Von der Leine, aber nicht von der Rolle: Jazz in der Kettenfabrik

Kettenfabrik St. Ingbert Jazz Konzert Event Saarland

Welche Konzerte finden wann in der St. Ingberter Kettenfabrik statt? Das Team des rührigen Jazzclubs ist mit Herzblut dabei, wenn es darum geht Jazzfans mit Events der Extraklasse zu erfreuen. Die sind in der alten Industrieanlage stets klein, aber fein. Und vor allem: Handverlesen. Ich verlinke euch einfach mal auf die Website der Kettenfabrik. Dort könnt ihr euch auch für den Newsletter anmelden, auf dass ihr kein Konzert mehr verpassen möget!

Das Logo der St. Ingberter Kettenfabrik. Mit freundlicher Genehmigung der Organisatoren.
Beitragsbild: Steffen C. Weber auf Pixabay

Turin: Emsig, laut, elegant, gelassen

Italien Turin Reise Tipp

Wo soll ich bei einer Stadt wie Turin anfangen? Sie ist riesengroß, dabei aber so umsichtig, ja, schachbrettartig geplant, dass ein Sich-Verlaufen im Prinzip ausgeschlossen ist. Und sie wimmelt von eleganten Menschen jedweden Alters. Einer teutonischen Ente gleich watschele ich auf breiten Korksohlen durch das pittoreske System aus Gassen, Boulevards, Piazze und Arkadengängen. Diametral entgegengesetzt zu jenen Damen, deren zierliche Sandaletten mit Riemchen, Blümchen, falschen Diamanten geschmückt sind und damit sommerliche Leichtigkeit vermitteln. Allesamt schweben diese jungen Damen schlank und braungebrannt, mit langen, rabenschwarzen, perfekt geplätteten Haaren, auf Stöckelschuhen oder zierlich flachen Ledersöhlchen durch Turin. Noch dazu hatte irgendjemand etwas von schlechtem Wetter erzählt. Die Sonne allerdings wusste davon nichts, briet mich in herbstlichem Strick bei 28°C. Hurrah, ich hatte kurze Jeans und ein langärmeliges T-Shirt dabei! Die waren eigentlich für Wanderungen im kontaktarmen Grün gedacht. Kurz und gut: Ich sah stämmig aus. Sollte ich, so stellte sich mir die bange Frage, auf leckeres Gelatti verzichten, mir die pistaziencremegefüllten Hörnchen, gar die Profiteroles mit gesüßter Sahne verkneifen, damit der Knopf meiner Jeans, sollte er schon nicht abspringen, wenigstens nicht von übermäßigem Bauchspeck eingeklemmt würde? Mein Mann, wie immer hilfreich und gut, meinte gar, meilenweit sei mein Erscheinen von dem hier angesagten italienischen Chic und Haute Couture entfernt. Danke! Sollte ich auch noch die Spaghetti weglassen? Den primi piatti keine secondi folgen lassen? Das könne ich vergessen, half mein Mann weiter, mein Knochenbau sei anders. Noch nie habe er so viele hübsche, junge Menschen an einem Platz gesehen. Doppeldanke!

Im weiteren habe ich nur ältere oder ebenfalls stämmige Menschen fotografiert. Nein. Spaaaß! Lustigerweise verleihen auch andere weibliche Reisende, die ich getroffen habe, ihren Erfahrungen mit dem Modebewusstsein norditalienischer Städte anschaulich Ausdruck. In wahlweise bewunderndem Raunen oder abfälligem Geschnaube. Allen Frauen, die sich auf Reisen zweckmäßig und bequem in Filzjacke und festes Schuhwerk kleiden, rufe ich hiermit zu: „Bleibt, wie ihr seid! Ihr seid nicht allein.“ Obwohl schon der Tausch meines knallblauen Schlabberpullis gegen ein trendiges, schwarzes Oberteil – innerhalb des persönlichen Bezugsrahmens, versteht sich – meine Stimmung eklatant hob.

Wenn frau sich nach ungefähr zwei Tagen mit der Übermacht allgegenwärtiger weiblicher Hyperanatomie abgefunden hat, wird ihr Augenmerk unweigerlich zu den ebenfalls im Überfluss vorhandenen architektonischen Schönheiten switchen. Großartig, venezianisch, maurisch, klassizistisch – Turin hat alles zu bieten. Es lohnt sich, den Blick von den üppigen Auslagen der Geschäfte in die Höhe schweifen zu lassen. Wunderbar ist es auch durch die vielen Bogengänge zu schlendern, die verschnörkelten Pfeiler, Gewölbekonstruktionen, die Böden aus feinstem Marmor zu bestaunen. Außerdem beherbergen die Arkaden unzählige Cafés, Bars und Trattorien mit all ihren Köstlichkeiten. Wenn ihr wissen wollt, warum noch immer so viel Plastikmüll unseren Planeten zerstört, findet ihr die Antwort auf den hiesigen Wochenmärkten, die grell, bunt und absolut bedenklich sind. Allerdings gibt es hier auch die schmackhaftesten Trauben, die süßesten Pfirsiche und, da es sich um eine Tuchregion handelt, auch wunderschöne Baumwollstoffe.

Die Parks: Überquert ihr vom Stadtzentrum aus die große Brücke über den Po, gelangt ihr rechterhand nach knapp einem Kilometer in einen großen Park namens Valentino. Er beherbergt nicht nur eine mittelalterliche Burg nebst ebensolchem Dorf sondern auch den Botanischen Garten, allesamt äußerst sehenswert. In den weitläufigen Grünanlagen könnt ihr die TurinerInnen bei ausgelassenem Tanzen in einer Freiluftdisco, versonnenem Yoga, beim Spielen mit ihren Kindern und/oder Hunden erleben. Vorsicht ist geboten bei den verlockenden Stufen zum Po hinunter. Eigentlich möchte man sich nur die Füße kühlen und vips! rutscht man auf dem grünsten, glitschigsten Algenbelag aus, den ihr euch vorstellen könnt. Bestenfalls landet ihr auf dem gleichnamigen Körperteil. Nur meinem überaus trainierten Körper (Hi!) ist es zu verdanken, dass mein Steißbein nun keinen Aufwärtsbogen beschreibt. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass oben erwähnte Gesundheitssandalen mit Korkfußbett wasserdicht sind und schnell trocknen. Habe sie dann auch beim späteren Plantschen im Meer einfach angelassen. Wegen der glatten Kieselsteine. Hatte was von Gewichten an den Füßen. Durchaus sportlich. Ragten meine beschuhten Füße aus dem Wasser, hätte man sie glatt für zwei Meeresschildkröten halten können. Parco Valentino also: Nehmt auf den zierlichen Eisenstühlchen Platz, kauft euch an einem der zahlreichen Kioske einen Espresso, schlendert unter den hohen Bäumen hindurch, knabbert an einem wirklich hervorragenden Eistütchen und fragt euch, warum die Turinenden in diesem Park so glücklich aussehen. Sie laufen sogar freiwillig durchs getrimmte Grün um mit langen Zangen Müll aufzupicken. Etwas im Pulk zu tun, ist hier übrigens in. Ein Renner ist der sogenannte Sausage Walk. Auf dem Schlossplatz hatten sich gegen 10 Uhr etwa 30 Teckel nebst Frauchen/Herrchen eingefunden, um gemeinsam einem unbekannten Ziel (Das sei ja das Besondere!) entgegenzustreben. Es würden, so versicherte man uns, noch deutlich mehr werden. Allein, ich war noch nicht bereit für dieses Wackeldackeln, denn ich hatte ja gerade erst mein „Zierliche-Riemchen-Trauma“ überwunden. Und so liefen wir schon mal vor. Kamen gerade rechtzeitig zu einem anderen turintypischen Event, dem Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einer Vespa. Gerade rappelten sich zwei junge Damen in Skinny-Jeans vom Asphalt hoch. Gott sei Dank unversehrt. Auf Ampeln achtet hier so gut wie keiner. Jeder rettet sich irgendwie über die Fahrbahn, hofft aufs´´ Überleben in einer wenig verkehrsberuhigten Metropole. Allerdings gewöhnt man sich auch daran, hoppelt alsbald mit den anderen über zuweilen unebene Pflastersteine, wendet wagemutig, um mit einem pinkfarbenen Tütchen das aufzuklauben, was Fiffi soeben als seine Interpretation des Sausage Walks abgeseilt hat. Gerüchteweise gibt es neben der Straßenbahn in Turin auch eine U-Bahn. Ähm, ehrlich gesagt, haben wir die Zugänge nicht gefunden…

Die Bogengänge: Wunderschön anzusehen, im Sommer schattenspendend, im Winter vor Zugluft schützend, prägen sie das Stadtbild der norditalienischen Stadt. Besonders interessant finde ich, dass es hier noch genuine kleine Geschäfte gibt. Buchhandlungen, Boutiquen, alteingesessene Schuhmacherwerkstätten à la Pinocchio. Pasticcerie locken die TurinerInnen auf die Straße. Man könnte sogar sagen: In Massen. Hunderte von Cafés bieten kleine, köstliche Gebäckstücke an, begleitet von einem Cappuccino, dessen schneeweißes Milchhäubchen seidig glänzt oder einem Espresso, der die Augen auf Untertassengröße erweitert. 10 Varianten von Aperol Spritz trinken, Tramezzini – Turiner Sandwiches –  verspeisen gehört hier zum Tagesgeschäft. Besonders gut schmeckt all das an einem Samstagabend, kurz vor Geschäftsschluss im Caffè Nuovo Nazionale, Via Accademia Albertina 1. Von hier aus kann man sie ungeniert betrachten: Den Herrn Im feschen, stahlblauen Anzug, die Dame im tief dekolletierten, körpernahen Cocktailkleid, falsche Wimpern bis zum Haaransatz, Gucci-Handtaschen, echte wie gefakte…

Einer angesagten, vorgelagerten Piazza, der Piazza Palatina, haben wir es zu verdanken, dass wir in unserem Appartement von einer ständigen Geräuschkulisse aus Stimmengewirr, Gläserklirren Geschirr-/Besteckklappern, knatternden Motoren umgeben sind. Noch nachts um zwei, drei. Dann wird es leiser. Bis jemand von den umliegenden Restaurants, Cafés, Gelatterien, Bars um Viertel vor Vier beschließt, Hunderte von Flaschen in einen Container zu entsorgen. Dreimal hintereinander. Und dann nochmal um fünf. Nach vier Tagen hat man sich daran gewöhnt, hebt nur noch lässig ein Augenlid um dann weiter zu schlummern. Woher, so frage ich mich, haben die Turinenden die Ausdauer für diese permanente Kommunikation und Konsumation diverser Getränke und Speisen, welche am Wochenende ihr absolutes Crescendo findet? Sicher denken Sie jetzt, das sei nicht schön geschweige denn erholsam? Doch, abstruserweise ist es das. Denn es ist so anders. So italienisch.

Es ist warm, es gibt viele Autos, viele Menschen. Irgendwie ist immer jemand am Reden. Es riecht nach Pizza, süßem Gebäck, Mandeln. Mancherorts auch nach etwas, was ebenfalls mit Pi anlautet. Schieben wir es auf die Hunde, die hier ebenfalls in Massen, an der Leine geführt werden. Zumeist kleine, denn die lassen sich beim Shopping schnell in der Chanel-Tasche verstauen. Turin scheint hundeverrückt zu sein. Nicht selten werden wir angehalten, weil jemand unsern kleinen Dackel Nuri „bellissimo“ findet, ihn gar ausgiebig herzt. Das tun hier sogar die schnieken Herren im Anzug. Sogar ein obercooler Designer in schwarzer Tuchhose und ebensolchem Rolli, auf der Nase die obligatorische Hornbrille, fand unser Dackelchen zum Niederknien. Ein klarer Fall von Triebsublimierung. Obwohl… solche Kneeling Ovations bekam ich nicht mal vor dreißig Jahren. Und zu trinken gibt es für die vierbeinigen amici auch überall. Unsere Wohnung erklimmen wir übrigens über gezählt 96 Stufen. Eine sportliche Angelegenheit. Die Katzenklappe in Richtung ewige Jagdgründe haben wir gleich mal verriegelt.

Von dem kleinen vorgelagerten Steinbalkon aus, gehalten durch rostige, filigrane Metallgeländer, geht es beachtlich in die Tiefe. Vorbeisegeln würde man an einem Haufen anderer baufälliger Balkone, durstiger Sukkulenten, nicht gurrender Taubenpärchen sowie zum Trocknen aufgehängter Unterwäsche. Da blicken wir doch lieber geradeaus auf die lichtgraue Kuppel des Turiner Doms mit dem weltberühmten Grabtuch, die weißen Sonnenschirme und das Kopfsteinpflaster der Piazza. In der Ferne grüßen die schneebedeckten Alpen. An die mit Eisenspangen verstärkte Tafeldecke aus Eiche, direkt über unserem Bett, mussten wir uns ebenfalls erst gewöhnen. Unsere Wohnung punktet dafür mit WiFi, einer Waschmaschine sowie einer dieser typischen Kaffeezbereiter, wo das Wasser durch ein Rohr nach oben drückt um durch das Kaffeepulver im Sieb wieder nach unten zu fließen. Was braucht man mehr?

Überhaupt: Die Via Porta Palatina, ein römisches Stadttor ist Namensgeber, ist der ideale Ausgangspunkt für die angesagten Viertel in und um die Altstadt. Hier gibt es kleine Gassen mit Restaurants aller Preisklassen. Oft besucht haben wir das Palatino Ristorante, wo ihr zu gutem Preis-Leistungsverhältnis von Calamari bis Panna Cotta viele traditionelle Gerichte bekommt. Viele Einheimische essen hier. Ein gutes Zeichen, sagt mein Mann. Der Salat ist lecker angemacht, die Portionen so angelegt, dass man satt wird. Während das Jungvolk vor der Inkneipe nebenan Schlange steht, um ein paar schüttere Nudeln aus einer hippen Bowl aufzupicken, rücke ich mein wohlgefülltes Bäuchlein zurecht. „Du bist genau dort, wo du gerade sein sollst.“ Lautet nicht so ein bekanntes Yoga-Mantra?

Wer Abwechslung zu italienischem Superfood möchte, findet im Daiichi Sushi-Schiffchen und excellente Thai-Gerichte. Shoppen könnt ihr überall. Natürlich gibt es auch die berühmt-berüchtigten Einkaufsstraßen wie die autofreie Via Garibaldi oder die Via Po. In der Via Roma gönnen sich die Betuchteren eine Kleinigkeit von Prada & Co. In den Nebenstraßen findet ihr dann die kleineren Läden. Die Straßen um den Corso Emanuelle II sind weitläufiger, bieten ebenfalls wunderschöne Arkadengänge mit vielen Restaurants und Geschäften. Ein Blick lohnt sich auch in die wunderschönen historischen Apotheken bzw. Drogerien, die sehr schöne Pflegeprodukte aus heimischen Wildpflanzen anbieten, z.T. sogar eigene Kosmetikserien kreieren. Nach ausgiebigem Shopping könnt ihr in den Giardini Reali, den königlichen Gärten, entspannen. Dort ist auch das Caffè Reale Torino, das Einheimische nach einem Besuch der ebenfalls dort befindlichen Museen gerne aufsuchen. Regnet es, sollte ihr die Galleria Subalpina mit historischem Caféhaus/Restaurant sowie einem interessanten Antiquariat besuchen. Unter einem Glasdach hört ihr dann dem prasselnden Regen zu. Ebenfalls einen Besuch wert ist die Galleria San Frederico. Sehen und gesehen werden heißt es rund um das berühmte Caffe Torino an der Piazza San Carlo. Gönnt euch eine der üppigen, herzhaften Aperitivo-Platten um den Abend gebührend einzuläuten.

Modisch: Dante und seine Beatrice

Filmenthusiasten sollten das interaktive Filmmuseum besuchen, das im Turm der sehenswerten Mole Antonelliana eingerichtet ist, Hobby-Archäologen das Ägyptische Museum, Autofans das riesige Automobilmuseum. Aber, weil das Wetter so schön war…

Turin ist die Hauptstadt der norditalienischen Region Piemont. Im Nordwesten erheben sich die Alpen, sodass man sich an klaren Tagen an einer wunderschönen Bergkulisse erfreuen kann. Mit ca. 871.000 Einwohnern ist Turin Italiens viertgrößte Stadt. Bekannt ist sie für ihre großartige Architektur, gutes Essen, Autos und Fußball und, wie wir jetzt wissen, haufenweise schöne Frauen.

Für einen Abstecher an die Küste müsst ihr ziemlich viel Fahrzeit einräumen. Über die Autobahn ca. 2 Stunden (Baustellen!), über die Landstraße vier. Das ganze mal zwei. In Ligure Finale gibt es einen Hundestrand, damit ihr mit Vierbeiner in einer pud(d)elwarmen Adria baden könnt. D.h. falls nicht zwei ponygroße dänische Doggen auf Frischfleisch warten, wie in unserem Falle. Liegen, Sonnenschirm nebst Wassernapf sind für ca. 19 Euro/1/2 Tag zu mieten. Die Küste ist recht steinig, gesäumt von Fisch- und Hamburgerrestaurants und Parkplätzen. Dennoch fand ich´ s pittoresk. All die rosa-, lachs- und ockerfarbenen Häuser mit ihren grünen Fensterläden und schnörkeligen Eisenbalkons. Besonders die verkehrsberuhigten Sträßchen hinter der Strandpromenade sind hübsch. Esst ein Profiterole, einen Mini-Windbeutel mit gesüßter Sahne, und genießt das Dolce Vita.

Blick in die Tiefe: Aus dem Fenster unseres Appartements

Wer ein bisschen Piemonteser Wein-Luft schmecken möchte, begibt sich Richtung Langhe. Den Weg dorthin, von Turin aus, fand ich oberhässlich. Flachland, Industriegebäude, Maisanbau, Tankstellen, Supermärkte. Um und in den kleinen Städten Alba, Asti sowie Allesandria ist es nett, aber nicht umwerfend. Hatte allerdings das Gefühl, dass wir womöglich diagonal an den Hotspots vorbeigefahren sind. Manchmal hat man eben nicht den richtigen Riecher.

Schön war der Abstecher in die Valli die Lanzo. Dort befindet sich auch der sehenswerte Parco la Mandria mit einheimischen Tieren und Pflanzen, wo Hunde allerdings nicht erlaubt sind. Da wir mit unserem Nuri wandern wollten, fuhren wir weiter nach Lanzo Torinese. Eineinhalb Stunden habe ich Blut und Wasser geschwitzt und den Weg zur Teufelsbrücke beschritten. Dann wurde es für mich zu klettrig. Trotz meiner Wanderschuhe hatte ich das Gefühl auf rutschigen Dino-Eiern zu wandeln. Das ging nicht jedem so, denn lächelnd kam uns ein Herr entgegen gejoggt. Bin ein Angsthase. Gebe es zu. Im Ort selbst, haben wir vor der Bar Pasticceria Al Torcet wieder mal ausgezeichnete Profiteroli gemampft um meine Seele zu glätten. Die freundlichen Besitzer, echte Spaßvögel, haben uns sogar über das Außenmegafon verabschiedet. So erfuhr das ganze Dorf, wer wir sind und was wir wurden. Also: Gutes Schuhwerk für das Wandernetz der Valli di Lanzo ist anzuraten, sonst gibt es Windbeutel mit Ansage!

Was bringt man mit? Das Piemont ist berühmt für seine kulinarischen Köstlichkeiten. Natürlich Wein, Kaffee, aber auch weiße Trüffel, Nougat und in buntes Papier verpackte Amaretti. Die sind sogar gluten- und weizenfrei. Außerdem Feingebäck mit Pistaziencreme und Haselnüssen. Dann gibt es die traditionellen Tuchwebereien, deren Produkte ihr in ausgewählten Läden kaufen könnt. Oder auf dem Markt wie wir bei Le.Stoffe.di.Dario. Ausgefallenen, erschwinglichen Schmuck findet ihr bei Vestopazzo. Die Designs aus recyceltem Alu sind besonders schön. Würde sie archaisch im besten Sinne nennen.

Auf dem Weg: Das Aosta-Tal, umgeben von schneebedeckten Berggipfeln ist wunderschön. Aber das ist eine andere Geschichte…

Besançon, die Stadt des blauen Steins und der zahlreichen Schornsteine, ist ein beschauliches Städtchen, in dem die Künste großgeschrieben werden. Einen Besuch unbedingt wert. Schon wegen ihrer freundlichen, offenen Bewohner. Das umgebende Département Doubs lockt mit herrlicher Natur.

Würden wir nochmal nach Turin fahren? Auf jeden Fall, denn es gibt noch so viel zu entdecken. Stelle mir die Stadt auch im Winter reizvoll vor. Einer Sache bin ich mir jedenfalls sicher: Weder weiß man, wo man bei Turin anfangen, noch, wo man aufhören soll. Fahrt mal hin! Einen schönen Herbst wünscht euch

Stina

Waldbaden um Guirbaden

Unseren 20. Hochzeitstag wollten wir mit einer kleinen Wanderung samt anschließendem Essen feiern. Denn hat man in den Vogesen erstmal einen Hügel erklommen, passt nichts besser als ein zünftiges Mahl. Wie ihr spätestens jetzt wisst, bin ich keine übermäßig ausdauernde Wandersfrau, sondern eher eine Flachlandtirolerin. Ich esse aber gern. Wie man ebenfalls sieht. Wenn ich eine Strecke heim- pardon – heraussuche, handelt es sich meist um eine von 2,5 bis 3 Stunden. Rundweg oder hin und zurück (Auf dem Rückweg sieht alles eh nochmal anders aus). Pausen exklusive. Spätestens nach 2,75 Stunden fange ich an zu nörgeln, weil mir scheint, dass meine großen Zehen auf Untertassengröße angeschwollen, meine Wanderschuhe gleichzeitig um mindestens 20 % geschrumpft sind. Oder ich ganz einfach genug Grün gesehen habe. Waldbaden ist ja super, aber in der Badewanne absolviere ich ja auch kein Hochleistungsprogramm. Sondern entspanne beim munteren Plantschen in Fichtennadelgrün. Wie auch hier liegt in der Kürze die Würze. Mit Staunen verfolge ich die stolzen Ausführungen jener, die sechs, sieben Stunden durch unwegsames Gelände traben und dabei ihren einzigen Proviant, einen Proteinriegel aus dem Jahre 2018, für den nächsten Tag aufsparen.

Ein Stina-Weg sollte demnach keine zu steilen Passagen beinhalten, da ich dazu neige den Abstieg auf dem Hosenboden zu absolvieren, weswegen ich schon in Po-polsternden Fahrradhosen gewandert bin. Fesche Wanderer, die durch mich erheitert, in jedem Falle aber ausgebremst werden, mutmaßen für gewöhnlich zweierlei: „Die Arme ist sicher mit ihrem Fahrrad gestürzt und zwar so, dass sie sich nur noch rutschend bewegen kann. Ihr Bike liegt derweil wohl am tiefsten Grund der Schlucht. In diesem Alter sollte man sich nicht überschätzen“ (Falsch!) oder „Was für eine Zimperliese!“ (Richtig!) „Was macht die erst am Donon?!“ Mein Pech also, dass ich Burgen liebe. Denn die muss man sich meist erkraxeln. Da lob ich mir doch das Château de Guirbaden, das auf der Mitte eines angenehm zu gehenden Wanderweges thront.

Château de Guirbaden. Ist zwar eine Burgruine, allerdings die größte im Elsass. Wer hätte das gedacht? 270 m lang, 70 m breit. Eine Höhenburg aus der Stauferzeit, 11. bis 13. Jahrhundert. Ein riesiges Monument, in liebevoller, ehrenamtlicher Arbeit von Freiwilligen aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Schon der beeindruckende Plan an der Burgmauer weist auf die Gewaltigkeit des Projekts hin. Hungerturm, Zitadelle, Wohnbereich, Kapelle, Donnerbalken. Alles da. Ehrfürchtig bestaunen wir die mächtigen Quader, die schon verbaut wurden, sowie jene, die noch einzusetzen sind. Eine Herkulesarbeit. Und da läuft auch schon eine fleißige Helferin mit grasgrünem Helm und Schubkarre hurtig den Berg hinan. Ich denke Muskeln, Ausdauer und ja, die feste Gewissheit, hier etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit zu tun, zu bewahren.

Wanderer räkeln sich träge im Sonnenschein. Umsummt von Bienen, Hummeln, umflattert von Schmetterlingen auf bunten Kräuterwiesen. Es duftet würzig. Die Aussicht: Grandios. Von einer Höhe von 565 Metern bestaunen wir die blauen Vogesen um den kleinen Ort Grendelbruch. Schauen schaudernd die steilen Hänge hinab. So, wie die Burg bereits seit über tausend Jahren auf das Vallée de la Bruche blickt. Auf Fototafeln wird das Vorher-Nachher des Projekts anschaulich erklärt. Auch die wechselvolle Geschichte der Burg, die mehrmals zerstört und wiederaufgebaut wurde.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie sogar von den Bewohnern selbst geschleift, weil die Schweden im Anmarsch waren. Ab und an lebt das Mittelalter in einem Burgfest farbenprächtig – vor allem auch unblutiger – auf. Dann werfen sich die Einheimischen in Schale, Ritterrüstung genannt, binden sich Schürzen um, setzen sich Kopftuch oder Helm auf, greifen zu Heugabeln und Schwertern um das umtriebige Treiben nachzustellen, das hier wohl einst herrschte. Natürlich weilte auch Friedrich Barbarossa hier. Wo tat er das eigentlich nicht?

Selbstverständlich gibt es auch eine Legende um einen Schatz und eine Odile, Nachfahrin der Templer, die einst mit ihm (mit dem Schatz, nicht mit Friedrich) begraben werden wollte. „Sie wollte nie heiraten und starb jung an einer Krankheit.“, erläutern die Bewahrer von Guirbaden. Das hat man also davon, wenn man unbedingt Junggesellin bleiben will. Niemand sollte erfahren, wo Grab und Schatz zu finden waren. Nun, jemand hat geplaudert. Das Verhängnis nahm seinen Lauf.

Chateau Guirbaden Grendelbruch Vallee de la Bruche Vosges Vogesen Wander
Freundliche, engagierte Helfende auf Guirbaden

Sehr viel Genaueres erfahrt ihr auf der Homepage der Burg. Auch über Feste, Führungen und die Möglichkeiten den Fortbestand der Burg durch eine Spende oder sogar Mitarbeit zu sichern. Also auf, ihr Hobby-Archäologenden, frisch ans Werk!

Die angrenzende Gemeinde Grendelbruch ist ein uriges, ruhiges Vogesendörfchen inklusive Wochenmarkt und plätschernden Brunnen. U.a. im Grenouille und Pot au feu soll man sehr gut essen können. Lasst euch am besten vor Ort inspirieren, denn im Umkreis gibt es viele interessante Restaurants. Ausprobiert haben wir das La Schlitte in La Broque,ein apartes Blockhaus am Rande des kleinen Ortes. Hier gelingt das Kunststück traditionell französisch-elsässische Küche mit Experimentierfreude zu paaren. Der norwegische Lachs war ein Gedicht. Das animal glacé für die kleinen Lutins sollte man allerdings nicht wörtlich nehmen. Übrigens war der Service ausgezeichnet. Etwas hochpreisiger geht es in der Auberge Metzger in Natzviller zu, wo ihr auch übernachten könnt. Vergesst aber nicht zu reservieren, denn die Auberge wurde vom Guide Michelin immerhin zum kulinarischen Highlight mit super Preis-Leistungsverhältnis gekürt.

Eine informative Erlebniskarte mit u.a. Fahrradrouten, Fermes Auberges, Themenwanderungen, traditionellen Handwerksbetrieben findet ihr hier. Die jedes Jahr neu erscheinende Broschüre Sentiers plaisir informiert über Wanderungen sowie Veranstaltungen im Vallée de la Bruche.

Guirbaden Chateau Burg Vosges Vogesen Wander Vallee de la Bruche

Der Wanderweg: Am Ortseingang Grendelbruch liegt linkerhand der Friedhof. Ihr aber fahrt rechts in das Quartier du Guirbaden. Rechts an einem Mast seht ihr schon das Wanderweg-Symbol: Ein liegendes Rechteck, rot-weiß-rot. Am Ende der Straße liegen linkerhand Parkplätze. Parkt das Auto und geht weiter geradeaus durch einen Schlagbaum hindurch, auf dem ebenfalls obiges Wanderweg-Symbol zu sehen ist.

Jetzt geht es für ca. 50 Minuten geradeaus (Der Weg ist super gut ausgeschildert). Dann macht der Weg eine Linkskurve. Dieser folgt ihr NICHT. Stattdessen geht ihr immer geradeaus. Haltet euch also rechts. Und da ist auch direkt wieder das Symbol. Der Weg wird jetzt schmaler, uriger, schlängelt sich aufwärts zur Burg. Nach deren Besichtigung geht ihr denselben Weg wieder zurück bis zum Ausgangspunkt. Wetten, dass ihr jetzt Hunger habt! Oder gehört ihr etwa zu jenen Unverdrossenen, die auf dem ebenfalls hier verlaufenden Chemin des Châteaux-Forts d´Alsace von Burg zu Burg wandern möchten? Sei´s drum, essen müsst ihr trotzdem.

Lasst´s euch gutgehn!

Stina Advent

Im Kirschenbaum

Gerade hat mich ein heftiger Sommerregen wieder ins Haus getrieben. Wie so häufig in diesem Jahr. Unser Vogesen-Garten ist so dicht und grün, wie schon lange nicht mehr. Ein richtiger Dschungel. Obwohl vieles zurückgeschnitten werden müsste, habe ich die Gartenschere erstmal ganz unten in die Schublade verbannt. Zumal unglaublich viele, piepsende Jungvögel unterwegs sind, die in Hecken, Bäumen, sogar auf Grashalmen auf die eine oder andere fette Raupe warten, welche die emsigen Eltern unermüdlich herbeischaffen. Da würde eine emsige Stina nur stören. Zeit, anderweitig ein wenig produktiv zu werden, dachte ich mir also. Lange schon wollte ich die beiden Bilder mit den im Kirschbaum lesenden Mädchen in meinen Blog stellen. Denn ich glaube, dass gerade diese beiden Mädchen, die realiter schon erwachsen sind, sich – trotz ihres stressigen Alltags – die Zeit zum Lesen nehmen sollten. Lesen ist schön. Kirschbäume sind ebenfalls schön. Eine Verbindung von beidem ist schier unübertrefflich. Jetzt sitzen sie also da. In ihren karierten Blusen, kurzen Hosen und roten Schühchen. Jedes auf seiner Seite. Vertieft in ein sicher spannendes Buch. Weltvergessen. Selbstbewusst. Geborgen. Denn immer noch ist da die Straße, wo sie mit ihren Eltern wohnen, die Häuser mit ihren heimelig erleuchteten Fenstern und den Geranien davor. Vielleicht steht das Abendessen schon auf dem Tisch. Vielleicht ist bald Schlafenszeit. Gleich wird jemand die beiden hereinrufen. Da heißt es die letzten Minuten in Freiheit zu nutzen. Ja, so könnte es gewesen sein. Mag sein, das Bild erinnert die beiden auch nur an die Stimmung. Damals, in den sommerwarmen Nächten. Auch gut.

In der Tat findet man erwachsene Leser nur noch höchst selten in den Kronen, oder wenigstens auf den unteren Ästen eines alten Baums. Versteckt vor der Außenwelt. In ihrem eigenen, kleinen Fantasie-Reich. Sei es aus Angst vor krabbelndem Getier oder einfach aus Bequemlichkeit: Auch ich sitze oder liege in den dafür vorgesehenen Möbelstücken. Außerdem bestünde die Gefahr, dass der ein oder andere Ast bricht.

Aber ich stelle mir zumindest vor, wie es war. Damals im Kirschbaum. Mit einem zerfledderten Donald-Duck-Heft oder den Fünf Freunden auf Abenteuerfahrt zur Felseninsel. Vielleicht fangen sogar gerade die unermesslich langen Sommerferien an. All das stelle ich mir vor. Auch wenn ich nur in einem Liegestuhl lümmele. Wenn mein Mann dann noch eine Zigarre raucht, ist das Glück vollkommen. Das hat mein Vater auch getan. Und irgendwie verbinde ich den Duft mit Ferien, Samstag, Freiheit, Lesen, Abenteuer. Wenn dann noch ein Nachbar irgendwo den Rasen mäht, der Duft des frisch geschnittenen Grases in meine Nase weht, bin ich wieder zwölf. Das war der wirklich gute Teil der Kindheit und Jugend. Der Teil, den man sich bewahren sollte.

Welch ein Glück! Von unserem Balkon aus sehe ich den Kirschbaum unserer Nachbarn. Ich liebe den Blick mitten ins üppige Grün. Ganz besonders, wenn Ende April die Blätter Gesellschaft von abertausenden Blüten bekommen. Praktisch über Nacht explodiert der schon betagte Baum in reinweißen Blüten, die von Bienen, Hummeln, und neuerdings, einer Art fliegendem Skorpion besucht werden. Habe recherchiert. War der schwarze Moderkäfer, und ich bin zum Glück auf mehr als 20 cm Abstand geblieben. Instinkt nenn ich das. Kirschbäume also. Als Kind bin ich ständig in einem herumgeklettert. Denn klaro hatten wir einen im Garten. Sogar mit süßen, weißen Kirschen. Eine Rarität. Jeden Tag backte meine Großmutter einen Hefeboden, den sie dick mit Kirschen belegte. Dazu gab´s jede Menge Sahne. Phantastisch! Kalorien wurden damals nicht gezählt, denn irgendwie waren wir als Kinder ständig in Bewegung. Spielten Federball, Völkerball (Keine Gnade mit Brillenträgern!), schaukelten, hüpften. Mit meiner damals besten Freundin baute ich ein Baumhaus, auf dem wir stundenlang spielten, quatschten, merkwürdige Pläne ausheckten, wie den für ein Gestüt Steine zu sammeln, da ich aus irgendeinem Grund dachte, Pferde würden gerne über Steine gehen. Die Schlepperei hätten wir uns sparen können, denn wir wurden von dem fuchsteufelswilden Besitzer des Platzes verwiesen. Doch zurück zum Kirschbaum. Selbst meine ältere Schwester schwang sich ab und an auf einen der ausladenden Äste. Bewaffnet mit Apfel und Schmöker. Und wollte unbedingt ohne kleine Schwester verweilen.

Ganz besonders gerne saß ich nach dem Abendessen noch ein Weilchen im Baum. Meine Mutter und Großmutter klapperten mit dem Geschirr, während ich zwischen ein paar späten Hummeln und frühen Nachtfaltern vor mich hinträumte. Die Luft war voll vom Duft des aufsteigenden Taus. Der Tag ging schlafen, atmete noch einmal tief durch. Später würde ich auf der Terrasse sitzen, auf der alten Hollywood-Schaukel, und mit den anderen Frauen der Familie ein paar Volkslieder trällern. Mmh, schön. Etwas, das ich vor dem Schlafengehen nur empfehlen kann.

Irgendwann hat er nicht mehr getragen. Unser Kirschbaum. Ganz hohl war sein Stamm geworden. Bei der leichtesten Berührung brachen zunächst bemooste Zweige, dann ganze Äste ab. Seine Zeit war wohl gekommen. Mein Vater, weniger Gärtner als ein Fan von Schneidewerkzeug aller Art, sägte ihn ab. Meine Mutter weinte. Die Großmutter zeterte. Eine Ära ging zu Ende.

Kind liest im Kirschbaum

Sozusagen als Ersatz wurde ein drahtiger Sauerkirschenbaum gepflanzt, der, nach Aussagen meines Vaters, eine gewisse Größe nicht übersteigen, geschweige denn ein Baumhaus verkraften würde. Wir nuckelten mit säuerlich verzogenen Gesichtern an seinen mickrigen Früchten, veranstalteten Kernspuckwettbewerbe und trauerten den süßen Kirschen des alten Weggefährten hinterher. Übriggeblieben von der ganzen Pracht waren Reihen von Eingemachtem. Mit der Zeit bekamen die eingekochten Kirschen eine unappetitlich bräunliche Patina, rückten im PVC-beklebten Regal (beige-braune Karos!) immer weiter nach hinten. Noch 20 Jahre später standen die hohen Gläser im Keller, bis wir sie schweren Herzens in den Garten kippten, wo sie wenigsten noch ein paar Amseln besoffen, vielleicht auch betroffen, machten.

Wenn ich heute in den Garten meiner Schwiegereltern schaue, ist da eine kleine, wie soll ich sagen, Kirschbaum-Ruine. Die Überreste des anlässlich der Geburt meines Mannes, vor deutlich über fünfzig Jahren, gepflanzten Kirschbaums. Einst ein Prachtstück, hatte ein Nachbar seine Wurzeln gekappt, weil die Äste auf sein Grundstück ragten, die im Herbst herabfallenden Blätter zudem „zu viel Dreck“ machten. Nachdem eine Stammhälfte derart masakriert worden war, trieb der arme Baum nur noch spärlich aus. Immerhin, seine bessere Hälfte durfte bleiben. Zuweilen denke ich, dass Kirschbäume es schwer haben in dieser Welt. Kaum scheinen sie für uns Menschen nicht mehr produktiv, werden sie entsorgt. Stefans Baum kenne ich noch in strahlendem Blütenschmuck, den er im April zu den drei aufeinanderfolgenden Geburtstagen der Kernfamilie meines Mannes stolz präsentierte. Jetzt klettern eine Rose nebst Hortensie an ihm in die Höhe. Es wimmelt von Insekten, Vögel bauen sich Nester in das grüne Gewirr. Während der bereits erwähnte Kirschbaum des Nachbarn gegenüber weiterhin unverdrossen und prachtvoll blüht, wir ihn vor allen Dingen von unserem Balkon aus sehen können. Aber der erste Kirschbaum bleibt doch immer etwas Besonderes. Noch heute denke ich manchmal an ihn. Unseren geliebten Kirschbaum.

Der Kirschenbaum
Heut hatt‘ ich einen Kindertraum.
Sein Inhalt war: ein Kirschenbaum,
Sonst nichts. Der war so kirschenschwer,
Man sah von seinem Grün nichts mehr.

Der rote Baum stand ganz allein
Und strahlte nur von Sonnenschein.
Die Kirschen waren wie aus Glas,
Was für ein heller Glanz war das!

Wie ich so in die Kirschen guck‘,
Aus jeder Kirsche, wie ein Spuk,
In kirschen-, kirschenrotem Licht
Lacht mir entgegen mein Gesicht.

Zehntausend Kirschen sicherlich,
Nicht übertrieben, zählte ich;
Nun stellt euch vor, zehntausendmal
Lacht‘ ich mich an im Sonnenstrahl!

Da ich schon lange aufgewacht,
Hab‘ ich noch vor mich hingelacht
Und lag und lag noch halb im Traum
Und lachte in den Kirschenbaum.

Gedicht von Hugo Salus (1866 – 1929) aus „Reigen“
1. Auflage 1900

Soll ich euch was verraten? Zumindest eins der beiden Mädchen trägt auch heute noch gerne karierte Blusen und kurze, blaue Hosen. Ist das nicht schön?

Vanille-Törtchen „Pasteis de nata“ aus Portugal. Wenn´s schnell gehen, aber lecker bleiben soll.

Pasteis de nata Portugal portugiesisch Rezept Backen

In Portugal werden sie in Mengen verzehrt. Bei uns zuhause auch. Sie sind aber auch oberlecker, dazu schnell hergestellt. Die einzige Hürde stellt das erfolgreiche Puddingkochen, also ohne Anbrennen, dar. Und etwas ist wirklich schade: Kurz nachdem sie fertig sind, sind sie auch schon wieder weg. Man kann sich eben einfach nicht zurückhalten. Und die Törtchen ebenfalls nicht. Mich erinnern sie jedes Mal an unsere Kurztrips nach Porto, wo wir die Blätterteigtörtchen mit Vanillecreme-Füllung zu einem galão, der portugiesischen Variante des Milchkaffees oder einem bica, einem Espresso, geschmaust haben. Über die Kalorien möchte ich hier gar nicht reden. Sonst hören wir mit dem Zählen nicht mehr auf. Erfunden wurden sie wohl schon im 17. Jahrhundert. Von Mönchen. In Lissabon. Ich mit meinen 1,5 Wörtern Portugiesisch dachte ja bei „nata“ an so etwas wie Geburt. Vielleicht ein Törtchen zu Ehren des Jesuskindes? Aber nee, „nata“ heißt einfach Sahne, Creme. Ganz pragmatisch also. Wie die Mönche, denn als das Kloster im 19. Jahrhundert geschlossen wurde, verkauften die heimatlosen, wenn auch nicht auf den Kopf gefallenen Brüder in Christo das Rezept an eine Zuckerraffinerie, welche die Törtchen fortan industriell herstellte. Seitdem sind die pasteis das Nationalgebäck Portugals. Weil sie so schmackhaft sind, finden sie aber auch bei uns immer mehr Fans. Also ran an den Herd, damit ihr noch das schöne Wetter genießen könnt. Auf dem Bild unten habe ich extra schon das weite Hängerchen angezogen, damit ich viele pasteis verputzen kann.

Ihr braucht:

Ein Muffinsblech mit 12 Mulden für – klar – 12 Törtchen, 1 normalen Kaffeebecher) und ca. 50 Minuten Zeit, denn die Puddingcreme muss schließlich nicht ganz auskühlen, bevor ihr sie in die Mulden füllt.


Zutaten:

1 Rolle Blätterteig aus dem Kühlregal

250 g Schlagsahne

200 ml Milch

Mark aus einer Vanilleschote

100 g Zucker

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1 Päckchen Puddingpulver „Vanille“ (zum Kochen)

2 Eigelb (Größe M)

50 ml Milch

etwas Zimt

50 g Zucker

Puderzucker zum Bestäuben

Etwas Margarine zum Einfetten der Muffinsform-Mulden

Zubereitung

  • In einer Schüssel 50 ml von der Milch, Puddingpulver, Eigelb, Zimt und die 50 g Zucker verrühren.
  • Schlagsahne, restliche 200 ml Milch, die restlichen 100 g Zucker und das Mark aus der Vanilleschote vorsichtig unter Rühren aufkochen.
  • Milch-Puddingpulver-Ei-Zimt-Zucker-Mischung unter Rühren zur kochenden Sahnemilch geben. Am besten hilft euch jemand beim Eingießen, während ihr weiterrührt. Noch einmal gut aufkochen. In eine Schüssel füllen, auf lauwarm abkühlen lassen. Dabei immer wieder umrühren.
  • Blätterteigplatte (normalerweise ist sie schon auf Backpapier, das ihr aber bei diesem Rezept nicht braucht) ausrollen. Teigplatte hat schon die richtige Größe. Mit dem Kaffeebecher 12 Kreise aus dem Teig ausstechen. Jeweils einen Kreis in die 12 Mulden der Muffinsform legen. An den Rändern etwas hochziehen, sodass die ganze Mulde ausgekleidet ist und leicht andrücken. Vanillecreme gut durchrühren, in die Mulden geben.
  • Törtchen im vorgeheizten Ofen bei 230 Grad auf der zweituntersten Schiene, Ober-/Unterhitze, ca. 23  Minuten backen, bis sie eine bräunliche Färbung (wie Crème brulée) annehmen. Aus dem Ofen nehmen, in der Form abkühlen lassen und vorsichtig herausheben.
  • Mit Puderzucker bestäuben und servieren!
Pasteis de nata Vanilletörtchen Portugal

Bom apetite wünscht euch Stina

Wandern für Hasenfüße: Das Ostertal im Sankt Wendeler Land

Ostertal Sankt Wendeler Land Osterbrücken Saarland Wanderung

Die Ostertalrunde zwischen Herchweiler und Marth: Rundherum wandert ihr 13,3 km, in zwei Hälften geteilt eine Strecke 7,2, die andere 6,1 km. Nach Adam Riese. Und wenn es nach mir ginge, der halbe Wegstrecken allemal lieber sind als solche, an deren Ende Wandernde mit hängender Zunge, kaltem Schweiß auf der Stirn und dem Vorsatz, niemals mehr auf Schusters Rappen zu tappen, ins Gras sinken. Zumal: Zu einer guten Wanderung gehört für uns auch ein hübsches Picknick. Eine Zäsur. Knapp über der Hälfte des Wegs angesiedelt, damit die Strecke danach nicht mehr so weit ist. Eine erholsame Verschnaufpause. Nicht zu lange, damit man hinterher nicht versucht ist, ein Taxi in den Wald zu beordern. So.

Schön, wenn der Anlass zu einer Wanderung ein Geburtstagskind ist. In diesem Fall mein Mann und schon ein recht altes. „Ostertal“ – Das klingt doch hervorragend. Nach blühenden Obstbäumen, Bienengesumsel, hoppelnden Hasen und – vor allem – Tal. Im Gegensatz zu Berg.

301 Höhenmeter. Das schaffen wir. Locker. Hochmotiviert parken wir unser Auto am Ortseingang von Osterbrücken, vor der E-Bike-Ladestation Brückenstraße. Eine große Übersichtstafel erklärt uns, wie wir gehen können. Ganz oder halb. Die Sonne steht schon nicht mehr im Zenit. Wir entscheiden uns für eine Hälfte links herum, folgen der quirligen Oster, die in voller Renaturierung begriffen ist, Richtung Seitzweiler. Schautafeln erklären uns Flora und Fauna auf diesem Fleckchen Erde. Helles, fast weißes Licht fällt durch zartes Knospengrün. Wir wandern entschlossen an dem sprudelnden Bächlein vorbei. Trollblumen leuchten, Vögel zwitschern. Frühlingsidylle. Leider verläuft linkerhand eine Landstraße, was allerdings durch den zauberhaften Weg, und die Tatsache, dass zwischen uns und der Straße üppige Gärten blühen, gar nicht so ins Gewicht fällt. Zumal die Strecke jetzt eine kleine Rechtsbiegung macht und den Blick auf sattgrüne Auen freigibt. Hinter unserem Rücken klingelt ein Fahrradfahrer über die Maßen. Folgsam treten wir zur Seite. Jeder auf seine. Der ältere Herr auf dem schnittigen Mountainbike moniert, dass er durch unser unüberlegtes Aufteilungsmanöver jetzt über die Grasnarbe in der Mitte des Weges fahren muss. Ungünstig. So ein Mountainbike, das über ein paar Büschel Grün fahren muss… Dachte eigentlich, dies sei eine seiner leichtesten Übungen. Aber bitte. Fröhlich winkend, da offenbar argen Stimmungsschwankungen ausgesetzt, radelt der Herr jetzt weiter. Wir lenken unsere Aufmerksamkeit auf ein paar Rehböcke am Waldesrand. Am Ortsrand von Seitzweiler biegen wir rechts über eine Brücke und betreten einen lichten Frühlingswald. Joj! Ganz schön viele Brennnesseln. Zwar noch niedlich klein, aber für unser geplantes Picknick kontraproduktiv. Auf einer kleinen Anhöhe schlagen wir endlich unser Lager auf dem weichen Laub des Vorjahres auf. Auch wenn erst ein Drittel des Wegs hinter uns liegt. Unsere Knapp-über-der Hälfte-Picknick-Maxime werfen wir lässig über Bord. Um uns herum Buschwindröschen. „Kann man die essen?“, fragt mein Mann. Ich merke, er hat Hunger. „Ja“, sage ich, setze dann aber freundlich hinzu: „Wenn dies dein letzter Geburtstag hier auf Erden sein soll.“ Gerade wollen wir unsere Decke ausbreiten, da ruft uns eine jäh auftauchende Reiterin, die ihr Pferd an der Leine spazieren führt, zu, wir sollen doch bitte nicht so mit der Decke wedeln, da sonst das Pferd scheue. Aber auch sie entschwindet fröhlich winkend. Wir warten auf die dritte wundersame Begegnung in diesem märchenhaften Tal der ängstlichen Mountainbiker und spazierenden Reiter. Doch es ruft nur verhalten „Kuckuck“ aus dem Wald. Verstohlen schauen wir uns um, wedeln noch einmal kurz, dann liegt die Decke.

Sturmumtoste Feenpfade

Eine selbstgemachte Spargel-Lachs-Quiche nach dem Rezept meiner Freundin Sabine, bunte Petits Fours vom Konditor und, unsere neuste Errungenschaft, alkoholfreier Sekt werden ausgepackt. Wir prosten uns zu, schmausen, genießen die Aussicht. Das Pferd- bzw. Reiteraufkommen hinter unserem Rücken ist recht hoch. Wir packen zusammen, bevor wir den Weg nur noch rollend bewältigen können. Des Rätsels Lösung (Pferde/Reiter) nach einem leichten Anstieg ist ein Reiterhof, wo eine Menge kleiner Mädchen mit Reiterbombe aufgeregt geduldige Pferde striegeln.

Es geht, immer noch bergan, durch das Örtchen Herchweiler, dann auf eine windige Anhöhe mit herrlichen Aussichten über das Sankt Wendeler Land. Der Weg verläuft eben. Vor uns drehen sich Windräder. Was passiert eigentlich, wenn so ein Flügel sich löst? Mein Mann meint, das sei gar nicht so selten. O.K., ich lege einen Zahn zu. Wer hätte gedacht, dass wir heute auch noch Nordsee-Flair abbekommen! Und einen Sonnenbrand auf dem Nasenrücken. Den kleinen Wege, die ab und an abzweigen, sollte man ruhig ein paar Meter folgen, bevor man wieder auf dem Hauptweg weitergeht, da man 1) zauberhafte Feenwege entdeckt, und 2) mit nochmals anderen Aussichten belohnt wird, und zwar jetzt auf Osterbrücken, Ausgangspunkt und Ziel der etwas 2 ½-stündigen Rundwanderung.

Ostertal Obstbaumwiesen Sankt Wendel Saarland Wanderung

Recht zügig, da wir jetzt Rückenwind haben, werden wir, indem wir uns von einer Weggabelung aus nach rechts wenden (und auch rechts halten!) Richtung Osterbrücken getrieben. Hier scheint die Zeit stehen geblieben. Der beschauliche wie überschaubare Ort hat die Ruhe weg, überrascht mit schön restaurierten Bauernhäusern, einem alten Schulhaus usw. Liebe Leute, wenn ihr hier seid: Ruht noch etwas auf einer Bank aus, beobachtet die Spatzen, die zwitschernd und gar todesmutig über die Dorfstraße schwirren. Ich für meinen Teil sitze da, schlürfe das letzte Schlückchen Sekt und wundere mich, dass es in diesem kleinen Saarland noch solch urige Ecken gibt. Fühle mich durchgepustet, müde aber glücklich. Denn die Wanderung hat gerade noch mal so zu ihrem Ende gefunden. Juchhe!

Der Weg ist gut mit dem Symbol für die Ostertal-Runde ausgeschildert. Wenn ihr nicht sicher seid, bleibt auf dem Hauptweg; ihr werdet bald ein Hinweis-Schild entdecken. Die Runde war abwechslungsreich, nicht zu anstrengend. Ein bisschen müde war ich schon vorher. Das geplante Geburtstagsmenü für das Geburtstagskind schaffe ich an diesem Abend zwar nicht mehr, stattdessen kocht mein Mann seine Spezial-Spaghetti. Aber den Tag drauf wird es das Kreolische Hähnchen mit Reis geben. (Rezepte folgen!)

Liebe Leute, in diesen Zeiten solltet ihr die Feste, auch wenn es nur im engsten Kreis ist, feiern. Oft sind die kleinen Events ja sowieso schöner, da ihr euch mehr umeinander kümmern könnt. Denke fast, so eine kleine Wanderung mit Picknick an Stefans Geburtstag könnte zur Tradition werden. Auch wenn ich noch daran arbeite, die wirklichen Tal-Wanderungen zu entdecken. Und damit meine ich keine Tal-Fahrten. Die kenne ich schon. Übrigens könnt ihr euch das Ostertal auch mit dem Fahrrad, auf gut markierten Fahrradrouten, erschließen.

Ostertaldackel

Und tatsächlich können Pferde, so erfahre ich von meinem Bruder, scheuen, wenn gedankenlose Picknicker mit der Decke wedeln. Schäm.

Einen schönen Frühling wünscht euch Stina

Fakefurter Kranz – Die etwas einfachere schwedische Variante des berühmten Frankfurter Kranzes

Aus der Rubrik: Ich möchte heute einen ganz besonderen Kuchen kredenzen, habe aber weder Zeit noch das nötige Können, um einen solchen herzustellen.

Also, Schwedens sind ja zuweilen etwas schludrig, wenn´s ans Tortenbacken geht. Die Kuchen sehen wirklich selbstgemacht aus, rechts und links quillt Sahne, Teigplatten lugen vorwitzig aus nachlässig verspachtelter Creme hervor. Moderne Fooddesignende wissen solche kleinen Makel ins rechte Licht zu rücken: Je uriger, desto schwedischer. Zumeist präsentieren sie Pfannkuchentorte & Co. auf einem wie zufällig hingeworfenen Geschirrtuch aus grob gewebtem Linnen. Daneben glänzt (nicht zu sehr) die Kuchenform (blauschwarz) mit ein paar rustikalen Krümeln dran. Damit man sieht: Aha, hier wurde gearbeitet, wenn nicht gar geackert. Die trendige Farbpalette der auf grobkörnigem Papier gedruckten Magazine tendiert tatsächlich ins Blauschwarze. Selbst die Erdbeeren haben einen Blaustich. Ich denke bei Blau günstigstenfalls an Blaubeeren, in puncto übrige Speisen jedoch eher an das Verfallsdatum… Anyway. Markiges soll assoziiert werden. Back to nature. Auf ´ner Scholle bäckt der Olle. Und so ist auch dieser cremige Kranz kein Biskuit-Traum mit feinziselierten Marzipanröschen. Auch wenn ich für die Füllung anstatt Blaubeermarmelade Himbeerkonfitüre genommen habe. Nein, es ist ein einfacher Rührteig mit einer ehrlichen Buttercreme und, in Ermanglung von Belegkirschen, gar keinen! Er schmeckt trotzdem sehr gut. Eine schnelle kräm-tårta mit Rührteig gehört in Schweden zur unabdingbaren haushaltstechnischen Illusionskunst. Der Schwede bringt sie von seinen Auslandseinsätzen mit, konfiguriert sie dann skandinavientauglich, indem er Überflüssiges weglässt, dabei auf Geschmack setzt. Mit einer Ausnahme: Bei der überaus beliebten Princesstårta, in ihrem grellgrünen Marzipankleid, versteht der Schwede/die Schwedin keinen Spaß. Da muss jedes Detail stimmen. Dagegen unser robuster, demokratischer Fake-Kranz, der jedem gelingt: Er zickt nicht rum, sinkt nicht ein, nur weil man heute eben nicht seinen besten TortenbäckerInnen-Tag hat. Und auch Zugluft bringt ihn nicht um. Er ist nur einen Tick kleiner als sein berühmtes Vorbild. Deshalb frisch ans Werk mit diesem vorgetäuschten Frankfurter Kranz, der schnell gemacht ist, dazu mit jedem Tag besser wird. Ihr braucht ja nicht gleich an einem Wer-backt-den-aufwendigsten Frankfurter-Kranz-Wettbewerb teilzunehmen. Ganz so, wie die Züchterin unseres alten Dackelchens, das mit einem Knickschwanz zur Welt gekommen war, davon abriet mit ihm beim Teckel-Championchip konkurrieren zu wollen. Geliebt haben wir unsere kleine Siri trotz zu kurz geratenen Schwänzchens ganz bannig. Und so wird es euch auch mit dem Fakefurter Kranz gehen. (Liebe kleine Siri!)

Ihr braucht: Eine Kranz- oder Guglhupfform (Ø 22 cm)

Zutaten Rührteig:

  • 100 g weiche Butter oder Margarine
  • 150 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • Ein Schuss Amaretto oder Himbeergeist oder ein Fake-Aroma
  • 1 Prise Salz
  • 3 Eier (Größe M)
  • 150 g Weizenmehl (Type 405)
  • 50 g feine Speisestärke
  • 2 gestrichene TL Backpulver

Zum Füllen und Verzieren:

  • 1 kleines Glas Himbeer- oder Erdbeergelee
  • 1 Tüte Haselnusskrokant oder Mandelblättchen

Etwas Margarine zum Einfetten der Form, etwas Mehl zum Bestäuben.

Zutaten Buttercreme:

  • 1 Päckchen Puddingpulver Vanille- oder Sahnegeschmack
  • 400 ml Milch
  • 2 EL Zucker
  • 250 g weiche Butter, Zimmertemperatur
  • 50 g Puderzucker
Frankfurter Kranz Oster#
Zur Stärkung erst mal eine (Kaffee-)Bohne

Und so geht´s:

Kuchenform fetten und mit Mehl ausstäuben. Backofen vorheizen: Ober-/Unterhitze etwa 180 °C / Heißluft etwa 160 °C.

Der Rührteig:

Butter/Margarine cremig rühren. Nach und nach Zucker, Vanillin-Zucker, Amaretto und Salz unterrühren, bis eine gebundene Masse entsteht. Eier nacheinander auf höchster Stufe zugeben. Mehl mit Speisestärke und Backpulver mischen, auf mittlerer Stufe kurz unterrühren. Den Teig in die vorbereitete Kuchenform füllen und glatt streichen. Im unteren Drittel des Backofens ca. 45 Minuten backen. Stäbchenprobe machen!

Kuchen nach Beendigung der Backzeit 10 Min. in der Form stehen lassen, dann vorsichtig auf einen Kuchenrost stürzen und vollständig erkalten lassen. Bei einer Silikonform geht das Aus-der-Form-lösen ganz einfach, bei anderen Formen müsst ihr vielleicht vorsichtig mit einem Kunststoff-Messer nachhelfen.

Und jetzt die Buttercreme:

Pudding nach Anweisung aus Puddingpulver, den 400 ml Milch und Zucker kochen. In eine Schüssel umfüllen und bei Zimmertemperatur erkalten lassen. Immer wieder umrühren, damit sich keine Haut bildet. Alternativ mit Klarsichtfolie abdecken. Am besten nehmt ihr nach dem Puddingkochen auch direkt die Butter aus dem Kühlschrank, denn:

Pudding und Butter müssen, bevor sie miteinander verrührt werden, dieselbe Temperatur, nämlich Zimmertemperatur, haben!

Zimmerwarme Butter und Puderzucker mit dem Mixer hell cremig rühren. Zimmerwarmen Pudding esslöffelweise unterrühren und weiter zu einer glatten Creme schlagen.

Füllen und Verzieren:

Den Kuchen 2 x waagerecht durchschneiden. Die zwei unteren Böden erst mit dem Gelee, dann mit der Hälfte der Buttercreme bestreichen. Obersten Boden oben drauf setzen. Den Kuchen mit der restlichen Creme umhüllen. Mit Krokant/Mandelblättchen verzieren.

Soll die Creme etwas fester werden, stellt sie kalt. Allerdings wird sie dann auch schnell steif und lässt sich nicht mehr so gut verarbeiten. Wenn ihr gerne mit der Spritztülle arbeitet, nur zu. Ich lasse das mal besser, denn sonst ist nachher mehr Creme auf meiner Schürze als auf der Torte.

Das Meisterwerk am besten über Nacht durchziehen lassen und servieren.

Ach, übrigens: Anstatt Belegkirschen habe ich einfach ein paar Kleckse Gelee auf die Torte gegeben. Wer hat schon Belegkirchen zuhause?

Frohe Ostern wünscht Euch Eure Stina!

Noch ´ne Tasse? Wie ich mein Faible für skandinavisches Design auf Porzellan verewigte.

Design nordisch

Tassen sind etwas, das wir täglich benutzen. Und sicher sind wir uns einig, dass eine schwarze Tasse mit messerfletschendem Totenkopf drauf weniger gute Laune verbreitet als eine mit einem lustigen Wichtel bei der Gartenarbeit. Nicht zuletzt, weil letztere mein Spezialgebiet sind. Die Wichtel und die Gartenarbeit. Doch auch die Totenkopftasse erfüllt situationsbedingt sicher ihren Zweck: Bei Streitigkeiten mit z.B. fiesen Nachbarn entspricht sie wohl eher der Seelenlage der Protagonisten. Könnte ich mir vorstellen. Aber auch da würde ich den Wichtel empfehlen. Denn dazu sind sie ja da: Um gute Laune zu schenken, fünfe mal gerade sein zu lassen. Peace! Außerdem male ich keine Messer. Aus Prinzip nicht.

Ich gebe zu, mein liebstes Malmotiv sind Wichtel. Stelle mir vor, wie sie da in ihrer kleinen Parallel-Welt und doch mitten unter uns leben. Socken verstecken, Fingerhüte stibitzen (macht sich gut als Sektkühler im Wichtel-Wandregal), Indianergeld mopsen, gemütlich Mini-Muffins verzehren und dabei über ihren neusten Coup lachen. Da ich derzeit jedoch viel mit nordischem Design zu tun habe, ließ ich mich zur Abwechslung von der Fülle skandinavischer Design-Ikonen inspirieren. Nicht, dass ich eine begnadete Künstlerin wäre. Ich male einfach gern. Schon meine Mutter wusste mich stundenlang zu beschäftigen, indem sie mir nach der Schule zeitnah meine Malstifte und eine Tafel Schokolade reichte. Wenigstens die Schokolade zeigte dabei umfangreiche Erfolge. So fällt der Dank an meine Mutter etwas zwiespältig aus.

Das Aquarell zur Tasse, unterstützt von Filzschreibern

Eine meiner größten und gleichzeitig einsamsten Leistungen war es wohl, meinen Setzkasten mit all meinen gesammelten Figürchen, Fläschchen usw. abzuzeichnen. Und natürlich Ungalulla, eine Stadt, die ständig wuchs, an der man jedwedes Stadium kindlicher Malentwicklung ablesen konnte. Damals war ich mächtig stolz auf meine Zeichnungen, fertigte ich doch über einen Zeitraum von vier Jahren jeden Tag ein neues Bild an. Wo ich damals die Hartnäckigkeit hernahm, weiß ich nicht mehr. Denn als Jugendliche hatte ich, im Zuge meiner weiterführenden deutschen Schullaufbahn, eine Vier bis Fünf in Kunst. Im Klartext: Ausreichend bis Mangelhaft. Trotzdem nahm ich unverdrossen an einem regionalen Malwettbewerb teil. Mit dem Ergebnis, dass man mir mitteilte, das nächste Mal solle ich das Bild aber selber malen, nicht meinen großen Bruder machen lassen. Ich legte also eine kreative Pause von mehreren Jahren ein. 

Duck & Duckling werden´s wohl gerade noch so ins Taxi schaffen!

Als Jugendliche, mit vierzehn, fünfzehn, malte ich heimlich weiter. Gar grässliche Drachen zum Beispiel, die meine Freunde mit verwunderter Abscheu betrachteten. Wagte mich damit sogar an die Jugendzimmer-Wand meiner besten Freundin und erhielt prompt Hausverbot von ihren Eltern. Später dann: Mein Mann und ich als Elfenpaar, die Flügel so zart, dass wir, von nicht eben filigraner Statur, im Auenland wohl auf ewig als Bodenpersonal Dienst tun müssten. Die Freunde wussten zu dieser meiner neusten Kreation nichts zu sagen. Schweigen kann echt eklig sein.

Stilleben mit Almedahls Sill-Motiv, Bengt & Lottas Rentier, Normann Copenhagens Blocktable, dem Architectmade-Vogel sowie den Flowerpot-Leuchten von &Tradition… und Gitte

Aber: Ich malte weiter. Trotz des Schweigens guter und weniger guter FreundInnen. Möchte hiermit allen Opfern niederträchtiger Kunstlehrerinnen in aus alten Perserteppichen gefertigten Schlabberröcken zurufen: Macht weiter! Malen ist eine wirklich tolle Sache. Egal, ob es sonst noch jemandem gefällt. Das ist ein bisschen so wie mit dem Singen. Vielleicht habt ihr, die ihr so gerne in den blauen Himmel trällert, schon mal gehört: „Oh, nee, hör auf! Du kannst nicht singen!“ Leute, solche Statements stören keinen großen Geist! Singt weiter! Habt ihr außerdem schon einmal daran gedacht, dass nur noch nicht die richtige Musik für eure Stimme erfunden wurde? Ihr diesbezüglich vielleicht einfach nicht im richtigen Erdteil geboren wurdet?

Nichts also, was sich nicht mit einem bisschen guten Willen oder einer gezielten Auswanderung regeln ließe. Zurück zu meinen Tassen-Überlegungen. Wollte also Aquarelle zum Thema malen, welche – nach bildtechnischer Bearbeitung durch meinen Mann – auf Tassen gedruckt werden sollten. Alle auf 12 x 12 cm, Aquarellpapier. Und hier sind sie:

Motiv Nummer 1: Wer, so sinnierte ich, kauft die Teakholz-Enten des dänischen Designers Hans Bølling zu einem Preis, der Raum für üppigste Erklärungen lässt? Ich weiß: Die Idee, das Holz, die Herstellung… Kreativität will bezahlt sein. Was könnte ich also auf die Tasse malen? Stellte mir eine wendige Dame prämittleren Alters vor. Mit hochwertigen Einkaufstüten aus (umweltfreundlichem) Papier. Mit Schmetterlings-Sonnenbrille, auf hohen Pumps einem quietschgelben Taxi entgegeneilend, da sie um 17.00 zu einer Erdbeer-Margerita mit ihrer besten Freundin verabredet ist. Gesagt, getan, verbog ich meine Gliederpuppe in die richtige Position, aquarellierte drauflos. Wer keine Gliederpuppe hat, findet im Internet Abbildungen mit der entsprechenden Pose. Nach dem Motto: Gliederpuppe nach einem Taxi winkend. Früher habe ich mich vor dem Spiegel selbst verknotet, um ein Modell menschlichster Anatomie direkt vor Augen zu haben. Aber mit zunehmendem Alter…

Finger und Hände sind beim Malen eine heikle Sache. Nach dem zehnten Versuch (Hatte mit meinem Radiergummi schon beinahe das Papier aufgerubbelt) bekam das Shopping-Girl elegante Handschuhe. Den etwas zu markigen Schönheitsfleck würde mein Mann hoffentlich nach dem Einscannen wegretuschieren können, sonst würde sie aussehen wie Mr. Beans kleine Schwester. Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Die niedliche Entencombo Duck and Duckling, die 1959 einen Verkehrsstau in Kopenhagen verursacht hatte und damit zum Design-Klassiker aufgestiegen war, sollte ebenfalls mit aufs Bild. Ich malte sie ein wenig schlampig von einem Foto ab, da ich die hochpreisigen Vögel leider nicht mein eigen nenne. Gleichzeitig trieb mich die Sorge um, ob die Entchen es ebenfalls ins Taxi schaffen bzw. in ihrem neuen Zuhause, bei einer so auf ihr Äußeres bedachten Dame, gut haben würden. Ihr seht also: Sind die Figuren erst auf dem Papier, beginnen sie flugs ihr problembeladenes Eigenleben. Den passenden Rahmen geben diesem Bild übrigens blühende Marimekko-Bäume, denn damals war Frühling. Man sollte ihn förmlich riechen können. Das Taxi ist gelb. Nebulös erinnere ich mich an Filme aus den Sechzigern, die in New York spielen, mondän, großstädtisch, wo eben solche Taxis fahren. Irre ich mich bezüglich der Farbe? Künstlerische Freiheit! Juhu!

In der Nacht schlief ich schlecht. Hatte Einschlaf-Yoga mit einem Haufen Dehnübungen praktiziert und war jetzt putzmunter. Meine Arme und Beine fühlten sich überlang an. Musste an den berühmten Holzaffen des Dänen Kay Bojesen denken. Dieses extravagant teure Tierchen widerlegt den Grundsatz von „Design ist Kunst, die sich nützlich macht.“ Außer, man zählt dekoratives Staubfangen zu den haushaltstechnischen Erleichterungen. Fand, dass so ein Design-Affe gut in eine Yoga-Session passen würde. In die Entspannungsphase. Shavasana – meine Lieblingsübung. Gleich am nächsten Morgen wollte ich eine liegende Yogini zeichnen. Ich sage es gleich: Es wurde eine Sitzende aus ihr, da die liegende Version eindeutig an einer Überdosis Yoga dahingeschieden zu sein schien. Ich verknotete erneut die Gliederpuppe. Om! Ins minimalistische StringPocket-Regal – Nichts soll uns ablenken! Om. Om. – setzte ich die knallig bunten Singvögel Ruth und Kay, ebenfalls von Herrn Bojesen. Ich malte die Regalbretter rot aus. Oh, Rausch des Schaffens! Seligkeit der Farben! Alles wurde rot, rot, rot. Yoga mit einem Hauch China-Restaurant. Gut, ich konzentrierte mich auf den Faltenwurf des Feinripp-Hemdchens der Yogini. Bettete sie auf ein rotes Marimekko-Kissen. Neben ihr ein meditativ versunkener Design-Affe. Ganz entspannt. Als sozusagen gefährliches Element rankt sich eine fleischfarbene Taika-Ranke des finnischen Labels Iittala nach oben. Denn jedes Paradies wird bedroht. Yoh! Rosa, Hellblau, Rot, Schwarz und Weiß – meine Lieblingskombi. Ich bin damit ganz allein auf der Welt. Mein Mann sagt, das Yoga-Bild sei „halt mal was anderes.“ Ein anderes Wort für: „Echt jetzt?“

Love and peace!

Nummer 3. Mein absoluter Favorit: Die Frau mit dem Bratenwender. Ist mir einfach so entsprungen. Musste nicht mal meine Gliederpuppe verbiegen und verwursteln. Erinnert ein wenig an Gitte Hænning. Den Älteren unter uns ist die dänische Sängerin noch mit ihrem Cowboy als Mann oder dem knallroten Gummiboot (rot, rot, rot!) in guter Erinnerung. Übrigens ist sie eine toughe, quirlige Frau und internationale Jazzgröße. Vielleicht hatte sie auch mal was mit Rex Gildo… Da steht sie also jetzt. Die Dänin. Frisch und frei. Mit den Sill-Geschirrhandtüchern und ein paar Picknick-Dillstengeln der schwedischen Textilmanufaktur Almedahls, die an einem Haken von Bengt & Lotta hängen. Über Gitte leuchten die feschen Flowerpot-Leuchten von &Tradition. Unten steht der Blocktable von Normann Copenhagen. Um den kleinen Vogel des Dänen Kristian Vedel wird sie sich später kümmern… Keine Angst, er wird nicht im Kochtopf landen. Er ist aus Hooolz! Ich denke mir, sie wird ihn auf dem Schoß sitzen haben, ab und zu über sein glattes Köpfchen streicheln, während sie ihre Gemüsesuppe löffelt. Bevor sie in ihrer Werkstatt letzte Hand an den Nachbau eines Drachenschiffes aus dem späten 10. Jahrhundert n. Chr. legt.

Mich erinnern die frohen Farben des Aquarells an einen Ausflug in den Freizeitpark Rust. Während dieses denkwürdigen Aufenthalts wurde mein Mann bei einer Tour im rotierenden Wikingerboot (als einziger!) völlig durchnässt, überlebte mit knapper Not eine mordsmäßige Fahrt mit der High-Tech-Achterbahn. All das, nachdem wir ein lecker Fischbrötchen an einem nachgebauten norwegischen Kai genossen hatten. Eine unschlagbare halbe Stunde lang waren wir tatsächlich der Illusion verfallen, an einem norwegischen Fjord zu sitzen, hatten uns die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und den Möwen (ja, wirklich!) gelauscht. Und eben lecker Fischbrötchen gegessen. Was lernen wir daraus? Manchmal soll man einfach sitzen bleiben, wo man sitzt. Anstatt dem Grauen geradezu frenetisch entgegenzueilen.

So passt´s sogar auf einen Kühlschrank-Magneten. Nach der Bildbearbeitung durch meinen lieben Mann.

So. Mein Mann hat die Aquarelle eingescannt und fachmännisch bearbeitet. Damit sie ein bisschen praller, klarer wirken. Die Motive wurden auch schon auf die Tassen gedruckt. Wie sich fast alles, was ich produziere, früher oder später auf Tassen wiederfindet. Ich mag es eben, wenn Alltagsgegenstände Geschichten erzählen. Ist wie ein stimmungsvolles Tagebuch. Und ich verspreche auch, dass ich es bei den bereits verschenkten Tassen belasse. Ich weiß doch, wie das ist, wenn man eine Tasse geschenkt bekommt… Die nächste Tombola kommt bestimmt. Ausgenommen Gitte Hænning. Ich meine, der könnte ich doch noch eine schicken…

Meine Lieben, malt und singt

Auch wenn es dann

Auf lange Sicht

Nur euch was bringt!

Yeah!

Dieser Artikel erfolgte unaufgefordert und unbezahlt. Und wenn da jetzt river auf den Tüten steht, dann könnt ihr damit tun, was ihr wollt.

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Leckere Ferrero-Rocher-Torte für Nicht-Fans

Yeah! Ich geb mir die Kugel!

Vom smarten Umgang mit einer Horde Krokantkugeln

Sieht spacig aus, ist aber ein ziemlicher Umwelthammer.

Ehrlich? Ich mag Ferrero-Rocher-Kugeln nicht besonders. Ferrero Küsschen, ja. Dennoch bekomme ich die Krokantvariante mit schönster Regelmäßigkeit geschenkt. Die Kugel. Mit den Nüssen. Mit der involvierten Waffel. Mit dem Nougat. Bislang war Weiterverschenken eine Option, denn es gibt echte Fans. Normalerweise stapeln die Schokokugeln sich fein säuberlich in einem durchsichtigen Plastikkästchen. Aber diese Weihnachten, diese Weihnachten bekam ich eine riesige Kunststoff-Pyramide, in der sich Kugeln in rauen Mengen türmten. Gleich einer Lotteriespirale mit lauter Nieten. Zumindest für mich. Vielleicht mutmaßt ihr, dass die edlen Spendenden allesamt einen Groll gegen mich hegen. Aber nein, weit gefehlt! Aus unerfindlichen Gründen glaubt man/frau, ich sei der größte Krokant-Kugel-Fan überhaupt. Das kommt davon, wenn man seinen Standpunkt nicht deutlich macht, weil man den Schenkenden nicht verprellen möchte. Kann ja schlecht sagen, dass mir die Küsschen lieber wären. Da war also es also, das Ding aus einem anderen Schokoladen-Universum. Ein Spitzbunker aus Plastik, jede einzelne Praline in wehrhafte Goldfolie verpackt, in braunen Papierförmchen meiner Lust auf Süßes harrend. Auf jeder klebte noch ein kleines Etikett mit dem allseits bekannten Logo. Macht also gefühlte zweihundert Schildchen. Sie starrten mich an. Die tausend Augen des Dr. Marbuse waren ein Klacks dagegen. Mein persönlicher umwelttechnischer Weihnachts-Ober-Gau. Also weiterverschenken…

Dann wurde es doch noch lecker.

Sah mich schon mit der Spirale des Todes einem meiner umweltbewussten Freunde aufwarten. „Also nein, Stina, das hätten wir nicht von dir gedacht!“ Achtung Vortrag! Und dann wären die Ungeliebten womöglich im Müll gelandet. Oder auf eine Rundreise durch Deutschland geschickt worden, damit sie am Ende wieder bei mir gelandet wären. Nach Ablauf des Verfallsdatums. Dann fielen mir die gesunden Äpfel ein. Esse sie natura nicht gerne. Als Kuchen aber – Mmh!

Ich recherchierte, wie ich die verflixten Teile in etwas Essbares verwandeln könnte. Leute, wollte nicht noch ein vierwöchiges Konditoren-Praktikum absolvieren müssen, um die Kugeln zu verbasteln! Auf einen Sahne- oder Zuckerschock kann ich ebenfalls verzichten. So hab ich mir dann was Eigenes ausgedacht. Mein Dank hier an alle, die mich mit ihren Rezepten inspiriert haben. Nicht zu kompliziert sollte die Torte in der Herstellung sein. Außerdem wollte ich meine Aggressionen gegenüber den Krokantmonstern (besonders den waffligen Anteilen) ausleben. Zwei Fliegen mit einer Klappe also.

Nachdem ich etwa 20 Minuten versucht hatte, den Einstieg in die Pyramide zu finden, zerfetzte ich mit roher Gewalt den bis dato unsichtbaren Klebstreifen am unteren Ende des Bauwerks. Dann musste erst mal der Gelbe Sack her, um der Kunststoffmassen Frau zu werden. Die 24 NASA-Kugeln waren da noch nicht mal ausgepackt. Also wieder Müll. Warum macht man sowas? Warum kauft man sowas? Warum bekommt man sowas geschenkt?

So, erhalte ich jetzt eine Packung, mache ich einfach eine Torte draus. Sie ist echt delikat, hält sich lange (hätte mich auch gewundert, wenn nicht, ha!), wird sogar immer besser. Hier also mein Rezept für eine leckere Ferrero-Rocher-Torte. Einfach, aber man braucht Zeit, Geduld und Mut. Denn wissen wir, was in so einer Kugel eigentlich drin ist?

Ihr braucht:

Eine Springform Durchmesser 26 cm

Backpapier für den Boden der Form

Für den Teig:

150 g Margarine, zimmerwarm

150 g Zucker

4 Eier

1 TL Backpulver

200 g Haselnusskerne, gemahlen

1 TL Zimt

1 Prise Salz

Zum Bestreichen des Bodens:

2 EL Mirabellenmarmelade

Für die Füllung:

22-24  Ferrero-Rocher-Kugeln

400 g Sahne

Je 1 TL Speisestärke u. Puderzucker miteinander vermischen und wie Sahnesteif verwenden.

1 Päckchen Vanillezucker

Zum Verzieren:

30 g Haselnusskerne oder Mandeln, gehackt

40 g Bitterschokolade

Zubereitung:

  1. Backofen aufE-Herd 175° / Umluft 150° vorheizen.
  1. Weiche Margarine und Zucker schaumig rühren.
  2. Eier unterrühren
  3. Backpulver mit den gemahlenen Haselnüssen vermischen und unterrühren.
  4. Den Boden der Springform mit Backpapier auslegen und den Teig darin verstreichen.
  5. Im vorgeheizten Backofen 25 – 30 min. backen. Vollständig auskühlen lassen.
  6. Springformrand vorsichtig vom Kuchen lösen. Falls nötig, vorher mit einem Plastikmesser leicht vom Rand lösen. Boden auf eine Kuchenplatte stürzen. Backpapier abziehen.
  1. Einen Tortenring oder den Springformrand wieder um den Boden legen. Boden mit Mirabellenmarmelade dünn bestreichen.
  2. Ferrero-Rocher-Kugeln in einer Schüssel fein zerdrücken.
  3. 400 g Sahne steif schlagen, dabei Speisestärke-Puderzuckergemisch und Vanillezucker einrieseln lassen.
  4. Die Ferrero-Rocher-Brösel unter die Sahne heben. Auf dem Boden verteilen und glatt streichen.
  5. Etwa 1 Stunde kühl stellen.
  6. Gehackte Nüsse in einer Pfanne goldbraun rösten.
  7.  Bitterschokolade in Stücke brechen. Im Wasserbad unter Rühren schmelzen.
  8. Geröstete Nüsse am Rand entlang auf die Torte streuen. Geschmolzene Schokolade von weit oben kreuz und quer auf die Torte gießen, sodass ein Netzmuster entsteht. Ihr könnt aber auch Spiralen gießen, Blümchen usw. Das geht am besten mit einem Pfännchen mit Ausguss oder einem Milchkännchen.
  9. Falls noch Rocher-Kugeln übrig sind: Mit einem Messer halbieren und auf die Torte setzen. Mindestens 2 Stunden kühl stellen.

Die Torte hebt sich bei guter Kühlung bis zu 4 Tage auf. Schmeckt am 2. Tag noch besser, wenn sie so richtig gut durchgezogen ist.

Guten Appetit!

Stina Advent

La Houba – Der Cocktail, der aus den Vogesen kam

La Hoube Cocktail La Houba

Ich geb es zu: Ich bin eine alte Cocktail-Schlürferin. Zu hohen Fest- und Feiertagen genehmige ich mir ein Mixgetränk. Mit oder ohne Alkohol – Hauptsache, es schmeckt. Mag sein, dass der Wohnzimmerschrank meiner Eltern mich entsprechend faszinierte, in dem es tatsächlich eine Minibar gab. Als Kind fand ich natürlich eher die kleinen Gabeln in der dazugehörigen Schublade interessant, mit denen sich z.B. Cocktailkirschen vortrefflich aufspießen ließen, und mit deren Hilfe man immer wieder sein Glas fand. An ihrem Ende befand sich eine schwarze Katze, ein Kleeblatt oder ein Herz. Im Einsatz habe ich sie allerdings kaum gesehen. Allenfalls wurde der Eiskühler für Martini Bianco oder Rosso gebraucht. Ein Spiegel an der Rückwand sowie eine kleine Lampe, die man an einer Schnur an- und ausknipsen konnte, machten aus dem kleinen Gefach einen geheimnisvollen Ort. Ich weiß noch, dass ich mir gerne die bunten, verschnörkelten Etiketten auf den Flaschen ansah. Gleich nebenan wurden die alten Rommé-Karten mit den garstigen Jokern aufbewahrt, mit denen wir ebenfalls zu hohen Festtagen bis tief in die Nacht spielten, wahlweise Knabbergebäck oder Weihnachtsplätzchen naschten. Später wurde der dunkle Mahagonischrank (seiner Zeit der letzte Schrei) durch eine helle Schrankwand im Wohnzimmer ergänzt. Auch hier gab es Schubladen, mit dunkelgrünem Filz ausgelegt, damit sowohl Untersetzer als auch Korkenzieher nicht das Furnier verkratzten. Natürlich auch eine Leuchte, die sich wundersam in den Gläsern spiegelte. Kam Besuch, wurde die Schranktür nach unten geklappt und ein Likörchen ausgeschenkt.

La Hoube Cocktail

Mag auch sein, dass ich noch immer inspiriert werde, wenn ich die eleganten Hausbars in Filmen aus den Fünfzigern oder Sechzigern sehe. Drei Männer im Schnee, die Zürcher Verlobung, Dashiell Hammetts Der dünne Mann. Die Herren im Anzug, die Damen im Petticoat oder eleganten Kostüm. Gut, auch eine Steghose mit Norwegerpullover wäre nicht schlecht. Doch, meinem Traum von einer gelungenen – ich sage wirklich GELUNGENEN – Silvester-Party kommen diese Szenarien tatsächlich nahe. Bin da etwas altmodisch. Und das Frauenbild dieser Zeit, – na, da möchte man ja gar nicht drüber reden. Schauderhaft. Da musste meine Generation noch ganz schön was ausbaden.

Und noch eins: Schluckspechte, die alles in sich kippen, finde ich einfach nur eklig. Aber: Einen Cocktail ab und an, mit einer grünen Olive, halte ich für edel und festlich. Gerade, dass es nicht zur Gewohnheit wird, macht es so fein. Habe mir sogar ein kleines Mix-Set geleistet, inklusive Rezepten. Mein Lieblings-Cocktail in diesem Büchlein ist ein alkoholfreier mit hellem Traubensaft. Doch hier komm zunächst einer, der es in sich hat, vielleicht weil er aus den tiefen Vogesenwäldern stammt. Sehe Kaminfeuer vor mir, man klopft sich den Schnee von den Schultern, wirft die Mützen hinter sich  – und da ist es schon: Das Tablett mit La Houba – der feurigen Schönheit aus den Bergen. Kreiert von meinem Mann. Benannt nach einem kleinen, mystischen Bergdorf mit Blick auf den Felsen von Dabo. Nicht geschüttelt, nicht gerührt.

Also: Einfach nacheinander in ein Glas tun, Zitrone an den Rand, Pfefferminzblatt schwimmen lassen und genießen. Und grämt euch nicht, dass die Bestandteile nicht aus den Vogesen stammen. Hauptsache, sie passen hierher! Wer nicht soviel Wodka möchte, tut einfach die Hälfte rein. Es geht ja in erster Linie um den Geschmack, oder?

Stina Advent