Slàinte! Zigarrenhaus Berweiler in Wallerfangen

Zigarren sind in. Schon mein Vater war nie ohne anzutreffen. Und meine schwedische Tante schmauchte ihr Pfeifchen noch mit 104. Der Tabak darin war wohl nicht erlesen, eher Marke Tropenschatz oder gar ein selbst getrocknetes Kraut. Unvergessen sind auch die Sonntagnachmittage meiner Kindheit und Jugend. Nebst unumgänglichem Familientreffen. Nach dem Mittagessen zogen sich die Herren zurück. Ins Raucherzimmer. Die Frauen plauderten derweil im Esszimmer. Ich allerdings saß in unserem schmalen Flur. In einer Zwischenwelt. Hörte die entfernten Stimmen meiner Mutter und die meiner Tanten, schnupperte dort nach dem Zigarrenduft, der in blauen Schwaden – ja Schwaden –  aus dem Herrenzimmer waberte. Sonntags wurde eine mit Seidenpapier ausgeschlagene Holzkiste geöffnet. Sonntags gönnte man sich die guten Zigarren.

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Kunstvoll

Ich rauche nicht. Fast nicht. Nur am Wochenende. Ab und zu. Aber davon später.

Wollen mein Mann und ich uns eine genüssliche Auszeit nehmen, fahren wir nach Wallerfangen. Nicht etwa, weil Wallerfangen eine hübsche Gemeinde in der Nähe von Saarlouis ist, sondern weil Zigarren-, Pfeifen- und Wisky-LiebhaberInnen hier ein Kleinod mit Seltenheitswert finden: Das Zigarrenhaus Berweiler. Ein stilvoll gestalteter Laden samt Café, der die Sinne schwingen lässt. Der Geheimtipp gegen tröge, vielleicht verregnete Nachmittage. Eine Wohltat am Abend, um bei einem guten Wisky zu entspannen. Mit Freunden kann man sich sogar das Taxi teilen, denn es bedarf schon großer Disziplin, sollte man all den hochprozentigen Versuchungen widerstehen…

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Freundliches Willkommen

Seine Uhr trägt er, wie Dominique Berweiler gelassen erklärt, schon lange nicht mehr am Handgelenk. Er macht eben seinen Job. Voll und ganz. Mit Leib und Seele. Mit einer Menge Herzblut. Am Kunden orientiert. Auch bei den Öffnungszeiten. Dabei ist Herr Berweiler bereits ein alter Hase in seinem Metier: Am Saarbrücker Landwehrplatz führte er zwölf Jahre einen Tabakladen, bevor er sein Elternhaus übernahm, es aufwendig renovierte, um 2013 sein Zigarrenhaus darin zu eröffnen. Im vorderen Teil ein wenig Wiener Kaffeehaus samt Marmortischchen, im hinteren gemütliche Lounge mit Natursteinwand. Eine Komfortzone, in der man verweilen möchte. Ein wenig so, wie man es sich in den schottischen Highlands vorstellt. Ja,, doch. In blinkenden Glasvitrinen erlesenste Wiskysorten, Wunderbar beschrieben die Herkunft, die Eigenschaften, die Aromen. So kann man selbst eine Vorauswahl treffen, wird dennoch immer von der Vielfalt und Ausdruckskraft überrascht.

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Kompetent: Dominique Berweiler

Dann die Pfeifen aus edlen Hölzern. Farben, Strukturen, Formen – kleine Kunstwerke. Im wohltemperierten Humidor erwarten den Kenner erlesene, in Handarbeit hergestellte Zigarren. Freundlich, geduldig erklärt Herr Berweiler seinen Kunden/Kundinnen die Vorzüge dieser oder jener Zigarre. Auch das ist das Besondere an diesem Zigarrenhaus: Man fühlt sich ernstgenommen. Auch als Laie. Kein elitäres Geplapper sondern kompetente Beratung.

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Stilvoll

Möchte man die neu erworbenen Schätze gleich hier testen, so kann man dies in dem hübschen Garten tun, wo man bei schönem Wetter auch sitzen oder Boule spielen kann.

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Spezereien

Zum festen Repertoire gehören Wisky- und Rum-Tastings. Die sollte man jedoch lange im Voraus buchen, denn sie sind begehrt. Unter sachkundiger Anleitung durch den Chef erfährt man Wissenswertes rund ums Thema. Ich erinnere mich an „unsere“ Wisky-Verkostung mit lieben Freunden und einem dort erlernten Tasting-Tipp. Seitdem gibt mein Mann damit an: Haltet euch mal abwechselnd ein Nasenloch zu… Tatsächlich, unser Geruchssinn arbeitet auf beiden Seiten unterschiedlich intensiv. Wieder was gelernt. Leicht beschwipst stiegen wir damals in unseren Wagen und fuhren nach Hause. D.h. eine fuhr; das war ich, die ich neidisch nur an den Gläschen schnuppern durfte. Übrigens: Wem nach einem ausgiebigen Whisky-Tasting doch langsam flau im Magen wird, kann sich mit selbstgemachten Nudelgerichten und Pizza bzw. Flammkuchen stärken.Zigarrenhaus_Berweiler_Wallerfangen_Spirituosen

 

 

Oder man weckt die Sinne mit einer der Wiener Kaffespezialitäten von Julius Meinl. Das Schöne: Hier gönnt sich auch die Nachbarin mit ihren Freundinnen ihren Cappuccino, während an einem der Stehtischchen ein Bier ausgeschenkt wird. Irgendwie familiär.

Fluffige Croissants, delikate Obsttartes holt der Hausherr übrigens eigenhändig aus dem nahegelegenen Frankreich. Unbedingt probieren müsst ihr den weltbesten – von Herrn Berweiler selbstgebackenen – Käsekuchen. Glaubt mir: Das Rezept hättet ihr gern!

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Pfeifenschwarm

Zum Sortiment gehören ebenfalls feine Obstbrände, Weine, Champagner und exklusive Spezereien, die sich hervorragend als Mitbringsel eignen. Welche Events geplant sind, erfahrt ihr am besten auf der Webseite des Zigarrenhauses.

Freitags- oder Samstagsabends sitzen wir dann in unserem Wintergarten. Im Elektrokamin (Very british!) flackert ein munteres Feuerchen. Wir nippen an einem Glenmorangie aus den nördlichen Highlands, teilen uns eine Flor de copan. Schnuppern den Rauchfähnchen hinterher. Wochenende.

Unsere Lieblingszigarre: Flor de Selva aus Honduras, von einer Frau namens Maya Selva kreiert. Die Webseite des Zigarrenhauses beschreibt sie als eine Zigarre von ausgewogene(r) Reife, feine(r) Struktur, konstante(m) Aroma. Das mit dem konstanten Aroma, das testen wir doch gleich mal. In meinem Arbeitszimmer. Das erste zartblaue Rauchfähnchen wabert durch den Raum. Und da ist es wieder: Das ganz spezielle Berweiler-Feeling.

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Der Chef empfiehlt

Tut euch was Gutes

Eure Stina

 

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