Heute mal ein Taugenichts – Mit dem Fahrrad durch das Hanauer Land

Illustration zu Joseph von Eichendorfs Aus dem Leben eines Taugenichts, Bild, von Julclub

Zuerst die Fakten: E-Bike-Rundtour. Ca. 3-3 ½ Stunden. Teilweise Fahrradwege. Mittlerer Schwierigkeitsgrad. Route: Von Dossenheim-sur-Zinsel über D14 Neuwiller-les-Saverne Richtung ausgewiesene Fahrradstrecke (Kleines Schild mit grünem Fahrrad bzw. kleiner orangener Pfeil) nach Herrenstein. Nicht über D 133 Richtung Bouxwiller/Griesbach! Im Zentrum von Herrenstein rechts abbiegen. Ein Abstecher zur Abtei, die rechterhand liegt, lohnt sich. Wieder auf der Hauptstraße am Hotel-Restaurant Le Herrenstein vorbeifahren. Am Ortsausgang geht es links auf den Fahrradweg 22 bzw. 62 Richtung Bouxwiller. Hier kurzer Abstecher ins Zentrum mit seinen Fachwerkhäusern und Salon de thé Au charme du passé. Auf demselben Weg wieder aus dem Ort hinausfahren, D4 Richtung Obersoultzbach. Auf die D7 nach Weiterswiller abbiegen. Richtung Neuwiller-les-Saverne fahren. Weiter nach Herrenstein, diesmal geradeaus weiterradeln nach Dossenheim-sur-Zinsel.

Weitere Details zum Radfahren im Hanauer Land findet ihr hier!

Und jetzt… Stimmung!

Hatte mir gerade wieder einmal Joseph von Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts zu Gemüte geführt. Da drängte es mich, es jenem gleich zu tun. Statt im Garten auf einer Liege zu lümmeln, schwangen mein Mann und ich uns aufs Fahrrad um das Hanauer Land – Le pays de Hanau – zu erkunden. Denn wie heißt es so schön in der Novelle: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.“ Und weit erschien mir die Welt an diesem Tag tatsächlich. Obwohl wir nicht auf Schusters Rappen geschweige denn mit Kutsche unterwegs waren wie der müßige Müllersohn. Und es war auch nicht die schöne Donau, die uns zuweilen begleitete, sondern die weitaus kleinere, ruhigere Zinsel. Doch rechts und links wogten gelbe Felder. Die Heuballen waren artig gerollt. Am hohen Himmel segelten Schwalben dahin. So hätte man vielleicht zu Eichendorffs Zeiten geschwärmt. Und so schwärme ich auch heute noch angesichts pittoresker Fachwerkdörfchen, mit Gärten, die es gut und gerne mit der bunten Blütenpracht vor jenem Eintreiber-Häuschen aufnehmen könnten, das dem Luftikus wie zufällig in den Schoß fällt. Sehe ihn direkt vor mir, wie er so auf seiner Bank sitzt, im gediegenen Morgenrock seines Vorgängers, eine Pfeife schmaucht und den Lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Einmal den Spießer in sich ausprobiert, um dann neugierig zu neuen Ufern aufzubrechen. Unversehens fühlt man sich in die Zeit um 1826 versetzt, als die spätromantische Novelle erschienen ist.

Wächter aus Sandstein an der Abtei in Herrenstein, Neuwiller-les-Saverne
Wächter aus Sandstein an der Abtei in Herrenstein, Neuwiller-les-Saverne

Immer wieder erstaunlich ist auch, was sich mit dem Fahrrad, abseits der ausgetretenen Pfade entdecken lässt. Nie im Leben hätten wir doch gedachtt, dass in Herrenstein eine mächtige romanisch-gotische Abtei den Ortskern dominiert. Der Grundstein dazu wurde im 8. Jh. gelegt. Die Einheit von romanischer Doppelkapelle, dem ältesten Teil der Abtei, gotischer Basilika und weitläufigem Vorplatz strahlt eine wunderbar kontemplative Ruhe aus. Stellt euer Rad beiseite, genießt den Augenblick. In der Kirche gibt es auch kostbare Wandteppiche aus der Zeit um 1500 zu bestaunen. Immerhin trägt die Anlage den Titel monument historique. Wie wäre es jetzt mit einem Picknick mit frischem Baguette? Auf dem Weg nach Bouxwiller könnt ihr auf der Ferme Herrenstein den Käse dazu kaufen.

Super leckerer Blaubeerkuchen: Au charme du passé, Bouxwiller
Super leckerer Blaubeerkuchen: Au charme du passé, Bouxwiller

Unser Piece of the day war allerdings das Au charme du passé in Bouxwiller. Ein liebevoll dekorierter Salon de thé, ausgestattet mit einer Fülle von Antiquitäten samt Kuriosa, in einem Seitengässchen der Grand Rue. Hier bekommt ihr den wohl besten Blaubeerkuchen des Grand Est. Mit einer wunderbar luftigen Baiserhaube. Selbst gebacken vom Hausherrn, der von Berufs wegen ein vielbeschäftigter Schreinermeister ist. Das Cafe dagegen ist die Domaine seiner Frau, die ihre Gäste mit Charme und Warmherzigkeit empfängt. Ihre Zitronencremetorte, den Pflaumenkuchen und den Erdbeerkuchen mit Nuss hätten wir gerne noch gekostet, aber ein Stück und ihr seid pumperlsatt. Jeder Tisch erzählt von Madames Leidenschaft für Nostalgisches, das man hier natürlich auch erstehen kann. Vom Steiff-Dackel bis zu elsässischen Trachten im Puppenformat – hier wird man fündig. Im Sommer sitzt man in einer hübschen Gasse, umgeben von typischen Fachwerkhäuschen. Natürlich an Tischen mit blütenweißer Spitzentischdecke.

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La Tarte!
Wunderschön dekoriert…

Weiter ging´s also mit kugelrunden Bäuchen. Vorbei an Obstwiesen, kleinen Weilern, leuchtenden Gärten mit Astern, Dahlien und, klar, strahlend gelben Sonnenblumen.

Obersoultzbach

 

Und da ist er wieder, der Taugenichts, wie er fiedelnd seines Weges zieht. Sicher hätte er bei der kleinen Kirmes in Obersoultzbach aufgespielt. Ich seh ihn vor mir: Mit spindeldürren, langen Beinen, wehenden Haaren und fliegenden Rockschößen. Ein Sinnbild des Sommers, der Lebensfreude, Leichtigkeit in jeder Pore. Und einer guten Portion Gelassenheit. Und wer möchte schon das Arbeiten erfunden haben?  Immer der Nase lang. Auch wenn ihn zuweilen das Heimweh drückt. Er wagt und gewinnt. Bis er schließlich seine Liebste findet, die zwar keine Gräfin ist, dafür aber geduldig auf ihren Angebeteten gewartet hat, während er im fernen Italien Erfahrungen sammelte. „Sie lächelte still und sah mich recht vergnügt und freundlich an“, schreibt von Eichendorff am Ende seiner Erzählung, die, auch wenn, oder gerade weil sie manchmal so abstrus mit Zufällen spielt, unser Herz erwärmt. „…und von fern schallte immerfort die Musik herüber, und Leuchtkugeln flogen vom Schloß durch die stille Nacht über die Gärten, und die Donau rauschte dazwischen herauf – und es war alles, alles gut!“

Blumenpracht im Pays de Hanau

Sind die Fahrräder verstaut, könnte ich mir vorstellen im Le Herrenstein einzukehren, oder sogar zu übernachten. Aber davon vielleicht ein andermal.

Obiges Zitat aus dem Taugenichts stammt aus dem entsprechenden Reclam-Bändchen. Eine unterhaltsame, schnoddrige Zusammenfassung als Video mit Playmobilmännchen und -frauchen findet ihr auf YouTube. Selbstverständlich solltet ihr danach schleunigst eine Hängematte aufsuchen und das ganze Büchlein genießen. Eine spätsommerliche Portion Gelassenheit wünscht euch

Stina

One Night in La Hoube

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In einem hübschen, kleinen Dorf inmitten der Nordvogesen, 650 m über dem Meeresspiegel, könnt ihr was erleben. Alljährlich wird in La Hoube, gegenüber von Dabo, ein Sommerfest gefeiert. Für ein Wochenende wird der Schulhof der Grundschule mittels blau-weiß-gestreifter Markisen zum zünftigen Festsaal.

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Breakdancer

Veranstaltet wird die Party vom umtriebigen Haseverein, ja Hase(!)verein. Denn der Hase ist sozusagen das Wappentier der Gemeinde. Bis in die späte Nacht schwofen die Dorfbewohner und ihre Gäste, was das Zeug hält. Fleißige HelferInnen, erkennbar an leuchtend roten T-Shirts, kommen mit dem Servieren der Flammkuchen, der elsässischen tartes flambées, gar nicht mehr nach. Die dunklen, runden Holzbretter kreisen über den Tischen, werden an den Nachbarn, die Nachbarin weitergereicht, bis kein Krümel mehr übrig ist. Eine freundliche, kommunikative Interaktion. Mal bestellt der eine, mal der andere. Man nimmt sich, bis man nicht mehr kann. Es gibt flammes gratinées, leicht gebräunt also, am Rand immer ein bisschen schwarz. Unwissend, wie ich bin, bestelle ich die helle, nicht so lange gebackene, cremigere Variante. Gut, die verzehren meine Tischnachbarn genauso, aber das nächste Mal bitte die überbackene, knackigere Variante.

Zur Abwechslung kann man auch Pizza oder Merguez bestellen. Natürlich mit scharfem Harissa. Das ist dann aber mehr ein Einzelevent, so an einem in Baguette verpackten Würstchen zu nagen. Weißwein kommt auf den Tisch, hie und da Crémant. Und natürlich Météor, das an diesem lauen Sommerabend besonders gut schmeckt. Später gibt´s café und selbstgebackenen Kuchen. Bei der Tombola gewinnt mein Mann 10 Flammkuchen-Bausätze von Flamme-Lisel, einem Producteur artisanal, der sich der nachhaltigen Produktion dieser Spezialität verschrieben hat. Die nächste kalorienhaltige Party kann steigen! Meine Tischnachbarin wird stolze Besitzerin eines Regenschirm, den sie gut gebrauchen kann, denn die Nacht wird schwärzer. Ein Wolkenbruch bereitet sich vor. Vor knapp 20 Jahren gab es noch einen Hasen zu gewinnen, dessen Gewicht man schätzen musste. So ist es sicher tierfreundlicher.La_Hoube_fete_ete_vosges_nord_haseverein_helfer_assistenten_manifestation_2

Der DJ heizt der Menge ordentlich ein. Aufgemotzte Jugendliche ahmen ihre Idole aus irgendwelchen angesagten Musikvideos nach. Kinder samt Müttern verausgaben sich auf der Tanzfläche. Das Besondere: Alle kennen die Songs, singen lauthals mit, sogar die Kinder. Auch mein Mann und ich schnappen ein paar Refrains auf, tanzen mit sauberem Hüftschwung. Kein Problem, wo wirklich Jung und Alt mitmachen. Hallo, fühle mich deutlich verjüngt!

Kann mich noch an unser erstes Fête d`été vor gefühlt 100 Jahren erinnern. Da gab´s noch Volksmusik. Von Ma bonne étoile, einer Kombo, die inzwischen zur kostspieligen, stets ausgebuchten Range gehört. Spielten zumeist deutschsprachige Titel, Typ Anton aus Tirol. Wir sind hier schließlich an der Grenze zum Elsass. Deutschsprachige Volksmusik hat hier Hochkonjunktur. Da stampfte manch kerniger Tänzer, dass die Bretter wackelten. Ich selbst wurde von meinem Nachbarn, durchaus gekonnt, zu Walzerklängen über die Tanzfläche geschoben, wobei ich ihm kräftig auf die Füße trat. Standard ist eben nicht so mein Ding. Anton aus Tirol auch nicht. Inzwischen gehören auch französischer Mainstream mit orientalisch anmutenden Rhythmen zu einem ausgelassenen Dorffest. Tanzbar muss es sein. Der DJ jedenfalls begeisterte sein Publikum, hatte Spaß dabei. Und ich konnte Arme und Beine schlenkern, wie ich wollte.

fete d´ete La Hoube Haseverein 2019
Glänzend.

Ach, mir geht das Herz auf, wenn Leute jeglichen Alters eine schöne Zeit miteinander verbringen. Ob in Hemdsärmeln und Jeans oder im schmucken Sommerkleid. Wie es euch gefällt. Unversehens kommt man mit Wildfremden ins Gespräch, lernt nette Leute kennen. Kleiner Rückfall also in eine Zeit, in der wir noch nicht allabendlich vor den Flimmerkisten ins Sofa sanken. Aber es ist ja auch Wochenende. Schlafen können wir immer noch. Der Montag liegt noch in weiter Ferne.

Der Hase - Maskottchens des Hasevereins - Organisator des fête d´été
Der Haseverein von La Hoube – Organisator des fête d´été

Spät in der Nacht brechen wir auf. Gelangen trockenen Fußes zu unserem Haus. Trinken noch ein letztes Bier. Lauschen in die wunderbare Nacht. Falter umschwirren unseren kleinen Bistrotisch. Vom Dorfplatz her dröhnen die Bässe. Schön war´s wieder. Bis hoffentlich zum nächsten fête d´été à La Hoube.

Fête du Klevener in Heiligenstein – ein Weinfest der Extraklasse!

Wie jedes Jahr findet auch heuer wieder ein elsässisches Weinfest der Extraklasse statt, und zwar in Heiligenstein, einem äußerst hübschen Dörfchen an der elsässischen Weinstraße, das etwas vom Flair einer Augsburger Puppenkiste versprüht. So bunt und zierlich umrahmen die Häuser die Hauptstraße. Das Fest hat seinen ursprünglichen Charakter bewahrt. Der ganze Ort vibriert förmlich. Jung und alt ist auf den Beinen, urige Weinkeller laden zur Verkostung ein. Genossen werden die besten crus der Traube, die nur hier angebaut werden darf, weil dieser intensive Wein auch irgendwie besondere Wirkung hat. Dazu gibt es deftige Spezialitäten. Einheimische wie Touristen schwofen hier zu den Klängen des  Orchestre FM Light durch die laue Sommernacht. Außerdem bringt ein Hélène-Fischer-Double die Herzen zum Schmelzen. Wann? Vom 10. – 11. August 2019

Infos zum Fest findet ihr auf diesem Portal:

https://www.jds.fr/agenda/manifestations/fete-du-klevener-heiligenstein-107497_A

Klevener heiligenstein elsass alsace wein weinfest
Sollte man unbedingt verkosten…

In Heiligenstein findet man typisch elsässische Restaurants, sodass man nach dem Besuch nicht noch lange fahren muss. Letztes Jahr durften wir bei einem Winzer vor Ort, Michel Meckert, das feine Stöffchen probieren.  Hier findet ihr meinen Beitrag dazu:

Von Äbtissinnen, heiligen Steinen und edlen Tropfen

Geht hin, ihr werdet es lieben! Ob ihr Helene mögt oder nicht. Ein wundervolles Allround-Erlebnis wünscht euch

Stina

Auf verwunschenen Pfaden – Vallée des éclusiers. Von Arzviller nach Henridorff

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Arzviller_Vallée_des_Eclusiers_Schleusenhaus_Wanderweg_Grand l´EstImmer der gelben Sonne auf weißem Grund nach. Es ist der 21. Juni, der Mittsommertag. Nach einer langen Mittsommernacht, machen wir einen entspannten Spaziergang entlang eines Seitenarms des Rhein-Marne-Kanals. Vorbei an pittoresken Schleusenhäuschen, die gerade wieder in Stand gesetzt werden, um einem Relikt der Binnenschifffahrt aus dem 19. Jahrhundert Ehre zu erweisen. Denn es war Schwerstarbeit, den nördlichen Vogesen eine Fahrrinne abzuringen um lebenswichtige Güter transportieren zu können. In mächtige Sandsteinblöcke musste sie gegraben, mit einer kilometerlangen Mauer auf der anderen Seite gestützt werden. Fast 45 Meter Höhenunterschied wurden so mit Mannes- und Pferdekraft überwunden. Das war 1853.

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Eiserne Zeugen

2019: Geparkt haben wir hundert Meter hinter dem Ortsausgang von Hofmuhl, einem kleinen Vogesenmeiler, kurz nachdem der Seitenkanal in die Zorn mündet. Wir folgen der 3,2 km langen Schleusentreppe von Arzviller nach Henridorff mit 17 Schleusen. Insgesamt ist der Weg allerdings 8,2 km lang. Die Schleusenwärter mussten damals 7 Tage pro Woche, 11 Stunden pro Tag zur Stelle sein. 1969 wurde der Kanal stillgelegt, das Wasser abgelassen. Der Plan Incliné de Saint-Louis Arzviller übernahm. Seitdem ist das Schleusental „ein bukolischer Ort, wo sich Spaziergänger, Fahrradtouristen, Angler, Kletterer, Natur- und Heimatliebhabern“, wie das Fremdenverkehrsamt des Département Moselle schwärmt. Vom Plan Incliné aus fährt sogar ein kleiner Touristen-Zug durch das verwunschene Grün.

Schwül ist es. Regenwaldfeeling. Wir erwarten die große Hitze der nächsten Tage. Irgendein Gewächs duftet betörend stark. Vögel zwitschern. Von Efeu umrankte Bäume weisen in den unergründlichen Feenwald links des Wegs. Riesige Frösche plantschen dort, wo sich im ehemaligen Kanal seichtes Wasser gesammelt hat, sorgen lautstark für Nachwuchs. Teppiche aus Wasserlinsen leuchten in der Sonne. Anderswo stehen Rohrkolben dicht an dicht. Ein Paradies für Unken, Molche, Wasservögel.Arzviller_Vallée_des_Eclusiers_Schleuse_ecluse_Wanderweg_Grand l´Est_gres_ros_vosges_club_vosgien

Auf der anderen Seite des Kanals, hoch oben, rauscht ein langer Güterzug vorbei. Danach wieder Stille. Ein idyllisches Tal umschlossen von hohen Felsformationen, den grès rose des vosges, dem typischen rosa Sandstein der Region. Rostige Eisenkonstruktionen streben wie Gräten eines riesigen Urzeitfischs ins Nichts, erinnern an eine Zeit, in der es hier geschäftig, zuweilen laut zuging, transportiert, getreidelt wurde. Jetzt wachsen magere Bäume aus den kargen Felsblöcken, in welche die Schleusentore eingelassen wurden. Die bunten Schleusenwärter-Häuschen entlang der Strecke träumen im Dornröschenschlaf. Rosenumrankt, Wiesenblumen in den kleinen Gärten. Romantik pur. Verwunschen. Ein Kleinod, wie eine Spaziergängerin aus Karlsruhe, meint. Zufällig haben sie es entdeckt und sind ganz verzaubert.

Wir treffen Wanderer, ab und an auch ganze Familien mit Kinderwagen und Picknickkorb. Man schlendert. Spricht verhalten. Bleibt stehen um die pittoresken Schleusenhäuschen zu bewundern, die nach und nach renoviert werden. Die meisten Fenster sind schon neu. Der Bürgermeister von Arzviller könnte uns sicher mehr berichten. Als passionierter Geschichtenerzähler führt er sogar selbst durch das Tal.Marne Rhin kanal Zorn eclus

Wer während des Spaziergangs Hunger bekommen hat, kann diesen im Restaurant-Brasserie des Eclusiers in Henridorff stillen. Direkt daneben befindet sich auch ein sehr schöner Campingplatz, wo man auch in hübschen Holzhäuschen wohnen kann.

Hier noch ein paar wunderschöne, nostalgische Aufnahmen von einem, dessen Eltern Mitte des 20. Jahrhunderts einen Saarkahn auf dem Rhein-Marne-Kanal steuerten. Dazu schreibt er:

Bild Nummer 4: Die Brüder Werotzius (Werft in Hanweiler) und der
Saarschiffer Lohnsdorfer bei einer Treidelvorführung

Bild nummer 2: Das oben war der Alte Kohlehafen....heute der Bürgerpark

Vielen Dank, Michael Pitsch, dass ich die Bilder verwenden durfte. Echte Raritäten.

Saarkahn auf der Saar
Als die Kähne noch fuhren…

Auf einen wunderbaren Sommer

Eure Stina

Mit dem Fahrrad zu den Sternen – Véloroute du canal de la Marne au Rhin und Hotel Restaurant A l´étoile im elsässischen Mittelhausen

Angler am Canal Marne Rhin

Maritimes Feeling mitten im Elsass? Ich empfehle eine 2-Tages-Tour mit dem Fahrrad entlang des Rhein-Marne Kanals, auf der Véloroute du canal de la Marne au Rhin. Hin und zurück. Im Juni, wenn der Gelbsenf blüht, kleine Enten erste Ausflüge mit ihrer Mutter wagen. Ein friedvolles, entspannendes Erlebnis. Freundliche Menschen radeln auf dem Weg, ein paar Meter weiter schippern Freizeitkapitäne frohgemut vorüber. Manche, wie es sich gehört, in blau-weiß gestreiftem T-Shirt. In der Ferne grüßen die blauen Kämme der Vogesen.

Fahrradweg Canal Marne Rhin Elsass, Alsace
Immer am Kanal lang…

Wir starten von Lutzelbourg. Wer möchte, kann sich hier mit ein paar Crêpes für die Weiterfahrt stärken. Hin und wieder gibt es auch scharfe Merguez und kaltes Bier. Der kleine Ort rüstet langsam aber sicher für Fahrradtouristen und Wanderer auf, die in entgegengesetzter Richtung zu uns zum Plan Incliné in Arzviller unterwegs sind. Ein bisschen Budenzauber also zum Auftakt. Dann rauf auf die Räder und ab auf den wunderbaren, gut ausgebauten Eurovélo 5, der sich von London über Strasbourg bis nach Brindisi erstreckt. Vorbildlich beschildert und – vor allem – eben. Auch ungeübte Fahrradfahrer können sich hier ihre Etappen zusammenstellen, Ein- und Ausblicke genießen. Ein Gasthof zum Übernachten findet sich immer. Mit dem E-Bike haben wir knapp 46 km pro Tag geschafft, Tourentempo.

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Weite.

Auf dem Kanal tummeln sich schon diverse Hausboote, die man in Lutzelbourg mieten kann. Nach kurzer Einweisung darf man die auch ohne Bootsführerschein durch die zahlreichen Schleusen steuern. Je mehr Leute mitfahren, desto billiger wird das kostspielige Vergnügen. Wir passieren Saverne, eine kleine Residenzstadt mit geschäftiger, fachwerkgeschmückter Einkaufsstraße, Schloss Rohan, Burg und der altehrwürdigen Maison Katz. Wie wäre es mit einem Eis? Nein, wir sind im Fahrradrausch; mit 20 Sachen brausen wir den Kanal entlang. Über uns kreisen die Störche. Im Gras quakt es verräterisch. Farben wie aus einem Aquarell. Sie wissen schon, jenes, das man in den Sechzigern als Sommeridyll vor Augen und an der Wand hatte.

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Fast wie am Meer

Lichtes Grün, blasses Blau, strahlendes Gelb. Schäfchenwolken. Auf den Feldwegen gutgelaunte Sommerfrischler, bunte Tupfen im Sommerlicht, fröhlich winkend. Wir winken zurück. Ideal zum einhändig Fahrradfahren-Üben. Man versteht, was es heißt, wenn der Himmel hoch ist. Vogelgezwitscher allenthalben. Wir passieren Steinbourg, benannt nach den Steinbrüchen, die noch heute die schönsten Platten liefern. Außerdem ist ´s ein Storchendorf, das sich der Wiederansiedlung des elsässischen Wahrzeichens widmet. Gerade jetzt kann man die Störche in ihren Nestern bei der Aufzucht der Jungen beobachten. Lupstein, Dettwiller folgen. Aufgeräumte, kleine Vogesendörfer. An einem Schleusenhäuschen vor Hochfelden, bekannt durch die Météor Brauerei, verzehren wir Baguette mit Käse. Fehlt nur noch das Bier. Tatsächlich finden wir ein kleines Büdchen mit Sitzplätzen im Freien. Ein Huhn pickt um unsere Füße herum. Die Bierleitung müsste mal gereinigt werden. Wäre idyllisch, wenn die Servicekraft nicht auf die Idee käme, uns mit überlauter Popmusik zu beschallen. Vogelgezwitscher ade.Canal_Marne_Rhin_Saverne_elsass_alsace_cyclist_velo_fahrradweg_fahrrad_beschreibung_plan

Weiter also nach Waltenheim-sur-Zorn mit seinen üppigen Wandmalereien im Lokalkolorit. Witzige, eigensinnige, elsässisch inspirierte personalisierte Briefkästen derselben Künstler, Charly und Barbara Hamm, kann man hier übrigens gleich erstehen oder sich per Internet schicken lassen. Unser Ziel ist das Hotel-Restaurant A l´étoile in Mittelhausen, ca. 18 km vor Strasbourg. Dazu verlassen wir den Eurovélo 5 und strampeln über einen Feldweg, später ein Stück Straße entlang, Richtung Wingersheim, wo die Einheimischen gerade einen Flohmarkt vor imposanter Fachwerkkulisse veranstalten. Auf dem Weg: Der berühmte Hopfen, der sich der Sonne entgegen reckt.

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Ruhig und gelassen

Der Empfang im A l´étoile ist, wie man sagt, chalereux, unsere Wahl ein Glücksfall. Eine gutgelaunte Gästeschar verlässt gerade das Restaurant. Unser kleiner Hund wird gestreichelt. Man fragt, woher wir kommen. Hier soll es den Gästen gut gehen. Deshalb kommen sie wohl auch immer wieder. Das familiengeführte, traditionsreiche Hotel mit fantastischem Schwimmbad und eigenem Spa-Bereich ist elsässisch gepflegt. Ruhig liegt es in einer pittoresken Seitengasse, ist Mitglied des Logis de France. Seit 1978 leiten es Monsieur Jacques Bruckmann, alias Jacky, und seine Frau Chantal. Gemeinsam mit Fernand Mischler, dem Sternekoch des Cheval Blanc in Lembach, entwickelte Monsieur Bruckmann eine Küche, die elsässische Kochkunst mit zeitgenössischen, bisweilen sogar exotischen Genüssen vereint.

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Warmherziger Empfang: Die Bruckmanns mit Dackel Gaston

Wir checken ein. Merken, dass wir nicht nur das Hundefutter, sondern auch eine Hose für meinen Mann vergessen haben. Da er nur eine kurze Fahrradhose mithat, bekommt er kurzerhand meine Jeans (Ja, ich bin muskulös…). Ich verstecke meine längere Radlerhose, so gut es geht, unter einer langen Weste. Underdressed stiefeln wir ins Restaurant, das gewiss feinerer Kleidung würdig wäre. Aus seiner Tragetasche entwischt der Dackel, bringt beinahe die Kellnerin zu Fall. Gläser klirren. Sie fängt sich professionell. Wir schämen uns, die Crew nimmt´s lächelnd.

Gaststube A l´étoile Mittelhausen Elsass, Alsace
Elsässische Gemütlichkeit, aber nicht nur…

Was nun suchen wir, wenn wir ins Elsass reisen? Jawohl, Tradition. Holzvertäfelung, karierte Tischdecken und elsässische Spezialitäten. Nur dass Letztere hier einen, zwei, drei  Ticks delikater, eleganter, pfiffiger kredenzt werden. Eine gekonnte Liaison von Gemütlichkeit und Innovation. Einen Tisch sollte man hier auf jeden Fall reservieren, denn das Restaurant ist überschaubar, und gerade darum so gemütlich. Nachdem wir an der Bar einen Picon und einen Kir au vin blanc getrunken, sowie zwei delikate Mini-Flammkuchen schnabuliert haben, bestellen wir das Menu zu 30 Euro.

Vorspeise Menu A l´étoile Mittelhausen, Alsace, Elsass

 

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Er darf nicht fehlen.

Forellenterrine mit Schnecken an einer fluffigen Schaumsoße, danach zart gebratenes Schweinefilet mit Pistazienkruste mit selbstgemachten Spätzle, zum Abschluss eine gehaltvolle Mousse mit Marc de Gewürztraminer nebst Mango-Sorbet. Pot-au-feu, Tafelspitz, steht genauso auf der Speisekarte wie Jakobsmuscheln thailändisch mit Gemüse. Sicherlich nichts um sich samstags die Wampe voll zu schlagen, aber für Genießer exzellent. Und glauben Sie nicht, dass Sie nicht satt werden! Der Service ist umsichtig, jedoch dezent, persönlich.

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Einladend.

Mit kugelrunden Bäuchen, belebt vom Rouge de Marlenheim, unternehmen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den idyllischen Ort, in dem gerade sämtliche Rosen ihr Bestes geben. Auf der Anhöhe erblicken wir ein Kirchlein, die Kapelle von Hohatzenheim aus dem 12. Jahrhundert. Bis dorthin schaffen wir es heute nicht mehr. Unser Dackelchen hüpft uns glücklich um die Beine. Im Korb, auf dem Fahrrad, kann man ja doch nur schlafen. Sieht so ein perfekter Tag aus? Bis auf die lärmende Bude in Hochfelden auf jeden Fall. In unserem gemütlichen Zimmer – nebst frecher Tomi Ungerer– Radierung – liege ich noch ein wenig wach. So viele Eindrücke, aufgereiht wie an einer Perlenschnur…

Am nächsten Morgen: Ein kleines, aber feines Frühstücksbuffet samt frischgebackenem Kuchen. Die Bruckmanns sind schon wieder voll aktiv, um das Wohl der Gäste besorgt. Noch schnell ein Foto mit den Hoteliers. Aber bitte mit Dackel. Sie haben nämlich ihren eigenen: Gaston. Und, wie es scheint, ist er genauso ein Sturkopf wie unser Jungspund. Also: Hoch die Dackel und lächeln. Wir kommen sicher wieder! Angemessen gekleidet. Merci für die schöne Zeit in Ihrem Haus und Ihre wunderbare Gastfreundschaft!

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Einfach Zucker, dieses Restaurant!
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Schleusenhäuschen in Mintgrün.

Am Kanal entlang geht´s zurück nach Lutzelbourg mit seinem kleinen Yachthafen, Port de Plaisance. Und wieder entdecken wir Neues. Spannend, so ein Rückweg. Wir zeigen rechts und links: Also da müssen wir aber auch mal hin… Unsere Pos tun weh. Ganz langsam zieht es auch ein bisschen in den Knien. Von einem Boot winken leicht verkaterte Gestalten in blau-weißen Ringelshirts. Schließlich war gestern Vatertag. Mit letzter Kraft erreichen wir den kleinen Hafen. In einem kleinen Laden mit einheimischen Produkten ersteht mein Mann Baguette und Käse. Moment mal, war das nicht gestern….?

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Elsass-Tassen von Julclub

Fahrt unbedingt mal hin

Eure Stina

Flyg-humla-flyg!-tȧrta

Flieg-Hummel-flieg!-Torte

Ich liebe Hummeln. Diese emsigen, pelzigen Tierchen die summend von Blüte zu Blüte fliegen. Diverse Kinderbücher zum Thema haben mich fürs Leben geprägt. In meinen Kindertagen schwärmten Hummelmännlein noch mit Chapeau und keckem Schal, die Weiblein mit gepunkteten Kopftüchern und Weidenkörbchen zum Honigsammeln aus. Abend saßen sie mit Maikäfer und Co. vor ihrem Wurzelhäuschen und schmauchten ein Pfeifchen.  Mysigt! Gemütlich! Natürlich kamen oft Wichtel zu Besuch, nicht ohne einen Strauß blauer Glockenblumen mitzubringen. Auf der Flyg-humla-flyg!-Torte, die zu Ostern gebacken wurde, dürfen die kleinen Gesellen nektarmäßig aus dem Vollen schöpfen.

Endlich Frühling!

Zugegeben: Wie eine Torte vom Konditor sieht meine Hummeltorte nicht aus. Nicht mal so, wie bei meiner Mutter. Aber sie schmeckt hervorragend. Was kann ich dafür, wenn ich die fertigen Zuckeraugen im Supermarkt überteuert fand und dachte: Das kann ich selbst? Und dass die meisten meiner Aprikosenhummeln daher aussehen wie Robert Smith von The Cure zu seinen besten Zeiten? Also: Ihr kriegt das sicher besser hin. Auch die Streifen aus Zartbitterschokolade, die sich – exakt!– hinter den Mandelflügelchen der Honigsauger über den kugelrunden Rücken ringeln sollen. Und den Überschuss an Aprikosenmus löffelt ihr am besten schon vorher weg, damit die armen Hummeln nicht im fruchtigen Gelb ertrinken. Wenn ihr den Biskuit nicht zweimal durchschneiden könnt, klappt´s auch mit einmal. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl bekommt ihr eine wunderbare Frühlingstorte hin, mit der ihr sicher punkten könnt. Selbst mit einem Überschuss an Daumen an den Händen tragt ihr somit zur Erheiterung eurer Familie resp. Gäste bei. Vielleicht könnt ihr sogar ein Kreativ-Test organisieren: Tatsächlich haben vor dem Verzehr einige betroffene Familienmitglieder gefragt, was das da auf der Torte denn eigentlich sein soll. Na, Hummeln im Honigbad, ihr Doofis! Frohe Ostern! Glad Pȧsk!

Trunkene Hummeln

Flyg-Humla-flyg-tȧrta (ca. 1 3/4 Stunden für Realisten)

Teig:

200 g  Mehl

1/2 Päckchen  Backpulver

5 Eier (Größe M)

1 Prise Salz

150 g  Zucker

1 Prise Kardamom (ohne den geht gar nichts!)

Creme:

100 g  Zucker

2 Päckchen Vanillezucker

750 g  Magerquark

250 g  Mascarpone

Dekohummeln:

1 große Dose Aprikosenhälften

50 g  Zartbitterschokolade

Mandelblättchen

Zuckeraugen (im Backzutaten-Regal)

Lustige Aprikosen- Hummeln auf Torte

Sȧ här gör du (So geht´s):

Backofen vorheizen: E-Herd 180 °C/Umluft 160 C°. Den Boden einer Springform (26 cm) mit Backpapier auslegen.

Biskuit:

Mehl und Backpulver mischen. Eier trennen. Eiweiß mit Salz zu steifem Schnee schlagen. 150 g Zucker und 1 Päckchen Vanillezucker hinzufügen. Eigelb vorsichtig unterrühren. Mehl-Backpulver-Mischung darauf sieben, Kardamom hinzufügen und alles sanft unterheben. Biskuitteig in die Form füllen, glatt streichen. 30 Minuten backen. Biskuit mit einem Messer vorsichtig vom Springformrand lösen. Springformenrand abnehmen. Kuchen auf ein mit Backpapier belegtes Kuchengitter stürzen und mit dem mitgebackenen Backpapier auskühlen lassen.

Creme:

Quark, Mascarpone, 100 g Zucker und 1 Päckchen Vanillezucker verrühren und kalt stellen.

Dekohummeln:

5-6 Aprikosen gut abtropfen lassen. Schokolade im Wasserbad schmelzen. Aus Backpapier eine kleine Spitztüte formen. Spitze abschneiden. Schoko-Streifen quer über die Aprikosen spritzen. Vorderes Drittel freilassen. Für die Flügelchen mit einem spitzen Messer die Aprikosen zweimal leicht einstechen und die Mandelblättchen hineinstecken. Zuckeraugen mit etwas Schokolade aufkleben. (Die Augen auf meiner Torte habe ich mit Deko-Zucker-Glasur aufgemalt.) Restliche Aprikosen pürieren.

Endspurt:

Biskuit zweimal (oder einmal) waagerecht durchschneiden. Unteren Boden auf eine Tortenplatte legen und je nach Bodenanzahl die Creme anteilig darauf verstreichen. Den obersten Boden daraufsetzen. Diesen sowie den Rand mit der restlichen Creme bestreichen. Hummeln draufsetzen. Torte mit Aprikosenpüree um die Hummeln herum nicht zu üppig übergießen. Smaklig mȧltid! Guten Apetit!

Frohe Ostern! Glad pȧsk!

 

 

Eildieweil ich´s mag: Maison Kammerzell in Strasbourg

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„Geht doch mal ins Kammerzell!“, riet uns meine Freundin Sylvie, deren Großmutter schon am Platz vor der Kathedrale wohnte, da sie einer Familie von Steinmetzen entstammte. Im Schatten des Straßburger Wahrzeichens ein Choucroute essen? Mal ehrlich: Da denkt man doch gleich an überteuerte Touristenfallen. Dennoch. An einem stürmischen Montag im Februar fuhren wir nach Strasbourg um das weltberühmte Choucroute aux poissons von Chefkoch Guy-Pierre Baumann zu kosten. Draußen toste der Sturm, die Schirme bogen sich, ein paar Nonnen segelten mit ihren langen Trachten über den Platz. Nur wenige Touristen hatten sich bei diesem Wetter nach draußen gewagt. Ehrfurchtsgebietend neigt sich das altersdunkle Haus, die Maison Kammerzell, über das normalerweise emsige Treiben auf dem Platz. Direkt gegenüber: La Cathédrale, das Straßburger Münster. Zwei alte Schlachtschiffe, die den Stürmen und Gezeiten der Welt seit langem trotzen.

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Schnuges Dekor

Immer schon hat das Kammerzellhüs, das 1427 erbaut wurde, betuchten Händlern gehört. Zuletzt dem Gemischwarenhändler Phillipe-François Kammerzell, der das Haus zu Beginn des 19. Jahrhunderts sein Eigen nannte und dem es seinen Namen verdankt. Seit 1988 ist das spätgotische Gebäude mit den üppigen Schnitzereien an der Fassade UNESCO-Weltkulturerbe, gilt als das schönste Haus der historischen Altstadt. Hundert Mal sind wir dran vorbeigegangen. Heute werden wir praktisch hineingeweht.

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Zwei alte Schlachtschiffe…

Die buchstäbliche Ruhe nach dem Sturm umfängt uns. Unaufgeregt. Man führt uns an unseren Tisch. Serviert uns einen Pernod, einen Kir mit Crème de cassis. Wir sind im Caveau, der Winstub. Der schönsten Straßburgs, wie es heißt. Irgendwo zwischen mittelalterlicher Schenke und Rittersaal. Ein wenig Canterbury Tales, ja, auch. An Decke und Wänden Fresken des Künstlers Léo Schnug, dem man Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts den Auftrag zur Ausschmückung gab. Siebenundzwanzig Jahre war er da erst alt. Ocker, Weinrot, mattes Grün. Wir befinden uns – so scheint es – inmitten einer mittelalterlichen Buchmalerei. Mein Blick fällt auf Sebastian Brandts Narrenschiff. Nein, die Verrücktheiten der Welt bleiben heute vor der Tür. Ich habe eher den Eindruck von gediegener Entrücktheit. Bin begeistert.

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Stilleben
Persönlich

Ein riesiger, eiserner Kronleuchter taucht das Restaurant in weiches Licht, durch Butzenscheiben fällt helles Grau. Noch weitere Salons gilt es zu entdecken. Einer schöner als der andere. Ich will die anderen Gäste aber nicht stören. Denn hier sitzt man zuweilen ganz für sich. Salon Evêque, der Salon des Bischofs, Salon Vigneron, der Winzer-Salon, der Alkoven… Verbunden durch eine massive Wendeltreppe aus Sandstein, an der entlang sich Ikone an Ikone reiht. Vom französischen Filmsternchen bis Präsident Obama: Alle waren sie hier.

Von Januar bis April lockt das Restaurant mit einem Spezialangebot: Das weltberühmte Choucroute aux poissons, genauer gesagt „aux trois poissons“, das Monsieur Baumann erfunden hat und seitdem wie seinen Augapfel hütet, gibt es dann zum Preis von einem für zwei. Von den Nebentischen duftet es schon verführerisch. Auch wir wollen das Geheimrezept probieren, das von Weitem ein wenig wie Lasagne aussieht. Zwischen drei dünn geschnittenen Lagen Fisch befindet sich das – jawohl – duftige Sauerkraut. Umgeben von einer safrangelben, buttrig-zarten Soße. So unaufdringlich, so delikat. Das Gericht zergeht auf der Zunge. Der Geschmack ist so exquisit, dabei so eindringlich, dass ich ihn noch heute schmecken kann, wenn ich meine Augen schließe. Ein Meisterwerk.

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Kompetent und freundlich: Das Team

Zum Nachtisch gönnen wir uns einen Kougelhopf glacé, eine tarte aux pommes mit den aromatischsten Äpfeln, die ich je gegessen habe. Und natürlich einen café. Ihr wisst, der darf nicht fehlen. Großartig. Wir schwelgen im sanften Licht dieses Nachmittags. Spüren nach. Wenn wir das nur früher gewusst hätten… Herzlichen Dank, Silvie!

Die Maison Kammerzell beherbergt nicht nur das Restaurant, in dem exquisite elsässische Küche zu angemessenen Preisen geboten wird. Im Dachgeschoss gibt es auch ein Hotel mit allem modernen Komfort. Ein bisschen Burgfräulein bzw. Renaissancedame steht eben jeder Frau.

Um Tischreservierung wird gebeten. Sogar die Ankunftszeiten sind vorgegeben, was ich zunächst ein wenig irritierend fand. Sie sind aber wohl der Qualität der Speisen, dem reibungslosen Service geschuldet. Würde man den Touristenströmen ungeplant Einlass gewähren, wäre es wohl um das Wohl der Pilger – Pardon! – Gäste geschehen. Gerade ein Narrenschiff wie Straßburg mit seinem unablässigen Strom an Touristen muss schließlich in ruhiges Fahrwasser gesteuert werden.

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Brat mir keinen Storch…

Fahrt mal hin und lasst euch verzaubern

Eure Stina

 

 

Hôtel Restaurant des Vosges in Birkenwald

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Wer umgeben von blauen Vogesenkämmen die feine elsässische Küche genießen möchte, der sollte das Hôtel Restaurant des Vosges in Birkenwald besuchen. Etwas Glück braucht man schon, will man ohne Vorbestellung einen Tisch bekommen. Und sowieso: Wer etwas auf sich hält, feiert hier seinen runden Geburtstag. Hat man also einen Platz im geschmackvoll gestalteten Wintergarten, gar am bullernden grünen Kachelofen, ergattert, ist der Tag gerettet.

An einem Kir mit Crème de cassis nippen, während man das Rudel Rotwild im angrenzenden Park des kleinen Renaissance-Schlosses  beobachtet – Das hat schon was. Im Frühling taucht ein knorriger Magnolienbaum den Wintergarten mit seiner Blütenfülle in zartes Rosa, im Herbst blitzt das Laub der Bäume rot und golden herein. Das Schloss zieht übrigens wegen eines dort spielenden Jugendbuch-Bestsellers noch heute zahlreiche Besuchter in den kleinen Vogesenort.

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Ein Kir muss sein.

Seit drei Generationen führt die Familie Kieffer-Stevaux das Restaurant, zu dem auch ein geschmackvoll renoviertes Hotel samt Veranda und hauseigenem Park gehört. Nach einer Wandertour durch die Vogesen kann man im Spa mit Sauna und Hamam entspannen oder in der gemütlichen Gaststube seinen Apéritif nehmen, bestens betreut durch die charmante Chefin, Madame Kieffer, und ihr freundliches Team. Auf der Speisekarte: Regionale Küche mit jener besonderen Raffinesse, die das Hôtel des Vosges aus der Menge der durchaus zahlreichen Hotels gleichen Namens hervorhebt.

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Le desert

Ein Highlight für meinen Mann und mich ist das Pot-au-feu mit butterzartem Rindfleisch, verschiedenen frischen Salaten, üppigen Gemüsebeilagen sowie einer deftigen Brühe als Vorspeise. Immer samstags. Eine delikate Nachspeise wie die hausgemachte Tarte aux myrtilles rundet das kulinarische Erlebnis der Extraklasse ab. Nicht zu vergessen: Der Café. In der Weihnachtszeit mit den typischen elsässischen Bredle serviert. Dazu ein Mirabelle. Bon, wer fährt?

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… et le café

Besonders empfehlenswert auch: Die Wild- und Fischspezialitäten. Davon zeugen auch diverse Jagdtrophäen aus dem heimischen Wald an den Wänden. Ich mag sie lieber lebend. Aber man ist halt in den Vogesen. Wer´s fleischlos mag: Das Menü Gemüsesuppe oder Salatteller, Frischer Fisch des Tages oder Salat am kurz gebratenen Ziegenkäse, Hausgemachtes von unserem Patissier hört sich auch nicht schlecht an. Von Mittwoch bis Freitag gibt es wahlweise ein Mittagsgericht oder ein Mittagsmenü, ebenfalls zu einem super Preis-Leistungsverhältnis.

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Das berühmte Pot au feu

Will man sich etwas Besonderes gönnen, ist man hier sehr gut aufgehoben. Madame Kieffer achtet darauf, dass es ihren Gästen an nichts mangelt, nimmt sich, trotz der vielen Gäste, Zeit für einen kleinen Schwatz, sorgt für reibungslose Abläufe, ohne dass es hektisch wird. Gemütlich ist es hier. Dezent ländlich. Das, was wir in den Vogesen erwarten. Ambiente zum Wohlfühlen. Natürlich mit Holzvertäfelung. Die darf nicht fehlen. Je nach Jahreszeit wird das Restaurant liebevoll dekoriert, auf den Tischen stehen frische Blumen. Ich glaube, Madame hat ein faible für pummelige Keramikhühner… Der perfekte Ort um sich auf die schwelgerische Gangart der Elsässer einzulassen. Sich Zeit zu nehmen. Anders  schafft man das opulente Mahl sowieso nicht.

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Pot au feu – die Zweite

Nach so viel Kulinarik empfiehlt sich ein Spaziergang rund um Birkenwald. Ein Rundweg führt Im Frühling und Sommer an blühenden Gärten, im Herbst an Esskastanien, Äpfeln und – natürlich – Birken vorbei. Am Wegesrand lädt eine winzige, mit Blumenranken und pausbäckigen Engeln verzierte Kapelle zum Innehalten ein, im Hintergrund ragen die – tatsächlich – blauen Vogesen auf. Vorbei an windschiefen Fachwerkhäuschen geht´s  zurück zum Hôtel des Vosges. Von drinnen fällt schon Licht auf den Gehsteig. Schade, dass wir schon gegessen haben, pumperlsatt sind. Aber wir freuen uns schon auf das nächste Mal. Vielleicht nach einer größeren Wandertour oder einem Besuch der Klosterkirche von Marmoutier, einem ebenfalls sehenswerten, geschäftigen Örtchen.

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Ein super Team: Familie Kieffer-Stevaux!

Fahrt mal hin

Eure Stina

Vorösterlicher Spaziergang durch Strasbourg. Außerdem: Karneval am 10. März 2019

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Beim Stöbern durch meine Bildersammlung bin ich auf diese kleine Serie gestoßen. Zwar von letztem Jahr, aber so habt ihr die Chance dem schönen Straßburg einen Osterbesuch abzustatten. Auch im Regen, mit dicker Jacke und Schirm, absolut sehenswert. Lasst euch Zeit. Plant ungefähr drei, vier Stunden ein.

Die Route:  Museé d´art moderne et contemporaine – Quai de Paris – Rue des enfants – Place Kléber – Rue Sainte Barbe – Grand´Rue – Kathédrale – Place de Zurich und zurück.

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Auch im Regen schön: Straßburg

Ihr startet vom modernen Museum aus, spaziert am Quai de Paris entlang und stoßt auf die Rue des Enfants. Hier gibt es kleine Shops, internationale Cafés und Restaurants. Eine Entdeckung! Ein wenig abseits der Touristenroute. Aber das wollen wir ja gerade. In einem originellen Bau- und Gartenmarkt haben wir Haselzweige für Ostern gekauft. Freue mich schon auf einen prachtvollen Strauß mit bunten Eiern!

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Von ganz besonderem Charme

Weiter geht´s zur  Grand` Rue. Ein Besuch lohnt sich immer, da es hier ausgefallene, alternative Geschäfte gibt. Für Teetrinker: Im Le Thé des Muses, 19 Rue Sainte Barbe, lässt sich bei einer Tasse Tee in Clubsesseln entspannen. Auf meinem Blog findet ihr einen extra Beitrag zu diesem schönen Salon.

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So Ostern!

Spaziert zur Kathédrale. Den Weg dorthin findet ihr immer. Ob ihr den Wegweisern folgt oder den Blick gen Himmel richtet. Vergesst nicht den kleinen Hund zu grüßen, der sich am Aufgang zur Kanzel ein Nickerchen hält. Knurrt euch jetzt der Magen? Im urigen Kellergewölbe des Gurtlerhoft könnt ihr elsässische Spezialitäten genießen, z.B. Poulet au Riesling und einen Flammkuchen mit Blaubeeren zum Kaffee! Sicherheitsspieler sollten hier einen Tisch reservieren. Nach einem ausgiebigen Mal wandert ihr zurück über die Rue des Frères mit vielen Shops und Gallerien, dann über den Pont Sainte Étienne wieder zurück Richtung Musée d´Art moderne et contemporaine mit wunderbaren wechselnden Ausstellungen. Als Tourist lässt man das Viertel um den Place du Zurich häufig links liegen. Dabei ist es gerade im Aufbruch mit alternativen Läden und bunter Gastronomie.

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Auch im Regen bunt

Viel Spaß bei dieser kleinen Tour

Eure Stina

Übrigens: Wer vom Fasching in Deutschland noch nicht genug hat, kann am 10. März 2019 in Strasbourg nochmal Karneval feiern. Den Ankündigungsplakaten nach ein Event der Extraklasse!

Das offizielle Werbeplakat des Office du Tourisme Strasbourg

 

 

Weihnachtsmarkt in Saint-Quirin

Eisbär in den Vogesen

Hejsan, bevor ich euch auf den Weihnachtsmarkt von Saint Quirin vor drei Jahren mitnehmen, hier eine kleine Notiz:

Am 03. und 04. Dezember 2022 findet der MARCHÉ DE NOEL in Saint Quirin erneut statt. Mit vielen Ständen, Spezereien, Kinderbelustigung, StraßenkünstlerInnen und Konzerten in der Abteikirche. Samstag von 14.00 bis 22.00 Uhr, Sonntag von 10.00 bis 18.00.

So, und jetzt zurück ins Jahr 2019: Auch dieses Jahr findet wieder ein heimeliger Weihnachtsmarkt in St. Quirin, einem der schönsten Dörfer Frankreichs, statt: Am Sonntag, den 1. Dezember 2019 rund um die Place de l’Eglise. Weihnachten, wie es früher war!

Heimelig soll er sein. Kleine, aneinandergekuschelte Häuschen soll es geben, möglichst um ein Kirchlein herum gruppiert. Ein Brunnen mit einem Heiligen drauf, der über den Ort wacht, wäre auch schön. Abend muss es sein, damit man die vielen Lichter umso besser sieht. So, wie es in der Kindheit war, zumindest aber so, wie wir uns den Weihnachtsmarkt unserer Kindheit vorstellen. Mit Mama und Papa auf der Suche nach dem Weihnachtsmann, an einer rosa Wolke aus Zuckerwatte knabbernd. Oder mit einem Tütchen Gebrannte Mandeln in der Manteltasche, das unsere Finger wärmt.

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Warten auf den Weihnachtsmann

All das hat der Weihnachtsmarkt von Saint-Quirin zu bieten, einer kleinen Gemeinde am Fuße des Donon. Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Rot und grün gewandete Elfen schwirren geschäftig durch die buntbeleuchteten Gassen. Freudige Aufregung liegt in der Luft. Ein ganzes Jahr hat man geplant, gebastelt, Tänze und Lieder einstudiert.

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Alle machen mit!

Jetzt sind die zwei großen Tage da, Auftakt zur Weihnachtszeit. Richtig viele Leute sind hier unterwegs. Geparkt haben wir am Ortseingang, folgen einfach den anderen Weihnachtsfans. Hören Kinder mit roten Backen fragen: Wann kommt er, der Père Noël? Wann denn, sag doch!?! Ungeduldiges Zupfen am Jackenärmel des Papas.

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Lutins

Unten, da leuchtet eine Kirche, und oben, da leuchtet eine Kapelle. Schon von Weitem hören wir einen Conférencier. Ein wenig ungewöhnlich für uns, doch sehr französisch. So viel gibt es zu erleben, so viele Animations. Gerade werden die herausragenden Organisatoren des Club Vosgien gewürdigt. Applaus von den Umstehenden. Außerdem möchte man wissen, wann das erste Türchen an dem riesigen Adventskalender geöffnet wird.

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Tausend und eine Nacht

Ein Vogesendörfchen, weit weg von der Fachwerkidylle der Elsässischen Weinstraße. Die Häuschen von eher rauem Charme, jetzt festlich geschmückt mit Eisbären, Tannengrün und Co. Kleine Kanäle ziehen sich durch den Ort. Im Wasser spiegeln sich die Lichtergirlanden. Romantisch. St. Nikolaus rudert in einer Barke. Kinder krabbeln in ein unscheinbares Holzhäuschen. Verzücktes Gekreische schallt heraus. Ich passe wohl nicht durch die Tür, sonst hätte ich selbst mal nachgeschaut…

Der Abteigarten hat sich in einen lauschigen Wichtelhag verwandelt. Wer immer schon etwas über isländische Wichtel wissen wollte, kann sich auf großen Schautafeln informieren. Schöne Idee. Und die erste Tanne stammt bekanntlich aus dem… Na? Richtig: Elsass.

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Da kommt also der Weihnachtsbaum her…

Die barocke Kirche mit den markanten Zwiebeltürmen – irgendwie russisch – erstrahlt in Blau, Lila und Weiß. Irgendwie orientalisch. Drinnen gibt ein Orchester fetzige Weihnachtslieder zum Besten. Die Besucher swingen und klatschen mit. Nachher wird man sich die wertvolle Krippe ansehen. Draußen auf dem Vorplatz wärmen sich die Wichtel auf, zupfen an ihren roten Röcken, richten die Ringelstrümpfe. Ein Chor mit Nikaulausmützen rockt gesittet. Die Bommeln, die auf einer Spirale sitzen, wippen fröhlich mit. Père Noël wandert würdevoll durch die Gassen, umringt von Kindern und Erwachsenen. Ein Foto bitte, guter Mann…

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Plus de lutins

Wir schlendern durch die Menge. Ja, Menge. Dieser Weihnachtsmarkt ist bekannt. Und doch gibt es kaum kommerzielle Stände, dafür Selbstgebasteltes, Gestricktes, Gemaltes, Gebackenes, Gedrechseltes von den Bewohnern Saint-Quirins. Sogar Wein kann man kosten. An den Crêpes- und Vin-Chaud-Ständen wartet man geduldig. Für eine Minute fällt der Strom aus. Als die Lichter wieder angehen, kommentieren wir mit einem bewundernden „Aaah!“ Wildfremde lächeln sich zu. Die Stimmung ist gelöst. Ein brauner Riesenhund mit Sorgenfalten auf der Stirn, zupft an meiner Hose. „Der macht nix. Der liebt alle Menschen. Den können Sie ruhig karessieren.“ Folgsam, wenn auch vorsichtig, streichle ich dem Hündchen über den samtigen Kopf. Lieb.

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Zum Anbeißen, aber schlecht für die Zähne

On a du temps. Kunstvolle Adventskränze, Gestecke mit Wichteln allüberall, Bredle. Lebkuchenmännlein lächeln breit. Wichtel treiben Schabernack. Von einem netten jungen Pärchen erstehen wir eine Winterlandschaft auf Birke: Vier Kerzen, ein Eisbär. Auf unserem Couchtisch wird sie uns den Advent erleuchten.

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Offene, freundliche Leute. Wichtel eben…

Die

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Unser Adventsstamm.

Leute sind stolz auf das Geleistete. Das macht diesen Weihnachtsmarkt so echt und einzigartig.Nicht zu viel HighTech, originelle Ausstellungen, offene Menschen. Klar, der Nikolaus samt Rentierschlitten, wie er über den Marktplatz saust: Ein Highlight!

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Le grand jour est la!

Und tatsächlich: Saint-Quirin ist heimelig, die Häuslein kuscheln sich aneinander, ein Heiliger wacht über den Weihnachtsmarkt, Sterne leuchten uns den Weg. Vorfreude. Kindheit. Weihnachten.St._Quirin_Kirche_marche_de_noel_2018_Eingang

Fakten: Saint-Quirin ist ein quirliges nordvogesisches Dorf gallo-romanischen Ursprungs am Fuße des Donons. Über das Jahr finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die auf die enorme Kreativität der Bewohner schließen lassen. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde das Örtchen 966 n. Chr. Entstanden um eine sog. Prieuré, ein Priorat, das der Abtei von Marmoutier unterstand, war es lange Zeit ein bedeutendes Pilgerzentrum. Zum erstenmal 1471 erwähnt, findet noch heute ein Mal im Jahr eine große Prozession statt, die Menschen mit Hautleiden heilen soll. Markant ist die barocke Kirche mit ihren beiden in den Nordvogesen untypischen Zwiebeltürmen und der Silbermann-Orgel. Daneben war Saint-Quirin bekannt für seine Glaskunst. Der Ort wurde ausgezeichnet mit„Les plus beaux villages de France“, ist klassifiziert als „Station verte“, und gehört zu den „Villes et villages fleuris“. Die zahlreichen „monuments historiques“ machen Saint-Quirin, umgeben von den blauen Bergen der Vogesen, absolut sehenswert. Auch Kulinarisch hat das Dörfchen einiges zu bieten: Vom preisgünstigen Familien- bis zum Gourmetrestaurant. Empfohlen seien die Auberge de la Forêt in Abreschviller und die Hostellerie du Prieuré im Zentrum.

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Saint-Quirin by night

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