Ehrlich. Natürlich. Gut.

river nordic design saarbrücken

Es weihnachtet sehr. Deshalb bin ich froh, dass Sabine André mir etwas von ihrer kostbaren Zeit schenkt, damit ich mir ein Bild von diesem wunderbaren Fachgeschäft für nordisches Design machen kann. Denn, dass man hier nicht nur Skandinavisches, sondern auch Produkte aus anderen nördlichen Gefilden, wie England oder dem Baltikum, bekommt, darauf legt sie Wert. Obwohl, wer denkt bei Design nicht recht zügig an Skandinavien? Nur ein paar Meter vom Saarbrücker Beethoven-Platz entfernt, liegt es charmant in einer kleinen Straße, abseits vom Trubel des Mainstreams. Das river NORDIC DESIGN. Jetzt, zur Weihnachtszeit, festlich beleuchtet. Mit unseren Nasen kleben wir schon fasziniert an den üppig dekorierten Schaufenstern: Sieh mal da! Und schau mal hier!!! Und vips! stehen wir drin.

Das Klare, Einfache hat es ihr angetan. Ihre Begeisterung dafür gibt sie weiter. Beeindruckend auch ihre berufliche Vita: Diplom-Ingenieurin, Architektin, Betriebswirtin für Möbelhandel, Schreinerin. Im Oktober 2018 hat Sabine André river NORDIC DESIGN eröffnet. Seit sie mit 19 eine Segeltörn zum Skagerak unternahm, liebt sie den zeit- und schnörkellosen Stil des Nordens, ist zur gefragten Expertin geworden.

Das Wasser, die Städte, das Klima. Schon die Mutter hatte im renommierten Saarbrücker Einrichtungshaus River eine kleine Ecke für skandinavische Designprodukte reserviert. Das farbenfrohe finnische Label Marimekko, zauber- und sagenhaftes Porzellan von Ittala, das direkt aus der finnischen Märchenwelt entsprungen scheint, die mattschwarzen, stilisierten Kerzenhalter des schwedischen Designduos Bengt & Lotta: Das Who is Who nordischen Designs gibt sich nun – in bester Familientradition – auch bei der Tochter die Ehre.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Unterkühlter Design-Tempel geht anders. In diesem Unternehmen steckt Herzblut. Und so können wir gar nicht anders als begeistert zwischen den ganzen Herrlichkeiten umher zu taumeln. Für einen geplant viertelstündigen Besuch sollte man gut und gerne das Zwei- bis Dreifache einplanen. Es gibt viel zu entdecken. Ich treffe alte Bekannte: Das Holzäffchen von Kay Bojesen , den knallroten Hoptimisten, der zu meinem Neidwesen nur auf dem Schreibtisch meiner Schwester wippte, die ebenfalls leuchtend rote Kaffeekanne Stelton EM 77, die typischen Pferdchen aus Dalarna, rot, rot, rot! Lottas und Bengts gusseiserne Elche, zierliche Änglaspel von Pluto, Engelsspiele, zu Deutsch: Drehlichter aus goldglänzendem Metall. Ich flattere zwischen flauschigen Decken, knotigen Kissen, glitzerndem Glas, schwedischem Leinen, Wichteln, Rentieren und natürlich Designermöbeln umher, weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Ist alles so schön geschmackvoll hier. Oh, eine Lucia-Gruppe samt Stjärngossar, Sternenjungs – allerliebst! Tjusigt! Da hinten flattern meine Freunde, haben schon ein Geschenk für eine andere liebe Freundin. Ach, warum habe nicht ich Geburtstag…?

Ob sie denn nicht ständig versucht sei, ihr Zuhause umzugestalten, bei so vielen Schätzen, frage ich Frau André. Eigentlich nicht, meint sie, sie setze eher auf Nachhaltigkeit. Man sehe sich eben nicht satt an diesen Klassikern, die teilweise schon aus den Fünfzigern und Sechzigern stammten, und immer noch aktuell seien. In ihrer Leichtigkeit, Einfachheit. Bevorzugt aus Naturmaterialien. „Was der Wald so hergibt.“ Man denke nur an die String Regale, mit denen sich immer wieder neue Wohnbilder erschaffen ließen. Der dänische Möbelhersteller Montana fällt ihr ein, geführt von der Familie Lassen, die neben Designklassikern wie die von Arne Jacobsen (dem Dänen mit der Pfeife. Das Ei, die Ameise, der Schwan!) modulare Regalsysteme herstellt. Freiheit und Kreativität statt starrer Schrankwand. Ganz nach dem Wahlspruch des Firmengründers Peter Lassen: „Voraussetzung für gutes Design ist Ehrlichkeit und Respekt.“

Nachhaltigkeit – auch so ein Thema, das Sabine André wichtig ist. Keine langen Transportwege. „Viele Hersteller lassen in ihren Herkunftsländern fertigen.“ Ob sie nicht doch versucht sei,… Nein. Sie sei ja ständig von schönen Dingen umgeben. Wichtig findet sie, dass die Produkte von guter Qualität seien. Dann hielten sie eben auch lange. „Ich kaufe nur ein, was mir selbst gefällt.“ Und das tut sie tatsächlich höchstpersönlich. Stockholm, Oslo, Helsinki, die großen Messen, klar. Aber so hat sie auch die Möglichkeit kleinere, unbekanntere Designlabels zu entdecken. Gibt es eine Philosophie hinter dem Unternehmen? Ja, und auch die strahlt wohtuende Einfachheit aus: Eine angenehme Atmosphäre, ein angenehmes Gefühl möchte Sabine André mit ihrem Angebot schaffen. Nachhaltigkeit all über all: Als ich sie für ein kleines Interview gewinnen möchte, ist sie gerade mit dem Fahrrad unterwegs. Atemlos zu einem Geschäftstermin. Ob sie zurückrufen könne. Was soll ich sagen? Zum vereinbarten Termin klingelte mein Telefon.

„Haben Sie derzeit ein Lieblingsstück bei river NORDIC DESIGN , Frau André?“

„Ja, so einen Beistelltisch aus dem Baltikum. Ein Hühnchen.“ Sie erklärt´s mir: 2 Beine: Beine. 1 Bein: Schnabel. Klingt wie eine Gleichung, die aufgeht: Einfallsreich, witzig, verspielt. So neben den ganzen praktischen Modulen durchaus stimmig. Ich hab´s ja gesagt: Voll das Herzblut!

Und auch ich habe meinen Liebling gefunden: Das Tablett „Winterleben“ von Bengt & Lotta. Denke an Erich Kästners Drei Männer im Schnee, das nicht nur als Film sondern auch als Hörbuch unentbehrlich ist für eine wundervolle Adventszeit. Denke auch an die Zürcher Verlobung mit Christoph Waltz und der leider verstorbenen Lisa Martinek – ebenfalls ein literarisches Seelenwärmer-Remake eines Kassenschlagers aus den Fünfzigern mit – wem sonst? – Liselotte Pulver. Wenn man dann also, eingemummelt in eine warme Decke von Klippan, seinen Glögg und ein, zwei Stücke echten schwedischen Sockerkaka genießt, während auf dem Baltic Beistelltisch Tibu der Adventskranz leuchtet… dann könnte man fast glauben, dass draußen leise der Schnee rieselt!

Wer´s noch wärmer ums Herz mag: Bei river NORDIC DESIGN verkauft man nicht nur Kaffee, man schenkt ihn auch in gekonnt schaumiger Latte-Art aus. Dazu gibt es leckere Zimtschnecken. Natürlich nach original schwedischem Rezept!

Einen informativen Über- und Einblick findet ihr natürlich auf der Webseite des Unternehmens, aber auch bei Instagram. Lasst euch bezaubern. Frohe Weihnachten, God Jul, wünscht euch

Julclub_stina

Ich muss es halt hinschreiben: Dieser Artikel erfolgte unaufgefordert und unbezahlt.

Motiv von Bengt & Lotta: Tablett „Winterleben“

Designinteressiert? Dann könnten euch auch folgende Artikel auf meinem Blog gefallen:

Kurztrip nach Kopenhagen

Zu Besuch bei Dania in Trier

Zimtschneckeninteressiert? https://slidebearing.eu/julclub/?p=684

Über allen Wipfeln

Einrichtung Loggia Balkon, julclub

Vom zugigen Balkon zum gemütlichen Kuschel-Nest

Frauen neigen bekanntlich zum Dekorieren. Männer auch. Und doch trifft man in einschlägigen Einrichtungs-Tempeln auf das immergleiche Bewegungsschema: Während die Frau mit wachsender Begeisterung ein paar hübsch drapierte Sofakissen in trendigem Petrol begutachtet, trabt ihr Mann verkniffen, die Hände auf dem Rücken verschränkt, hinterher. Habt ihr also kein ausgesucht deko-freundliches Ehe-Exemplar zuhause, dann geht lieber alleine auf Shoppingtour. Sonst habt ihr nachher lauter Merkwürdigkeiten im Kofferraum, die ihr nur gekauft habt, damit ihr nicht mit leeren Händen nach Hause kommt. Wir Frauen haben unsere Zeit ja auch nicht gestohlen. Und deshalb schreibe ich auch diesen Artikel. Um euch Zeit zu sparen, die ihr sonst mit nervtötender Internetrecherche vertun würdet. Da spielt ihr doch besser mit euren Kindern oder eurem Hund oder geht mit wem auch immer spazieren. Vielleicht habt ihr gerade nach diesen Möbeln, diesen Accessoires schon lange gesucht.

Anyway: Unser Balkon, unter einem spitzwinkeligen Dach, sollte vollverglast werden. Nachdem an unserem 20 Jahre alten Holzhaus der Zahn der Zeit kräftig genagt hatte. Kein billiger, kein DIY-Spaß. Nachdem die Fenster eingesetzt waren, nahm sich das Schweden-Rot, Falurött, gelinde gesagt drückend aus. Also pinselten wir den gesamten Dachraum deckend weiß. Vips, war alles schon viel heller und freundlicher. Eine steife Brise wehte durch die geöffneten Fenster… original wie am Meer. Maritim, so sollte es sein. Aber auch schnell umrüstbar auf kuschelige Kota in norwegisch schneeglitzernder Winter-Weihnachts-Wunderwelt. Wir befinden uns schließlich in den Vogesen. Hinsichtlich ersterer Impression schwebte mir allerdings keine blau-weiße Matrosen-Kulisse mit Anker & Co. auf den Kissen vor. Eher Marke „Strandspaziergang, sehr früh am Morgen, nebelig mit vereinzelten Sonnenstrahlen und Weiiiite“. Also: Sanfte, gedeckte Farben. Von Anthrazit über Grau zu Blau. Dazu cremiges Weiß. Metall. Holz. (Kunst-)Fell. Allein: Der Platz für Deko-Exzesse ist vergleichsweise klein: 520 x 120 cm. Jedoch: „Det var en världslig sak! Das stört keinen großen Geist!“, um es mit Astrid Lindgrens patentem Propeller-Proppen Karlsson vom Dach zu sagen.

Los ging´s mit dem Boden. Der ehemalige Balkonboden ruht jetzt auf zwei Stützen aus finnischem Stahl, damit sich die in den Giebel eingepasste Fensterkonstruktion problemlos hält. Diese bastanten Pfeiler sorgen dafür, dass wir mit unseren Teetassen in spe nicht auf der Terrasse landen und köstlichen Ostfriesen-Tee in der Walachei verteilen.

Als Bodenbelag fanden wir Keramikplatten zu schwer (Walachei!). Zum Glück gibt es derzeit wunderschöne Vinyl- bzw. Linoleum-Platten sowie Meterware, die leicht zu verlegen, lichtecht, umweltfreundlich (!?!) und strapazierfähig ist. Die Internet-Plattform Wayfair hat die größte und geschmackvollste Auswahl, während man im Baumarkt merkwürdige, altbackene Patchwork-Muster anbietet. Bei Wayfair gibt es übrigens auch Wanddekor-Fliesen vom Feinsten. Wir können es kaum noch erwarten den Boden zu legen. Aber unser Fensterbauer muss erst fertig werden. Ein türkisfarbenes Beistelltischchen aus Metall war bei Maison du Monde in Straßburg schnell gefunden. Unserer ersten Teestunde stand nichts im Weg. Der Ausblick: Überwältigend. Kaiserwetter. Bunte Waldeshöhen. Sonnenüberglänzt. Ganz schön warm so hinter Glas. Nachts wollten wir erst gar nicht wieder unseren Adlerhorst verlassen, so kuschelig in unsere – alten – Achtung! Kunstfell!-Decken gehüllt.

Darf´s ein bisschen wärmer sein?

Die Relax-Sessel: Ähäm, wie bekommt man die gewünschten Entspannungs-Helfer durch eine Luke von gerademal 70 cm, wenn man nicht so schlau war, die Sessel vor dem Einbau der Fenster durch die Balkontür zu schaffen? Gekippt, gedreht, mit viel Glück bis gar nicht. Die Hydraulik von Drehstühlen abschrauben? Keine gute Idee. Nachdem ich zahlreichen Möbelverkäufern beim Probesitzen/-liegen hatte zusehen dürfen, entschied ich mich schweren Herzens gegen Hightech-Sessel, die mich weltraummäßig in jede erdenkliche Position – Schwerelosigkeit – hätten beamen können und für mein Portemonnaie. Außerdem gibt es darunter tatsächlich Monstrositäten, die als Requisite für Apocalypse Now nicht weiter aufgefallen wären. Und weinroter Samt mit deutlichem Blaustich? Höchstens doch als Farbe für einen Schleudersitz. Außerdem meinte mein Mann, dass er für einen Sessel um die tausend Euro bereits ein gebrauchtes Motorrad bekomme. Da hat er vermutlich Recht. Aber sicher kein so bequemes. Die Auswahl an zeitlosen, bequemen, verstellbaren, designmäßigen, bezahlbaren, beigen, grauen, blauen Sesseln mit einer Breite bis zu 69 cm schrumpfte zusehends. Ich beschloss, aus der Not eine Tugend zu machen. Heißt es nicht Wintergarten? Genau, bei Gartenmöbeln wurde ich fündig. Sitz-/Liegeposition inklusive und so bequem, dass ein Kunde schrieb, seine Familie kämpfe jeden Tag darum, wer sich darin fläzen dürfe und daher bestelle er jetzt einen zweiten. Habe deshalb gleich und mutig auch zwei bestellt. Die Rede ist von Snooze von EMU, ein Designklassiker in Neuauflage aus den Achtzigern, in vielen Farbkombinationen erhältlich, zusammenklappbar, seinen Preis wert. Meine Freundin Lena sagt: „Billig gekauft ist zweimal gekauft.“ Stimmt. Obwohl ich ein lebendes Sparschwein bin, habe ich also diesmal zugeschlagen:

Hier habe ich auch noch superschöne Liegestühle wie aus meiner Kindheit gefunden. So Retro! Leider auch in puncto Bequemlichkeit. Trotzdem möchte ich sie euch nicht vorenthalten. Man kann sie ja ansehen und ansonsten eine ungeliebte Tante darin platzieren:

Die zum Hütten- resp. Meeresfeeling passende Decke, aus Kunstfell samt Vorleger (ich bin ja Fast-Vegetarierin) in Blau oder Grau gibt es ebenfalls bei Maison du Monde, ein französisches Unternehmen, das auch nach Deutschland liefert bzw. dort Filialen betreibt. Hat man ein Teil gekauft, kann man sich mittels Webseite gleich zu weiteren Einkäufen inspirieren lassen. Shop the look heißt das auf Neudeutsch, hier am Beispiel einer gustavianisch inspirierten Chaiselongue (Runterscrollen!) und man möchte gleich seinen kompletten Einrichtungsstil ändern. Von Bohemian Style bis Nordische Sachlichkeit findet ihr hier alles.

Ein paar Tage später: Der Boden war noch nicht mal drin, da stieß ich bei Connox auf ein in Skandinavien sehr beliebtes Mobile: Schwäne des Nordens von Flensted. Zum fast halben Preis! Bin ich froh! Konnte ich somit doch endlich ein Kindheitstrauma bewältigen. Während ich ein ziemlich plumpes Enten-des-Nordens-Mobile von meinen Eltern geschenkt bekommen hatte, spähte ich neidisch auf die filigranen, schneeweißen Vögel, die meiner Schwester zugedacht worden war. Genau wie damals, als sie eine pummelige Puppe mit rotem Plastik-Regenmantel bekam und ich eine mit flaschengrünem, wäääh! Aber das ist eine andere Geschichte… Habe ihre mitsamt Regenmantel übrigens aus dem Fenster eines fahrenden Autos geworfen. Für eingefleischte Elsass-Fans gibt es das Mobile übrigens auch mit Störchen.

Damit das Nach-einem-langen-Spaziergang-im-Regen-am-Strand-eine-heiße-Tasse-Tee-Feeling komplett ist, brauch man einen Elektrokamin. Ich meine damit eigentlich einen kleinen Heizofen, bei dem man die visuelle Darbietung unabhängig von der Wärmefunktion einschalten kann. Visuell meint hier ein munteres Fake-Feuer, das dennoch ungemein herzerwärmend wirkt. Diese Öfen gibt´s kostengünstig in vielen Varianten. Unserer kommt von Klarstein. Sogar Industrial-Liebhaber können es so ein bisschen gemütlich haben.

Was ich mir noch wünsche:

Einen Beistelltisch aus Holz. Zu Metall muss Holz.

Zwei mysige – gemütliche – Teelichthalter wären nicht schlecht.

Noch 2, 3 Tage später: Der Boden ist verlegt. Connox und Klarstein haben geliefert. Die beiden Liegestühle „Snooze“ sehen, trotz Breite um die 62 cm, recht wuchtig aus. Aber modern und abgefahren. Darin zu sitzen ist ein Traum, auch für Großgewachsene, zumal die Armlehnen ebenfalls aus elastischem Material sind. Nichts drückt. Mit der Fuß-/Ablagebank lässt sich darin sogar ein Nickerchen halten. Oder im Schneidersitz lesen, z.B. Happy Ever After – Wo das Glück in Büchern wohnt von Jenny Colgan, ein amüsanter Roman über eine junge Bibliothekarin, die mit einer ungewöhnlichen Idee ihr Glück in den Highlands findet.

Viel Platz zu Wand bzw. Fenster ist bei uns jetzt nicht mehr. 60 cm. Die Metall-Konstruktion der Stühle ist massiv, trägt bis zu 120 kg. Also mich und einen Baby-Elefanten. Bin zufrieden, obwohl mein Mann meinen Stuhl immer zusammenklappt, damit er alleine die Aussicht genießen kann.

Habe zwei alte Gips-Fliegenpilze gefunden und platziert. Das sogenannte Tüpfelchen auf dem i. Wollte noch Hagebutten pflücken und in einer türkisfarbenen Vase dekorieren. Habe die Früchte aber den Vögeln gelassen. Bei Lidl habe ich – Achtung! – ein Kunstfell! für nur 9,99 Euro erstanden. Der ideale Schlafplatz für unser Dackelchen. Im Elektrokamin flackert ein munter Feuerlein, aber dat Ding iss laut. Schaltet sich ab, wenn die eingestellte Temperatur erreicht ist und wieder an. Da ich aber beim Geräusch von Motorsägen seit jeher friedlich schlafen kann, kein Problem…

Haben unseren ersten Wisky in unserem vor Wind und Wetter geschützten Ausguck genossen. Bin dreimal weggedöst. Genial!

Heiho, heiho, da bin ich wieder. Maison du Monde lässt sich etwas Zeit. Angeblich wegen meteorologisch ungünstiger Verhältnisse. Für das Kunstfell oder wie soll ich das verstehen? Draußen taucht die Sonne die bunten Farben der Blätter in überirdisch schönes Licht…Den Beistelltisch habe ich in Saarbrücken in einem Laden namens Wohnzimmer gefunden. Heftigst reduziert. Leider ist er zu groß für unsere Loggia. Und auch nicht aus Holz. Er hat seinen Platz im Schlafzimmer gefunden. Beim Spazierengehen haben wir gerade ein Retro-Wandregal vom Sperrmüll errettet. Es wartet noch auf seine zweite Chance. Übrigens: Wer reduziertes, klares, skandinavisches Design liebt, wird bei Connox fündig. Der kostenlose Katalog ist ein Quell diesbezüglicher Labels. Wie immer sind die Klassiker nicht billig. Aber träumen darf man… So, irgendwie hat das alles Geld gekostet. Aber was tut man nicht alles als echter Einrichtungs-Enthusiast. Seht nur, wie die weißen Schwäne im Gebläsestrom des Elektrokamins tanzen… Der orangefarbene Stern ist übrigens ein sogenannter Herrnhuter Weihnachtsstern. Ein wunderbarer Begleiter durch die Winterzeit. Genießt den Herbst

Eure Stina

Strasbourg im Regen – es glänzt der Asphalt

Design in Les Halles, Strasbourg

Wird es uns heute lieben? Die Rede ist von Strasbourg und die Frage stellen mein Mann und ich uns jedes Mal, wenn wir die Stadt besuchen. Denn nicht immer tut sie das. Mal erstrahlt sie in warmherzigem Miteinander, mal zeigt sie sich arrogant, beinahe abweisend. Oder sind wir es, die zu langsam geworden sind für die junge Stadt in Fachwerk?

Einkaufsstraße
Einkaufen im Viertel der Pâtisserie Christian

Ganz gegen unsere Gewohnheit – am Musée Moderne zu parken – hatten wir unseren Wagen gestern im Parkhaus Place les Halles abgestellt. Wo wir schon mal hier waren, schlenderten wir durch das angeschlossene Einkaufszentrum und genehmigten uns einen Kaffee in einem auf altelsässisch getrimmten Café. Bis die Servicekräfte ihre Aufgaben ausdiskutiert sowie den Posteingang ihrer Handys gecheckt hatten, strebten sechs Gäste schon wieder unverrichteter Dinge dem Ausgang zu. Und unser Kaffee war nur noch lauwarm, als er endlich bei uns ankam. Dabei hätten wir der recht spröden Brezel gerne geholfen, ihren Weg in unseren Magen mit Hilfe von etwas Flüssigem zu finden.

Spaciges in Les Halles Strasbourg / Straßburg Design
Les Halles – Spacig

„Liebt uns Straßbourg heute?“, fragte mein Mann mit zitroniger Miene. Wir schüttelten uns, pusteten dabei kräftig das Yang aus den Lungen und setzten unseren Weg fort, fest davon überzeugt, dass die Stadt uns ab jetzt lieben müsse. Tatsächlich gibt es in diesem Einkaufszentrum – in dem wirklich jede verkaufsstarke Ladenkette vertreten ist – ein paar interessante Designideen zu bewundern. Architektonischer Art. Von Graffities bis Space-Ambiente – man muss nur die Augen von den angebotenen Herrlichkeiten lösen und auf die Kunst, die sich nützlich macht, richten – hier hat sich jemand Gedanken gemacht.

Design Vogel Les Halles
Wären beinahe daran vorbeigelaufen – aber: Wow!

Les Halles Sitze
Verschnaufen in Apfelgrün

Shopping Design beflügelt
Shopping beflügelt

Selbst die Toiletten waren gestylt, allerdings brauchte es die nette Hygienebeauftragte, damit die Besucher die Schranke passieren konnten, ohne unverrichteter Dinge wieder abzuziehen oder gar innere Verletzungen durch das digitale Drehkreuz zu erleiden. 50 Cent gab´s als Bon für 50 Cent Eintritt. Die Einlöse-Vorgaben allerdings waren so kompliziert, dass wir die Tickets schließlich ungenutzt in den Untiefen unsere Portemonnaies versinken ließen.

Nachdem sich die Schiebetüren des Einkaufs-Palastes lautlos hinter uns geschlossen hatten, liefen wir an haufenweise ansprechenden Gaststätten und Cafés vorbei, in denen wir lieber unseren Kaffee getrunken hätten. Rechter Hand lag das Bahnhofsviertel, doch wir gingen geradeaus Richtung Place Kléber. Ab jetzt waren wir auf Designtour. Auf Einkaufs-Center-Designtour im Regen, denn Einkaufs-Zentren sind praktischerweise überdacht.

Das Einkaufscenter L´Aubette am Place Kléber: Magisch angezogen vom hypermodernen Apple-Store tauchten wir ein ins Jahr 2018 mit seinen superteuren Mobiltelefonen und computergesteuerten Nachtleuchten für Kleinkinder.

Appelstore Straßburg
Der Apple-Store

Doch halt, wir wollten den Blick nach oben richten: Wunderbare Gewölbe, erlesene Details alter Bausubstanz. Und ein mittelalterlich anmutender Steindrache. Was will man mehr! Ja, Strasbourg, das war eindeutig, liebte uns!

L´Aubette, Place Kléber
L´Aubette, Place Kléber

Wach-Drache, L´Aubette
Wach-Drache, L´Aubette

Über den Place Kléber in ein schönes Geschäft namens Labonal, 5, Rue de l’Outre, wo ich  ein paar Söckchen für meine Schwiegermutter erstand. Die Verkäuferin – elegant, kompetent und freundlich – vermittelte mir das Gefühl, etwas wirklich Erlesenes erstanden zu haben. Konnte man das toppen? Wie eine Erscheinung aus Zuckerbäckerhausen tauchte beim Verlassen der Sockerie die Pâtisserie Christian, 12 Rue de l’Outre, auf, rosa, beige, lachsfarben bemalt, mit glänzenden Törtchen in der Auslage.

Patisserie Christian
Patisserie Christian. Hinten rechts mein Dôme.

Kaufte ein hochpreisiges aber delikates Mirabelleneis für meinen Liebsten und ein Dôme au caramel für mich. Für zuhause. Strasbourg, ich liebe dich!

Zurück auf dem Place Kléber fing uns der Rummel an zu nerven. Dagegen gibt es ein Rezept: Hebt die Augen und ihr werdet ein anderes Straßburg entdecken, auch – oder gerade – wenn es regnet. Oder fahrt nach Hause. Was auch wir – mit vor Wasser triefenden Jackenärmeln – taten.

Pâtisserie Christian und kleine Boulangerie
Pâtisserie Christian und kleine Boulangerie

Also Richtung Vogesen. In einem Einkaufs-Centrum bei Marlenheim (Hallo?!!? Wir waren auf Center-Tour!) frische Muscheln entdeckt. Perfekt für unser Abendessen (Rezept alsbald unter Stinas Moules frites)

Zuhause packte ich das hübsche türkisfarbene Päckchen von Christian aus.

Mein karamelisierter Dôme bestand aus Mousse au chocolat. Ich wollte Karamell!!! Nun ja, die Mousse zerging dann doch untadelig auf der Zunge.

Liebte uns Strasbourg gestern? Ich bin mir wirklich nicht so sicher…

(Alle Fotos in diesem Beitrag von Julclub)

 

Krebsessen – Kräftskiva – mit Ekelunds

Kräftskiva - Krebsessen

Der August ist in Schweden der Monat des traditionellen Krebsessens.  Städte und Gemeinden schmücken sich mit bunten Wimpeln, in den Schaufenstern leuchten knallrote Krebse auf Geschirr, Gläsern und Besteck. Die Schweden treffen sich zum Kräftskiva – so heißt diese Tradition, verzehren kiloweise Flusskrebse mit Dill, Dips, gekochten Kartoffeln und natürlich dem obligatorischen Aquavit. Selbst Singmuffel können nach dem dritten Schnaps nicht mehr an sich halten und schmettern lauthals mit. Schließlich kreist die Flasche, bis sie leer ist, so der einschlägige Hit zum Fest.

Krebs auf Geschirrtuch by Ekelunds
Geschirrtuch von Ekelunds, Horred, Schweden, passend zum Kräftskiva

Denken wir jetzt an graue Felsen, falunrote Häuschen, blaues Meer, kreischende Möwen und Glas von Kosta und Boda, in dem sich der ebenfalls blaue Himmel spiegelt? Ja! Warum also nicht einfach ein bisschen Schweden zu sich nach Hause holen! Vorzugsweise auf den Balkon, an den Rand des Gartenteichs…  Den Norwegerpulli ausgepackt, ein spitzes Hütchen aufgesetzt, ein Lätzchen mit Krebsdesign umgebunden, die Lampignons entzündet und bis in den Morgen feiern. Dann ist es auch wieder hell und die Illusion der Weißen Nächte perfekt.

Lampion mit Hüten zum Krebsessen schwedisch
Die spitzen Hüte aufgesetzt!

Das perfekte Design liefert Ekelunds, eine traditionsreiche Leinenweberei (inzwischen in elfter Generation!) aus dem schwedischen Horred, einer kleinen Gemeinde in Västra Götaland.

Geschirrtücher Ekelunds Horred Schweden
Meine geliebten Geschirrtücher von Ekelunds in Horred, Schweden!

Ekelunds besticht durch das wunderbar unaufdringliche Ineinanderweben von bis zu sechs Farben. Die Themen, das Design sind urschwedisch. Man produziert nachhaltig und ökologisch u.a. Geschirrtücher,  Tischläufer und -decken. Zugegeben, ein Geschirrtuch z.B. ist nicht billig. So um die 23 Euro. Aber es hält ewig. Auch die Farben. Wenn ich meine Tücher aus der Schublade zaubere – mit diesem typischen frischen Duft, den Leinen nun mal hat – fühle ich mich an meine Kindheit erinnert. Ja, sie spornen mich sogar zum Backen einiger Kanelbullar (Zimtweckchen) an. Muss jetzt also in die Küche…

Besucht die Seite von Ekelunds. Dort gibt´s auch informative Kurzfilme zur Leinenherstellung. Und die neue Herbstkollektion ist wunderschön.

Kräftskiva - Krebsessen
Kräftskiva – ohne Krebse – bei den Wichteln

Hätte ich die Geschirrtücher vor dem Fotografieren bügeln sollen?

Trevlig kräftskiva

Eure Stina