Cimetière Gallo-Romain / Keltisch-Römischer Friedhof im lothringischen Walscheid

Walscheid Lothringen Keltisch-Romanischer Friehof Cimetiere gallo-romain

Ob wir den Wanderweg zum keltisch-römischen Friedhof, dem Cimetière Gallo-Romain, auch wirklich in 2 Stunden packen, ist fraglich. Denn der Anstieg vom Rande des kleinen lothringischen Ortes Walscheid hinauf ist schweißtreibend und anstrengend. Aber auch abwechslungsreich. Kleine Bäche bahnen sich sprudelnd ihren Weg ins Tal, spektakuläre Felsformationen, die so typisch für die Nordvogesen sind, ragen unvermittelt neben uns auf. Aber wir wollen sie unbedingt sehen, die geheimnisvolle Ruhestätte von Kelten und Römern. Schnaufend folgen wir dem roten Kreis-Symbol. Nach ca. 40 Minuten entlohnt uns der atemberaubende Ausblick vom Hohwalschplatz für die Mühen. Ein kleines Schmankerl zwischendurch, bevor es zum eigentlich Hotspot geht. Wer es schon mal bis zu diesem Felsen geschafft hat, braucht nur noch ein paar Meter Geduld. Die Grillhütte ist ganz neu. Ich könnte hier auch bleiben, Merguez grillen, kauend und sinnierend auf die samtig grünen Bergketten schauen und warten, ob sich um Mitternacht etwas tut.

Immer dem roten Kringel nach. Ob rechts oder links herum. Viele Wege führen nach Rom.

Uff, die Hälfte ist geschafft. Auf einer kleinen Lichtung liegt er dann endlich. Le Cimetière. Das Wort kommt übrigens von Coemeterium, Spätlateinisch für Ruhestätte. Das liegt nahe. Wie die Verstorbenen, die an diesem Ort ihre letzte Heimstatt gefunden haben. Und irgendwie ist es hier auch ruhig und friedlich. Mitten im Wald. Auf dieser Anhöhe, die jetzt so still erscheint. Nur das stetige Summen diverser Hummeln und Bienen ist hörbar. Wir wandern bewegt zwischen den Stelen umher. Wer hier wohl seine letzte Ruhe gefunden haben mag? Wie kleine Häuser sehen sie aus, die Grabstätten, haben verschiedene Größen. Alle ruhen auf einem Sockel, werden geschützt von einem Satteldach. Durch ein kleines Loch konnten Opfergaben gesteckt werden. Nach einer großangelegten Ausgrabung 1862 wurden die schönsten Stücke in die Museen von Saverne, Strasbourg, Colmar und Metz überführt. Offenbar findet man sie aber auch in Parks und wohl leider auch bei privaten Sammlern. Wir spüren, das ist ein alter Platz. Hier ist viel passiert. Wer weiß, ob uns nicht gerade jetzt so ein alter Kelte beobachtet, gestützt auf seinen Stock…

Knorrige Zeitzeugen

Still ist es hier also. Man hört den Wald, die Vögel. So war es hier nicht immer. Denn die Anhöhe wurde schon im 9. Jahrhundert vor Christus besiedelt. Von dem einstigen Dorf Les Trois Saints – abgeleitet von drei Figuren auf einem Grabmal – und seiner Burg sind nur noch ein paar Steine übrig. Einige Jahrhunderte lang lebten die Menschen dort von Ackerbau, Viehzucht und Jagd. Wie sollen wir uns das vorstellen? Sah es aus wie bei Asterix und Obelix? Vertrugen sie sich mit den Römern. Hatte man untereinander geheiratet, Kinder gezeugt? Trägt der alte Kelte, der uns beobachtet, karierte Hosen? Der kleine Friedhof gehört zu einer Reihe von Überbleibseln aus längst vergangenen Zeiten. Säuberlich umrahmt von einer neuzeitlichen kleinen Mauer, damit man nicht zufällig dran vorbeiläuft. Einige Grabstätten sind mit geometrischen Mustern geschmückt, manche tragen sogar ein Abbild der Dahingeschiedenen. Das bringt sie uns näher. Sind ja nur durch ein paar Jahrhunderte von uns getrennt. Ganz still sind wir jetzt, nehmen die gelassene Atmosphäre in uns auf. So viele waren vor uns da. So viele werden nach uns da sein.

Quelle: Schautafel am keltisch-römischen Friedhof Walscheid

Auf dem Rückweg kommen wir an eine immense Wanderweg-Kreuzung mit den Steinkreuzen von Hengstbourg und Beimbach. Ab hier verwandelt sich das beschauliche Bergabwandern in eine aparte Kletterpartie. Bäume wurden gefällt, liegen quer über dem Weg. Da ich kein Klettergenie bin, absolviere ich den Parcours, indem ich mich auf den jeweiligen Stamm setze, die Beine dann auf die andere Seite schwinge. Das ist nicht schwierig, nur ein wenig umständlich. Und ein wenig beängstigend. Habe die beunruhigende Vision auf einem dieser riesigen Ungetüme talabwärts zu sausen. Aber normalerweise hält so ein Stamm…

Urig.

Geschafft! Nach tatsächlich 2 Stunden, inklusive Verweildauer. Ein Erlebnis! Ist es besonders heiß, könnt ihr nach der Tour ein erfrischendes Bad im Étang de Walscheid nehmen, danach im Café de la Grotte Volkstümliches – natürlich auch Flammekueche – speisen. Oder ihr fahrt einfach nach Hause, vielleicht in euer Feriendomizil und lasst diesen wunderbaren Ort der Stille in eurem Geiste noch etwas nachwirken. Wir vergessen dich nicht, alter Kelte.

Immer dem roten Kringel nach: Der Wanderweg ist supergut ausgeschildert. Hier findet ihr genauere Infos! Und hier. Verlaufen könnt ihr euch nicht. Und ihr müsst auch nicht auf dem Friedhof übernachten.

Wandert mal hin!

Stina Advent

Lustiges Hasenleben in St. Wendel – Zauberhaftes auf dem Ostermarkt

Hase Zeichnung Stina Ostern

Lange habe ich so etwas Zauberhaftes nicht mehr gesehen… Aber fangen wir von vorne an. „Wir könnten doch mal wieder einen Flohmarkt besuchen!“, schlug mein Mann letzten Sonntag vor. Wohlgemerkt bei eisigen Minusgraden und einem Wind, gegen den auch Drei-Wetter-Taft nichts mehr ausgerichtet hätte. Meine Begeisterung hielt sich demnach in Grenzen. Sah mich schon mit Handschuhen in muffigen, mit Zeitungspapier ausgeschlagenen Kisten gründeln, während mein Mann die 5000ste Sonnenbrille erstehen würde.

In St. Wendel sei Ostermarkt, versuchte es Stefan, äußerst listig, weiter. Das war ja was ganz anderes! Ostern! Mein Lieblingsfest! Ich mag alles, was mit Ostern zu tun hat: Hasen, Küken, Eier, Schäfchen. Natürlich nur aus Schokolade oder lebendig. Nun ja, die Eier… Mein Frühlingsfest, wenn endlich alles wieder grünt und sprießt! Normalerweise eröffne ich die Ostersaison kurz nach Weihnachten, ziehe sie solange in den Sommer, bis Nachbarn vorbeikommen und fragen, ob ich in eine Zeitfalte gestürzt sei oder nicht mal einfach umdekorieren könne. Habe ich schon gesagt, dass ich Ostern liebe?

Mit unserem kleinen Dackel ging es Richtung St. Wendel, einer hübschen kleinen Kreisstadt im Nordosten des Saarlandes. Umgeben von so idyllischen Orten wie dem… Ostertal! Ein bisschen zu früh waren wir dran, denn die meisten Stände waren noch geschlossen. Jedoch in einem Büdchen war eine Dame emsig dabei kleine, gefilzte Figuren an Zweigen & Co. zu drapieren. Doch ich musste weiter, da mein Mann zum Flohmarkt wollte. Stefan hat eindeutig nicht den Sinn für feinziselierte Wichtel, Hasen, Bienen. Auch in die Ausstellung Lustiges Hasenleben bekam ich, am Rande bemerkt, meinen Gatten nicht.

Doch Koffein zieht immer. Nachdem wir uns mit einem – oh Wunder! – richtig heißen Cappuccino gestärkt hatten, mussten wir erstmal die leckeren Waffeln des Landfrauen-Vereins Mittleres Ostertal probieren. Leute, ich kann euch sagen: So was Köstliches! Mit Kirschen und Sahne! Selbstgemacht und gekonnt. landfrauen eben. Bis neun Uhr abends brauchten wir nichts mehr zu essen.

Zielstrebig lockte ich jetzt meinen Mann Richtung Filz-Stand. Das Schöne an diesem Markt ist übrigens, dass so viel Selbstgestaltetes, Gebasteltes, Gemaltes dabei ist, wobei ich mit Frau Hoffers darin übereinstimme, dass ihr Stand der Schönste ist.

Frau Hoffers filzt nämlich, was die Wolle hält.

Und zwar in ihrem Atelier Wollzauber. An feinen Fäden schweben gelb-schwarz gestreifte Bienchen, Blumenfeen tanzen Ringelreihen, Pipi Langstrumpf swingt mit Herrn Nilsson, Wichtel klettern über Sternenfelder zum Mond, Weidenkätzchenkinder halten sich an Zweigen fest.

Gar nicht so einfach, eine tanzende Pipi einzufangen. Und es hat ja auch, wie man sieht, nicht wirklich geklappt.
Auch schaukelnde Hasen haben ihre Tücken bei Minusgraden.

Das ist so niedlich, so phantasievoll, so entspannend. Die detailreich gefilzten Wesen schweben in einer ganz eigenen Welt. Als würde man in einen Zauberkasten blicken. Nochmal Etwas von den Wurzelkindern lesen. In Elsa Beskows Illustrationen eintauchen. Ein Filzkosmos mit Feen, Elfen, Zwergen, schaukelnden Hasen in roter, gelber oder blauer Latzhose. Dabei habe sie am Samstag schon so viel verkauft, erklärt Dagmar Hoffers, die selbst wie eine fröhliche Fee hinter ihren Schätzen hervorschaut. Bin ich froh, sonst könnte ich mich ja gar nicht mehr entscheiden. Stelle mir mal besser nicht vor, welche Arbeit, welche Geduld, welches Können hinter all dem steht. So gut gefällt mir das, dass mir glatt die Kamera beschlägt. Oder war es Feenstaub?

Mein Budget ist leider schon ein wenig geschrumpft (muss sogar meinen Mann anpumpen), da ich noch eine blauweiße Servierplatte erstanden habe, aber für eine rosa Blumenfee reicht es noch. Leider nicht für mich, denn die Fee ist ein Geschenk für eine liebe Freundin. Zum Glück filzt Frau Hoffers aber auch auf Bestellung, ihre feinsinnigen Kreationen könnt ihr euch aber auch per Post zuschicken lassen oder im Atelier Wollzauber in Kusel abholen.

Das Dackelchen friert. Mein Mann will heim, ein Ventil aus einem frischerstandenen, intakten Espressokocher in einen alten, kaputten einbauen. Eine steife Brise weht uns zu unserem Auto. Die Frisur hat sowas von nicht gehalten. Glücklich schwenke ich eine kleine Papiertüte. Tja, ihr wisst ja, wie das ist. Von jedem Flohmarkt, von jedem Ostermarkt muss ein Piece of the Day mit. Und jetzt ratet mal, was das meine an jenem Sonntag im April war!

Atelier Wollzauber Filzarbeiten Figuren Kusel Hoffers
Flyer Atelier Wollzauber. Mit freundlicher Genehmigung von Frau Dagmar Hoffers.

Ich liiiieeebe Ostern!!!

Kleine Notiz: Aktuelle Konzerte in der Kettenfabrik St. Arnual, Saarbrücken: Gilles Grethen Quartet und Michel Meis 4tet

Kettenfabrik Saarbrücken St. Arnual Jazz Konzert Event Saarland

Kettenfabrik St. Arnual Saarbrücken Jazz

Liebe Jazzfans: Am Freitag, den 18. und Samstag, den 19. März lädt die Kettenfabrik St. Arnual wieder zu zwei hochkarätigen Jazz-Events ein.

Ich verlinke euch einfach mal auf die Homepage des sympathischen Veranstaltungsortes. Dort erfahrt ihr alles Wissenswerte aus erster und bester Hand über JAZZ DE LUX. Wer über die aktuellen Veranstaltungen informiert werden möchte, kann einen informativen Newsletter anfordern.

Übrigens: Auch FreundInnen des Volkstheaters kommen im April auf ihre Kosten!

Unternehmt mal was

Eure Stina

Turin, Stadt der Dackel – Auf den Spuren des Sausage Walks

Sausage Walk Turin Torino Dackel Teckel Spaziergang

Meine Lieben, es mag vielleicht verfehlt anmuten, angesichts des Elends in der Ukraine einen solchen Beitrag zu verfassen. Aber, seid versichert, das entsetzliche Schicksal dieses Landes und seines Volkes lässt mich alles andere als unberührt. Wer hätte mit einer solch unnötigen Aggression seitens Putins gerechnet? Alle? Niemand? Vielleicht haben wir die potentielle Gefahr aus naheliegenden Gründen auch nur verdrängt. Und bitte, wenn ich von Aggressoren spreche, meine ich nicht das russische Volk. Ich meine Russlands Diktator und seinen Stab unseliger alter Männer, die – weitab vom Kampfgeschehen – vor Computerbildschirmen lümmeln, während sie lässig, mit halbem Auge die Zerstörungen betrachten, die sie anrichten.

Eigentlich war mir angesichts Covid und dieser jüngsten kriegerischen Auseinandersetzung die Lust aufs Schreiben etwas vergangen. Es bedarf schon einiger Eigenmotivation um diese Zeiten unbeschadet durchzustehen. Auch, sich seinen Ängsten zu stellen. Wer derzeit die einschlägigen Nachrichtenkanäle nutzt, sieht sich mit Bildern konfrontiert, die wir seit dem Zweiten Weltkrieg auf europäischem Boden nicht mehr gesehen haben. Weinende Frauen und Kinder auf der Flucht. Ihre Männer, Söhne und Väter im Ungewissen. Wie die Bevölkerung ihrer grausamen Lage trotzt – einfach unglaublich! Ich weiß nicht, ob ich so mutig wäre.

Vielleicht mutet euch auch dies seltsam an: Aber mir fällt auf, dass viele Leute ihre Haustiere dabei haben, sie nicht im Stich lassen. Meerschweinchen, Hamster auf der Flucht. Gestern sah ich im Fernsehen einen kleinen Dackel mit seiner verzweifelten Familie über Gleise rennen. Im Hintergrund Detonationen. In einer Bahnhofshalle in Polen warten eine Frau mit viel zu schwerem Rucksack und ihre kleine Tochter auf die Weiterfahrt. Neben sich ihren treuen Retriever.

Lasst uns auf bessere Zeiten hoffen. Auf ein Ende des Krieges, der zu untragbaren Verlusten auf beiden Seiten führt und nur eines ist: Unmenschlich.

Demonstriert, spendet, betet, besinnt euch auf das Wesentliche, lebt nachhaltiger, tanzt das Wort Frieden. Egal. Was zählt, ist, dass ihr etwas tut.

Sausage Walk. Turin, Italy – Fountain in Piazza Castello (Castle Square) with walking people.

Und deshalb, und zum Weltfrauentag (Mein Mann glaubt, dass ich nur Frauen gemalt habe. Stimmt aber gar nicht) mein Sausage Walk Bild. Auf dass Frauen, Männer, Kinder, Hunde und Katzen nicht mehr um ihr Leben rennen müssen, sondern sich zum gemeinsamen Spaziergang treffen. So, wie es die TurinerInnen im letzten Jahr vorgelebt haben, als wir eine Woche in dieser tollen Stadt verbringen durften. Die Covidmasken hab ich einfach mal weggelassen. Als Erinnerung daran, dass zu einem Augenpaar auch immer Nase, Mund, ja, Mimik überhaupt gehören.

Eure Stina

Wunderbar einfacher Bûche de Noël 2021 mit Vanille-Buttercreme

Buche de Noel Rezept backen Buttercreme Vanille Weihnachten Baumstamm

Ohne einen Bûche de Noël geht in Frankreich zu Weihnachten gar nichts. Und auch die Skandinavier haben ihn für sich entdeckt, weil er so wunderbar wandelbar und lecker ist. Hier nun also eine einfache Variante für zwei kleine Bûches, die – vips! – mit einem Mal gebacken werden. Solltet ihr, wie ich, zur arbeitenden Bevölkerung zählen, dann könnt ihr die Buttercreme entweder einen Tag vorher oder sogar morgens vor der Arbeit herstellen und erkalten lassen. Denn der Pudding allein braucht dazu schon geraume Zeit. Und nicht vergessen gleich auch schon die Butter aus dem Kühlschrank zu nehmen, damit Pudding und Butter für die Buttercreme Zimmertemperatur haben. Abends, nach der Arbeit könnt ihr dann den Biscuit herstellen. Der ist nach ca. einer Stunde ausgekühlt. In der Zwischenzeit fabriziert ihr die Buttercreme. Das Geheimnis einer gelungenen Buttercreme ist tatsächlich diesselbe Verarbeitungstemperatur von Butter und Pudding. Ich koche zuerst Letzteren, stelle dann nach etwa einer Stunde die Butter raus und lasse beides Zimmertemperatur annehmen. Ist die Creme fertig, geht es ans Füllen, Umhüllen und Verzieren. Da sind euch, wie immer, keine Grenzen gesetzt.

Foto: Pixabay

Rezept für zwei kleine Bûches de Noël à ca. 16 cm

Zutaten für den Teig:

  • 4 Eier
  • 100 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 20 g Mehl
  • 20 g Kakaopulver
  • 35 g Speisestärke
  • 2 leicht gehäufte EL Puderzucker zum Bestreuen
  • Ein Geschirrtuch

Zutaten für die Buttercreme:

  • 130-140 g Zucker
  • 2 Pck. Vanillepuddingpulver
  • 900 ml Milch
  • 380 g weiche Butter
  • ein guter Schuss Amaretto
Außerdem: 1 Glas Kirsch-, Mirabellen- oder Himbeerkonfitüre

Zubereitung:

Der Teig:

Eier trennen. Eigelbe und 75 g vom Zucker schaumig rühren. Eiweiß mit 25 g vom Zucker und der Prise Salz zu steifem Schnee schlagen. Backofen auf 180 °C bzw. Umluft 160 °C vorheizen. Ein rechteckiges Backblech mit Backpapier auskleiden. Mehl, Kakao und 20 g von der Stärke mischen und auf das Eigelb-Zucker-Gemisch sieben. Ein Drittel Eischnee einrühren, den Rest des Eischnees vorsichtig unterheben. Masse auf das mit Backpapier ausgekleidete Backblech streichen, etwa 1 cm dick, und zehn Minuten backen. Geschirrtuch mit Puderzucker bestäuben und diesen etwas in den Stoff reiben. Kuchen aus dem Ofen nehmen. Geschirrtuch vorsichtig über den Kuchen breiten, seitlich am Blech festhalten und das Ganze umdrehen, sodass das Blech obenauf zu liegen kommt. Blech wegnehmen (Klar!). Backpapier vorsichtig abziehen. Kuchen von der Längsseite her samt Geschirrhandtuch zu einer Rolle aufrollen. Vollständig auskühlen lassen.

Für die Buttercreme:

Zucker mit Puddingpulver und 6-7 EL der Milch glatt rühren. Übrige Milch in einem Topf zum Kochen bringen. Puddingmischung unter Rühren in die sanft köchelnde Milch geben und bei niedriger Hitze 1 Minute weiter köcheln lassen. In eine Schüssel umfüllen, mit Frischhaltefolie bedecken, damit sich keine Haut bildet. Pudding bei und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Butter ebenfalls bei Zimmertemperatur weich werden lassen.

Sind Pudding und Butter auf Zimmertemperatur (unbedingt!) die Butter weiß schaumig schlagen. Esslöffelweise den Pudding zugeben und mit dem Amaretto zu einer gleichmäßigen Masse verrühren. Wenn ihr die Creme lieber süßer mögt, fügt noch etwas Zucker hinzu.

Füllen und Verzieren:

Den Kuchenboden vorsichtig entrollen und das Geschirrhandtuch entfernen. Den Boden dünn mit Konfitüre bestreichen. Nicht kratzen, aber auch nicht zu dick auftragen. Buttercreme zu zwei Dritteln über der Konfitüre verstreichen. Dabei rundherum etwa 1-2 cm Rand lassen. Boden wieder zu einer Rolle aufrollen. Diese in zwei Teile teilen. Jede Rolle vorsichtig auf die ihr zugedachte Kuchenplatte, Papieruntersetzer usw. heben. Bei dieser Größe geht das noch gut mit zwei Pfannenschabern. Jede Rolle mit der restlichen Creme rundherum bestreichen. Wenn ihr eine Spritztülle besitzt, könnt ihr natürlich auch damit werkeln. Mit Lebensmittelstiften malen, mit Papierblättchen verzieren, Figürchen in die Creme drücken…

Ihr könnt die Rollen auch zuerst fertig bestreichen und sie dann auf die Kuchenplatte setzen.

God Jul! Frohe Weihnachten!

Nürnberg!

Nürnberg Weißgerbergasse Reisetipp Städtetrip

Immer schon wollte ich einmal nach Nürnberg. Am besten in der Vorweihnachtszeit. Dachte an das Christkind (samt Christkindlesmarkt), das zu Beginn der Adventszeit segnend seine Arme über die Marktbesucher breitet, mich mit seiner Rede jedes Jahr aufs Neue zu Tränen rührt, weil die Botschaft eine einfache, leicht zu verstehende, jedoch nicht minder schwer umzusetzende ist. Jedes Jahr zu Weihnachten schaue ich mir die medienwirksame Veranstaltung via Internet an, und jedes Jahr schiele ich in die linke Gehirnhälfte um – vergebens – meine Ratio einzuschalten. Nürnberg war bislang so etwas wie der fliegende Holländer meiner Reisewünsche. Spukte, durchsetzt von diffusem Lebkuchenduft, überstrahlt von festlichem Lichterglanz, in meinem Kopf herum, war aber nicht zu greifen. Eigentlich wusste ich gar nicht mehr, ob es wirklich Nürnberg war, wohin ich wollte. Stand es vielleicht nur stellvertretend für etwas, was man sucht, aber nicht beschreiben kann? Etwas, das dann doch nicht so wichtig ist, als dass man es in die Tat umsetzte? Oder für etwas, das gar nicht real werden sollte, weil meine Vorstellungen, gewonnen aus zahlreichen historischen Romanen, nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben würden?

Der Schöne Brunnen. Einfach am schwarzen Ring drehen, und deine Wünsche werden wahr.

Eines Tages Ende Oktober rief mein Mann mich auf der Arbeit an und meinte, wir führen übers Wochenende dann also nach Nürnberg. „Ach!? Ziemlich weit.“, gab ich gleichermaßen überrumpelt wie skeptisch zu bedenken. „Wir wechseln uns ab.“, meinte mein Mann gelassen. Plötzlich nahm dieses seltsame Nürnberg Gestalt an. Jemand hatte meinen alljährlich geäußerten Wunsch tatsächlich ernst genommen. Ich dachte. Dachte, klar, auch an die Nürnberger Prozesse. An Fremdenfeindlichkeit, inszenierten Nazigrößenwahn. Aber auch an Dürers Hasen. An Lebkuchen. Die Meistersinger. An mein Christkindl. Wir reisten also in eine ambivalente Stadt. Eine Stadt, erbaut auf felsigem Grund. In mehrerlei Hinsicht. Mit über einer halben Million Einwohnern. Die zweitgrößte Stadt Bayerns. Im zweiten Weltkrieg zu 90 % zerstört. Studentenstadt. Kulturhochburg. Freitag, Samstag, Sonntag: Ab mit Lottchen!

Spätestens ab Heidelberg wandelte sich unser Automobil in einen History-Train. Stulle und Thermoskanne inklusive. Denn welcher Mittelalteraffine würde bei Ortsnamen wie Wolframs Eschenbach nicht ins Schwärmen geraten? Tiefhängende Wolken waberten über Burgruinen, über dicken, runden Bergfrieden wehten herzögliche Wimpel mit Wildtierheraldik zwecks Ritterromantik.

Und dann: Das Leonardo Hotel. Leute, es liegt in einer ziemlich heruntergekommenen Gegend. Die Fassade ist gerade noch so einladend. Der Empfang ist jedoch freundlich, die Zimmer recht schnuckelig, Hunde sind erlaubt, es gibt eine Dachterrasse, und das FRÜHSTÜCK: GROSSARTIG!  Das Beste aber: In nicht mal fünf Minuten seid ihr an der Stadtmauer, z.B. am Spittler Tor, Eingang zu Nürnbergs Zentrum. Damit in einer Stadt, die ziselierte gotische Bauwerke mit Sechzigerjahre Stahl und Glas gekonnt und lässig zu vereinen weiß. Deshalb wirkt Nürnberg historisch gewachsen, jedoch keineswegs antiquiert. By the way könnt ihr auch durch jedes andere Tor in die quirlige Stadt eintauchen, denn die Altstadt der fränkischen Metropole ist von einer Stadtmauer umgeben, an der sich zudem ein hübscher, 5 Kilometer langer Stadtgraben entlangschlängelt. Den Grabenspaziergang im südlichen Stadtgraben, auf dem es Spannendes rund um Biodiversität zu entdecken gibt, kann ich nur empfehlen.

Auf dem Weg zu den Fußgängerzonen rund um den Weißen Turm ist erstmal Orient angesagt. Für uns heißt das: Ein Päckchen mit delikatem arabischem Gebäck von Elan und Ranya, Ludwigstraße 67, und eine frischgepresste Obstkreation von Fruchthaus Strawberry am Jakobsplatz mit einem unglaublichen Angebot an z.T. recht exotischen Früchten. Das Zentrum bequem und fußläufig zu erkunden, mit Hund? Kein Problem. Am berühmten Ehekarussell– oder Hans-Sachs-Brunnen klettern Kinder über die deftigen Szenen einer Ehe, sodass einige Bronzefiguren schon Teile ihrer Goldauflage eingebüßt haben. Ganz wie so manches Eheleben. Dieser Brunnen ist übrigens der größte Figurenbrunnen des 20. Jahrhunderts in Europa. Seine Entstehung verdankt er dem Gedicht Das bittersüße eheliche Leben, welches der Nürnberger Schuhmachermeister und Meistersinger Hans Sachs für seine Gattin geschrieben hat. Sozusagen exponiert tanzt der handwerklich geschickte Dichter selbst auf einer Art riesigem Maiskolben. Warum? Da können wir jetzt gerne spekulieren. Eine ausführliche, aufschlussreiche Deutung des Brunnens findet ihr hier.

Arabisches Gebäck Elan Ranya Nürnberg Bäckerei
So schmeckt der Orient

Daneben wacht also der Weiße Turm, drumherum wuselt das Leben. Mit Weiß hat der Turm, Teil der vorletzten Stadtmauer von ca. 1250, nur noch insofern zu tun, als dass er es nicht mehr ist. Weiß, meine ich. Mein Mann knabbert an seinen Nürnberger Bratwürstl vom Büdchen. 3 im Weckla. Nürnberg spielt nicht nur städteplanerisch auf verschiedenen Ebenen, es scheint als wäre die Luft erfüllt vom rauschenden Raunen unterschiedlichster Zeitalter, die uns staunend zwischen all den Sehenswürdigkeiten, Leuchtreklamen, Einkaufstaschen, Essensdüften umhertaumeln lassen. Über Brückchen, Treppen, Schrägen. Ja, sind wir schon auf dem Narrenschiff? Die Stadt ist offen, luftig, wie die Leute hier. Fachwerk, Gotik, Sixties. futuristische Glasfassaden. Passt scho´. Der Regen wird immer stärker. Wir sind im Nürnbergfieber. Geschäfte gibt’s hier! Inklusive dessen, was wir von zuhause als Versandhaus kennen, nur eben als livehaftigen Konsumtempel. Trotz der vielen Leute bleibt es irgendwie beschaulich. On a du temps.

Wir müssen noch unbedingt zu Gudrun Sjödén, dem Eldorado für Fans nachhaltiger, kunterbunter Mode für die wagemutige Frau. Made in Sweden. Bei Gudrun ist es heimelig, farbstark, würde sie wohl sagen. Wir tauchen ein ins Farbenmeer, werden von ihm umfangen, wandeln durch Blumenmuster, Punkte, Streifen. Eine Art textiler Mutterleib, dieser Konzeptladen: Rot, rot, rot, grün, grün, grün, blau, blau, blau, gelb, schwarz, weiß, orange, lila. Die Verkäuferinnen ebenfalls ein Erlebnis: Sjödén as Sjödén can. Von Kopf bis Fuß. Sehr kompetent, sehr engagiert. Eine verschworene Gemeinschaft. Corporate Identity. Ich erzähle ihnen, dass ich aus den alten Katalogen Kollagen mache. Wo man sich zuhause fühlt, wird man schon mal mitteilsam. Mein Mann versucht unauffällig im massiven Holzboden zu versinken. Plötzlich stehe ich in der Umkleide. Bin verwandelt. Eine Gudrun-Sjödén-Walküre! Meinem Mann schwant Böses, er steht ja mehr auf italienischen Chic. Ich aber fühle mich wohl in meiner weiten Bluse, dem superbequemen Unterkleid mit praktischer Tasche für Krimskrams. Und wisst ihr was? Vor lauter Farbenpracht habe ich doch vergessen zu fotografieren. Deshalb nur Außenbilder. Da muss ich nochmal hin.

Voll also der Städtetrip-Marathon. Zwischendurch ins Hotel. Ein Nickerchen. Abends ins Côcô Taste of Asia Sushi in der Schlotfegergasse 2. Das Essen ist frisch, verzichtet auf übliches Glutengelage. Zu einem wirklich guten Preis. Wer mag, bekommt Vegetarisches, sogar Veganes. Fusionsküche at its best! Das Ambiente gibt sich schnörkellos, das Publikum ist gemischt. Und es ist nicht weit zum Hotel. Klaue ein Bierdeckelchen. Blau, Weiß, Rot, Rosa. Ich liebe japanische Holzschnitte!

Am nächsten Tag: Wieder lassen wir uns einfach durch Nürnberg treiben, trinken ein alkoholfreies Bier im Irish Pub (Grässlich laut und überall Fußball) kaufen nochmal Gebäck von Elan und Ranya bei dem supernetten Verkäufer. Auch das muss einfach sein: Meistersinger-Lebkuchen in nostalgischer Dose für die Schwiegereltern aus der Lebküchnerei Wicklein am Hauptmarkt, wo ihr das leckere Backwerk im Café gleich selbst probieren oder sogar an einem Lebkuchen-Workshop teilnehmen könnt.

Kürbis Fest Halloween Erntedank Julclub
Was sich aus einem Gudrun-Sjödén-Katalog sonst noch alles machen lässt…

Eigentlich sollte das Wetter heute besser sein. Wir schlendern an den berührenden Stehlen der Straße der Menschenrechte am Germanischen Nationalmuseum vorbei. Die Sonne kommt raus. Eine Ahnung, wie genial es hier im Sommer ist. Der Handwerkerhof ist irgendwie Disneyland. Eine mittelalterliche Gasse für Hobbits. Es riecht nach Bratwurst, Bier und Zimt. Und es ist ziemlich eng. Wer möchte, kann in den mannigfachen Werkstätten den Meistern bei der Arbeit zusehen.

Wo ist denn jetzt der berühmte Wunschring am Schönen Brunnen? Mir wird ganz schwindlig von der wahnsinnig aufwendigen Schmiedearbeit. Wahrscheinlich befindet er sich am Kopf der kleinen Schlange aus Glücksrittern, die sich links neben mir gebildet hat. Wunschlos glücklich kehren wir beim Spiessgesellen ein. In der historischen Gastwirtschaft im Alten Rathaus genieße ich den besten Obatzda meines Lebens. Mit Blick auf den weitläufigen Marktplatz sowie roten Zwiebeln. „Ein Geheimrrrezept“, raunt der Kellner in sanftestem Fränkisch. Drinnen, im urigen Gewölbe, kann man wahlweise an langen Tafeln oder in intimen Nischen speisen. Manchmal kommt ein mittelalterlicher Henker vorbei und köpft hoffentlich nur die Radirübe. Unser Dackel sieht einen Dobermann und verrückt den Tisch um einen Meter fünfzig. Zünftig. Ich sinniere, dass ich zu einem Achtel Bayer bin. Daher also die Vorliebe für gehaltvolle Mehlspeisen, zermantschten Camembert sowie kümmel- respektive anislastiges Brot.

Auf dem Heimweg landen wir – SuperGAU für meinen Geldbeutel – bei Rosegardens in der Vorderen Sterngasse 24. Schon von weitem sehe ich sie: Die witzigen, zarten Tieraquarelle von Hannah Dale, die mir zum ersten Mal in Cornwall aufgefallen sind. Der schlimmste, schönste (abgesehen von Gudruns) Laden in Nürnberg. Soll ich das zauselige Meerschweinchen auf der Müslischale oder das Tablett mit der Maus auf dem Fliegenpilz nehmen? Oh, es gibt ja noch englische Seife. Und Parfüm. Wie von Zauberhand verteilt sich das Blumenaroma einer Sommerwiese auf meinem Handgelenk. Es war der Tester… Bin traumatisiert. „Entschuldigung, können Sie mir bitte helfen? Ich nehme alles!“ Zum Dank für mein ambitioniertes Kaufverhalten bekomme ich noch einen schönen Prospekt. Damit meine Nase zuhause noch länger werden kann.

Im Hotel: Vorsichtig stelle ich das kleine Tütchen mit meinen Rosegardens-Schätzen auf meinem Nachtschränkchen ab. Während wir so gegen Sieben durch das angenehm ruhige Viertel Gostenhof schlendern, schnuppere ich noch ein wenig an dem frischen Blütenduft Made in England. Gostenhof grenzt in südwestlicher Richtung an die Altstadt, besticht durch schöne Bürgerhäuser und eine bunt gemischte Bevölkerung. Nicht zuletzt Studierende finden hier Alternatives. Unter einer Vielzahl interessanter Restaurants und Cafés entscheiden wir uns für das Eleon, wo ihr genuine griechische Küche mit ausgesuchten Rohwaren samt ausgefallener Gewürze genießen könnt. Das Besondere: Euer Mahl stellt ihr aus verschiedenen kleineren Gerichten zusammen. Das Angebot wechselt ständig, die Rezepte stammen aus allen Teilen Griechenlands sowie auch der Küche des alten Konstantinopel. Im Sommer könnt ihr im lauschigen Biergarten Platz nehmen. Auf dem Heimweg leuchten Kürbisse aus den Vorgärten. Ach ja, es ist Halloween. Doch wir sind müde, zufrieden und bettschwer. Genug herumgespukt.

„Diese Kulturbanausen!“, werdet ihr sagen, „Rasen in der Stadt rum, schlagen sich den Bauch voll und lassen die Kulturschätze links liegen!“ Ja. Ich bekenne mich schuldig. Jedoch bedenkt:

Mit Hund in einer Stadt ist es nicht immer einfach. Museen sind zumeist passé. Dabei gibt es in Nürnberg eine unschlagbare Zahl an interessanten Orten, die wir mit unserem Dackelchen nicht besuchen konnten. Und so alleine im Hotel lassen wollten wir den kleinen Mann ja auch nicht. Also, da wären das Germanische Nationalmuseum, das Spielzeugmuseum, das Reichstagsgelände, das Dürerhaus, die Frauenkirche, um nur einige zu erwähnen. Schade, aber so war´s. Zunächst einmal wollten wir die Atmosphäre Nürnbergs in uns aufsaugen. Und das hat geklappt. Wobei ich das Gefühl habe, dass es zuweilen eher umgekehrt war.

Hier ist ein sehr schöner Blog von echten Nürnberg-Fans, der auch uns Lust auf die Stadt gemacht hat. O.K., eins muss ich noch loswerden: Mein Bruder meint, selten habe er solch eine Anhäufung subjektivster Eindrücke wie in meinem Blog gelesen. Das hängt wohl damit zusammen, dass manche Städte geradezu faustgroße, langfristig prägende Eindrücke bei mir hinterlassen. Objektivität adé. Dafür habt ihr jetzt aber vielleicht den Duft von 3 Nürnberger Bratwürstln im Weckla in der Nase. Ist doch auch was. Oder?

Aber jetzt: Die Kaiserburg. Sonntag. Die Geschäfte haben zu. Nachdem wir den Stadtgrabenspaziergang, der z.T. an der beschaulich dahinfließenden Pegnitz entlang verläuft, genossen haben, schrauben wir uns gemächlich bergan. Vorbei am Spielzeugmuseum, vorbei am Albrecht-Dürer-Haus, vorbei am Hasen, vorbei an der Alten Küch´n, in der man so vortrefflich fränkisch speisen soll, bis wir auf eine unglaublich restaurierte riesige Burganlage stoßen, deren Silhouette hinlänglich durch eine ortsansässige Versicherung bekannt ist. Die Kaiserburg, so lesen wir auf der Schautafel, sei eine der bedeutendsten Kaiserpfalzen des Mittelalters, und weiter:

Nürnberg Fembo-Haus Museum
Fembo-Haus

„Zwischen 1050 und 1571 hielten hier alle deutschen Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches ihre Hof-, Reichs- und Gerichtstage ab. Bereits im 11. Jahrhundert entstand eine salische Königsburg auf dem Burgfelsen. Im 12. und 13. Jahrhundert erbauten Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1123-1190) und seine Nachfolger auf dem westlichen Burgfelsen eine der größten und prachtvollsten Burganlagen des Reiches.“

Zitat: Schautafel Kaiserburg Nürnberg

Nichts wurde bei dieser Instandsetzung dem Zufall überlassen. Alles wird in extenso erklärt. Kein „Wozu mag denn dieser Steinhaufen gehört haben?“ Derartige Phantasiespiele braucht ihr hier nicht zu spielen. Basta. Stattdessen könntet ihr stante pede in euer ledernes Wams schlüpfen, die groben Wollstrumpfhosen überstreifen und sofort einziehen. Zumal gerade ein Burg-Café eröffnet hat. Eine Dependance des renommierten Café Beer aus der Innenstadt. Ich erspähe leckere Kuchen und Backwerk. Doch das üppige Leonardo-Frühstück hat alle freien Plätze belegt. Da habe ich die ganze Zeit von Torten und einem aromatischen Kaffee geträumt, und jetzt… Sphärische Klänge eines Keyboardspielers begleiten uns bei unserem Rundgang, lenken mich ab von verpassten Gaumenfreuden. Wir schweben. Und die Aussicht! Nürnberg ist ja riesengroß! Und grün! Und alles!

Wir blicken auf die Sebalder Altstadt und das Handwerkerviertel. Tatsächlich birgt der pittoreske Stadtteil eine Vielzahl kleiner mehr oder weniger traditionsreicher Handwerksbetriebe, Läden, Restaurants, Cafés und Galerien. Schade, dass heute Sonntag ist. Unbedingt solltet ihr nach dem pittoresken Weinmarkt (Achtung: Tolle Wolle!) durch die Weißgerbergasse schlendern, ein fast vollständig erhaltenes Häuserensemble.

An ihrem Ende solltet ihr in die Kaffeerösterei Bergbrand einkehren, wo zwei freundliche Kaffeefeen (ein prima Wort!) röstfrische Spezialitäten samt einer delikaten heißen Schokolade für uns bereiten. Und das, obwohl ich gar nicht an dem Schöner-Brunnen-Ring gedreht hatte. Neben einer kleinen Auswahl an Kuchen und Gebäck könnt ihr vor dem Café das sonntägliche Treiben beobachten. Stöbert mal auf der Bergbrand-Website. Die im Online-Shop beworbenen Kaffeesorten klingen nach viel Herzblut, Liebe zu Natur und Bergen. Als da z.B. wären: Hasenalarm, Sonnenkind, Nordwand, Spritztour, Neue Welt oder Kraftpaket. Und die Verpackungen sind so schön, dass ihr sie wahrscheinlich einrahmt und über eure Kaffeemaschine hängt.

Wurden meine Erwartungen an Nürnberg enttäuscht? Nein, ganz im Gegenteil! Inzwischen habe ich sogar schon einige Leute getroffen, die Nürnberg zu ihrer Lieblingsstadt erkoren, ja, sich als regelrechte Nürnbergfans geoutet haben. Nicht zuletzt, weil die fränkische Metropole Alt und Neu, Traditionelles und Multikulturelles auf so erfrischende Weise miteinander vereint. Der freundliche Verkäufer von Elan und Ranya bezeichnet die Stadt als einen Ort, wo es sich gut leben lässt. Tatsächlich scheinen mir die Nürnberger sehr zufrieden mit der Wahl ihres Wohnortes. Und nächstes Mal ist das Spielzeugmuseum dran. Aber nur, weil es nebenan eine Gartenwirtschaft namens Frischling – die kleine SommerSAUse gibt… Spaaaß.

Fahrt mal hin!

Stina Advent

Wie immer erfolgte dieser Artikel unaufgefordert und unbezahlt.

Für Freunde des Brotes: Boulangerie-Pâtisserie-Epicerie „L´Ami du Pain“ in Gondrexange

Boulangerie Patisserie Epicerie L´Ami du Pain Gondrexange Grand Est Lothringen Lorraine Vogesen Bäckerei Lebensmittel

„C´est notre meilleure table.“, mit diesen Worten geleitet uns der junge Mann in der weißen Schürze an einen runden Stehtisch. By the way: Es ist auch der einzige. Doch das tut dem Charme der kleinen Boulangerie/Pâtisserie/Epicerie L’AMI DU PAIN im Herzen von Gondrexange keinen Abbruch. Im Gegenteil. Das selbstgebackene Brot in vielen leckeren, gar vollwertigen Varianten, die diversen Eclairs und Pains au Chocolat könnten besser nicht schmecken. Gute Wahl, meint Jean Klein, als ich mich für ein üppiges Schnittchen aus Rumcreme auf Ananas auf zartestem Biskuit entscheide. Eine Kreation seines Bruders Luc, auf die Jean sehr stolz ist. Das merkt man. Dazu einen köstlichen Cappuccino mit leckerem Milchschaum. Alles comme il faut.

Wir stehen an unserem Stehtisch und schauen uns um. Alles, was der Mensch für ein gelungenes Essen braucht, findet er hier. Emsige Hanni-und-Nanni-Leserinnen werden sich bei diesem Sortiment an die Mitternachtspartys im fiktiven Internat erinnert fühlen. Wer wäre nicht gerne dabei gewesen, wenn Enid Blytons Protagonistinnen heimlich und kichernd eine Köstlichkeit nach der anderen aus dem Fresskorb zauberten? Das L’AMI DU PAIN würde ich eher mit einer Wundertüte vergleichen, die einem ein staunendes Ah! entlockt, auch wenn das Ambiente erfrischend unkompliziert und gerade nicht trendy ist. Spirituosen, Elsässer Wein, Fleisch- und Wurstwaren aus der Region, Mehl von einer hiesigen Mühle, Eier vom Bauern, Konserven, wenn´ s mal schnell gehen muss. Und Maggi. Unverzichtbares Kulturgut nun auch in Lothringen. Alles mit Liebe ausgesucht, auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Aus dem Schaufenster leuchtet uns ein Ständer mit Lollies entgegen. Den bunten, runden, die man so gut in die eine Backe schieben kann. Ich überlege, ob ich mir später noch so einen gönne. Da kommt auch schon unsere Bestellung. Die georderten Kuchen und Kaffees selbst an den Tisch tragen? Kommt nicht in die Tüte. Diesen Service lässt sich Monsieur Jean nicht nehmen.

Seit fast vier Jahren betreiben die beiden Brüder Luc und Jean Klein das Lebensmittelgeschäft mit Schwerpunkt Boulangerie/Pâtisserie. Denn einer der beiden ist, wie es scheint, ein äußerst geschickter und kreativer Patissier, der andere ein aufmerksamer, kompetenter, äußerst sympathischer Verkäufer. Dass der See von Gondrexange gerade um die Ecke liegt, nebst Campingplatz, ist sicher nicht von Nachteil. Das Gewässer ist übrigens auch ein Vogelschutzgebiet, das man in knapp 1 1/2 Stunden umrunden kann. Eben wie ein Topfdeckel und daher für Wandermuffelnde wie Ornithologende mit schwerem Gerät gleichermaßen geeignet. Etwas mehr könnte schon los sein in dem kleinen lothringischen Ort, beklagt Monsieur Klein. So wie früher. Doch der Laden läuft richtig gut, trifft einen Nerv im Zeitalter scheinbar omnipotenter Supermärkte. Warum immer noch bei Food-Magnaten kaufen, die ihre Zulieferer nicht selten auspressen wie Zitronen? Wer weiß? Vielleicht verbringen schon bald kinderreiche Familien, zivilisationsmüde StädterInnen ihre Ferien in Gondrexange, mit Wandern, Fahrradfahren, Zelten, eben allem, was ohne Flugzeug und All-Inclusive zu haben ist. Zumal ja auch die wilden Vogesen in unmittelbarer Nähe sind.

Ein Herr betritt den Laden, kauft seine Ration Flûtes für das Wochenende. Man merkt ihm an: Er genießt die Nähe hier. Das Persönliche. Wie wir, die wir, geschützt vor dem nebligen, nasskalten Novembertag, am Tisch lehnen und köstliche Kuchen und Teilchen verzehren. So üppig, dass unser Mittagessen leider ausfallen muss.

Das L’AMI DU PAIN, so erklärten Luc und Jean in einer Annonce anlässlich der Eröffnung 2018, lade die Leute ein vorbeizukommen, über Gott und die Welt zu reden, sich auszutauschen. Und das, so betonen sie auf der dorfeigenen Webseite, bei 35 °C im Sommer wie 25 Grad in der Nebensaison. Schließlich sei die 112, rue de la Marne schon immer ein Mittelpunkt von Gondrexange gewesen.

Ami du pain Gondrexange Grand Est Lothringen Lorraine Bäckerei Boulangerie Epicerie Patisserie

Und wirklich: Im Sommer könnt ihr die mit Kreativität, Freude und Können gemachten Spezialitäten von L’AMI DU PAIN sogar auf dem Vorplatz genießen. Wenn das Geschäft weiterhin so gut läuft, werden die beiden Brüder allerdings bald ein paar Tische mehr aufstellen müssen. Und ja, dann kauf ich mir auch einen Lolli.

Das L’AMI DU PAIN findet ihr 112, Rue de la Marne, 57815 Gondrexange.

Probiert´´ s mal aus und kauft unbedingt auch Brot, Wein und eben alles für euer Mitternachtspicknick!

Eure Stina

Dieser Artikel erfolgte unaufgefordert und unbezahlt.

Happy Halloween

Kürbis Fest Halloween Erntedank Julclub

Ich weiß, Halloween hat tatsächlich nicht viel mit Kürbissen zu tun. Trotzdem, finde ich, gehören sie wie buntes Laub, Kastanien und der Duft von Holzfeuern zu den aboluten Highlights in einer zuweilen trüben Jahreszeit. Endlich können wir uns wieder zuhause einigeln. Mit einem guten Buch und einer heißen Tasse Friesentee, eingemummelt in die dicke Decke mit dem Norwegermuster. Ohne schlechtes Gewissen. Nicht wie im Sommer, wenn die Sonne scheint, und wir die heißen Tage unbedingt draußen verbringen müssen, weil es in unseren Breiten nicht immer so viele davon gibt. Vielleicht gehört ihr aber auch zu jenen, die es gerade jetzt lieben, durch heimelig erleuchtete Straßen zu ziehen, hier eine heiße Schokolade, dort schon einen Glühwein zu trinken, Leute zu treffen, die ihr lange vermisst habt. Vielleicht seid ihr ja eher Herbstkinder, akzeptiert diffusen Nebel wie goldenes Licht mit frohem Herzen, weil es eine stillere Zeit ist als die Weihnachtszeit mit all ihren Aktivitäten. Extra für euch haben die Kürbiskinder ihre geernteten Schätze ausgebreitet. Müde, aber glücklich, dass sie, nach so viel Arbeit, im Schein der Laternen zusammensitzen können. Ich denke mal, dass sie gleich anfangen werden, einander Geschichten zu erzählen. Gruselig müssen sie sein. Nicht zu sehr, aber so, dass einem leichte Schauer über den Rücken jagen. Und sollte es zu schauerlich werden, hat man wenigstens einen Grund, noch etwas dichter zusammenzurücken. Happy Halloween!

wünscht Stina, die auch die Collage erstellt und zeichnerisch bearbeitet hat.

Backen für AngeberInnen: Nusszopf mit Dinkelmehl – superlecker, supereinfach.

Dinkelhefezopf Kranz Zopf Dinkelmehl flechten

Sieht kompliziert aus, ist aber sehr leicht zu backen. Für diesen leckeren, vollwertigen Dinkelzopf braucht ihr etwas Zeit. Aber allein das Flechten macht so viel Spaß, dass ihr es gar nicht erwarten könnt, bis ihr das fertige Wunderwerk seht.

Arbeitszeit: ca. 30 – 40 Minuten

Ruhezeit: 1 Stunde

Backzeit: ca. 40 Minuten

Für den Hefeteig:
500 g Dinkelvollkornmehl
1 Würfel Hefe (oder 1 Päckchen Trockenhefe)
100 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
50 ml Rapsöl oder Sonnenblumenöl
1 Ei
200 ml lauwarme Milch
Evtl. 1 Schuss Rum
Für die Füllung:
350 g Gemahlene Mandeln und/oder Haselnüsse
80 g brauner Rohrzucker
1 Unbehandelte Zitrone
8 cl Milch
je 1 gestrichener TL TL Zimt und Kardamom  
Für die Glasur: 1 Schuss Rum mit 1-2 EL Puderzucker verrühren.  

Zubereitung:

Für den Hefeteig:

  1. Mehl abwiegen und beiseite stellen.
  2. Milch auf lauwarm erhitzen. Zucker, Vanillezucker und Hefe darin auflösen.
  3. Öl, Ei und Milch hinzufügen.
  4. Mehl langsam unterkneten. Und immer weiter kneten. Mit der Hand ca. 10 Minuten lang. Seht es als Hanteltraining für beide (!) Hände. Sonst habt ihr später eine King-Kong-Pranke.
  5. Teig mit einem Geschirrtuch abgedeckt an einem warmen Ort ohne Zugluft gehen lassen, bis sich das Volumen ungefähr verdoppelt hat.

Für die Füllung:

Zucker in die Milch bzw. das Milch-Rum-Gemisch einrühren. Schale von Zitrone reiben und zufügen. Restliche Zutaten dazurühren.

Jetzt geht´s ans Flechten:

  1. Hefeteig in 2 Teile teilen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu 2 Rechtecken ausrollen.
  2. Die Nussmasse möglichst gleichmäßig auf den beiden Rechtecken verteilen.
  3. Teigplatten von der langen Seite her zu langen Nudeln aufrollen und auf jeweils 60-70 cm langziehen. Dabei die offene Kante leicht andrücken, damit die Rollen zusammenhalten.
  4. Die beiden Teigrollen mit einem Messer in der Mitte quer durchschneiden, sodass ihr jetzt 4 Stränge habt. Diese nochmals langziehen, denn sie sollen ja alsbald miteinander verflochten werden.
  5. Jeden Strang längs einschneiden, und mit den Fingern so auseinanderziehen, dass die Nussfüllung sichtbar wird.
  6. Ein Backblech mit Backpapier auslegen.
  7. Auf dem Backblech die 4 Stränge miteinander verflechten, sodass ein Zopf entsteht. Hier könnt ihr auch eurer Fantasie freien Lauf lassen. Es muss auch nicht ganz exakt sein. Überstehende Enden wurstelt ihr einfach unter.
  8. Zopf 30 Minuten gehen lassen, bis die Größe sich ungefähr verdoppelt hat.
  9. Ofen auf 170°C, Ober-/Unterhitze, vorheizen und Kranz für ca. 30 Minuten backen.

Damit er schön glänzt: Die Glasur: Rum mit Puderzucker verrühren. Den noch warmen Kuchen mit der Glasur bestreichen. Ein wenig abkühlen lassen und… genießen!

Mit Glasur!