Fakefurter Kranz – Die etwas einfachere schwedische Variante des berühmten Frankfurter Kranzes

Aus der Rubrik: Ich möchte heute einen ganz besonderen Kuchen kredenzen, habe aber weder Zeit noch das nötige Können, um einen solchen herzustellen.

Also, Schwedens sind ja zuweilen etwas schludrig, wenn´s ans Tortenbacken geht. Die Kuchen sehen wirklich selbstgemacht aus, rechts und links quillt Sahne, Teigplatten lugen vorwitzig aus nachlässig verspachtelter Creme hervor. Moderne Fooddesignende wissen solche kleinen Makel ins rechte Licht zu rücken: Je uriger, desto schwedischer. Zumeist präsentieren sie Pfannkuchentorte & Co. auf einem wie zufällig hingeworfenen Geschirrtuch aus grob gewebtem Linnen. Daneben glänzt (nicht zu sehr) die Kuchenform (blauschwarz) mit ein paar rustikalen Krümeln dran. Damit man sieht: Aha, hier wurde gearbeitet, wenn nicht gar geackert. Die trendige Farbpalette der auf grobkörnigem Papier gedruckten Magazine tendiert tatsächlich ins Blauschwarze. Selbst die Erdbeeren haben einen Blaustich. Ich denke bei Blau günstigstenfalls an Blaubeeren, in puncto übrige Speisen jedoch eher an das Verfallsdatum… Anyway. Markiges soll assoziiert werden. Back to nature. Auf ´ner Scholle bäckt der Olle. Und so ist auch dieser cremige Kranz kein Biskuit-Traum mit feinziselierten Marzipanröschen. Auch wenn ich für die Füllung anstatt Blaubeermarmelade Himbeerkonfitüre genommen habe. Nein, es ist ein einfacher Rührteig mit einer ehrlichen Buttercreme und, in Ermanglung von Belegkirschen, gar keinen! Er schmeckt trotzdem sehr gut. Eine schnelle kräm-tårta mit Rührteig gehört in Schweden zur unabdingbaren haushaltstechnischen Illusionskunst. Der Schwede bringt sie von seinen Auslandseinsätzen mit, konfiguriert sie dann skandinavientauglich, indem er Überflüssiges weglässt, dabei auf Geschmack setzt. Mit einer Ausnahme: Bei der überaus beliebten Princesstårta, in ihrem grellgrünen Marzipankleid, versteht der Schwede/die Schwedin keinen Spaß. Da muss jedes Detail stimmen. Dagegen unser robuster, demokratischer Fake-Kranz, der jedem gelingt: Er zickt nicht rum, sinkt nicht ein, nur weil man heute eben nicht seinen besten TortenbäckerInnen-Tag hat. Und auch Zugluft bringt ihn nicht um. Er ist nur einen Tick kleiner als sein berühmtes Vorbild. Deshalb frisch ans Werk mit diesem vorgetäuschten Frankfurter Kranz, der schnell gemacht ist, dazu mit jedem Tag besser wird. Ihr braucht ja nicht gleich an einem Wer-backt-den-aufwendigsten Frankfurter-Kranz-Wettbewerb teilzunehmen. Ganz so, wie die Züchterin unseres alten Dackelchens, das mit einem Knickschwanz zur Welt gekommen war, davon abriet mit ihm beim Teckel-Championchip konkurrieren zu wollen. Geliebt haben wir unsere kleine Siri trotz zu kurz geratenen Schwänzchens ganz bannig. Und so wird es euch auch mit dem Fakefurter Kranz gehen. (Liebe kleine Siri!)

Ihr braucht: Eine Kranz- oder Guglhupfform (Ø 22 cm)

Zutaten Rührteig:

  • 100 g weiche Butter oder Margarine
  • 150 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • Ein Schuss Amaretto oder Himbeergeist oder ein Fake-Aroma
  • 1 Prise Salz
  • 3 Eier (Größe M)
  • 150 g Weizenmehl (Type 405)
  • 50 g feine Speisestärke
  • 2 gestrichene TL Backpulver

Zum Füllen und Verzieren:

  • 1 kleines Glas Himbeer- oder Erdbeergelee
  • 1 Tüte Haselnusskrokant oder Mandelblättchen

Etwas Margarine zum Einfetten der Form, etwas Mehl zum Bestäuben.

Zutaten Buttercreme:

  • 1 Päckchen Puddingpulver Vanille- oder Sahnegeschmack
  • 400 ml Milch
  • 2 EL Zucker
  • 250 g weiche Butter, Zimmertemperatur
  • 50 g Puderzucker
Frankfurter Kranz Oster#
Zur Stärkung erst mal eine (Kaffee-)Bohne

Und so geht´s:

Kuchenform fetten und mit Mehl ausstäuben. Backofen vorheizen: Ober-/Unterhitze etwa 180 °C / Heißluft etwa 160 °C.

Der Rührteig:

Butter/Margarine cremig rühren. Nach und nach Zucker, Vanillin-Zucker, Amaretto und Salz unterrühren, bis eine gebundene Masse entsteht. Eier nacheinander auf höchster Stufe zugeben. Mehl mit Speisestärke und Backpulver mischen, auf mittlerer Stufe kurz unterrühren. Den Teig in die vorbereitete Kuchenform füllen und glatt streichen. Im unteren Drittel des Backofens ca. 45 Minuten backen. Stäbchenprobe machen!

Kuchen nach Beendigung der Backzeit 10 Min. in der Form stehen lassen, dann vorsichtig auf einen Kuchenrost stürzen und vollständig erkalten lassen. Bei einer Silikonform geht das Aus-der-Form-lösen ganz einfach, bei anderen Formen müsst ihr vielleicht vorsichtig mit einem Kunststoff-Messer nachhelfen.

Und jetzt die Buttercreme:

Pudding nach Anweisung aus Puddingpulver, den 400 ml Milch und Zucker kochen. In eine Schüssel umfüllen und bei Zimmertemperatur erkalten lassen. Immer wieder umrühren, damit sich keine Haut bildet. Alternativ mit Klarsichtfolie abdecken. Am besten nehmt ihr nach dem Puddingkochen auch direkt die Butter aus dem Kühlschrank, denn:

Pudding und Butter müssen, bevor sie miteinander verrührt werden, dieselbe Temperatur, nämlich Zimmertemperatur, haben!

Zimmerwarme Butter und Puderzucker mit dem Mixer hell cremig rühren. Zimmerwarmen Pudding esslöffelweise unterrühren und weiter zu einer glatten Creme schlagen.

Füllen und Verzieren:

Den Kuchen 2 x waagerecht durchschneiden. Die zwei unteren Böden erst mit dem Gelee, dann mit der Hälfte der Buttercreme bestreichen. Obersten Boden oben drauf setzen. Den Kuchen mit der restlichen Creme umhüllen. Mit Krokant/Mandelblättchen verzieren.

Soll die Creme etwas fester werden, stellt sie kalt. Allerdings wird sie dann auch schnell steif und lässt sich nicht mehr so gut verarbeiten. Wenn ihr gerne mit der Spritztülle arbeitet, nur zu. Ich lasse das mal besser, denn sonst ist nachher mehr Creme auf meiner Schürze als auf der Torte.

Das Meisterwerk am besten über Nacht durchziehen lassen und servieren.

Ach, übrigens: Anstatt Belegkirschen habe ich einfach ein paar Kleckse Gelee auf die Torte gegeben. Wer hat schon Belegkirchen zuhause?

Frohe Ostern wünscht Euch Eure Stina!

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