Gut und günstig essen auf Korsika. Das geht!

Da kann einem schon der Atem stocken. Spaghetti Carbonara für 18 Euro? Ganz zu schweigen von den Preisen für genuin korsische Köstlichkeiten. Da scheint der Gang zum Supermarkt unvermeidbar. Doch auch mit kleinerem Budget lässt sich auf Korsika hervorragend speisen. Sogar im Restaurant.

gut essen in Ajaccio
Schlau muss man sein

Hier meine vier Restaurant-Highlights aus Ajaccio im wunderschönen Südwesten der Insel:

Pizza Ind`è Petru
Die Echte.

Die wohl beste Pizza Ajaccios, wenn nicht ganz Korsikas, bekommt ihr bei Ind´è Petru. Bei Petru also. Vor Ort oder zum Mitnehmen. Zu einem richtig guten Preis-Leistungsverhältnis. Ganz versteckt, liegt das Mini-Restaurant in einer Seitengasse zwischen der belebten Rue Fesch und dem Cours Napoléon, den beiden Haupteinkaufsmeilen der Stadt. Zufällig haben wir die Leuchtreklame entdeckt, auf dem der Chef de Cuisine höchstpersönlich „La vera pizza napoletana“ verspricht. Die Pizzeria: Von außen unscheinbar, von innen pragmatisch, schnörkellos, aber authentisch. Über allem wacht, aus hübsch bemaltem Gips, Jesus. Der ist schon mal vero italiano. Prunkstück jedoch ist der Pizza-Ofen ebenfalls made in Italy samt Kupferhaube, mit dem der Maestro seine delikaten Pizzen zaubert. Petru schmeißt den Laden ganz allein. Mit Bravour und Herzlichkeit. Etwas Geduld sollte man bei diesem Ein-Mann-Betrieb schon mitbringen, ein korsisches Pietra, ein Bier aus Kastanienmehl, bestellen und zusehen, wie Petru den Teig hingebungsvoll knetet, auf die Arbeitsplatte wirft, ihn herumwirbelt, belegt, würzt, um sein Werk dann mit Verve in den Ofen zu schieben.

Vier Tische gibt es. Und die sind meist belegt. Von Einheimischen, was allein schon ein Gütesiegel ist. Familien, Freunde, Geschäftsleute gönnen sich hier eine Pizza der Extraklasse. Lokalkolorit pur. Die französische Pizza unterscheide sich von der italienischen gar nicht so sehr, erklärt uns Petru. Wer aber eine echte wolle, der müsse eine nach neapolitanischem Rezept probieren. Wie z.B. die Regina Bianca. Mit Crème fraîche, Mozzarella, Schinken, Champions. Duftend kommt sie aus dem riesigen Ofen. Direkt auf meinen Teller. Una maraviglia! Ein Wunder! Hier könnt ihr es erleben: Ind`è Petru, 2, rue Docteur Versini, 20000 Ajaccio, Tel. 0495289936 – 0638931495

Muscheln sind nicht gleich Muscheln, erfahren wir bei Chez Alain in Porticcio, Meerblick inklusive. Man sitzt auf der schattigen Terrasse oder im geschmackvoll eingerichteten Restaurant. Fruits de mer et Poissons, Meeresfrüchte und Fisch gibt es hier. Auch Fleisch- und Nudelgerichte. Vor allem aber wird hier die hohe Schule der Muschelzubereitung zelebriert. Abenteuerliche Kreationen kommen da auf den Tisch, üppige Portionen, dazu frisches Brot. Willkommen im Olymp der Muschelgourmets! Unbedingt probieren sollte man Muscheln mit Myrte und Minze in safrangelb leuchtender Soße. Ein Gedicht! Die Nachspeisen sind ganz bestimmt nicht kalorienarm, dafür super lecker. Tiramisu mit Kastanienmousse – Sensationell! Man bekommt viel für´s Geld. Erst spät am Abend wird uns wieder der Magen knurren.Der Service ist schnell, professionell, freundlich. Das ist auf Korsika nicht selbstverständlich. Le Patron sorgt gut gelaunt für reibungslose Abläufe. Ein Vergnügen. Vor allem nach ausgiebigem Baden im turkosen Meer.

Wie soll`s im Urlaub schmecken? Wie bei Mama. Nicht wie bei unserer, sondern jener von Maria, Tomàs usw. Voilà, Da Mamma. Zwischen Cours Napoléon und Rue Fesch. Eine wirklich dunkle Gasse. Sind wir hier tatsächlich richtig? Vorsichtig klettern wir die Stufen hinab um in den Innenhof eines der begehrtesten Restaurants Ajaccios zu gelangen. Über uns breitet ein riesiger Baum seine riesigen Blätter aus. Auf den geschmackvoll gedeckten Tischen leuchten Windlichter. Wir sind im Innenhof des Da Mamma. Noch ist nicht viel los. Aber das wird sich innerhalb weniger Minuten ändern. Deshalb sollte man hier unbedingt reservieren. Alle möchten, solange es noch warm ist, draußen sitzen. Das Essen ist mediterran inspiriert. Ungekünstelt, bodenständig, allerdings mit dem kleinen, schicken Extra. Herzhaftes Gemüse, Fleisch, gegrillter Fisch aus heimischen Gewässern, frische Salate, Pasta. Die Menüs sind mit Bedacht komponiert, variationsreich. So kann ich mir tatsächlich mein Menü zusammenstellen. Der Schwerpunkt liegt auf korsischen Spezialitäten. Zum Aperitif genieße ich einen Vin de Châtaigne, einen Kastanienwein, sämig, süß-herb. Der Service ist freundlich, unaufdringlich. Wer also gediegen speisen möchte, ohne einen Kredit aufnehmen zu müssen, ist hier richtig.

An unserem letzten Abend in Ajaccio entdecken wir Sakura, ein japanisches Restaurant in einer kleinen Seitengasse zur belebten Rue Roi du Rome. Alles hier atmet Nachhaltigkeit. Die ist dem Team von Sakura äußerst wichtig: Selbst die Mitnahme-Artikel wie Schalen, Besteck sind recycelbar. Man möchte mit der Natur, nicht gegen sie arbeiten. Wichtig ist auch das Dekor: Japanisch zurückhaltend. Ebenso wie der überaus freundliche Service. Aus einer reichhaltigen Karte kann man u.a. Sushi, thailändische Gerichte, Miso-Suppen, wunderbar exotische Nachspeisen wählen. Für kleines Geld bekommt man äußerst frisches Gemüse, Früchte, Fische und Fleisch. Weit entfernt von jedweder asiatischer Glutamat-Orgie. Hier schmeckt man jedes Gewürz, jede Zutat. Mein Poulet aux noix de cajou ist erstklassig. Die Kalifornia-Box meines Mannes mehr als reichhaltig. Ein weiteres Highlight ist die Karte für asiatische alkoholische Getränke, die optimal auf das Essen abgestimmt sind. Einen Tisch reservieren sollte man auch hier, da das Restaurant, wie auch der Außenbereich nicht allzu groß sind.

So, das waren also meine vier Restaurant-Highlights. Allerdings möchte ich euch noch auf einen weiteren persönlichen Favoriten mit dem beziehungsreichen Namen Il était une fois aufmerksam machen.

Plüschige Meeresbewohner

In der rue Fesch, Nummer 56, liegt dieser wunderschöne Spielzeugladen, der nicht nur die Herzen von Kindern höherschlagen lässt. Inhaberin ist Madame Pascale Casanova, die bereits in jungen Jahren Großmutter wurde, und ihre liebe Not hatte, das passende Spielzeug für den frischgebackenen Enkel zu finden. Sie entschloss sich kurzerhand selbst einen Spielzeugladen zu eröffnen. Handverlesene Spielsachen anzubieten, welche die Phantasie anregen und dabei dieses Leuchten in die Augen von (wie gesagt: nicht nur) Kindern zaubern sollte, das Eltern nur schwer ignorieren können. Nach dem Vorbild der Pariser Kaufhäuser dekoriert Madame die beiden großen Schaufenster jahreszeitlich und thematisch mit schier umwerfender Kreativität. Ich erinnere mich, wie fasziniert ich als Kind von jenem Teddy war, der über der Tür des Spielzeuggeschäfts unseres Vertrauens Seifenblasen in die sommerlich blaue Luft blies. Und so fühlt man sich beim Anblick von Frau Casanovas Kreationen in selige Kindertage zurückversetzt. Egal also, ob ihr Prinzessin, König, Rennfahrerin, Koch oder Ärztin werden möchtet, hier seid ihr gut beraten.

Tröstlich, dass es neben Spielzeug-Handgranaten am Flughafen, die man hoffentlich nicht mit ins Flugzeug nehmen darf, so ein Kinderparadies noch gibt. Il était une fois

Und jetzt noch ein allerletzter korsischer Favorit, diesmal zum schmausen:

Beignets au brocciu.

Aber das Rezept verrate ich euch auf einer extra Seite. Einfach im Suchfenster eingeben! Wer mehr über Korsikas Südwesten erfahren möchte, findet hier Reisetipps.

Fahrt mal hin

Eure Stina

Mit dem Fahrrad zu den Sternen – Véloroute du canal de la Marne au Rhin und Hotel Restaurant A l´étoile im elsässischen Mittelhausen

Angler am Canal Marne Rhin

Maritimes Feeling mitten im Elsass? Ich empfehle eine 2-Tages-Tour mit dem Fahrrad entlang des Rhein-Marne Kanals, auf der Véloroute du canal de la Marne au Rhin. Hin und zurück. Im Juni, wenn der Gelbsenf blüht, kleine Enten erste Ausflüge mit ihrer Mutter wagen. Ein friedvolles, entspannendes Erlebnis. Freundliche Menschen radeln auf dem Weg, ein paar Meter weiter schippern Freizeitkapitäne frohgemut vorüber. Manche, wie es sich gehört, in blau-weiß gestreiftem T-Shirt. In der Ferne grüßen die blauen Kämme der Vogesen.

Fahrradweg Canal Marne Rhin Elsass, Alsace
Immer am Kanal lang…

Wir starten von Lutzelbourg. Wer möchte, kann sich hier mit ein paar Crêpes für die Weiterfahrt stärken. Hin und wieder gibt es auch scharfe Merguez und kaltes Bier. Der kleine Ort rüstet langsam aber sicher für Fahrradtouristen und Wanderer auf, die in entgegengesetzter Richtung zu uns zum Plan Incliné in Arzviller unterwegs sind. Ein bisschen Budenzauber also zum Auftakt. Dann rauf auf die Räder und ab auf den wunderbaren, gut ausgebauten Eurovélo 5, der sich von London über Strasbourg bis nach Brindisi erstreckt. Vorbildlich beschildert und – vor allem – eben. Auch ungeübte Fahrradfahrer können sich hier ihre Etappen zusammenstellen, Ein- und Ausblicke genießen. Ein Gasthof zum Übernachten findet sich immer. Mit dem E-Bike haben wir knapp 46 km pro Tag geschafft, Tourentempo.

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Weite.

Auf dem Kanal tummeln sich schon diverse Hausboote, die man in Lutzelbourg mieten kann. Nach kurzer Einweisung darf man die auch ohne Bootsführerschein durch die zahlreichen Schleusen steuern. Je mehr Leute mitfahren, desto billiger wird das kostspielige Vergnügen. Wir passieren Saverne, eine kleine Residenzstadt mit geschäftiger, fachwerkgeschmückter Einkaufsstraße, Schloss Rohan, Burg und der altehrwürdigen Maison Katz. Wie wäre es mit einem Eis? Nein, wir sind im Fahrradrausch; mit 20 Sachen brausen wir den Kanal entlang. Über uns kreisen die Störche. Im Gras quakt es verräterisch. Farben wie aus einem Aquarell. Sie wissen schon, jenes, das man in den Sechzigern als Sommeridyll vor Augen und an der Wand hatte.

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Fast wie am Meer

Lichtes Grün, blasses Blau, strahlendes Gelb. Schäfchenwolken. Auf den Feldwegen gutgelaunte Sommerfrischler, bunte Tupfen im Sommerlicht, fröhlich winkend. Wir winken zurück. Ideal zum einhändig Fahrradfahren-Üben. Man versteht, was es heißt, wenn der Himmel hoch ist. Vogelgezwitscher allenthalben. Wir passieren Steinbourg, benannt nach den Steinbrüchen, die noch heute die schönsten Platten liefern. Außerdem ist ´s ein Storchendorf, das sich der Wiederansiedlung des elsässischen Wahrzeichens widmet. Gerade jetzt kann man die Störche in ihren Nestern bei der Aufzucht der Jungen beobachten. Lupstein, Dettwiller folgen. Aufgeräumte, kleine Vogesendörfer. An einem Schleusenhäuschen vor Hochfelden, bekannt durch die Météor Brauerei, verzehren wir Baguette mit Käse. Fehlt nur noch das Bier. Tatsächlich finden wir ein kleines Büdchen mit Sitzplätzen im Freien. Ein Huhn pickt um unsere Füße herum. Die Bierleitung müsste mal gereinigt werden. Wäre idyllisch, wenn die Servicekraft nicht auf die Idee käme, uns mit überlauter Popmusik zu beschallen. Vogelgezwitscher ade.Canal_Marne_Rhin_Saverne_elsass_alsace_cyclist_velo_fahrradweg_fahrrad_beschreibung_plan

Weiter also nach Waltenheim-sur-Zorn mit seinen üppigen Wandmalereien im Lokalkolorit. Witzige, eigensinnige, elsässisch inspirierte personalisierte Briefkästen derselben Künstler, Charly und Barbara Hamm, kann man hier übrigens gleich erstehen oder sich per Internet schicken lassen. Unser Ziel ist das Hotel-Restaurant A l´étoile in Mittelhausen, ca. 18 km vor Strasbourg. Dazu verlassen wir den Eurovélo 5 und strampeln über einen Feldweg, später ein Stück Straße entlang, Richtung Wingersheim, wo die Einheimischen gerade einen Flohmarkt vor imposanter Fachwerkkulisse veranstalten. Auf dem Weg: Der berühmte Hopfen, der sich der Sonne entgegen reckt.

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Ruhig und gelassen

Der Empfang im A l´étoile ist, wie man sagt, chalereux, unsere Wahl ein Glücksfall. Eine gutgelaunte Gästeschar verlässt gerade das Restaurant. Unser kleiner Hund wird gestreichelt. Man fragt, woher wir kommen. Hier soll es den Gästen gut gehen. Deshalb kommen sie wohl auch immer wieder. Das familiengeführte, traditionsreiche Hotel mit fantastischem Schwimmbad und eigenem Spa-Bereich ist elsässisch gepflegt. Ruhig liegt es in einer pittoresken Seitengasse, ist Mitglied des Logis de France. Seit 1978 leiten es Monsieur Jacques Bruckmann, alias Jacky, und seine Frau Chantal. Gemeinsam mit Fernand Mischler, dem Sternekoch des Cheval Blanc in Lembach, entwickelte Monsieur Bruckmann eine Küche, die elsässische Kochkunst mit zeitgenössischen, bisweilen sogar exotischen Genüssen vereint.

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Warmherziger Empfang: Die Bruckmanns mit Dackel Gaston

Wir checken ein. Merken, dass wir nicht nur das Hundefutter, sondern auch eine Hose für meinen Mann vergessen haben. Da er nur eine kurze Fahrradhose mithat, bekommt er kurzerhand meine Jeans (Ja, ich bin muskulös…). Ich verstecke meine längere Radlerhose, so gut es geht, unter einer langen Weste. Underdressed stiefeln wir ins Restaurant, das gewiss feinerer Kleidung würdig wäre. Aus seiner Tragetasche entwischt der Dackel, bringt beinahe die Kellnerin zu Fall. Gläser klirren. Sie fängt sich professionell. Wir schämen uns, die Crew nimmt´s lächelnd.

Gaststube A l´étoile Mittelhausen Elsass, Alsace
Elsässische Gemütlichkeit, aber nicht nur…

Was nun suchen wir, wenn wir ins Elsass reisen? Jawohl, Tradition. Holzvertäfelung, karierte Tischdecken und elsässische Spezialitäten. Nur dass Letztere hier einen, zwei, drei  Ticks delikater, eleganter, pfiffiger kredenzt werden. Eine gekonnte Liaison von Gemütlichkeit und Innovation. Einen Tisch sollte man hier auf jeden Fall reservieren, denn das Restaurant ist überschaubar, und gerade darum so gemütlich. Nachdem wir an der Bar einen Picon und einen Kir au vin blanc getrunken, sowie zwei delikate Mini-Flammkuchen schnabuliert haben, bestellen wir das Menu zu 30 Euro.

Vorspeise Menu A l´étoile Mittelhausen, Alsace, Elsass

 

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Er darf nicht fehlen.

Forellenterrine mit Schnecken an einer fluffigen Schaumsoße, danach zart gebratenes Schweinefilet mit Pistazienkruste mit selbstgemachten Spätzle, zum Abschluss eine gehaltvolle Mousse mit Marc de Gewürztraminer nebst Mango-Sorbet. Pot-au-feu, Tafelspitz, steht genauso auf der Speisekarte wie Jakobsmuscheln thailändisch mit Gemüse. Sicherlich nichts um sich samstags die Wampe voll zu schlagen, aber für Genießer exzellent. Und glauben Sie nicht, dass Sie nicht satt werden! Der Service ist umsichtig, jedoch dezent, persönlich.

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Einladend.

Mit kugelrunden Bäuchen, belebt vom Rouge de Marlenheim, unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den idyllischen Ort, in dem gerade sämtliche Rosen ihr Bestes geben. Auf der Anhöhe erblicken wir ein Kirchlein, die Kapelle von Hohatzenheim aus dem 12. Jahrhundert. Bis dorthin schaffen wir es heute nicht mehr. Unser Dackelchen hüpft uns glücklich um die Beine. Im Korb, auf dem Fahrrad, kann man ja doch nur schlafen. Sieht so ein perfekter Tag aus? Bis auf die lärmende Bude in Hochfelden auf jeden Fall. In unserem gemütlichen Zimmer – nebst frecher Tomi Ungerer– Radierung – liege ich noch ein wenig wach. So viele Eindrücke, aufgereiht wie an einer Perlenschnur…

Am nächsten Morgen: Ein kleines, aber feines Frühstücksbuffet samt frischgebackenem Kuchen. Die Bruckmanns sind schon wieder voll aktiv, um das Wohl der Gäste besorgt. Noch schnell ein Foto mit den Hoteliers. Aber bitte mit Dackel. Sie haben nämlich ihren eigenen: Gaston. Und, wie es scheint, ist er genauso ein Sturkopf wie unser Jungspund. Also: Hoch die Dackel und lächeln. Wir kommen sicher wieder! Angemessen gekleidet. Merci für die schöne Zeit in Ihrem Haus und Ihre wunderbare Gastfreundschaft!

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Einfach Zucker, dieses Restaurant!

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Schleusenhäuschen in Mintgrün.

Am Kanal entlang geht´s zurück nach Lutzelbourg mit seinem kleinen Yachthafen, Port de Plaisance. Und wieder entdecken wir Neues. Spannend, so ein Rückweg. Wir zeigen rechts und links: Also da müssen wir aber auch mal hin… Unsere Pos tun weh. Ganz langsam zieht es auch ein bisschen in den Knien. Von einem Boot winken leicht verkaterte Gestalten in blau-weißen Ringelshirts. Schließlich war gestern Vatertag. Mit letzter Kraft erreichen wir den kleinen Hafen. In einem kleinen Laden mit einheimischen Produkten ersteht mein Mann Baguette und Käse. Moment mal, war das nicht gestern….?

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Elsass-Tassen von Julclub

Fahrt unbedingt mal hin

Eure Stina

Eildieweil ich´s mag: Maison Kammerzell in Strasbourg

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„Geht doch mal ins Kammerzell!“, riet uns meine Freundin Sylvie, deren Großmutter schon am Platz vor der Kathedrale wohnte, da sie einer Familie von Steinmetzen entstammte. Im Schatten des Straßburger Wahrzeichens ein Choucroute essen? Mal ehrlich: Da denkt man doch gleich an überteuerte Touristenfallen. Dennoch. An einem stürmischen Montag im Februar fuhren wir nach Strasbourg um das weltberühmte Choucroute aux poissons von Chefkoch Guy-Pierre Baumann zu kosten. Draußen toste der Sturm, die Schirme bogen sich, ein paar Nonnen segelten mit ihren langen Trachten über den Platz. Nur wenige Touristen hatten sich bei diesem Wetter nach draußen gewagt. Ehrfurchtsgebietend neigt sich das altersdunkle Haus, die Maison Kammerzell, über das normalerweise emsige Treiben auf dem Platz. Direkt gegenüber: La Cathédrale, das Straßburger Münster. Zwei alte Schlachtschiffe, die den Stürmen und Gezeiten der Welt seit langem trotzen.

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Schnuges Dekor

Immer schon hat das Kammerzellhüs, das 1427 erbaut wurde, betuchten Händlern gehört. Zuletzt dem Gemischwarenhändler Phillipe-François Kammerzell, der das Haus zu Beginn des 19. Jahrhunderts sein Eigen nannte und dem es seinen Namen verdankt. Seit 1988 ist das spätgotische Gebäude mit den üppigen Schnitzereien an der Fassade UNESCO-Weltkulturerbe, gilt als das schönste Haus der historischen Altstadt. Hundert Mal sind wir dran vorbeigegangen. Heute werden wir praktisch hineingeweht.

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Zwei alte Schlachtschiffe…

Die buchstäbliche Ruhe nach dem Sturm umfängt uns. Unaufgeregt. Man führt uns an unseren Tisch. Serviert uns einen Pernod, einen Kir mit Crème de cassis. Wir sind im Caveau, der Winstub. Der schönsten Straßburgs, wie es heißt. Irgendwo zwischen mittelalterlicher Schenke und Rittersaal. Ein wenig Canterbury Tales, ja, auch. An Decke und Wänden Fresken des Künstlers Léo Schnug, dem man Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts den Auftrag zur Ausschmückung gab. Siebenundzwanzig Jahre war er da erst alt. Ocker, Weinrot, mattes Grün. Wir befinden uns – so scheint es – inmitten einer mittelalterlichen Buchmalerei. Mein Blick fällt auf Sebastian Brandts Narrenschiff. Nein, die Verrücktheiten der Welt bleiben heute vor der Tür. Ich habe eher den Eindruck von gediegener Entrücktheit. Bin begeistert.

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Stilleben

Persönlich

Ein riesiger, eiserner Kronleuchter taucht das Restaurant in weiches Licht, durch Butzenscheiben fällt helles Grau. Noch weitere Salons gilt es zu entdecken. Einer schöner als der andere. Ich will die anderen Gäste aber nicht stören. Denn hier sitzt man zuweilen ganz für sich. Salon Evêque, der Salon des Bischofs, Salon Vigneron, der Winzer-Salon, der Alkoven… Verbunden durch eine massive Wendeltreppe aus Sandstein, an der entlang sich Ikone an Ikone reiht. Vom französischen Filmsternchen bis Präsident Obama: Alle waren sie hier.

Von Januar bis April lockt das Restaurant mit einem Spezialangebot: Das weltberühmte Choucroute aux poissons, genauer gesagt „aux trois poissons“, das Monsieur Baumann erfunden hat und seitdem wie seinen Augapfel hütet, gibt es dann zum Preis von einem für zwei. Von den Nebentischen duftet es schon verführerisch. Auch wir wollen das Geheimrezept probieren, das von Weitem ein wenig wie Lasagne aussieht. Zwischen drei dünn geschnittenen Lagen Fisch befindet sich das – jawohl – duftige Sauerkraut. Umgeben von einer safrangelben, buttrig-zarten Soße. So unaufdringlich, so delikat. Das Gericht zergeht auf der Zunge. Der Geschmack ist so exquisit, dabei so eindringlich, dass ich ihn noch heute schmecken kann, wenn ich meine Augen schließe. Ein Meisterwerk.

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Kompetent und freundlich: Das Team

Zum Nachtisch gönnen wir uns einen Kougelhopf glacé, eine tarte aux pommes mit den aromatischsten Äpfeln, die ich je gegessen habe. Und natürlich einen café. Ihr wisst, der darf nicht fehlen. Großartig. Wir schwelgen im sanften Licht dieses Nachmittags. Spüren nach. Wenn wir das nur früher gewusst hätten… Herzlichen Dank, Silvie!

Die Maison Kammerzell beherbergt nicht nur das Restaurant, in dem exquisite elsässische Küche zu angemessenen Preisen geboten wird. Im Dachgeschoss gibt es auch ein Hotel mit allem modernen Komfort. Ein bisschen Burgfräulein bzw. Renaissancedame steht eben jeder Frau.

Um Tischreservierung wird gebeten. Sogar die Ankunftszeiten sind vorgegeben, was ich zunächst ein wenig irritierend fand. Sie sind aber wohl der Qualität der Speisen, dem reibungslosen Service geschuldet. Würde man den Touristenströmen ungeplant Einlass gewähren, wäre es wohl um das Wohl der Pilger – Pardon! – Gäste geschehen. Gerade ein Narrenschiff wie Straßburg mit seinem unablässigen Strom an Touristen muss schließlich in ruhiges Fahrwasser gesteuert werden.

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Brat mir keinen Storch…

Fahrt mal hin und lasst euch verzaubern

Eure Stina

 

 

La vie est belle à La Hoube – Genießen im Restaurant Le Zollstock

Zollstock Restaurant Nordvogesen Vosges du Nord

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft wir nach einem üppigen Mal im Restaurant Le Zollstock den Weg nach Hause zurück rollten. Ja, rollten. Nicht mehr gingen. Ein bisschen wie die Blechbüchsenarmee. Oder ein ziemlich praller Kougelhopf. Zufrieden, ganz sicher satt, leicht beschwipst.

Wie wär´s heut´Abend mit dem Zollstock?, fragt mein Mann so alle drei Wochen. „Gute Idee!“, finde ich. Na, endlich! Dachte schon, er würde gar nicht mehr fragen.

Die Besitzer des Zollstocks bei der Arbeit
Die Fetters bei der Arbeit

Le Zollstock: Eine Institution in den Nordvogesen. Im gemütlichen Schankraum lassen es sich Stammgäste nebst zappeligem Nachwuchs, der Welt entsagende Teenager, die emsig auf ihren Smartphones herumtippen, Rucksacktouristen, Motor- und Fahrradfahrer gut gehen, verspeisen genussvoll die üppigen Platten und Schälchen mit elsässischen Spezialitäten, die Cristelle Fetter und ihr Team geschwind wie der Vogesenwind auf den Tischen abladen. Der Service ist aufmerksam, freundlich und professionell – chalereux, wie die Franzosen sagen. Mit dezent rot-weiß-kariertem Charme. Schnörkellos, ehrlich. Francine Fetter, die Seniorchefin, kommt gerne auf einen kleinen Schwatz an den Tisch. Wenn es die Zeit erlaubt, denn schließlich gehört der Zollstock zu den beliebtesten, zudem bekanntesten Restaurants der Region. Man kennt sich, grüßt, wird zurück gegrüßt, egal ob Stammgast oder Tourist. Wer durch den dicken, roten Vorhang den Schankraum betritt, gehört dazu. Die Frauen haben sich zurecht gemacht, die Männer tragen ihr bestes Hemd, selbst die Kinder sind chic, mit Fliege und Schleifchen im Haar. In unseren derben Wanderschuhen und Schlotterpullis kommen wir uns ein wenig underdressed vor. Aber das stört wahrscheinlich nur uns. Ah, da kommt einer in Holzfällerhemd und Schaffhose (Wohl ein Holzfäller!). Auch das ist der Zollstock.

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Hors d´oeuvre Zollstock – eine wirklich üppige Vorspeise!

Ist es draußen noch hell, hat man einen wunderbaren Blick über das 280-Seelen-Dorf La Hoube. Umgeben von geheimnisvollen Wäldern, auf zuweilen windumtostem Plateau thronend, ist dieser Ort die letzte Bastion Lothringens, nur einen Steinwurf vom Elsass entfernt, Ausgangspunkt für Fahrrad-, Motorrad- und Wandertouren in die Elsässische Schweiz rund um Wangenbourg. Außerdem bietet La Hoube den besten Blick auf den Rocher de Dabo mit seiner mystischen Silhouette.

So bodenständig das langgestreckte Gebäude, so gutbürgerlich die Küche. Die Speisekarte verlässlich, die Qualität gleichbleibend. Man bekommt viel zu äußerst moderaten Preisen. Keine Haute Cuisine, eher eine Mischung aus französisch und deutsch. So, wie viele aus der Grenzregion es noch aus ihrer Kindheit kennen, wenn es sonntags raus zum Essen ging. In der vierten Generation wird hier schon gekocht, und die nächste steckt schon in den Baby- bzw. Kinderschuhen. Ein Familienrestaurant in jeder Hinsicht. Ein Erlebnis!

„Was essen wir heute“, will mein Mann wissen. Ich gründle noch in der Speisekarte. Umfangreich ist sie, macht mir die Entscheidung schwer. Nehme ich heute Bouchée à la reine als Vorspeise oder das ausladende hors d`oeuvre Zollstock mit Rohkostsalaten, Russischen Eiern und heimischen Wurstspezialitäten? Vor dem ich jedesmal nach der Hälfte kapituliere. Und als Hauptgericht Faux filet? Oder vielleicht das deftige Cordon bleu au Munster? Die truite, Forelle, aux amandes? Ach, nehme ich – wie in übrigens 98 % aller Fälle – einfach das Menu Zollstock. Da bekomme ich noch ein Sorbet mit riesiger Sahnehaube als krönenden Höhepunkt. Eine kleine Abweichung vom vorgeschlagenen, hochprozentigen Dessert, damit ich nicht mit dem Taxi heimfahren muss.

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Wir lieben den Zollstock!

Nicht, dass es nur dieses äußerst schmackhafte Menü gäbe… Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Mein Mann nimmt derweil schon ungeduldig den ersten Zug aus seinem Bierglas. Er weiß: Sein Favorit ist mein Favorit. Überraschung! Als Dessert bevorzugt er jedoch den Coupe Glace Zollstock, einen riesigen Eisb(r)echer mit Vanilleeis, Kirschen, Sahnehaube, Mandelblättchen sowie einem guten Schuss Schnaps. Und mit dem muss man, fragt man echte Kenner, auch jedes Mahl im Zollstock abschließen.

Im Herbst grüßt freundlich ein rosa Plüschschweinchen von der Theke, obwohl jeder weiß, dass Schweinchen hier gegessen werden und folglich nicht viel zu lachen haben. Besonders die Cochonnaille – das traditionelle Schlachtessen mit Choucroute à l`alsacienne, Sauerkraut – dürfte jedem Vegetarier die Tränen in die Augen treiben.

Trotzdem: Würden mein Mann und ich nicht mindestens ein-, zweimal im Monat den Zollstock aufsuchen, wir würden darben. Uns würde etwas fehlen. Oh Gott, wir würden abnehmen!

Einer, der sich wirklich auskennt mit Essen, ist Gilles Pudlowski, der die Fetters samt ihrem Zollstock in den höchsten Tönen lobt:

La Hoube: le Zollstock ou le bonheur des simples

Zollstock La Hoube Lorraine Elsass Nordvogesen Vosges du nord Restaurant Moselle dabo
La Hoube und Umgebung. Des belles vues…

Am besten, ihr probiert es selbst einmal aus. Es lohnt sich! Es empfiehlt sich vorzubestellen. Für größere Gruppen stehen sogar zwei weitere Räume zur Verfügung. Ein Hoch auf Le Zollstock!

Elsässisches Wichtelmädchen Cathy
Hopla s´gilt!

Guten Appetit wünscht

Stina

Alle Fotos und Zeichnungen in diesem Beitrag sind von Julclub.