Unverhofft kommt oft – ein Hoch auf Mini-Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmarkt Marmoutier

Für den inzwischen populären Weihnachtsmarkt in St. Quirin war Blitzeis angesagt. An einem dunklen, verregneten Sonntag durch noch dunklere Vogesenwälder kurven? Noch war Samstag und das Wetter hielt. Kurzentschlossen fuhren wir nach Marmoutier, einem pittoresken elsässischen Örtchen im Département Bas-Rhin mit romanisch-gotischer Basilika, die jedem Kunstgeschichte-Studierenden dies- und jenseits der Alpen ein Begriff ist. Wir parkten unseren Wagen, merkten erst jetzt, dass wir die Leine für unseren kleinen Dackel vergessen hatten. Er durfte in der warmen Jacke meines Mannes Platz nehmen. Auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt: Keine Menschenseele. Doch, aus einer Haustür wagten sich zwei vermummelte Gestalten mit Hund – und Leine – in die bittere Kälte um Richtung Marktplatz zu streben.

Der Weihnachtsmarkt entpuppte sich als eine Ansammlung von ungefähr 8 festlich beleuchteten Büdchen auf dem Vorplatz der Basilika. Kohlebecken spendeten Wärme. Ach ja, eine kleine, feine Galerie mit Kunstgewerbe hatte ebenfalls geöffnet. So ungefähr stelle ich mir die ersten Events dieser Art vor. Überschaubar. Nachdem ich mich ein Wochenende zuvor über den prunkvollen Straßburger Weihnachtsmarkt geschoben hatte, zusammen mit gefühlt 2 Millionen Kaufrauschigen, war dies, als hätte jemand die Uhr um mindestens hundert Jahre zurückgedreht. Ein Absturz in vorkapitalistische Zeit? Ein Komm-wir-drehen-um? Keineswegs! Denn siehe: „Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir begegnen, musst du sie auch seh´n.

Weihnachtswunder Nr. 1: Der Glühwein war selbst gemacht, duftete nach Gewürzen und beinhaltete irgendeinen stimmungsaufhellenden Schnaps. Ob er denn schmecke, wurden wir gefragt, ob noch etwas fehle. Nein, alles super! Welch Wohltat nach Warteschlangen an Straßburger Glühwein-Ständen mit Undefinierbarem! Alles, damit einem beim Umdrehen der nächstbeste Passant im Weihnachtstaumel das sauer erkämpfte Heiß-Getränk aus der Hand schlägt.

Weihnachtswunder Nr. 2: Wir verweilten auf einer Bank sitzend, mit viel Bewegungsfreiheit an unserem Gewürzwein nippend. Auf den dazugehörigen Tisch hatte uns das Christkind eine Leine gelegt – in Gestalt eines kaputten Expanders. Ja, sowas… Danke!

Weihnachtswunder Nr. 3: Eine freundliche junge Dame nebst freundlichem Herrn tauchte auf. Die beiden berichteten überraschend, dass sie von hier stammten, er preisverdächtige Kaninchen züchte, es in Obersteigen eine ebenfalls freundliche Dame gäbe, die Interessantes über die dortige Klosterkapelle zu erzählen wisse, dass außerdem demnächst ein Konzert in der Basilika von Marmoutier stattfinde, bei dem die junge Dame mitsinge. Am 06. Januar 2020. Näheres folgt. Habe bisher noch nichts im Netz gefunden. Wenn ich´s mir recht überlege, könnte es sich bei den beiden um Nikolaus samt Christkind gehandelt haben…

Craftiges Bier

Weihnachtswunder Nr. 4: Crafts-Biere sind in. Dass wir hier eine exzellente Auswahl finden würden, gebraut von zwei „Brewer-Girls“ mit Geschmack, Sachverstand, Umweltbewusstsein und definitivem Hang zum Natürlichen… Wer hätte das gedacht? Mein Mann probierte ein fruchtiges, helles Erzeugnis der Brasserie Bat. Hätte gerne das Weihnachtsbock gekostet, aber einer muss ja fahren. Im nächsten Jahr werde wir die beiden in ihrer Brauerei zwecks Interviews besuchen und Genaueres probieren… äh berichten. Man beachte das Wortspiel: pro-bieren! Etymologisch wäre jetzt auch das geklärt.

Weihnachtswunder Nr. 5: Fand genau den richtigen Adventskranz für uns! Ein bisschen kitschig, irgendwie psychodelic, sehr französisch und vor allem selbstgemacht.

Merke: Auf Mini-Weihnachtsmärkten findest du Selbstgebasteltes, solides Handwerk, Gebäck, heimelige Beleuchtung, super alkoholische Getränke, Leinen, keine Hektik, kein Weihnachts-Pop-Gedudel, jedoch freundliche Menschen mit Ideen. Und das macht Weihnachten doch aus, oder? Nicht umsonst heißt es schließlich: „Morgen Kinder wird´s was geben!“. Was das sein wird? Wer weiß das schon so genau.

Weitere Weihnachtswunder findet ihr hier!

Liebe Grüße

Eure Stina

Es weihnachtet sehr!

Weihnachtsmarkt_Elsass_Vogesen

Tipps für eine unvergessliche Weihnachtszeit im Elsass und den Vogesen findet ihr in folgenden Artikeln auf meinem Blog:

… ein leckeres Rezept für einen Bûche de Noël hier.

Da hat doch schon jemand an der Schoko-Borke geknabbert…

Wer ausgefallene Ausstechformen sucht, wird bei dem schwedischen Familienunternehmen Formina fündig. Das Angebot lässt wirklich keine Wünsche offen! Außer vielleicht die nach den süßen Mumins der Finnland-Schwedin Tove Jansson:

Erhältlich über z.B. Little Finland zu einem weitaus günstigeren Preis als bei den einschlägigen Versendern

Viel weihnachtliche Freude wünscht euch

Stina

Heute mal ein Taugenichts – Mit dem Fahrrad durch das Hanauer Land

Illustration zu Joseph von Eichendorfs Aus dem Leben eines Taugenichts, Bild, von Julclub

Zuerst die Fakten: E-Bike-Rundtour. Ca. 3-3 ½ Stunden. Teilweise Fahrradwege. Mittlerer Schwierigkeitsgrad. Route: Von Dossenheim-sur-Zinsel über D14 Neuwiller-les-Saverne Richtung ausgewiesene Fahrradstrecke (Kleines Schild mit grünem Fahrrad bzw. kleiner orangener Pfeil) nach Herrenstein. Nicht über D 133 Richtung Bouxwiller/Griesbach! Im Zentrum von Herrenstein rechts abbiegen. Ein Abstecher zur Abtei, die rechterhand liegt, lohnt sich. Wieder auf der Hauptstraße am Hotel-Restaurant Le Herrenstein vorbeifahren. Am Ortsausgang geht es links auf den Fahrradweg 22 bzw. 62 Richtung Bouxwiller. Hier kurzer Abstecher ins Zentrum mit seinen Fachwerkhäusern und Salon de thé Au charme du passé. Auf demselben Weg wieder aus dem Ort hinausfahren, D4 Richtung Obersoultzbach. Auf die D7 nach Weiterswiller abbiegen. Richtung Neuwiller-les-Saverne fahren. Weiter nach Herrenstein, diesmal geradeaus weiterradeln nach Dossenheim-sur-Zinsel.

Weitere Details zum Radfahren im Hanauer Land findet ihr hier!

Und jetzt… Stimmung!

Hatte mir gerade wieder einmal Joseph von Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts zu Gemüte geführt. Da drängte es mich, es jenem gleich zu tun. Statt im Garten auf einer Liege zu lümmeln, schwangen mein Mann und ich uns aufs Fahrrad um das Hanauer Land – Le pays de Hanau – zu erkunden. Denn wie heißt es so schön in der Novelle: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.“ Und weit erschien mir die Welt an diesem Tag tatsächlich. Obwohl wir nicht auf Schusters Rappen geschweige denn mit Kutsche unterwegs waren wie der müßige Müllersohn. Und es war auch nicht die schöne Donau, die uns zuweilen begleitete, sondern die weitaus kleinere, ruhigere Zinsel. Doch rechts und links wogten gelbe Felder. Die Heuballen waren artig gerollt. Am hohen Himmel segelten Schwalben dahin. So hätte man vielleicht zu Eichendorffs Zeiten geschwärmt. Und so schwärme ich auch heute noch angesichts pittoresker Fachwerkdörfchen, mit Gärten, die es gut und gerne mit der bunten Blütenpracht vor jenem Eintreiber-Häuschen aufnehmen könnten, das dem Luftikus wie zufällig in den Schoß fällt. Sehe ihn direkt vor mir, wie er so auf seiner Bank sitzt, im gediegenen Morgenrock seines Vorgängers, eine Pfeife schmaucht und den Lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Einmal den Spießer in sich ausprobiert, um dann neugierig zu neuen Ufern aufzubrechen. Unversehens fühlt man sich in die Zeit um 1826 versetzt, als die spätromantische Novelle erschienen ist.

Wächter aus Sandstein an der Abtei in Herrenstein, Neuwiller-les-Saverne
Wächter aus Sandstein an der Abtei in Herrenstein, Neuwiller-les-Saverne

Immer wieder erstaunlich ist auch, was sich mit dem Fahrrad, abseits der ausgetretenen Pfade entdecken lässt. Nie im Leben hätten wir doch gedachtt, dass in Herrenstein eine mächtige romanisch-gotische Abtei den Ortskern dominiert. Der Grundstein dazu wurde im 8. Jh. gelegt. Die Einheit von romanischer Doppelkapelle, dem ältesten Teil der Abtei, gotischer Basilika und weitläufigem Vorplatz strahlt eine wunderbar kontemplative Ruhe aus. Stellt euer Rad beiseite, genießt den Augenblick. In der Kirche gibt es auch kostbare Wandteppiche aus der Zeit um 1500 zu bestaunen. Immerhin trägt die Anlage den Titel monument historique. Wie wäre es jetzt mit einem Picknick mit frischem Baguette? Auf dem Weg nach Bouxwiller könnt ihr auf der Ferme Herrenstein den Käse dazu kaufen.

Super leckerer Blaubeerkuchen: Au charme du passé, Bouxwiller
Super leckerer Blaubeerkuchen: Au charme du passé, Bouxwiller

Unser Piece of the day war allerdings das Au charme du passé in Bouxwiller. Ein liebevoll dekorierter Salon de thé, ausgestattet mit einer Fülle von Antiquitäten samt Kuriosa, in einem Seitengässchen der Grand Rue. Hier bekommt ihr den wohl besten Blaubeerkuchen des Grand Est. Mit einer wunderbar luftigen Baiserhaube. Selbst gebacken vom Hausherrn, der von Berufs wegen ein vielbeschäftigter Schreinermeister ist. Das Cafe dagegen ist die Domaine seiner Frau, die ihre Gäste mit Charme und Warmherzigkeit empfängt. Ihre Zitronencremetorte, den Pflaumenkuchen und den Erdbeerkuchen mit Nuss hätten wir gerne noch gekostet, aber ein Stück und ihr seid pumperlsatt. Jeder Tisch erzählt von Madames Leidenschaft für Nostalgisches, das man hier natürlich auch erstehen kann. Vom Steiff-Dackel bis zu elsässischen Trachten im Puppenformat – hier wird man fündig. Im Sommer sitzt man in einer hübschen Gasse, umgeben von typischen Fachwerkhäuschen. Natürlich an Tischen mit blütenweißer Spitzentischdecke.

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La Tarte!

Wunderschön dekoriert…

Weiter ging´s also mit kugelrunden Bäuchen. Vorbei an Obstwiesen, kleinen Weilern, leuchtenden Gärten mit Astern, Dahlien und, klar, strahlend gelben Sonnenblumen.

Obersoultzbach

 

Und da ist er wieder, der Taugenichts, wie er fiedelnd seines Weges zieht. Sicher hätte er bei der kleinen Kirmes in Obersoultzbach aufgespielt. Ich seh ihn vor mir: Mit spindeldürren, langen Beinen, wehenden Haaren und fliegenden Rockschößen. Ein Sinnbild des Sommers, der Lebensfreude, Leichtigkeit in jeder Pore. Und einer guten Portion Gelassenheit. Und wer möchte schon das Arbeiten erfunden haben?  Immer der Nase lang. Auch wenn ihn zuweilen das Heimweh drückt. Er wagt und gewinnt. Bis er schließlich seine Liebste findet, die zwar keine Gräfin ist, dafür aber geduldig auf ihren Angebeteten gewartet hat, während er im fernen Italien Erfahrungen sammelte. „Sie lächelte still und sah mich recht vergnügt und freundlich an“, schreibt von Eichendorff am Ende seiner Erzählung, die, auch wenn, oder gerade weil sie manchmal so abstrus mit Zufällen spielt, unser Herz erwärmt. „…und von fern schallte immerfort die Musik herüber, und Leuchtkugeln flogen vom Schloß durch die stille Nacht über die Gärten, und die Donau rauschte dazwischen herauf – und es war alles, alles gut!“

Blumenpracht im Pays de Hanau

Sind die Fahrräder verstaut, könnte ich mir vorstellen im Le Herrenstein einzukehren, oder sogar zu übernachten. Aber davon vielleicht ein andermal.

Obiges Zitat aus dem Taugenichts stammt aus dem entsprechenden Reclam-Bändchen. Eine unterhaltsame, schnoddrige Zusammenfassung als Video mit Playmobilmännchen und -frauchen findet ihr auf YouTube. Selbstverständlich solltet ihr danach schleunigst eine Hängematte aufsuchen und das ganze Büchlein genießen. Eine spätsommerliche Portion Gelassenheit wünscht euch

Stina

Fête du Klevener in Heiligenstein – ein Weinfest der Extraklasse!

Wie jedes Jahr findet auch heuer wieder ein elsässisches Weinfest der Extraklasse statt, und zwar in Heiligenstein, einem äußerst hübschen Dörfchen an der elsässischen Weinstraße, das etwas vom Flair einer Augsburger Puppenkiste versprüht. So bunt und zierlich umrahmen die Häuser die Hauptstraße. Das Fest hat seinen ursprünglichen Charakter bewahrt. Der ganze Ort vibriert förmlich. Jung und alt ist auf den Beinen, urige Weinkeller laden zur Verkostung ein. Genossen werden die besten crus der Traube, die nur hier angebaut werden darf, weil dieser intensive Wein auch irgendwie besondere Wirkung hat. Dazu gibt es deftige Spezialitäten. Einheimische wie Touristen schwofen hier zu den Klängen des  Orchestre FM Light durch die laue Sommernacht. Außerdem bringt ein Hélène-Fischer-Double die Herzen zum Schmelzen. Wann? Vom 10. – 11. August 2019

Infos zum Fest findet ihr auf diesem Portal:

https://www.jds.fr/agenda/manifestations/fete-du-klevener-heiligenstein-107497_A

Klevener heiligenstein elsass alsace wein weinfest
Sollte man unbedingt verkosten…

In Heiligenstein findet man typisch elsässische Restaurants, sodass man nach dem Besuch nicht noch lange fahren muss. Letztes Jahr durften wir bei einem Winzer vor Ort, Michel Meckert, das feine Stöffchen probieren.  Hier findet ihr meinen Beitrag dazu:

Von Äbtissinnen, heiligen Steinen und edlen Tropfen

Geht hin, ihr werdet es lieben! Ob ihr Helene mögt oder nicht. Ein wundervolles Allround-Erlebnis wünscht euch

Stina

Mit dem Fahrrad zu den Sternen – Véloroute du canal de la Marne au Rhin und Hotel Restaurant A l´étoile im elsässischen Mittelhausen

Angler am Canal Marne Rhin

Maritimes Feeling mitten im Elsass? Ich empfehle eine 2-Tages-Tour mit dem Fahrrad entlang des Rhein-Marne Kanals, auf der Véloroute du canal de la Marne au Rhin. Hin und zurück. Im Juni, wenn der Gelbsenf blüht, kleine Enten erste Ausflüge mit ihrer Mutter wagen. Ein friedvolles, entspannendes Erlebnis. Freundliche Menschen radeln auf dem Weg, ein paar Meter weiter schippern Freizeitkapitäne frohgemut vorüber. Manche, wie es sich gehört, in blau-weiß gestreiftem T-Shirt. In der Ferne grüßen die blauen Kämme der Vogesen.

Fahrradweg Canal Marne Rhin Elsass, Alsace
Immer am Kanal lang…

Wir starten von Lutzelbourg. Wer möchte, kann sich hier mit ein paar Crêpes für die Weiterfahrt stärken. Hin und wieder gibt es auch scharfe Merguez und kaltes Bier. Der kleine Ort rüstet langsam aber sicher für Fahrradtouristen und Wanderer auf, die in entgegengesetzter Richtung zu uns zum Plan Incliné in Arzviller unterwegs sind. Ein bisschen Budenzauber also zum Auftakt. Dann rauf auf die Räder und ab auf den wunderbaren, gut ausgebauten Eurovélo 5, der sich von London über Strasbourg bis nach Brindisi erstreckt. Vorbildlich beschildert und – vor allem – eben. Auch ungeübte Fahrradfahrer können sich hier ihre Etappen zusammenstellen, Ein- und Ausblicke genießen. Ein Gasthof zum Übernachten findet sich immer. Mit dem E-Bike haben wir knapp 46 km pro Tag geschafft, Tourentempo.

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Weite.

Auf dem Kanal tummeln sich schon diverse Hausboote, die man in Lutzelbourg mieten kann. Nach kurzer Einweisung darf man die auch ohne Bootsführerschein durch die zahlreichen Schleusen steuern. Je mehr Leute mitfahren, desto billiger wird das kostspielige Vergnügen. Wir passieren Saverne, eine kleine Residenzstadt mit geschäftiger, fachwerkgeschmückter Einkaufsstraße, Schloss Rohan, Burg und der altehrwürdigen Maison Katz. Wie wäre es mit einem Eis? Nein, wir sind im Fahrradrausch; mit 20 Sachen brausen wir den Kanal entlang. Über uns kreisen die Störche. Im Gras quakt es verräterisch. Farben wie aus einem Aquarell. Sie wissen schon, jenes, das man in den Sechzigern als Sommeridyll vor Augen und an der Wand hatte.

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Fast wie am Meer

Lichtes Grün, blasses Blau, strahlendes Gelb. Schäfchenwolken. Auf den Feldwegen gutgelaunte Sommerfrischler, bunte Tupfen im Sommerlicht, fröhlich winkend. Wir winken zurück. Ideal zum einhändig Fahrradfahren-Üben. Man versteht, was es heißt, wenn der Himmel hoch ist. Vogelgezwitscher allenthalben. Wir passieren Steinbourg, benannt nach den Steinbrüchen, die noch heute die schönsten Platten liefern. Außerdem ist ´s ein Storchendorf, das sich der Wiederansiedlung des elsässischen Wahrzeichens widmet. Gerade jetzt kann man die Störche in ihren Nestern bei der Aufzucht der Jungen beobachten. Lupstein, Dettwiller folgen. Aufgeräumte, kleine Vogesendörfer. An einem Schleusenhäuschen vor Hochfelden, bekannt durch die Météor Brauerei, verzehren wir Baguette mit Käse. Fehlt nur noch das Bier. Tatsächlich finden wir ein kleines Büdchen mit Sitzplätzen im Freien. Ein Huhn pickt um unsere Füße herum. Die Bierleitung müsste mal gereinigt werden. Wäre idyllisch, wenn die Servicekraft nicht auf die Idee käme, uns mit überlauter Popmusik zu beschallen. Vogelgezwitscher ade.Canal_Marne_Rhin_Saverne_elsass_alsace_cyclist_velo_fahrradweg_fahrrad_beschreibung_plan

Weiter also nach Waltenheim-sur-Zorn mit seinen üppigen Wandmalereien im Lokalkolorit. Witzige, eigensinnige, elsässisch inspirierte personalisierte Briefkästen derselben Künstler, Charly und Barbara Hamm, kann man hier übrigens gleich erstehen oder sich per Internet schicken lassen. Unser Ziel ist das Hotel-Restaurant A l´étoile in Mittelhausen, ca. 18 km vor Strasbourg. Dazu verlassen wir den Eurovélo 5 und strampeln über einen Feldweg, später ein Stück Straße entlang, Richtung Wingersheim, wo die Einheimischen gerade einen Flohmarkt vor imposanter Fachwerkkulisse veranstalten. Auf dem Weg: Der berühmte Hopfen, der sich der Sonne entgegen reckt.

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Ruhig und gelassen

Der Empfang im A l´étoile ist, wie man sagt, chalereux, unsere Wahl ein Glücksfall. Eine gutgelaunte Gästeschar verlässt gerade das Restaurant. Unser kleiner Hund wird gestreichelt. Man fragt, woher wir kommen. Hier soll es den Gästen gut gehen. Deshalb kommen sie wohl auch immer wieder. Das familiengeführte, traditionsreiche Hotel mit fantastischem Schwimmbad und eigenem Spa-Bereich ist elsässisch gepflegt. Ruhig liegt es in einer pittoresken Seitengasse, ist Mitglied des Logis de France. Seit 1978 leiten es Monsieur Jacques Bruckmann, alias Jacky, und seine Frau Chantal. Gemeinsam mit Fernand Mischler, dem Sternekoch des Cheval Blanc in Lembach, entwickelte Monsieur Bruckmann eine Küche, die elsässische Kochkunst mit zeitgenössischen, bisweilen sogar exotischen Genüssen vereint.

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Warmherziger Empfang: Die Bruckmanns mit Dackel Gaston

Wir checken ein. Merken, dass wir nicht nur das Hundefutter, sondern auch eine Hose für meinen Mann vergessen haben. Da er nur eine kurze Fahrradhose mithat, bekommt er kurzerhand meine Jeans (Ja, ich bin muskulös…). Ich verstecke meine längere Radlerhose, so gut es geht, unter einer langen Weste. Underdressed stiefeln wir ins Restaurant, das gewiss feinerer Kleidung würdig wäre. Aus seiner Tragetasche entwischt der Dackel, bringt beinahe die Kellnerin zu Fall. Gläser klirren. Sie fängt sich professionell. Wir schämen uns, die Crew nimmt´s lächelnd.

Gaststube A l´étoile Mittelhausen Elsass, Alsace
Elsässische Gemütlichkeit, aber nicht nur…

Was nun suchen wir, wenn wir ins Elsass reisen? Jawohl, Tradition. Holzvertäfelung, karierte Tischdecken und elsässische Spezialitäten. Nur dass Letztere hier einen, zwei, drei  Ticks delikater, eleganter, pfiffiger kredenzt werden. Eine gekonnte Liaison von Gemütlichkeit und Innovation. Einen Tisch sollte man hier auf jeden Fall reservieren, denn das Restaurant ist überschaubar, und gerade darum so gemütlich. Nachdem wir an der Bar einen Picon und einen Kir au vin blanc getrunken, sowie zwei delikate Mini-Flammkuchen schnabuliert haben, bestellen wir das Menu zu 30 Euro.

Vorspeise Menu A l´étoile Mittelhausen, Alsace, Elsass

 

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Er darf nicht fehlen.

Forellenterrine mit Schnecken an einer fluffigen Schaumsoße, danach zart gebratenes Schweinefilet mit Pistazienkruste mit selbstgemachten Spätzle, zum Abschluss eine gehaltvolle Mousse mit Marc de Gewürztraminer nebst Mango-Sorbet. Pot-au-feu, Tafelspitz, steht genauso auf der Speisekarte wie Jakobsmuscheln thailändisch mit Gemüse. Sicherlich nichts um sich samstags die Wampe voll zu schlagen, aber für Genießer exzellent. Und glauben Sie nicht, dass Sie nicht satt werden! Der Service ist umsichtig, jedoch dezent, persönlich.

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Einladend.

Mit kugelrunden Bäuchen, belebt vom Rouge de Marlenheim, unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den idyllischen Ort, in dem gerade sämtliche Rosen ihr Bestes geben. Auf der Anhöhe erblicken wir ein Kirchlein, die Kapelle von Hohatzenheim aus dem 12. Jahrhundert. Bis dorthin schaffen wir es heute nicht mehr. Unser Dackelchen hüpft uns glücklich um die Beine. Im Korb, auf dem Fahrrad, kann man ja doch nur schlafen. Sieht so ein perfekter Tag aus? Bis auf die lärmende Bude in Hochfelden auf jeden Fall. In unserem gemütlichen Zimmer – nebst frecher Tomi Ungerer– Radierung – liege ich noch ein wenig wach. So viele Eindrücke, aufgereiht wie an einer Perlenschnur…

Am nächsten Morgen: Ein kleines, aber feines Frühstücksbuffet samt frischgebackenem Kuchen. Die Bruckmanns sind schon wieder voll aktiv, um das Wohl der Gäste besorgt. Noch schnell ein Foto mit den Hoteliers. Aber bitte mit Dackel. Sie haben nämlich ihren eigenen: Gaston. Und, wie es scheint, ist er genauso ein Sturkopf wie unser Jungspund. Also: Hoch die Dackel und lächeln. Wir kommen sicher wieder! Angemessen gekleidet. Merci für die schöne Zeit in Ihrem Haus und Ihre wunderbare Gastfreundschaft!

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Einfach Zucker, dieses Restaurant!

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Schleusenhäuschen in Mintgrün.

Am Kanal entlang geht´s zurück nach Lutzelbourg mit seinem kleinen Yachthafen, Port de Plaisance. Und wieder entdecken wir Neues. Spannend, so ein Rückweg. Wir zeigen rechts und links: Also da müssen wir aber auch mal hin… Unsere Pos tun weh. Ganz langsam zieht es auch ein bisschen in den Knien. Von einem Boot winken leicht verkaterte Gestalten in blau-weißen Ringelshirts. Schließlich war gestern Vatertag. Mit letzter Kraft erreichen wir den kleinen Hafen. In einem kleinen Laden mit einheimischen Produkten ersteht mein Mann Baguette und Käse. Moment mal, war das nicht gestern….?

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Elsass-Tassen von Julclub

Fahrt unbedingt mal hin

Eure Stina

Esprits d´Alsace – Imbsheim, Bouxwiller, Uberach und der geheimnisvolle Bastberg

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Spirituelles hat die Schnapsbrennerei – ach, wie viel feiner klingt es doch auf Französisch: Die DistillerieHepp im Sinn. Das traditionsreiche Familienunternehmen unter Leitung von Yannick Hepp wollte nicht nur drei, vier Monate im Jahr Kirschen, Mirabellen und Birnen zu Likören und Eaux de Vie brennen, sondern sich ganzjährig einbringen. Also versuchte man sich 2005 in der Whisky-Produktion. So erfolgreich, dass von gerademal 3 Versuchsfässern auf mittlerweile 600 Fässer pro Jahr aufgestockt werden musste. Destilliert wird in Kupferdampfkesseln, gelagert in Sherry- und Eichenfässsern. „Warum aber“, so frage ich Madame Hepp, „stehen in den gut sortierten Regalen nicht wenigstens 12 Jahre alte Malts?“ „Unsere Whiskies sind so nachgefragt“, erklärt sie, „dass wir einfach nichts auf Lager halten können.“ Ein Hit also, das elsässische Pendant zu irischem, schottischen Single Malt. Und Humor hat der artisan distillateur dazu: Auf einem rustikalen Fass, umgeben von Gläsern steht eine Flasche Johnny Hepp. Irgendwie aus dem Leben gegriffen. Nomen est omen. Das Malz liefert übrigens die bekannte Brauerei Meteor in Hochfelden.

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Die Hepp´schen Schätze

Wir probieren. Wie herrlich! Es ist Samstagnachmittag. Und wir machen eine Whisky- bzw. Obstbrand-Dégustation! Ich beschränke mich eh aufs Schnuppern. Einer muss schließlich fahren. Außerdem wollen wir noch eine Wanderung machen. Äh, wir wollen noch eine Wanderung machen? Gut, aber dann nicht so weit. Erst mal entspannen…

„Einen mirabelligeren Mirabelle d´Alsace habe ich noch nie getrunken.“, schwärmt mein Mann. Die Nase hart am Glas erscheint vor meinem inneren Auge eine pralle, saftige, rotwangige Frucht. Ein Mirakel. Mir fällt der junge Goethe ein, dem auf seiner Frühlingsreise zwischen Traum und Wachen ein wohl ebenfalls pralles, rotwangiges Mägdelein erscheint, das ihm realiter erst viel später über den Weg laufen wird. Denke, er hatte noch eine Flasche Mirabelle in der Satteltasche. Als Neunzehnjähriger, zu Pferde, erkundete er nämlich Lothringen, das Elsass, sogar das Saarland. In Gesellschaft zweier Freunde: Holla, die Waldfee. Da kann einem Dichtung und Wahrheit schon mal durcheinander geraten. Ich mümmele am Williams: Da ist Magie im Spiel! Nachdem im 17. Jahrhundert ein Mönch auf die Idee kam, aus dem Fruchtfleisch der Kirsche ein lecker Eau de Vie zu brennen, ließ sich der Siegeszug der Sparte nicht mehr aufhalten. „Der Destillateur ist ein Handwerker, ein Künstler“, lese ich in der aufwendig gestalteten Broschüre, „der sich im Einklang mit der Natur, den „gesunden“ und „wahren“ Produkten befindet. Diesem Erbe verpflichtet brennt die Familie Hepp seit mehreren Generationen die elsässischen Obstler.“ (frei übersetzt, Anmerkung der Redaktion). Nur die Besten kommen ins Töpfchen: „La sélection est (…) extrèmement rigoureuse“. Aha, extrem rigorose Auswahl. Französisch kann so einfach sein. Wir halten fest: Schnaps ist gesund. Schon mein Vater hat sich bis ins hohe Alter einen Obstler täglich gegönnt. Wohlgemerkt: Einen! Nebst Trockenpflaume.

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Die Obstbrände

Wer die köstlichen Obstbrände und anderen Spirituosen der Familie Hepp kosten möchte, kann sich auf der Webseite über Öffnungszeiten und Angebot der Destillerie informieren. Wer allerdings dunkle Balken, ausgeleierte Ledersofas sowie zigarrenschwangeres Ambiente im Verkaufsraum erwartet, wird enttäuscht. Niemand bläst zudem den Dudelsack oder gar die Tin Whistle. Hallo? Wir sind im Elsass. Man präsentiert sich elsässisch aufgeräumt. Modern, gediegen, pieksauber. Übrigens: Die Destillerie liefert auch zu euch nach Hause. Eine wirklich informative Übersicht zu Whiskies, Herstellung und Produzenten in Frankreich und anderswo findet ihr hier: https://www.ralf-zindel.de/whisky-frankreich/franz%C3%B6sische-whisky-hersteller/distillerie-hepp/

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So. Das war doch schon mal ein beschwingter, inzwischen später Nachmittag. Halt, da war noch was: Die Wanderung. Auf die Anhöhe hinauf, dahin wollen wir. Man sieht sie schon von weitem, zumal ein überdimensionales Kreuz in den Berg gerammt wurde. Circuits de découvertes lese ich auf einem kleinen Schild. Fast hätte ich´s übersehen. Klingt spannend. Achtung, Berg, der Tag geht, Johnny Walker kommt!

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Wunderschöner Garten…

Steht man auf dem Plateau des nordelsässischen Bastbergs, könnte man fast daran glauben, dass sich in hellen Frühlingsnächten runzlige und weniger runzlige sorcieres, Hexen, hier treffen um ihr Unwesen zu treiben. In Deutschland ist es der Blocksberg, in Schweden der Blȧkulla, hier im buckligen Elsass der Bastberg. In illustrer Lage. In unmittelbarer Nähe zu Saverne, dem Tor zum Elsass, und dem Regionalpark Nordvogesen, im Hanauer Land. Der Hausberg des beschaulichen und geschichtlich extrem interessanten Städtchens Bouxwiller.

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Memento mori

Der Bastberg. Unendliche Weiten. 326 Höhenmeter Muscheln auf Kalkstein, weshalb es auch einen geologischen Pfad zu erwandern gibt. Alljährliches Ziel für Sternengucker und Spökenkieker, so, von Juli bis August, der Ciel d’Alsace und die Nuit des étoiles.  „Die völlig paradiesische Gegend“, wie Goethe über den Blick vom Bastberg in die elsässische Ebene mit ihren kleinen Dörfern, auf Vogesen und Schwarzwald anlässlich seiner Frühlingsreise 1770 durch die Region schrieb. Mag sein, dass die Legenden, die um den platten Berg geistern, den Dichter zu seinem Hexentanz in Faust II inspiriert haben. Sollte an der Geschichte vom Hexensabbat auf diversen Anhöhen was Wahres dran sein, dann wünsche ich den Beteiligten einen kurzweiligeren Aufenthalt als den im Oeuvre des Dichterfürsten beschriebenen.

Jedenfalls: Der mystische Berg gilt als Kraft-Ort, Energiespender, Ladestation für Ausgebrannte und Zivilisationsmüde. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihn. Was sind das z.B. für kleine Flämmchen, die nächtens auf dem Berg zu tanzen scheinen? Ein Hexenfeuerchen, Irrlichter, die den arglosen Nachtwanderer anlocken, um ihn dann in einer Felsspalte verschwinden zu lassen? Bevor er sich – blubber! – in einer ekligen Krötensuppe wiederfindet? Kein Wunder, dass der Klerus hier ein überdimensionales Kreuz errichten ließ, das man weithin sieht. Auf dem Berg selbst tritt es völlig in den Hintergrund. Zumal ein für Sagenhaftes unabdingbarer Drache hier sein Unwesen treiben soll. Nach einem Gewitter (Warum denn erst danach?) hat er sich ein paar Bauern aufgedrängt, die keinen Sinn für Spirituelles hatten. Gut, dass gleich ein Priester samt Kreuz zur Stelle war, um etwaige Besitzansprüche von vornherein abzublocken. Die gesamte Region birgt einen riesigen Sagenschatz. Meist germanischen Ursprungs. Gemischt mit Legenden anderer Völker. Weltvorstellungen eben. Hexen sind da immer trendy. Hässlich, niedlich, als quietschende Wetterfahne – irgendwie mögen es die Menschen ein wenig gruselig. Hexenkessel, merkwürdige Steinbecken, findet man nicht selten in den Vogesen. Auch – und gerade – Hexen müssen der Erotik wegen baden. Grausame Realität des Hexenwahns: Vom 14. bis zum 17. Jahrhundert wurden Tausende von Männern, Frauen und Kindern im Elsass wie in ganz Europa der Hexerei bezichtigt und ermordet. Ich stelle mir den Bastberg in waberndem Nebel, in fahler Dämmerung vor. Man könnte schon auf Unheimliches kommen…

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Zwei, die sich auskennen.

Ein Paar aus Bouxwiller in wetterfester Kleidung, erzählt uns von seiner schönen Gegend. Stolz sind die beiden. Auf ihr Städtchen, den Berg, die Wanderwege. Wenn wir Tipps bräuchten… Vielleicht eine Zusammenstellung schöner Touren? Klar, immer doch! Vital wirken die beiden. Ist wohl doch was dran, an der Energie des Berges. Auf den Schautafeln lesen wir vom Sentier géologique, dem Sentier nature mit seltenen Orchideen sowie dem Sentier Patrimoine, der feengelenktes Eintauchen in märchenhafte Sphären verspricht. Vielleicht sogar die Sichtung einer Weißen Frau. Kraxeln muss man dafür nicht, und auch der nächste Gasthof ist nie weit. Auf dieser Seite erfahrt ihr mehr über die circuits de découvertes, die Rundwege für wahre Entdeckungsreisende: https://www.museedupaysdehanau.eu/informations-touristiques/

In Bouxwiller , einem der schönsten Städtchen des Nordelsass, soll es übrigens eine wunderbaren Weihnachtsmarkt geben. Außerdem starten vom dortigen Museum 9 verschiedene Rundwanderwege, darunter ein Circuit Jardins oder der Circuit Fermes. In Imbsheim lockt das s´Bastberger Stuewel mit traditioneller elsässischer Küche und – endlich – karierten Tischdecken. Damit man weiß, dass es in der Gegend um den Bastberg nicht geheuer ist, fliegt schon mal eine riesige Hexe um die Veranda.Imbsheim_alsace_elsass_bastberger_stuewel_restaurant

bastberger_stuewel_imbsheim_elsass_alsace_restaurant_essen_elsässisch_küche_spezialitätAbends im Wintergarten. Über dem Felsen von Dabo geht die Sonne unter. Die Amsel singt ihr trauriges Lied. Ein wenig Melancholie schadet nie. Mein Mann öffnet die zierliche Flasche mit dem Hepp´schen Mirabelle. Der Elektrokamin flackert. Kein Dudelsack pfeift. Wir stoßen an. Wir trinken. Da ist er, der Geschmack des Sommers. Draußen, im dunklen Grün spielen die Elfen. Ein Wichtel klopft an die Scheibe, schwenkt grüßend seine Laterne. Johnny Walker ist längst zuhause. Sein roter Frack hängt lässig über dem Stuhl. Und wir finden das ganz normal…

Auf einen märchenhaften Sommer

Eure Stina

 

Distillerie Hepp

L´Alsace fleurie – Blühendes Elsass

Unser Wildkirschbaum war in die Jahre gekommen, trieb nur noch spärlich aus. Nach gefühlten 100 Jahren nordvogesischen Wintern nicht verwunderlich. Wie schön wäre es, regte mein Mann an, ihn von zwei üppig blühenden Rambler-Rosen umrankt zu sehen! Doch im Internet zu bestellen ist, finde ich, nur die halbe Freude. Ich möchte gern sehen, wo die Pflanzen aufgewachsen sind. Gar nicht so leicht, jemanden zu finden, der in dieser Region Rosen züchtet. 100 km fahren, nach Deutschland, wie es übrigens auch viele Elsässer machen? Lieber nicht. Wir wollen heute noch pflanzen. Mal sehen, die Suchbegriffe Pflanzen, Alsace und Nord bringen nichts. Also spezifischer.

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Monsieur René Barth kennt sich aus.

Voilà, in einem Ort namens Lochwiller gibt es einen Rosenzüchter mit langer Tradition. Hört sich nach Passion an. Monsieur Barth ist so einer, ein Produkteur en Alsace mit Leidenschaft. Die Webseite ist übersichtlich, umfangreich. Keine 25 Minuten später stehe ich in einem typisch elsässischen Innenhof: Die Rosiers René Barth in voller Pracht. Hier findet man sie, die Raritäten, auf die man im Internet, da derzeit nicht verfügbar, wochen-, sogar monatelang warten muss. Ich lese verheißungsvolle Namen wie Ghislaine de Féligonde, Guirlande d´amour. Monsieur hört sich elsässisch gelassen meine Wünsche an, aha, rosiers lianes, erfahre ich, heißen Rambler auf Französisch. Weiß, lila oder rosa? Rot ist nicht so meins. Da muss ich immer an die starren Exemplare auf Geburtstagstischen aus den Siebzigern denken. Oder an Udo Jürgens. Monsieur Barth zeigt mir geduldig Bilder von den Rosen im erblühten Zustand, damit ich eine Vorstellung habe. Wie wär´s mit Veilchenblau  (nach Maiglöckchhen duftend) und Pauls Himalayan Musk? Wie? Die hat er auch? In einer Nische stehen sie: Meine Schätze in spe. Ihr werdet es gut haben, an unserem alten Kirschbaum. Und der bekommt ein Second life, kann hie und da ein paar schüttere Ästchen Richtung Sonne strecken. Und auch die Bienen haben was zu naschen. Bin wieder mal beseelt. Liebe Saarländer: Wenn ihr Rosen braucht, fahrt mal hin. Die Auswahl in der Roseraie der Familie Barth ist schier unglaublich. Vieles ist selbst gezogen. In der alten Scheune befindet sich die Kinderstube mit vielen altehrwürdigen Kostbarkeiten. Von Edelrose, über Bodendecker, Strauchrose, Kletterrose, Rambler findet der Rosenliebhaber hier alles, was das Herz begehrt. Zu absolut guten Preisen. Monsieur Barth berät sachkundig. Der Mann weiß Bescheid. Auch das ein Pluspunkt gegenüber vielen Gartenmärkten und, leider auch, Gärtnereien. Seine Pflanzen strotzen vor Gesundheit. Zurück in den Vogesen pflanzen mein Mann und ich die beiden wüchsigen Rambler vorsichtig in ihr neues Zuhause. Jeden Morgen schauen wir. Da, trotz der derzeit kühlen Witterrung, sind die Triebe bereits länger geworden, erobern den rauen Stamm. Haben sogar Knospen angesetzt. Den Rosenzüchter unseres Vertrauens? Wir haben ihn gefunden.

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Die Edlen.

Wer sich auf den Weg zur Roseraie Barth macht, sollte einen Besuch in Marmoutier einplanen, ein malerisches Städtchen, das mit seiner prächtigen Abtei-Kirche in jedem Kunstgeschichte-Führer zu finden ist. Wer dann noch ein wenig wandern und elsässisch speisen möchte, dem sei das nahe gelegene Birkenwald und das Hôtel des Vosges empfohlen.

Blumenladen in Wasselonne
Überraschung in Wasselone

 

Verträumt und verspielt präsentiert sich das Côté coeur fleuriste im nahegelegenen Wasselonne. An der Fassade, an Blumengirlanden: Herzen über Herzen, damit man gleich sieht: Hier gibt es nicht nur frische Blumen sondern auch Blumenkränze, Gebinde und die dazugehörige Jahreszeiten-Deko. Kleine Feen in Pastell, schlafende Engelchen, putzige Hasen, Hühner und, natürlich, allerlei Herzen gilt es zu entdecken. Herzlich, chalereuse, ist auch Madame, die beim gekonnten Blumenbinden ein Liedchen summt. Und jeder weiß: Wer bei der Arbeit summt, dem bereitet sie Freude. So muss es sein, denn das Ladengeschäft im geschäftigen Zentrum des kleinen Orts, strahlt eine wunderbare Ruhe aus. Ma vie en rose. Irgendwie frohlockend. Die Klientel besteht an diesem Samstagmorgen, gegen 11 Uhr, ausschließlich aus Frauen, die nicht nur Blumen kaufen, sondern auch Inspiration für ein heimeliges Zuhause suchen. Vielleicht steht sogar eine Hochzeit an, für die noch der blumige Rahmen fehlt. Mit mir gehen 3 Elfen nach Hause. Die schweben jetzt an meiner ljuskrona, meinem Kristallleuchter. Bei jedem Luftzug zittern ihre rosa Tutus. Herzig.

Elfen aus Wasselonne cote coeur fleuriste
Zauberhafter Frühlingsreigen

Voll der Frühling.

Wer bei Madame einkaufen möchte, sollte auch ein wenig durch Wasselonne spazieren. Das kleine Städtchen verfügt über ein ausgezeichnetes Fischrestaurant, sowie kleine Brasserien, von deren Terrasse aus sich das lebhafte, samstägliche Treiben, vortrefflich beobachten lässt.

Unser Weg führt uns weiter nach Avolsheim, in der Nähe von Molsheim. Zur alljährlichen Foire aux plantes. Im Schatten einer großen Kastanie, auf einem kleinen Platz neben einem mittelalterlichen Kirchlein (mit wunderbaren Deckenmalereien) bieten Händler, aber auch private Pflanzenliebhaber aus der Region ihre Schätze an. Dabei findet man neben alten Gemüsesorten auch Pflanzenraritäten, die dem Baumarkt-Allerlei den Rang ablaufen. Im eigenen Garten mit Liebe großgezogen hat auch Régine ihre Pflanzen. Dackelliebhaberin sei sie, erzählt sie. Das sind wir auch. Régine strahlt Robustheit und Lebensfreude aus. Moment, sagt sie, und öffnet für das Foto ihr langes blondes Haar. Wenn schon, denn schon. Eine Blume unter Blumen. Das Schöne an diesem kleinen, aber feinen Event? Man kommt ins Gespräch. Fachsimpelt. Bekommt Tipps, Wissenswertes rund um die Region gratis dazu. Für das leibliche Wohl gibt es hier die allgegenwärtigen Bretzels. Schon seit dem 12. Jahrhundert gibt es sie, Symbol jeder elsässischen Bäckerei. Dreimal, so heißt es, sieht man darin die Sonne. Heute leider nicht. Es nieselt. Dennoch sitzen die Elsässer an langen Tischen und genießen ihren Jambon mit Kartoffelsalat. Nach selbstgebackenem Kuchen und café schlendert man wieder von Stand zu Stand.

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Régine entre régines

Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollten den wunderbaren Weg am Canal de la Bruche Richtung Strasbourg von hier aus starten. In der Pâtisserie Klugesherz in Soultz-les-Bains kann man sich zuvor mit einer heißen Schokolade und erlesenen Tortenspezialitäten stärken. Nicht billig, aber ihr Geld allemal wert.

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Idyllisches Ambiente: Pflanzenmarkt in Avolsheim

Irgendwann mache ich mal eine Rallaye durch sehenswerte Parks und Gärten im Grand l´Est. Alle wichtigen Details zum Thema findet ihr in einer Broschüre. Das Portal zu öffentlichen wie privaten Gärten. Nach Stilen geordnet, geographisch übersichtlich. An so manchem Juwel der Gartenkunst würde man sonst vorbeifahren. Wäre doch schade.

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Musée du papier peint – Colmar

Noch nicht genug von Rosen und Co? Im Musée du papier peint  in Rixheim bei Mulhouse findet man floral Bedrucktes aus alter Zeit.

Einen blumigen, feenhaften Frühling und Sommer wünscht euch

Stina

 

Nur eine kleine Notiz: Pflanzen-Messe in Avolsheim

https://www.jds.fr/agenda/manifestations/foire-aux-plantes-a-avolsheim-103316_A

Zum neunten Mal findet in Avolsheim die Foire aux plantes statt. In mittelalterlichem Ambiente, klein aber fein, im Schatten alter Bäume, mit Kaffee und Kuchen bieten Händler und Private Pflanzen aus der Region an. Dann wachsen sie auch! Ein Besuch lohnt sich, weil man von Avolsheim aus auch wunderbar mit dem Fahrrad nach Molsheim oder Strasbourg fahren kann.

Wann: 27. April 2019 von 10.00 bis 17.30

Wo: Parc Audéoud im Zentrum des Dorfes

Weihnachtsmärkte im Elsass und den Vogesen 2018, 2019 – Links

Schneekugel, Weihnachtsmärkte im Elsass und Vogesen, Alsace, Lorraine, Marché de Noel

Auch dieses Jahr, 2019, wird das Elsass wieder zum Winter-Weihnachts-Wunderland. Alles, was ihr für eine unvergessliche Weihnachtszeit braucht, findet ihr hier!

Im Elsass und den Vogesen gibt es wunderschöne Weihnachtsmärkte mit oft wohltuend traditionellem Charakter. Zauberhafte Fachwerkstädtchen, wehrhafte Burgen, tiefe Wälder: Weihnachten, wie man es sich wünscht. Glänzt der Schnee dann auf den steilen, hohen Dächern der historischen Städtchen, ist das Glück perfekt. Neben den Highlights wie Straßburg, Colmar, Kaysersberg (Ich liebe es!) gibt es auch weniger spektakuläre bzw. überlaufene Weihnachtsmärkte, im Elsass z.B. Boersch und Barr an der elsässischen Weihnstraße, oder Oberhaslach. Wegweisende Beschreibungen und Termine findet ihr auf der offiziellen Seite des elsässischen Tourismusverbandes, Tourisme Alsace. In einer Maske könnt ihr euer Anreise- bzw. Abreisedatum eingeben und/oder die Suche geographisch eingrenzen. Eine sehr gute Übersicht bietet auch folgende Seite des Tourismes Lorraine. Unter der Vielzahl der erscheinenden Weihnachtsmärkte fällt es schwer zu wählen. Gleichzeitig erhaltet ihr Tipps, wo man übernachten bzw. weihnachtlichen Essgenüssen frönen kann.

Schneekugel, Weihnachtsmärkte im Elsass und Vogesen, Alsace, Lorraine, Marché de Noel
Wunderbare Weihnachtszeit

Weitere phantasievolle Events, bei denen oftmals die ganze Bevölkerung mitmacht, gibt es unter der Bezeichnung „7 Weihnachtsländer“  , ebenfalls auf Tourisme Alsace zu entdecken:

Sucht ihr den Weihnachtsmann? Im Elsass und den Vogesen werdet ihr ganz sicher fündig. Ganz sicher findet ihr ihn aber in Kaysersberg. Interessantes zu diesem wunderschönen Vogesenort gibt´s unter diesem Link.

Eure Stina

À la recherche du thé des muses

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Manchmal sind es die kleinen Trips, die den nachhaltigsten Eindruck machen. Von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hasten? Heute mal nicht. Platz nehmen, schauen, innehalten, sich ganz einfach treiben lassen. Dinge entdecken, nach denen man nicht gesucht hat, die aber guttun, den Blick öffnen.

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Gare Centrale de Strasbourg

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Tor zum Paradies?

Los geht´s vom Parkhaus Sainte Aurélie, 1 Boulevard de Metz, 67000 Strasbourg, 2 Minuten vom Bahnhof entfernt. Als Startpunkt untypisch für uns, aber heute soll es so sein. Im Bahnhofsviertel herrscht lebhaftes Gewusel, internationale Geschäftigkeit, Damen in Chanel ziehen chicke Trolleys hinter sich her, Yuppies in hippen Anzügen (sind die nicht irgendwie zu klein?) rennen, das Handy am Ohr, zum nächsten Geschäftstermin, Kleinkriminelle warten ebenfalls auf Kunden. Bahnhof eben. Wir bewundern – Jah RastafarI! – die exotischen Auslagen der kleinen Shops, erschnuppern exotische Gewürze, bestaunen orientalische Hochzeitskleider, schlendern langsam Richtung Zentrum, vorbei an Graffitis, auf Stromkästen, Mülltonnen, Häuserwänden.

Von der Muse geküsst

Unser Ziel: Das Le Thé des Muse in der Straßburger Innenstadt, genauer gesagt, in einer Seitenstraße der Grand Rue, jenem Eldorado für Shopping-Begeisterte.

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Der erste Mönch auf dem Weg zur Kathedrale

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Tee wollen wir trinken. Am liebsten grünen. Und hier gibt´s den besten. Wochentags ist es hier lauschig. Hat man Glück, erwischt man einen Sitzplatz mit Blick auf den kleinen, irgendwie exotisch anmutenden Innenhof. Jetzt, am Samstagnachmittag finden wir kaum einen freien Tisch.  Zum Glück navigiert uns ein freundlicher junger Mitarbeiter zwischen Tischchen, bequemen Sesseln hindurch zu unserer kleinen Oase inmitten der pulsierenden Großstadt. Keine Frage, Le Thé des Muses ist in. Man plaudert, diskutiert, sinniert, nippt einfach nur glücklich an seinem Tee. Genießt ein Stück hausgebackenen Kuchen. Natürlich kann man den Tee hier auch kaufen und zuhause genießen. Das passende Equipment – Tassen, Kannen, Teefilter – inklusive. Oder man bestellt ganz einfach via Internet.

Das Thé des Muses in Straßburg ist in.

Das Sortiment ist hervorragend sortiert, komponiert, wird stilvoll präsentiert, im Kännchen serviert und überrascht mit seinen mal wilden, mal zarten, mal oppulenten Aromen. Wer kann schon einem Automne à Pushkar, einem Tee namens Après la Pluie oder einem Les Bains de Smyrne widerstehen? Passend zur Jahres- bzw. Festzeit werden spannende Tee-Kompositionen angeboten. Wie wäre es zur Weihnachtszeit mit ein wenig Du Bonheur pour nous? Eine Mischung aus aromatisiertem Grüntee „construit autour de la mangue, de fruits de la passion et de fruits rouges, relevé d’une note de gingembre, adouci par des touches de lotus et de rose. Il évoque une sensualité faite de douceur et de passion, d’élégance et de charme.“ – so beschreibt es die Internetseite des Le Thé des Muses durchaus poetisch. Und wer möchte nicht Le Secret de Tante Berthe – das Geheimnis von Tante Bertha – in Form einer Kräuterteemischung aus u.a. Zimt, Basilikum und grünem Anis ergründen? Ob Grüntee, Schwarztee, weißer Tee, Kräutertee, Rooibos-Tee, Mate, Bio – die Auswahl fällt schwer. Zum Glück hat man Zeit – im Thé des Muses.

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Au Thé des Muses à Strasbourg

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Une muse…

Übrigens: Das Thé des Muses veranstaltet auch wechselnde Kunstausstellungen. Die ganze Vielfalt des Le Thé des Muses findet ihr auf der Website des Unternehmens. Dort ist auch jeder Tee ausführlichst beschrieben. Aber welch Glück, die Ziehzeit des Tees vor Ort mithilfe eines Eierührchens selbst einzustellen… Jeder Tee braucht fünf Minuten? Beutel rein, Beutel raus? Au contraire! Jeder Tee hat seine ganz speziellen Bedürfnisse. Hier wird Teetrinken zelebriert. Und gleichzeitig die hohe Kunst der Gelassenheit.

Ein kleiner Hund…

Vom Tee beseelt, von der Muse geküsst beschließen wir einem ganz besonderen Kleinod mittelalterlicher Baukunst einen Besuch abzustatten. Dazu müssen wir zum Straßburger Münster. Wer genau hinschaut, entdeckt dort, am Aufgang zur Kanzel, einen kleinen Hund aus Sandstein. Die Augen geschlossen, fast ein wenig trutzig, liegt er dort seit mehr als 500 Jahren. Ausharren, das musste er auch. Denn er begleitete sein Herrchen Jean Geiler von Kaysersberg, den berühmtesten Prediger des ausgehenden Mittelalters, auf die Kanzel, wenn dieser seine donnernden, oftmals vor Ironie triefenden Predigten hielt. Die schrieb er übrigens auf Latein, hielt sie aber auf Deutsch, damit die Botschaft auch ankam. Ein geistiger Waffenbruder Martin Luthers also. Und weil der Steinboden des Münsters gar so kalt war, legte sich das Hündchen mit Vorliebe über die Füße seines Herrn, der sich dadurch in seinem Redefluss nicht beirren ließ. Im Gegenteil: Je wärmer die Füße, desto länger die Predigt. Ob die Gläubigen tatsächlich, wenn ihnen der Sermon zu lang wurde, an der Leine zogen, der Hund daraufhin zu bellen anfing, und Geiler sich besann, gehört zu den kauzigen Geschichten rund um die Kathedrale. Rücken an Rücken dösen, ebenfalls an der Kanzel, ein steinerner Mann samt Frau vor sich hin. Könnte es sein, dass selbst die flammendste Rede ein Ende finden muss?

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Das Hündchen also: Generationen von Besuchern haben dem kleinen Tierchen seitdem über den Kopf gestreichelt um sich etwas zu wünschen. Ganz glatt, glänzend wie eine Speckschwarte ist es schon, das Köpfchen. Geht das so weiter, verschwindet der treue Kumpan irgendwann ganz. Vor lauter Streicheln und Wünschen. Also: Bitte nicht streicheln. Das Hündchen erkennt auch so eure Wünsche. Reicht, wenn ihr ein kleines Gebet für den Kleinen sprecht.

Die Kanzel wurde übrigens eigens für Magister von Kaysersberg gebaut. Stellt sich die Frage, ob das Hündchen nachträglich – aufgrund seiner sonntäglichen Schlafgewohnheiten – in den Sandstein gemeißelt wurde, oder ob nicht doch eine andere Theorie vorzuziehen ist. Sollte es ein Verweis des Baumeisters auf die Dominikaner sein, ein steingewordenes Wortspiel also: Dominis canis = Hund des Herrn, oder gar eine Reminiszens an Sankt Remigius, der seinen Gott angeblich so treu erwartete wie ein Hund seinen Herrn?

Wie dem auch sei, hübscher ist die Geschichte mit Geilers treuem Gefährten. Und ja, auch uns juckt es in den Fingern ihn zu streicheln und dabei einen Wunsch in den Orbit zu senden. Aber, wir haben eine Replik des Hundes im münstereigenen Shop gekauft. Jetzt schläft der Kleine bei uns zuhause, wird gestreichelt und hat es warm.

Wer war jetzt dieser Johann (Jean) Geiler von Kaysersberg, der mit dem geilen Namen? 1445 in Schaffhausen geboren, im elsässischen Kaysersberg aufgewachsen, studierte er in Freiburg und Basel, wurde sogar Rektor der Universität Freiburg. Ab 1478 predigte er in Straßburg, Von 1486 bis zu seinem Tod 1510 hielt er als Prediger die Schäfchen im Straßburger Münster in Atem. Leider ließ auch er sich von der allgemeinen Hysterie der Hexenverfolgungen mitreißen. Berühmt geworden sind seine wortgewandten Ausführungen zum Thema Milchhexen. Wenigstens sah er in den als Hexen Verfolgten nicht das grundsätzlich Böse, sondern betrachtete sie „nur“ als vom Teufel Verführte. Eine Art abgestufter (?) Hexenwahn also. Im Ergebnis war das für die Ärmsten, die auf dem Scheiterhaufen landeten, wohl dasselbe.

Wer mehr über die Geschichten rund um das Straßburger Münster lesen möchte, dem sei folgendes – dreisprachiges – Buch empfohlen: Sûzel Pailhes: Petites histoires de la Cathédrale de Strasbourg

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Langsam werden wir müde. Zurück also zum Parkhaus über den Place Kléber. Um uns herum samstägliche Hektik. Wir flanieren durch die Menge, lassen uns treiben. Kein Shoppingfieber heute, nur Tee, Hündchen und… eben Samstag.

Samstagnachmittag in Straßburg: Place Kléber und Umgebung
Samstagnachmittag in Straßburg: Place Kléber und Umgebung

Place Kléber. Strasbourg Straßburg, Blumenstand

Zuhause genießen wir das Detoxbrot, das wir, nebst einem Riesenkürbis, auf dem Weg nach Straßburg in Furdenheim an einem Bauernstand gekauft haben. Kohlrabenschwarzes Brot mit Datteln, Rosinen und Nüssen. Interessant. Dazu ein Tome d´Alsace und ein Glas Klevener de Heiligenstein. (Siehe mein Artikel über den Mont Sainte Odile!) Noch eine Entdeckung. Detox hin oder her: Besser geht´s nicht.

Gewöhnungsbedürftig aber lecker: Detoxbrot à la Furdenheim
Gewöhnungsbedürftig aber lecker: Detoxbrot à la Furdenheim

Lasst euch mal wieder von der Muse küssen

Eure Stina