoppen, Kiten, Reiten, Golfspielen, Windsurfen, Baden, Muschelnsuchen, Essen – nichts sonst.

Und doch so viel mehr. Eine Oase des Urlaubs. Urlaub an sich, in Reinkultur. Eine wohltemperierte Mischung aus Rummel und Savoir Vivre, Eleganz und Sonnencreme. Der Ort selbst mutet wie eine überdimensionierte Parklandschaft an, mit gepflegtem Rasen, hohen Bäumen, Prachtvillen und deren reichen Bewohnern. Golfplatz und Casino inklusive. Alles extrem sauber. Etwaige Pferdeäpfel werden flugs von kleinen, geräuscharmen Müllautos entsorgt. Der diskrete Charme der Bourgeoisie.

Le Touquet Paris Plage Naturschutzgebiet
Le Touquet Paris Plage Nordfrankreich Pas de Calais

In Le Touquet schauen die weniger Betuchten zu, was die Anderen, the Others, so machen. Zupfen hier ein wenig an unerschwinglichen Designerklamotten, wandeln eisschleckend auf den Pfaden der Superreichen, die sich hier ungeniert, wenn auch besser geschminkt und parfümiert, unters Volk mischen. Außer beim Essen. Da ist man doch lieber unter sich, denn vierhundert Euro für ein Fünfgänge-Menü kann und will sich ja nicht jeder leisten. Doch die Öffnung zum gemeinen Volk hin hat auch günstige Restaurants hervorgebracht, die durchaus Schmackhaftes zubereiten.

Bei aller Vielschichtigkeit heißt es dennoch Obacht geben: Auf rasende Fahrräder, Luxuskarossen, personaltrainierte Damen und Herren hoch zu Ross. Geradelt wird übrigens meist ohne Helm: C´est pas chic avec! Die Eingegipste-Arme-Quote ist entsprechend hoch. Tatsächlich ist Fahrradfahren hier ein bisschen wie Autofahren in Paris. Doch man gewöhnt sich daran und rast einfach mit.

Le Touquet-Paris-Plage ist eine nordfranzösische Gemeinde mit 4226 Einwohnern an der Côte d´Opale. Sie liegt im Département Pas-de-Calais in der Region Hauts-de-France.

Zahlreich sind in Le Touquet Paris Plage auch die – bereits erwähnten – leicht zu übersehenden Minipferde, gar Miniponies, auf denen die Kleinsten erste Reiterfahrungen sammeln können. Geduld ist die Sache letzterer nicht, dafür sind die armen, pummeligen Reittiere umso gutmütiger. Und so süß!

Da also Le Touquet seine Exklusivität jetzt, wie gesagt, auch mit le peuple teilen muss, wimmelt es im Stadtzentrum von mittelständischen Franzosen, Engländern, Belgiern und ab und an ein paar Deutschen, also Leuten, die den Begüterten prozentual nun mal weit überlegen sind. Das Zentrum ist demnach auch nichts für jene unter uns, die zu Schnappatmung neigen. So solltet ihr euch in der Fußgängerzone vorab entscheiden, in welche Richtung ihr schwimmen, pardon, gehen wollt. Wer die Seite wechseln möchte, sollte etwa 15 Meter Wendefläche einplanen und dann beherzt agieren. Freitag, Samstag, Sonntag ist der Hotspot. Die Heerscharen von VerkäuferInnen, KellnerInnen nehmen´s gelassen, immer freundlich und ruhig. Von einem geschützten Caféplatz aus könnt ihr die Reichen und Schönen mit goldbedruckten Papiertäschchen von Dior beobachten, dicht gefolgt von der Carrefourklientel mit recyclebarer Papiertüte. Wer bei allem Catwalk jetzt Lust auf Süßes bekommt, kann sich in der Keksmanufaktur La Manufacture de Touquet mit feinen Cookies in schönen Schmuckdosen eindecken.

Le Touquet marchee couvert lFischmarkt

Lasst euch also einen Keks auf der Zunge zergehen (vielleicht jenen mit dem verführerischem Zitronenaroma) und richtet den Blick nach oben, zu den Fassaden der alten Fischerhäuser, den prachtvoll verzierten Bürgerhäusern. Hier findet ihr den echten maritimen Charme der Jahrhundertwende. Hört den Möwen zu, die kreischend über euren Köpfen fliegen und entdeckt den in der Fußgängerzone schon beinahe wegkonsumierten Reiz dieses alten Sommerfrischeidylls. Begebt euch dann in einen Park oder radelt einfach durch die mit alten Villen (anglo-normannisches Fachwerk!) gesäumten Straßen. So betriebsam es im Zentrum ist, so ruhig wird es, wenn ihr 15 Meter nach rechts oder links ausweicht. Auch hier gibt es schöne Plätze, wie den Place Quentovic, wo man gut und günstig essen kann. Wie z.B. im The Fireman. Sitzt man draußen, kann man den gewieften BoulespielerInnen zuschauen, sogar noch ein paar Tricks lernen. Gegenüber liegt das Carnet de Voyages, in dem ihr maritime, geschmackvolle Mitbringsel zu erschwinglichen Preisen erstehen könnt, während ihr in hippen Outdoorsesseln an eurem Cappuccino nippt. Auf dem weitläufigen Platz finden in den Sommermonaten Handwerkermärkte, Konzerte u.v.m. statt.

Le Touquet Paris Plage

Unbedingt solltet ihr der Fischhalle unter den Arkaden des 1932 eingeweihten Marché Couvert einen Besuch abstatten. Hier könnt ihr fangfrisch Austern, Fisch, Meeresfrüchte bei einem Glas Weißwein probieren. Das Personal: superfreundlich. Im Marché finden Märkte mit regionalen Produkten und Spezereien und sogar Antikmärkte statt.

Obgleich Le Touquet ein wirklich weitläufiges, zusammenhängendes Ensemble aus Grün und bemerkenswerter alter Bausubstanz ist, stehen am Ende der Strandpromenade ein paar schnörkellose Sechziger-Jahre-Hotels und Appartementhäuser, die allerdings nicht weiter stören. Schließlich musste man der mit Automobilen hereinbrechenden Schar der Pariser WochenendausflüglerInnen gerecht werden.

Weil´s so schön war, nochmal der Strand: Kilometerweit nichts als Dünen, feinster weißer Sand, Meer und endloser Himmel. Dahinter: Pinienwälder. Etwas abseits vom Hauptstrand, der zudem an Wochenenden heillos überlaufen ist, kann man mit und ohne Hund  bis zum Horizont wandern, wandern, wandern. Das Wasser erreicht im Sommer angenehme 19° C, der Zugang ist felsenfrei. Wagt euch also langsam und ohne Scheu in den Ärmelkanal, La Canche, der die Nordsee mit dem Atlantik verbindet und gegenüber England liegt. Am Nordende von Le Touquet befindet sich ein reizvolles Naturschutzgebiet mit begehbarer Düne, das mit dem Rad keine 10 Minuten vom Zentrum entfernt ist.

Was gibt´s in der Umgebung?

Boulogne sur Mer Pas de Calais Nordfrankreich
Boulogne sur Mer

Boulogne sur Mer, in der Region Nord-Pas-de-Calais gelegen und Hauptstadt der Côte d´Opale hat eine sehenswerte Altstadt. Die Unterstadt besteht aus dem größten Fischereihafen Europas, Handels- und Yachthafen. Ansonsten wirkt die nach Lille in dieser Region zweitgrößte Stadt mit über 42.000 Einwohnern ein wenig heruntergekommen, aber quirlig und umtriebig mit vielen kulturellen Angeboten. An der Uferpromenade mit massig vielen Fischrestaurants von mehr oder weniger guter Qualität wird sonntags flaniert. Am Strand kann man auch baden, wie die obligatorischen Strandhäuschen beweisen. War uns aber zu nah an irgendwelchen Industrieanlagen. Ja, und mit Hund konnten wir leider nicht in das vielgerühmte Meeresaquarium Nausicáa. Nicht, dass nachher noch ein Pinguin fehlt…

Auf der Flucht vor zu viel Gewimmel kommen wir nach Équihen-Plage, wo wir an dem formidablen Sandstrand des hübschen Dörfchens baden. Der Einstieg ins Meer ist hier, wie an allen Stränden, die wir besucht haben, äußerst sacht. Keine Felsen, ergo keine zerschrammten Zehen oder Knie. Auch hier gibt es 100 m vom eigentlichen Strand entfernt ein Areal, wo Hunde zwar verboten, aber geduldet sind. Also, wenn ein Gendarm uns samt Dackel dorthin schickt, wird´s ja wohl erlaubt sein. Über eine lange Holztreppe gelangen wir an den wenig bevölkerten Strand. Über uns kreisen Drachenflieger, ihr Schatten wirkt wie der eines Flugsauriers. Ein sprudelnder Bach ergießt sich über Felsen Richtung Meer. Sonntagsidylle pur. Da, ein roter Ball in der Luft! Nuri ist nicht mehr zu halten. Was wollen die zwei Menschlinge in der Badehose mit dem Balla? Er stürmt los, schlägt einen geschickten Haken. Ab sofort ist das runde Teil seins. Und Nuri heißt jetzt Messi.

Équihen Plage

Ähm, dreimal dürft ihr raten, wer ihm den Ball wieder abjagen und den rechtmäßigen Besitzern zürückbringen durfte. Sand ist ja so gelenkefreundlich!

Übrigens kann man hier in umgedrehten Booten übernachten. Früher nutzten die Einwohner ÉquihenPlages angeschwemmte Boote als Notunterkünfte, indem sie sie über Kopf drehten. Genaueres könnt ihr in der Verlinkung nachlesen.

In Merlimont, ebenfalls ein Fischerdörfchen, das ihr mit dem Rad über einen Radweg (unbedingt nur diesen Weg wählen!) in etwa 40 Minuten von Le Touquet aus erreichen könnt, pulsiert das Strandleben. Die Reichen und Schönen sind hier nicht. Hierher kommen Familien, die sich Le Touquet nicht leisten können. Wir konnten es auch nur, weil wir ein Last-Minute-Angebot erhaschen konnten. Kinder stehen Schlange an einer der zahlreichen Eis-und Crêpes-Buden. Grellfarbige Schwimmtiere aus Gummi dümpeln im Wasser. Mitgebrachte Sonnenschirme werden resolut in den Sand gespießt, der Selleriesalat aus überdimensionierten Stofftaschen gepackt. Alles planscht und schreit und lacht. Papa hat einen Bauch, Mama auch, das ist aber egal, denn das Leben ist phantastisch! Hier am Strand! Im Zentrum werden per Mini-Kran letzte Vorbereitungen für ein musikalisches Gymnastikevent für alle getroffen. Endlich Demokratie! In der Bäckerei gibt´s bodenständig große Baiserteilchen mit herausquellender Sahne. So muss das sein! Strohhütchen schaukeln neben Presse-Tabak-Fähnchen in der frischen Meeresbrise. Wir trinken Orangina und Kaffee, sind ganz duselig von der vielen Sonne, dem Fahrradfahren, der Freizeit. Die Besitzerin des Ladens bringt Nuri eine Toutou-Bar, einen Napf Wasser. Damit der arme Hund auch was zu trinken hat, sagt sie.

Apropos Essen: Im Sommer kann es vorkommen, dass ihr in Le Touquet keinen Platz mehr im Restaurant, Bistro o.ä. ergattert. Telefonisch bekommt ihr dann oft die Auskunft, es sei alles reserviert. Wagemutige überprüfen das dann vor Ort, auf die Gefahr hin, dass wirklich alles ausgebucht ist. Alternativ empfehle ich euch es in den kleinen Orten um Le Touquet zu versuchen. Das kann schon ein Vorort wie Étaples sein, wo ihr im Le Roulis preisgünstig und gut essen könnt. Und fahrt auch mal in die Umgebung, auf die kleinen Sträßchen. Dann entdeckt ihr vielleicht auch die kleine Trattoria, wo wir Nudeln mit normannisch üppiger Sahnesoße gegessen haben. Nach all dem Fisch musste das einfach sein. Leider habe ich den Namen vergessen.

Besonders schmackhaft und schön könnt ihr in Montreuil essen. Ein Ausflug in die kleine Stadt mit der mittelalterlichen Stadtmauer lohnt sich. Auch, wenn ihr dort übernachten möchtet. Rund um den Marktplatz, aber auch in den Gassen findet ihr prima Restaurants.

Ist alles ausgebucht, gibt es immer noch die zahllosen Crêperien, Fritterien, die Stände mit Fish and Chips. Beliebt auch: Überdimensionierte, hypermoderne Jahrmarktsstände mit Popcorn, Zuckerwatte, Eis. Eben allem, was den Zähnen gut tut.

Wer´s deftig mag, sollte Welsh probieren, ein gallisches Gericht aus geschmolzenem Cheddar auf gegrilltem Brot, getoppt mit einem Spiegelei, oft auch mit Schinken serviert. Dazu trinkt man Bier. Klingt irgendwie nach Strammer Max. Oderr ischt´s gar ein Voorläuferr des Schwitzer Chäsefondüüs?

Fazit: Wer Lust auf Meer, weiße Sandstrände, lange Spaziergänge, ballspielende Menschen in Badehosen, Hundefans, Wassersport, ein gut ausgebautes Radwegenetz, kulturträchtige Gemäuer, malerische Kanäle, viel Fisch, Meerestiere, Crêpes, Pommes und deftigen Käse hat, ist hier richtig. Es weht immer eine frische Brise, die Leute sind entspannt und freundlich. Das Ganze ist eine Mischung aus normannisch, britisch, belgisch (obwohl das natürlich kein Mensch aus der Picardie bzw. dem Pas de Calais so unterschreiben würde) mit wunderbarem französischem Esprit, mondän und bodenständig zugleich. Und bis auf die Einkaufsstraßen in Le Touquet Paris Plage unaufgeregt und erholsam. St. Valéry sur Somme fand ich geradezu zauberhaft, zumal die Umgebung wie ein von kleinen Kanälen und Brückchen durchzogenes Gärtchen anmutet. Und so schön flach, dass es geradezu nach ausgiebigen Fahrradtouren schreit. Denn ich bin ja, wie ihr wisst, ein ausgesprochener Flachlandradler. Deshalb wäre auch das Clairmarais zu erwähnen, ein ebenfalls von Kanälen, Fischteichen und zauberischen Wäldern geprägtes Biosphärenreservat um St. Omer herum, das Entspannung pur verspricht. Das muss ich aber noch überprüfen!

Das war ja mal wieder viel Subjektives und wenig praktische Information, würde mein lieber Bruder jetzt sicher sagen. Ja, wo soll ich anfangen, wo aufhören, bei einer kulturell und landschaftlich so tollen Region? In diesem Sinne: Macht eure Erfahrungen selbst und fahrt mal hin! Ach ja, in Berck könnt ihr, wenn ihr Glück habt, Robben beobachten. Überall könnt ihr Gärten, Klöster, Schlösser und natürlich alte Kirchen besichtigen… Das haben wir uns fürs nächste Mal aufgespart.

Wisst ihr, das Beste was einem urlaubsmäßig passieren kann, ist doch, wenn man sich gerne an die schöne Zeit zurückerinnert. Genau das passiert, wenn ihr nach Nordfrankreich fahrt. Und wie mein Mann immer sagt: „Das kann uns keiner mehr nehmen.“

Stina

Dieser Artikel erfolgte unaufgefordert und unbezahlt.

Maus und Igel lassen sich´s gut gehn

Maus und Igel Höhle Herbst Winter Frühling Kollage Julclub Collage Tier Kinderbuch

und hoffen auf Vernunft

Puh, ist das ein Wetter! Es stürmt und regnet in Strömen. Doch es ist Wochenende. Was werde ich also machen? Nun, es Maus und Igel gleichtun! Die haben sich nämlich ein wärmendes Feuer angezündet und sitzen geschützt in ihrer Höhle. Während draußen das Unwetter tobt, die Blätter fliegen, der Regen peitscht, naschen sie von den Früchten, die sie im Herbst gesammelt und getrocknet haben. Viele Geschichten fallen ihnen ein, z.B. jene, als der Igel sich vor einem Auto zusammenrollte und beinahe überfahren worden wäre. Wenn, ja, wenn die Maus ihm nicht einen kräftigen Tritt – vermutlich in den Hintern – gegeben hätte. So genau konnte sie das in ihrer Panik gar nicht erkennen. Aber da sind auch die schönen Erinnerungen an jede Menge Leute, mit denen man ebenfalls wunderbar zusammensitzen konnte. Mal in intensive Gespäche vertieft, mal schweigend. Wobei dem Igel jene, mit denen er entspannt schweigen konnte, die liebsten waren.

Ab und zu wird die Maus mit geschlossenen Augen ihr Schnäuzchen in den zartduftenden Kamillentee tauchen, während der Igel behaglich seine alte Meerschaumpfeife schmaucht und alle zehn Sekunden selig seufzt.

Später, sehr viel später, wenn ihnen vom vielen Sich-Erinnern schon die Augen zufallen, werden die beiden sich noch weiter in ihr heimeliges Zuhauses zurückziehen. Denn – ihr könnt es zwar nicht sehen, vielleicht aber ahnen: Da gibt es eine kleine, grüne Holztür, hinter der sich die Wohnstube der Freunde verbirgt. Tatsächlich gibt es dort zwei Betten mit richtig dicken Kissen und Bettdecken. Und zwar rotweißkarierte. So kuschelig, dass sogar das leise Schnarchen der Maus ein wenig gedämpft wird. Aber da ist der Igel sowieso schon längst eingeschlafen. Nur seine Schnurrhaare beben noch sachte nach, da sie die Düfte des vergangenen Tages in ihren Spitzen tragen…

Ich weiß auch, wovon Maus und Igel träumen. Wisst ihr´s auch?

Maus und Igel Höhle Herbst Winter Frühling Kollage Julclub Collage Tier Kinderbuch

Leider sind derzeit ungeheuer viele Menschen (und Tiere) weit davon entfernt in einem gemütlichen Heim zu sitzen, sich geborgen zu fühlen. Im Gegenteil: Sie müssen fliehen, frieren, hungern, ihr Zuhause ist zerstört, sie müssen ihre Liebsten zurücklassen, vielleicht irgendwo an der Front kämpfen, ihr Leben geben, als Kanonenfutter dienen. In speziell auch diesem einen Krieg in der Ukraine, der, wie alle Kriege, Tod und Verderben über die armen Menschen dort bringt. Ich könnte kotzen. Kotzen und heulen gleichzeitig, wenn ich an dieses absolut unnötige Beispiel menschenverachtender Verblendung, Dummheit, diesen fatalen Ausbruch tödlichen Größenwahns denke. Mit Verlaub. Ich weiß nicht, was man tun kann, um diese merkwürdige Welt zum Frieden zu führen. Aber ich kann an euch appelieren: Haltet euch einmal, nur einmal, vor Augen, was es bedeutet, so viel, vielleicht alles und alle zu verlieren. Stellt euch doch mal vor, wie es euch erginge! Uns eint doch, dass wir Menschen sind. In denen tatsächlich auch viel Gutes steckt. Das werdet ihr merken, wenn ihr ein bisschen nachdenkt, euch auf das besinnt, was wirklich wichtig ist. Wer braucht schon Machtmenschen, Ausbeuter & Co.? Die meisten von uns wollen im wahrsten Sinne des Wortes doch nur in Frieden gelassen werden.

Und wehrt euch gegen die IdiotInnen von rechts, die uns weismachen wollen, dass sie die Lösung für all diese Probleme haben. Das ist keine Option! Niemals!

Stina

Collage „Maus und Igel lassen sich´s gut gehn“ von Jutta Stina Strauß

Skúffukaka – Der Vulkan unter den isländischen Schokokuchen!

Skuffukaka Schokolade Kuchen Island Rezept einfach

Die IsländerInnen lieben ihn mit Lakritze. Ich lasse sie hier lieber mal weg. Ist doch jedes Mal ein kleiner Schock, wenn süßes Schleckermäulchen auf scharfen Salmiak trifft. Aber die Nachfahren der Wikinger sind wohl hart im Nehmen. Auf Island ist der etwas klebrige Kuchen jedenfalls der Renner. Und klebrig sollte er sein. Anstelle von Buttermilch könnt ihr auch Joghurt nehmen. Hat ja nicht jeder eine vollumfängliche Ziege oder Kuh zuhause. Vollmundiger ist jedoch die Buttermilchvariante. Gebacken habe ich den Schokokuchen in einer 26er Springform, am Boden ausgelegt mit Backpapier. Isländische BäckerInnen nehmen normalerweise eine rechteckige Backform, schneiden das Backwerk dann in leckere Blöcke. Hier also die runde Version. Statt der üblichen Kokosraspel habe ich gemahlene Mandeln darübergestreut. Einer kleinen Prise Kardamom konnte ich mich ebenfalls nicht enthalten. Denke aber, der Skúffukaka, zu Deutsch Schubladenkuchen, ist trotzdem noch isländisch genug. Mein Maß ist eine ganz normale Kaffeetasse (ca. 150 bis 160 ml). Nehmt also nicht den XXL-Kaffeebecher, der euch normalerweise den Arbeitstag versüßt. Doch genug des Vorgeplänkels. Frisch ans Werk!

Übrigens: Am besten schmeckt der Skúffukaka, wenn er eine Nacht durchgezogen hat. Also gut verstecken und, wenn nötig, mit Waffengewalt verteidigen!

Mums läckert! Mhm, lecker!

Die Zutaten für den Teig

  • 2 1/2 Tassen Weizenmehl (Type 405)
  • 2 Tassen Zucker
  • 1/2 Tasse Kakaopulver
  • 1 TL Natron
  • 1 TL Backpulver
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Kardamom
  • 1 TL Zimt
  • 1/2 Tasse zerlassene Margarine
  • 1 Tasse Buttermilch oder Joghurt
  • 1/3 Tasse frisch gekochter, heißer Kaffee
  • 2 Eier

Die Zutaten für den Guss

  • 2 Tassen Puderzucker
  • 3 EL Kakaopulver
  • 3 EL zerlassene Margarine
  • 1 TL Vanillearoma
  • 3 EL frisch gekochter Kaffee
  • 2-3 EL heißes Wasser

Die Deko

Kokosraspel, gemahlene Mandeln, Chillies oder auch ein paar Lakritzkatzen, von denen die Mutigen unter euch auch gerne einige in den Teig versenken dürfen.

Skuffukaka Schokolade Kuchen Island Rezept einfach

Die Zubereitung:

Der Teig:

Den Boden einer 26er-Springform mit Backpapier auslegen.

Den Backofen auf 175°C Umluft vorheizen.

Die Margarine für den Teig (1/2 Tasse) in einem Topf auf kleiner Hitze zerlassen und beiseite stellen. Kaffee kochen, 1/3 Tasse davon abnehmen und beiseite stellen.

Trockene Zutaten miteinander vermischen.

Die zerlassene Margarine, den Kaffee, die Buttermilch/Yoghurt und zuletzt die Eier unterrühren.

Teig in die vorbereitete Backform füllen. Ca. 25 Minuten im unteren Drittel des Backofens backen. Wer den Kuchen nicht so klebrig mag, lässt ihn 5 bis 7 Minuten länger drin. Bei einer eventuellen Stäbchenprobe sollte trotzdem noch minimal etwas kleben bleiben.

In der Zwischenzeit: Den Schokoguss herstellen:

Margarine (3 EL) zerlassen.

Kaffee kochen.

Puderzucker, Vanillearoma (gemahlen, aus der Kapsel oder auch frisch aus der Schote gekratzt) und Kakaopulver vermischen.

Margarine, heißen Kaffee und heißes Wasser unterrühren und zu einer geschmeidigen Masse verarbeiten.

Die Fertigstellung:

Nach Beendigung der Backzeit den Kuchen aus dem Ofen nehmen. Springformrand NICHT lösen. Mit einem spitzen Messer vorsichtig vom Rand lösen. Springformrand immer noch DRUM LASSEN. Mit einem Holzstäbchen kleine Löcher in den Kuchen pieksen.

Den Schokoguss über den noch heißen Kuchen gießen.

Mit Kokosraspeln, Mandeln, Nüssen, Chillies bestreuen.

Alles in der Form erkalten lassen. Den Kuchen jetzt noch einmal mit einem Messer vorsichtig vom Springformrand lösen. Springformrand abnehmen et voilà!

Mit einem Tortenheber vorsichtig auf eine schöne Kuchenplatte heben.

Backt´s mal nach
Stina

Les délices de la campagne

Warum die Hochebene von Saint Louis in Lothringen einen Besuch wert ist

Es ist vielleicht nicht der spektakulärste Ort am Rande der Nordvogesen, aber die friedvolle Weite der sonnigen Hochebene lohnt einen längeren Spaziergang allemal. Die Rede ist vom lothringischen Saint Louis, das umgeben ist von Weiden, Wiesen und Feldern, kleinen Wäldchen und sonst… recht wenig. Und das ist gut so. So kann man den Blick auf die blauen Berge der Vogesen auch wirklich genießen. Ein knackiger, roter Apfel markiert den Wanderpfad, der gerade durch das Fehlen von Berg und Tal wunderbar kontemplativ wirkt. Obwohl, eine abschüssige Passage bzw. Steigung bleibt euch doch nicht erspart. Entscheiden könnt ihr aber, ob ihr lieber am Anfang aus der Puste kommen, oder am Ende, beim Abwärtsgehen, stramme Waden bekommen möchtet. Findet ihr das Apfel-Symbol erst später, ist das auch nicht schlimm. Im Grunde lenkt die Landschaft eure Füße, trägt euch. Ganz weit weg von allem seid ihr hier. Im wahrsten Sinne des Wortes erhaben über das stressige Gewusel und Gewimmel, welches Menschen sich leider allzu oft abhalten. Ein zwei Bänke gibt es, auf denen ihr verweilen solltet. Am besten mit einer heißen Tasse Tee und etwas mürbem Gebäck. So wird es perfekt. Betrachtet die Kopfweiden, überlegt, was die schon alles gesehen haben mögen. Unter Umständen wohl ebenfalls nicht so viel. Vielleicht sind sie deshalb so alt geworden. Ungefähr in der Mitte eurer Wanderung werdet ihr ein Couvent, einen Konvent finden, der allerdings nicht mehr bewohnt ist. Irgendjemand kümmert sich jedoch. Wohl ein paar rührige DorfbewohnerInnen. Denn da sind junge, gepflegte Bäume und auch das Gebäude selbst macht keinen verlassenen Eindruck. In der kleinen Kapelle, Chapelle Saint-Vincent de Paul, zünden wir eine rote und eine grüne Kerze an. Bei dieser Kombi kann nichts schief gehen. Nur, falls eine Kerzenfarbe einen besseren Draht/Docht nach oben hat.

Saint Louis liegt ca. zehn Kilometer östlich von Sarrebourg, im Nordwesten des Vogesenmassivs, zwischen 215 und 393 m über dem Meeresspiegel. Es gehört zum Departement Moselle des Grand Est, ist Teil des Arrondissement Sarrebourg-Château-Salins und der Pays de Phalsbourg. Freizeitkapitänen wird das Schiffshebewerk in Saint-Louis Arzviller bekannt sein. Nicht weit entfernt liegt natürlich auch das hübsche Städtchen Sarrebourg. 1634, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde das Saint Louis vollständig zerstört und entvölkert. Will heißen, wer nicht fliehen konnte, wurde getötet. Erst 1705 siedelten hier wieder Menschen. Immer wieder wurde das Dorf in den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich zerrieben. Heute hat die Gemeinde um die 660 Einwohner, les Ludoviciens, deren Vorfahren aus allen Himmelsrichtungen hierher eingewandert sind. So hat der derzeitige Bürgermeister von Saint Louis, Monsieur Gilbert Fixaris, irische Ahnen! Saint Louis ist ein typisches lothringisches Straßendorf. Die eindrucksvolle Kirche liegt genau im Schnittpunkt der beiden Hauptachsen. Verfahren oder verlaufen kann man sich deshalb tatsächlich nicht. Wenn ihr mehr über die wechselvolle Geschichte des Örtchen wissen möchtet, klickt hier.

Unser Geist ist jetzt wirklich Om, im Einklang mit Körper und Seele. Vor allem, weil ich nicht kraxeln muss. Wer mich kennt, weiß, dass ich eher Flachlandtirolerin bin. Tirilli, tirilla! Der erste Zitronenfalter flattert durch die laue Luft, ein Sperber steht hoch am Himmel, ich habe Kuhmist am Schuh, aber es ist… egal!

Glücklich und beseelt machen wir uns auf dem Heimweg, und da entdecken wir:

Les Délices de nos Campagnes

Schade, wir haben eindeutig zu viele Kekse gemampft um hier anzukehren. Aber am nächsten Tag sind wir wieder zur Stelle. Unter dem Motto «De la fourche à la fourchette»*, das im Deutschen nicht so recht klingen mag – verarbeitet Marine Reichheld in ihrem Restaurant und Cateringunternehmen nur frischste Zutaten, überwiegend solche, die dem Bauernhof ihrer Familie entstammen. So können Zwischenhändler, lange Wege, Tierleid vermieden werden. Nun ja, sieht man davon ab, dass Wurst und Fleisch leider noch nicht aus der Retorte kommen. Als echtes Baurenkind weiß Marine, worauf es bei nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln ankommt, bietet gutes Essen Made im Département Moselle an. Zu vernünftigen Preisen. Und was da auf den Teller kommt, kann sich sehen lassen. In unserem Falle ist das:

Eine delikate Gemüsesuppe, gefolgt von einem großen Stück Pizza, und zum Abschluss eine überdimensionale Schwarzwälderkirschtortenvariation. Ja, das Stück war genauso üppig wie das Wort.

Im hinteren Bereich wird ein großer Saal fleißig für Familienfeste, Geschäftsessen usw. genutzt. Gerade gestern hätte sie eine große Kindtaufe gefeiert, erklärt Marine gutgelaunt. Man sieht ihr an: Die Zubereitung von Essen macht ihr Freude. Flugs zeigt sie uns einen Ordner mit Ihren köstlichen Kreationen. Vom pfiffig dekorierten Lachsschnittchen bis hin zum cremigen Bûche de Noël ist alles dabei. Getreu ihrer Maxime , dass jede von ihr zubereitete Mahlzeit von Herzen komme, reist sie sogar bis in die Schweiz, um dort für das leibliche Wohl ihrer Kunden zu sorgen. Will man allerdings einen der zwei bis drei Tische im vorderen Gastraum ergattern, sollte man reservieren. Denn die sind begehrt, kann man von dort doch einen Blick in die Küche erhaschen.

Also, wenn ihr euch kulinarisch verwöhnen lassen möchtet:

lesdelicesdenoscampagnes@gmail.com

Tel: 0033-684732369 (von Deutschland aus)

119 Rue Du 18 Juin, 57820 Saint Louis, France

Hier erfahrt ihr noch mehr über Les Délices de nos Campagnes.

Ihr seht, viele Gründe führen nach Saint Louis!

Saint Louis Nordvogesen Lorraine Lothringen Vosges du Nord

*Von der Gabel auf die Gabel. Wir möchten hier nur spekulieren, dass mit Ersterem die Mistgabel gemeint ist.

Fahrt mal hin!

Stina

Dieser Artikel erfolgte unaufgefordert und unbezahlt.

Von Labellos, Dobermännern, Fachwerk, Kulturbeuteln und Schlaubergern

Selestat Vieille Ville Alsace Elsass Ried
Gondrexange Etang Weiher Lorraine Lothringen
Wundersame Wasserwege: Gondrexange

Seit gut drei Jahren versuche ich meinen Mann zu einer Spritztour an die Elsässische Weinstraße zu überreden. Nicht, dass wir nicht schon dort gewesen wären. Aber während es mich zu Weinbergen, bunten Fachwerkhäuschen und gut bestückten Patisserien zieht, steht mein Mann auf Wasser. In jeder Form. Deshalb umrundeten wir vorgestern schon den Weiher von Gondrexange. Und ich muss zugeben, ohne diese Wanderung kurz vor Silvester würde mir doch glatt etwas fehlen. Zumal es neben mannigfachen Vogelarten samt stimmungsvollem Wolkenspiel eine ausgesuchte Bäckerei mit prima Croissants, und, wie ich feststellte, auch wunderbaren Bûches de Noël gibt. Gestern nun hätte ich bezüglich Weinstraße dann fast meinen Wunsch durchgesetzt. Wäre da nicht der Rhein in kongenialer Fließrichtung aufgetaucht. Also wieder mal Essig mit der Weinstraße, die buchstäblich ins Wasser fiel.

Kleiner, scheuer Roboter an den Ufern des Rheins bei Rhinau (Foto/Bildtitel: Stefan Strauß)

Allerdings muss ich zugeben: Das Grand Ried zwischen Straßburg und Colmar, flach wie ein Brett, von Wasserstraßen, ellenlangen Alleen durchzogen, entlang schnurgerader Deiche, feenhaltiger Auenwälder und Feuchtwiesen, mit Blick auf die blauen Vogesen… das hat schon was. „Fühle mich“, sagte ich, „ein bisschen wie in Norddeutschland.“ Er fühle sich wie kurz hinter Straßburg, sagte mein Mann. Was er eigentlich meinte, war: Carpe diem!

Im Aux petites Saveurs in Rhinau verkaufte uns eine äußerst freundliche Dame ein paar kulinarisch hochwertige Croissants mit Nussfüllung. Gestärkt wandelten wir über den Deich. Richtung Wasserkraftwerk aus dem Jahre 1963. Ein Omen! Sind wir doch gleich alt. Mein Mann, das Kraftwerk und ich. Der Christopherus mit Kind entpuppte sich von ziemlich nah als Jungfrau Maria mit Sprössling. Denke, ich brauche eine neue Brille. Hurtig schlüpften wir durch ein Tor um vielleicht über die massive Anlage ans andere Ufer zu gelangen, wo es dieselbe Aussicht, immerhin von der anderen Seite, zu bestaunen gab. Angesichts weiterer, diesmal verschlossener Tore verließ uns allerdings der Mut.

Selestat

Musste an jene unglückselige Begebenheit denken, die zwei meiner Freundinnen und mir in Südfrankreich widerfuhr. Auch hier wollten wir abkürzen. Auch hier schlüpften wir durch das Gestänge eines partout verschlossenen Tors. Bis von der anderen Seite lautes, bedrohliches Hundegebell erscholl. Wir beschlossen umzukehren. Was soll ich sagen? Zwei schlüpften durch das Tor, die dritte blieb darin hängen. Im Zuge der Volumenreduzierung kippten wir der Armen Mineralwasser über den Kopf, rieben die Ohren in aller Hast mit einem damals unverzichtbaren Lippenbalsam ein und zogen. Es hat geklappt.

Da wenig von meinem jugendlichen Übermut geblieben ist, ich prinzipiell auch nicht gegen Tiere kämpfe, wollte ich etwaige spitzohrige Dobermänner keineswegs erzürnen, gar gegen sie antreten. Wir beschlossen umzukehren um in Rhinau zu Mittag zu essen.

Dackel Nuri in Selestat

Ein Siebzigerjahre-Waschbecken in dezentem LatteMachiatoBraun, das hat auch nicht jeder. Aber das alte Gasthaus an den Ufern des Rheins schon. Interessant jedenfalls. Wenn auch nicht zielführend. Doch was braucht das Herz des Vogesenbesuchenden mehr als eine betagte Gaststube mit dunkler Holzvertäfelung, nostalgisch geschmücktem Weihnachtsbaum, blütenweißen Papiertischdecken, einem schoppentrinkenden Schlauberger jenseits der Achtzig und einem grünen Kachelofen in der Ecke? Mir fiele da noch mehr auf dem Teller ein. Was frau kredenzte, war zwar superlecker, aber leider wie abgezählt. Sehnsüchtig blickten wir nach den übervollen Salattellern, den glänzenden Spätzle am Entrecôte mit brauner Sauce. Honi soit qui mal y pense. Nachdem zwei Mitarbeitende konzentriert versucht hatten vier Gläser Riesling mit gleichmäßig wenig Flüssigkeit zu befüllen (einer goss, die andere beobachtete), hätten wir eigentlich misstrauisch werden können. Auch, als der alte Herr von Tisch 23 augenzwinkernd meinte, das zweite Glas von rechts könne noch ein bisschen weniger vertragen, hofften wir noch wohlgemut. Ob er nicht an einem anderen Tisch sein Mahl einnehmen wolle als gerade gegenüber der Theke, fragte daraufhin der Eingießende. „Nein“, konterte der Stammgast, „dann kann ich ja nicht mehr den hübschen Mädchen bei der Arbeit zusehen.“ Nun, jeder hat sein Kreuz zu tragen. Und Wegrennen von der Arbeit gilt nun mal als reell unpopulär.

Nachdem wir bezahlt und die elsässische Variante der Muppetshow ihre Tore hinter uns geschlossen hatte, fuhren wir durch pittoreske, topfebene Dörfer Richtung Sélestat. Wer Fachwerkhäuser, Renaissancebauwerke, enge Gässchen liebt, dazu gotische und romanische Kirchen besichtigen möchte, ist hier goldrichtig. Auch die kleinen Weihnachtsmärkte an verschieden Stellen der Stadt waren noch im Gange. Touristen wie Einheimische hatten nach den Festtagen mehrere Gänge heruntergeschraubt, schlenderten durch die malerische Vieille Ville. Kleine Geschäftchen gab es allenthalben, mit Spezereien, Naturkosmetik und Elsässischem Kunsthandwerk. So, wie das Libellule – Merveilles Curiosités & Gourmandises. Ein Hort für selbstgemachte textile Schönheiten, leckeres Gebäck, Schreibmäppchen, Trinkflaschen, wunderschöne Karten, Schlüsselanhänger, Duftkerzen, Taschen, Geldbeutel, Puzzles, Kissen, Handyhaltern, Tabletts, Holzspielzeug uvm. Made in France, Fait Maison, naturellement. „Libellule„, so liest man auf der Homepage, „vereint mit Lust das Universum des Dekorativen mit jenem der Kindheit.“ Ein Kulturbeutel mit Südpol auf der einen und Äquatorialem auf der anderen Seite führte mich echt in Versuchung. Ich mag Pinguine. Und Bären. Zum Glück gibt es einen Webshop, wo man all die Herrlichkeiten auch noch nachträglich bestellen kann. Zum gemütlichen Kaffee- oder Teetrinken nebst kleiner Gâteaux müsst ihr euch allerdings nach Sélestat, in die Rue du 17 Novembre, Nr. 3, begeben. Dort erwartet euch dann die freundliche Madame Emmanuelle, die in diesem zauberhaften Laden für die textilen Handarbeiten steht.

Dackel Nuri in Selestat

Schon neigte sich die Dämmerung über Schindeldächer, spitze Kirchtürme und festlich geschmückte Weihnachtsbäume. Obacht! Im Dunkeln durch Vogesenwälder mit Wildwechsel fahren ist nur bedingt prickelnd. Also: Wie kamen wir von Sélestat wieder nach La Hoube?

Libellule Selestat Elsass Alsace Carte
Meine Schätze

Nun, ein kleines Stückchen Elsässische Weinstraße gab´s dann doch noch, indem wir durch das hübsche Fachwerkstädtchen Andlau fuhren. Dann ging´s aber schon in die Hochvogesen durch Villé (La Montanara!), Champs du Feu (imposante Heidelandschaft), Grendelbruch (charmantes Bergdorf), Urmatt, Niederhaslach, Oberhaslach (wie man sich´s vorstellt), Cascade de Nideck (Großartige Natur!), Wangenbourg, La Hoube (charmant, charmant, charmant). Unterwegs waren wir mit einstündigem Deichspaziergang, Besichtigung von Sélestat von 9:30 bis 17:45 Uhr. Richtig schön war´s, denn wo sieht man schon Ried, Weinberge und Bergkämme auf einmal und fährt sogar hindurch?

Selestat Schlettstadt Alsace Elsass Fachwerk
Finde den Dackel!

So, nun muss ich den Teig für die Käsespätzle machen. Will sagen: Heute werden wir bestimmt satt. Ich weiß, ich bin verfressen.

Fahrt mal hin!

Eure Stina

P.S. Die Käsespätzle waren mäßig. Sollte meine Experimente in der Küche etwas einschränken. (Oder war es gar die Strafe für meine harsche Kritik an der Plât du Jour?) Und die Weinstraße krieg ich schon noch zu sehen! Aber was würde man verpassen, wenn man nicht mal vom Weg abkäme? Also Danke, lieber Stefan!

Ein frohes neues Jahr wünsche ich Euch!

Dieser Artikel erfolgte unaufgefordert und unbezahlt.

We all live in a yellow submarine oder don´ t panic, it´ s organic

Resonances foire Strasbourg Latimeria Finlande foire exposition

Beherzt gedrechselte Holzpferdchen neben hippem Silikonschmuck? Geht das? Résonances, die Kunsthandwerkmesse im elsässischen Strasbourg zeigt, wie´ s gelingt. „Mitschwingen oder Mittönen eines Körpers mit einem anderen“, so lautet die Erklärung für Resonanzen. In der Physik, in der Musik. In Straßburg nun auch zwischen Kunst, Handwerk, Fiktion und Funktion, Erde und Mensch. Eine kreative Explosion, die nach außen drängt, Ausdruck findet für das, was im Innern lange rumorte, brauste, brodelte. Will sagen: Es gab extrem was auf die Augen. 178 internationale Kunstschaffende und -handwerkerInnen trafen sich zu einem illustren Salon européen des métiers d´ art, um zu zeigen, was sich alles aus Metall, Papier, Glas, Ton, Leder, Wolle und anderen – mir bislang nur von diversen Zahnarztbesuchen geläufigen Materialien – erschaffen lässt. Dass dabei auch besagte Holzpferdchen aus elsässischer Produktion nicht fehlen durften, versteht sich von selbst. Obgleich hier nur die Crème de la Crème wunderschön zart bemalter Holztiere brav im Regal verharrte um möglichst bald ein neues Zuhause zu finden. In einem anderen Regal. Wenn´ s gut läuft, in einem Kinderzimmer.

Ansonsten allenthalben ungezügelter Farbenrausch. Allen voran die Designenden. In intellektuellem Schwarz oder paradiesvogelbunter Gewandung harmonierten manche von ihnen gar so sehr mit ihren Werken, dass sie selbst zum Kunstobjekt stilisierten. Alle sehr freundlich und kultiviert, irgendwie gediegen. Angenehm. Enfants terribles toben anderswo.

Beherrschendes Thema war dieses Jahr, ganz klar: La Mer! Korallenriffs aus Porzellan, moränengleiche Röhren, scheinbar pulsierende Drüsen aus Stoff konkurrierten mit artifiziellen Seepferdchen, Kugelfischen sowie manch maritimen Ungeheuer. Überhaupt die Natur: Undurchdringliche Wälder zogen den Betrachtenden in schlingendes Grün, purpurrote Fliegenpilzkolonien, schimmernde Seerosenteiche, Hasen mit Schildkrötenpanzer, quirlige Eichhörnchen lockten uns in unergründliches Dickicht, dunkle Höhlen, Wagemutiges, Rundes, Organisches. All überall Getöpfertes für den umweltbewussten Tisch in erdigen, manchmal auch wasserblauen Tönen, zuweilen ungewohntem Pastellrosa, Teppiche, so dick, dass man glaubt, das Schaf noch blöken zu hören, welches dem Weber die Wolle geschenkt hat. Folgt uns back to nature! Natürlich, auf unserer Erde geht es um die Wurst, die vegane. Da greift eins ins andere.

Woher also nimmt der zurückhaltende, freundliche Finne Juha Luukkonen seine Ideen für sein zierliches Latimeria-Salatbesteck? Aus der Natur. Gibt´ s ja auch ganz viel davon in seinem Heimatland. Auf was sitzen wir diesen Herbst? Auf Kieselsteinen nachempfundenen Filzkissen. Wir öffnen uns. Interieur wird Exterieur. Und umgekehrt. Die farbtiefe, florale Tapete mit hervorlugenden Buschbabies leitet nahtlos zum Kirschlorbeer im Garten über. „Entschuldigung, du hast da einen Käfer am Hals.“ „Mais non, das ist meine neue Kette!“ Wir holen uns Baumstämme ins Haus und bestücken sie mit quallenartigen, schwebenden Papierleuchten. Dass man sich da bisweilen wie bei einem Besuch im Naturkundemuseum vorkommt, ist, denke ich, durchaus gewollt. Filigran ausgestattete Schaukästen entführen uns in eine Welt, die voller Wunder ist. Ein bisschen gruselig auch. Ein Gesamtkunstwerk, das sich im Werk dieser Kreativen in alle Richtungen verzweigt, um dann wieder zusammenzufließen. Nachbildungen menschlicher Organe werden zu unter Glasglocken ausgestellten Preziosen: Ein blutrotes Herz, eine Lunge aus ätherischem Gewebe, die Bläschen aus Pailletten, zart verästelt wie ein Lebewesen aus dem Ozean. Aus dem wir – Nicht vergessen! – alle irgendwann gekrabbelt sind. Perlenbestickte Geschmeide aus Seide, Filz, Silikon oder Metall lassen uns zur Meerjungfrau, wenn nicht gar zur Unterwasserkönigin, mutieren. Schlingpflanzenbewehrtes, schleifenverziertes Schuhwerk, das einer Madame Pompadour zur Ehre gereicht hätte, umschmeichelt kokett unsere Füße. Diese Aufmerksamkeit haben die Hochleister, die uns durch den Alltag tragen, ja auch allemal verdient.

Wunderbar sind auch die japanisch inspirierten Papierkunstwerke. Eine Fleißarbeit, die ihren Preis hat. Nähme man all diese phantastischen Ausgeburten kreativer Köpfe zusammen, ergäbe sich eine überaus prächtige, opulente, magische Komposition, eine Szenerie, der man sich schwer entziehen kann. Sozusagen die Quintessenz all dessen, was auf unsere Erde zu verschwinden droht, weil wir zu doof und zu bequem sind, seine Einzigartigkeit zu erkennen.

Marie Claire Z ERNY: Le bon motif

Erde an Menschheit. Ich habe verstanden: Es geht um Texturen, in Beziehung setzen, unerwartete Kombinationen, Spannungen aus verschiedenen Materialien schaffen, neue Perspektiven eröffnen. Darum ging es bei Kunstschaffenden wohl schon immer. Jedoch so spielerisch, überbordend, achtsam, schillernd, dekadent und gleichzeitig ursprünglich – das ist neu. Hier hat niemand Angst vor Stilverletzungen, hier ist Freude an Farbe, Form und Materie. Das möchte man anfassen, darüberstreichen, auf der Haut fühlen. Und dieser merkwürdige schwarze Hut, den die Dame am Stand von Nelly Bichet Chapeaux trägt, erinnert mich stark an einen Zylinder. Nur umgekehrt. Reminiszenz an Casablanca, den Verrückten Hutmacher? Hauptsache, das Gehirn assoziiert, gerät in Schwingung, zeigt Resonanz. Diese Messe ist wie Alice im Wunderland, Rotkäppchen und der böse Wolf, Jenseits von Afrika, Bernd das Brot, Kuriositätenkabinett und Andy Warhol in einem. Ein Farbenrausch, ein Fest für die Sinne.

Und dann ist da noch die umwerfende Stine von Happy Knit in Kopenhagen. Sie stellt Kleidung, Heimtextilien und Accessoires mit Tiefgang her. So wie den Schal mit den stilisierten Toren, der den Gedanken des Verzeihens sich und anderen gegenüber bestrickt. Dreiecke, die in Kreise übergehen, symbolisieren Trauer. Das Eckige, Schmerzhafte wird zur kostbaren Perle, zum Kleinod, zum Andenken an die Verstorbenen, die so für immer in uns bleiben. Doch das erzählt euch Stine in diesem kleinen Video am besten selbst.

Und da wären wir wieder bei den ziselierten Holzherzchen, Pferdchen und Brezeln der elsässischen Kooperative Alsatrucs, die den MessebesucherInnen entzückte Ah´ s und Oh´ s entlocken. Sie passen mit ihrer Heile-Welt-Attitude genauso auf die Résonances wie die plakative Silikonplastik in grellem Fleischrosa, die man sich – abgesehen vom Preis – nur schwerlich im heimischen Wohnzimmer vorstellen kann. Denn im Wunderland darf alles nebeneinander bestehen, miteinander kommunizieren, sich inspirieren. Den Geschmack – gibt´´´ s nicht. Reden wir doch lieber von Vielfalt. Und dem, was uns eint. Alles, was wir wollen, ist eintauchen, mit der Welt, die uns umgibt, verschmelzen, uns im Farbenrausch verlieren, Neues erfahren, im Wesentlichen wiedergeboren werden. Ist doch NATÜRLICH!

Liebe AusstellerInnen resp. Kunstschaffende, verzeiht, wenn ich nicht allen den ihnen gebührenden Platz in diesem Artikel eingeräumt habe, manchmal sogar nicht mehr wusste, von wem die wundervolle Skulptur, die hübsche Brosche stammte. Daher verlinke ich jetzt mal die Ausstellenden, die offizielle Seite, sowie die Seite für BewerberInnen. Denn vielleicht wollt ja auch ihr Teil des Ganzen werden. Von hier aus könnt ihr euch locker zu den jeweiligen Interessensgebieten durchklicken.

Résonances ist eine Hommage an den genialen wie berühmten Straßburger Manfred Thierry Mugler, einen herausragenden Kreativen der Modebranche. Die Messe fand dieses Jahr zum zehnten Mal statt, widmet sich der Quintessenz des Kunsthandwerks mit einer außergewöhnlichen Auswahl an 180 DesignerInnen aus sieben europäischen Ländern. Auf einer Ausstellungsfläche von 6100 qm werden wegweisende Trends aus den Bereichen Möbel, Dekoration, Skulptur, Mode, Beleuchtung, Grafik und Tischkultur gezeigt. Komplettiert wird die Messe durch Performances, Workshops und Vorträge.

Besucht die nächste Messe!

Dieser Artikel erfolgte unaufgefordert und unbezahlt.