Ich weiß nicht, warum, aber jeden Frühling entdecke ich die mystische Ader in mir. Kein Kelten-Stein im Dreiländereck, den ich nicht schon ehrfürchtig mit den Fingerspitzen berührt hätte. Der Grat zwischen Wissenschaft und Mystik sei ein schmaler, habe ich unlängst einen Archäologen sagen hören. Nun, als Artus-Fan und ewige Leserin des wunderbaren Romans Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bradley bin ich im Saarland ja nicht ganz verkehrt, wo es sogar eine keltische Fliehburg gibt, auf die ich im zarten Alter von 19 geklettert bin: Im Volksmund Hunnenring genannt. Damals habe ich für die letzten 10 Mark meinen klapprigen VW betankt um des Nächtens ganz alleine zu diesem Ringwall zu düsen. Im Schneidersitz habe ich mir dort die geschichtsträchtige Luft um die Nase wehen lassen. Wirklich: Nur ich alleine. Keine andere Menschenseele. Außer vielleicht die Geister derer, die hier vor langer Zeit lebten. Angst hatte ich keine, denn Morgane, in meiner Vorstellung nicht bösartige Zauberin sondern pure Frauen-Power, war mit mir. Mut entsteht also nicht nur durch Mangel an Phantasie sondern auch durch ein Zuviel davon. Wenn ich heute daran denke… kann ich meine Mutter verstehen, die, ein Kissen in den Rücken gestopft, unruhig darauf wartete, dass sich der Schlüssel im Haustürschloss drehte. Zum Zeichen meiner Verbundenheit mit den Bewohnern der Apfelinsel malte ich mir allmorgendlich mit Kugelschreiber einen kleinen blauen Halbmond auf die Stirn. Grund genug für einen ambitionierten Kommilitonen mir bei etwaigem Gesprächsbedarf ein offenes Ohr anzubieten. Derartige Wirklichkeitsfluchten, befand er, könnten zum ernsthaften Problem werden. Ob ich gar Mitglied einer mich verschlingenden Sekte geworden sei. Nicht doch! Auch heute noch möchte ich ihm zurufen: „Don´t panic, it´s organic and leeebensnoootwendig!“ Doch nun zum Schaumberg.
Ausstellungszentrum und Symbol für deutsch-französische Freundschaft: Schaumbergturm
Beinahe ein Faun
Wandern. In Maßen. Und gerne mystisch
Ich kann sie euch nur empfehlen: die Tour rund um und auf diesen kegeligen Berg. 568 m über dem Meeresspiegel, und damit acht-höchste Erhebung im Saarland. Mein Mann hatte die Wanderung zum dazugehörigen Schaumbergturm vorgeschlagen. Nach einigem Murren meinerseits, da ich mich im Geiste sowie im Schweiße meines Angesichts einen Berg hochquälen sah, die Überraschung: Die Wege schlängeln sich moderat zum Aussichts-High-End hinauf, wo man sich auf der urigen Alm direkt neben dem Turm eine zünftige Brotzeit zu Gemüte führen kann. Wenn nicht gerade Corona wütet. Verlaufen kann man sich, wenn man den diversen Wander-Symbolen und Schildern folgt, eher nicht, weil der Schaumbergturm auf der Bergspitze, egal von welcher Seite aus, das Ziel ist. Auf dem Weg zum Gipfel haben wir sogar Wege miteinander kombiniert und abgekürzt, eine Vorgehensweise, von der normalerweise unbedingt abzuraten ist. Mit dem Elan eines jungen Rehs bin ich von mystischem Stein zu mystischem Baum gehüpft, ohne außer Puste zu kommen. Da war mindestens ein guter Waldgeist mit im Spiel!
Gipfelkunst
Klappersteine
Auf der Alm
Dem Wanderwilligen stehen Touren unterschiedlichster Levels und Längen, auch Rundwege, zur Verfügung. Da wäre der 2,8 km lange, steigungsarme Herzweg mit wunderbaren Panoramen, Kraftorten und Ausstellungsobjekten des Künstlerprojekts Gipfelkunst. Oder der historische Lehrpfad mit dem Tholix-Druiden entlang einer römischen Festungsmauer: Nicht zu vergessen die kulinarische Schaumberg-Tafeltour mit dem Kochmützen-Symbol, ein Premium-Wanderweg der regionalen Genüsse. Dann der 110 km lange Fünf-Kreise-Weg sowie der fast 40 km lange Gemeinde-Rundwanderweg mit allen neun Stadtteilen Tholeys. Wir parken gegenüber der Vicus-Sauna, folgten der Beschilderung Schaumbergturm bergauf zum Wanderparkplatz Schaumberg-Plateau. Hätten also auch bis hierher fahren können. Die Mohnblüten-Skulptur der Künstlerin Ursula Bauer aus knallrotem Plexiglas begrüßt uns schon von Weitem. Von diesem Einstiegsplateau aus hat man einen ersten wunderschönen Ausblick. Vorbei geht´s an Stationen des Bogensport-Parcours. Die lebensechten Tierfiguren sind aber auch – oder gerade – ohne Pfeil und Bogen eine Augenweide.
Bärige Begegnung
Eure einzige Sorge sollte sein, dass man sie verpasst, da sie so natürlich in der Landschaft rumstehen. Leicht zu verwechseln mit den echten Rehen, die friedlich im Gebüsch äsen. Alle Pfade sind sehr gut ausgeschildert. Auch wenn man mal abweicht: Behaltet den Turm im Auge und ihr seid wieder auf dem Weg! Oben angekommen könnt ihr auf einer Relaxbank den atemberaubenden Blick über Saarland bis zu Hunsrück und Vogesen genießen.
Kurz vor dem Schaumberg-Gipfel kommt ihr am sog. Kelten- oder Klapperstorch-Stein vorbei, einem bastanten Fels mit Mystikpotenzial. Der Sage nach konnte er dabei helfen, Familien ein zweites Kind zu bescheren. Einmal umkreisen ein Brüderchen, zweimal ein Schwesterchen. Ein prima Upgrade vom keltischen Opfer- zum altdeutschen Kinderwunsch-Stein. Zahlreich sind die Sagen und Mythen im Schaumberger Land. Neben einem kopflosen Pferd – oh, nein! – soll auch der römische Stadthalter Varus bei einer Wettfahrt mit dem Teufel den Kürzeren gezogen haben. Eine goldverzierte Deichsel seines Rennwagens sei so nah unter der Erdoberfläche vergraben, dass ein Hahn sie ausgraben könnte.
Überblick
Wenn ihr die Deichsel dann gefunden habt, könnten euch auch folgende Sehenswürdigkeiten in der Umgebung locken:
Tholey: Gemeinde im Landkreis St. Wendel keltischen Ursprungs mit
Deutschlands ältestem Kloster, einer Benediktiner-Abtei (750 n. Chr.)
Wendelinus Pilgerweg
Hofgut Imsbach: Historischer Landschaftspflegehof mit Hotel, Restaurant und abwechslungsreichem Parkglände
Johann-Adams-Mühle: Reetgedeckte Wassermühle aus dem 19. Jh. mit Mühlenmuseum und urigem Gasthof
Premium-Wanderweg Offizierspfad Imsbach, der an dem idyllischen Hofgut Imsbach und der lauschigen Johann-Adams-Mühle vorbeiführt.
Sauna Vicus: Römisch angehauchte Wellness-, Bad- und Saunalandschaft
Lehrpfad Via Vari, Tholey, auf den Spuren der Römer
Es gibt eine Vielzahl von Führungen und Events zum Thema Kelten und Römer. Große wie kleine Hobby-Archäologen finden hier fachkundige Anleitung. Aber auch Kräuterwanderungen und diverse Märkte, wie den Wein- und Käsemarkt auf dem Schaumberg.
Ausführliche Infos zum Wandern und Entdecken rund um den sagenhaften Berg findet ihr hier und hier.
Reizvoll: Das Köllertal bei Rittenhofen im März
Wegen Corona wandern wir jetzt von zuhause aus. Denn wie man oben sieht, liegt das Gute oft ziemlich nah. Trotz Corona: Genießt die frische Luft. Im Freien kann man prima Abstand halten. Es gibt nur einen Frühling 2020.
Leckere – und gesunde! Karotten-Haferflockengrütze für 2
Personen
Der Frühling erweckt in mir die Lust Frisches und Fruchtiges zu mir zu nehmen. Ist es dann auch noch gesund: Umso besser! Hier eine exotisch angehauchte Variante der schwedischen Havregrynsgröt, Haferflockengrütze, die normalerweise mit einem Klecks filmjölk und lingonsylt, Preiselbeer-Gelee, genossen wird. Aber da jetzt Ostern kommt, dachte ich: Möhren… Und, hej, satt macht es auch!
1 Tasse (kein
Becher!) Haferflocken
1 große bzw.
zwei kleine Karotten
1 Apfel
3 TL Honig
Ca. 10 Rosinen
Evtl. 1 EL
Kokosflocken
Vier, fünf
Tropfen Zitronensaft
1
Tasse halb Apfelsaft / halb Milch (wahlweise auch Mandel- oder Hafermilch)
Knapp
½ Tasse Wasser
½ TL Zimt
½ TL Kardamom
½ TL Kurkuma
1 Prise Salz
Zum Garnieren: Etwas Honig, 2 Kleckse Naturjoghurt,
Zitronenmelisse-Blätter, evtl. Mandelblättchen
Karotten und Apfel reiben. Je feiner, desto besser. Zusammen mit Haferflocken, Honig, Rosinen, Kokosflocken, Zitronensaft und den Flüssigkeiten in einem Topf unter ständigem Rühren aufkochen. Kurz köcheln lassen. Gewürze und Salz hinzufügen. Je nach gewünschter Konsistenz noch ein wenig köcheln lassen. Dabei ständig weiterrühren. Vom Herd nehmen und pürieren. Die Karottenstückchen bzw. die Rosinen dürfen ruhig noch sichtbar sein. Alle Kinder dürfen jetzt „Bäh!“ schreien. Noch heiß in Dessertschalen füllen. Mit jeweils einem Klecks Naturjoghurt und Zitronenmelisse-Blättern garnieren. Wenn ihr möchtet, könnt ihr auch noch ein paar Mandelblättchen dazu tun. Etwas Honig im Zickzack darüber verteilen. Fertig! Heiß genießen; ansonsten mit Frischhaltefolie abdecken, damit sich keine Haut bildet.
Die Sorge um Corona treibt uns dieser Tage um. Viele müssen das Bett hüten oder Schlimmeres durchleiden. Solltet ihr wie ich gezwungenermaßen eine Arbeitspause einlegen müssen: Verbringt die Zeit mit eurer Familie. Geht in Wald und Flur spazieren. Da, wo ihr euch und andere nicht in unnötige Gefahr begebt. Corona-Partys sind ja wohl das Letzte! Habe – um die ganze Familie etwas aufzuheitern – einen schwedischen Apfelkuchen gebacken. Diesen genießt ihr am besten noch warm, da er recht saftig daherkommt. Ein Bällchen Vanilleeis oder ein Klecks Sahne dazu – fertig ist der süße Nachtisch. Bevor uns, hoffentlich, die Erdbeer-Welle überrollt also noch eine kleine Reminiszens an den guten, alten, verlässlichen Apfel!
Das braucht ihr für den Mürbeteig:
65 g Margarine
60 g Zucker
150 g Mehl
1 TL Backpulver
1 Ei
Für die
Springform:
Backpapier,
etwas Mehl oder gemahlene Mandeln
Für den
Belag:
Ca. 1 kg
Äpfel
Saft einer
kleinen, halben Zitrone
1 EL Zucker
(bei säuerlichen Äpfeln 2)
1
gestrichener TL Zimt
Für die
Mandelhaube:
100 g Butter
115 g Zucker
125 g
Mandelblättchen
4 EL Sahne
Trotz allem…
Mutmacher auf einer Wanderung um das saarländische Holz
So wird´s
gemacht:
Zutaten für
den Mürbeteig miteinander verkneten. In den Kühlschrank stellen.
Äpfel schälen. In einem Topf mit Zitronensaft, Zucker und Zimt kurz andünsten. Äpfel nicht zu weich werden lassen. Soll kein Apfelmus werden!
In einem Topf Zutaten für die Mandelhaube vorsichtig unter Rühren kurz aufkochen, bis die Masse cremig wird. Leicht abkühlen lassen.
Backofen auf
175 °C Umluft vorheizen.
Boden einer Springform, 26 cm, mit Backpapier auslegen. Rand mit Margarine einfetten und mit Mehl bestäuben. Wahlweise auch mit gemahlenen Mandeln. Mürbeteig in die Form streichen, dabei einen Rand von ca. 2,5 – 3 cm formen.
Gedünstete Äpfel auf dem Teig verteilen. Falls zu viel Flüssigkeit entstanden ist, diese vorsichtig etwas abkippen.
Im vorgeheizten Ofen auf zweitunterster Schiene 20 Minuten backen.
Danach:
Mandelhauben-Masse auf dem Kuchen verteilen und weitere 25 Minuten backen.
Sollte die Haube zu braun werden: Mit Alufolie abdecken.
Nur Wichtel wimmeln dieser Tage!
Bleibt gesund!
Eure Stina
Alle Fotos und Illustrationen bis auf die Stein-Kunstwerke von mir
Wie aus Eimern hat es letzte Nacht geschüttet. Sturm ist eine Untertreibung für das, was da gegen Türen und Fenster drückte. Wandern in den Vogesen? Fehlanzeige. Schließlich möchte man nicht wie Ödön von Horváth, seines Zeichens Dichter, von einem herabfallenden Ast erschlagen werden. Zumal auf den Champs Elysées. Was man sich nicht alles aus seinem Studium der Literaturwissenschaften behält! Oder eher: Wie wenig! Irgendwie scheint sich mir dieses, im Fluss der Weltliteratur doch eher marginale Ereignis eingebrannt zu haben. Wann immer der Wind ins Geäst fährt, denke ich: Ödön von Horvárth! Nicht: Kloppstock! Kleiner Germanistenwitz am Rande und Rätselnuss für alle, die immer mal Goethes Werther lesen wollten.
Wir fahren also ins Flachland. Juchhe! Dahin, wo es weite grüne Ebenen, schwarz-weiße Boardercollies und jede Menge Schafe gibt. Wo sich malerisch – bereits umgestürzte Eichen – in der Landschaft fläzen, ihr morsches Geäst gen Himmel strecken. Mitten im Parc Naturel Regional de Lorraine des Grand Est liegt Gondrexange. Etwa 10 km von Sarrebourg erstreckt sich die lothringische Seenplatte: Le Pays des étangs. Ein Eldorado für Wassersportler, Wanderer und maritime Vögel aller Art. Wir parken vor dem Campingplatz in besagtem Gondrexange, einem Örtchen, das aufgrund der eierschalengelben, lachs- und rosagetünchten Häuser – nicht wenige mit südländischem Schrägdach – selbst an einem 1. März mit sonnigem, fast mediterranem Charme unser Herz erwärmt.
Hauptattraktionen sind der Rhein-Marne-Kanal sowie der ausladende See, dessen älteren, kleineren Teil wir zu umrunden gedenken. Vom Parkplatz aus gehen wir ein paar Meter zurück Richtung Hauptstraße, überqueren die Kanalbrücke und biegen dann rechts auf den prima asphaltierten Treidelpfad ab. Immer geradeaus, dem Kanal folgend, vorbei an kleinen Teichen, auf denen gemütlich mancherlei Seevögel paddeln. Schwäne fliegen malerisch über uns hinweg. Schließlich überqueren wir eine grüne Eisen-Brücke. Ca. 150 m weiter klettern wir rechterhand einen kleinen Abhang (1 m) hinauf und folgen dem Pfad durch lichte Buchenwälder, vorbei an sattgrünen Wiesen – Dänemark lässt grüßen.
Ja, es ist matschig. Aber wen stört das, wenn der Liebste Sandwiches und einen verdammt heißen Kräutertee mit Honig aus dem Rucksack zaubert? Zufrieden knabbern wir als krönenden Abschluss unsere mitgebrachten Schokokekse. Am strahlend blauen Himmel segeln weiße Wolken. Ist sie da, hat die Sonne schon richtig Kraft. Zu unseren Füßen sprießen Gänseblümchen, Löwenzahn und strahlend blauer persischer Ehrenpreis. Das ist doch mal ein Frühlingsanfang, wie er im Buche steht! Wie ihr vielleicht wisst, bin ich Enid-Blyton-geprägt. Ja doch, diese altmodische englische Kinderbuchautorin. Ihre Fünf-Freunde sind mir nun mal so ziemlich als erstes literarisches Produkt über den Weg gelaufen. Wie dem Gänschen der Konrad Lorenz. Und so denke ich, wenn ich an Wasser mit Schilf, ausgedehnten Weideflächen mit Schäfchen, und Dörfern mit spitzem Kirchturm vorbeikomme: The famous five, oder einfach fem-böckerna, wie sie auf Schwedisch heißen.
Wunderbare Illustration von Gerda Raidt aus Enid Blytons „Fünf Freunde meistern jede Gefahr“, Verlag: cbj
Im Hintergrund die blauen Berge, Les Vosges. Wenn das nicht nach Geheimnis riecht! Hier wäre ich auch gerne mit besten Freunden plus Fahrrad entlanggeradelt, hätte Unlauteres aufgespürt um mich abends an Tee und Käsebroten gütlich zu tun! In Sicherheit, bei Mama! Kinderdetektivische Ermittlungsarbeit also, bevorzugt ohne näheren Verbrecherkontakt mit einhergehender Gehirnerschütterung. Wir erinnern uns? Ödön von Horváth…?
Die Landschaft strahlt Weite, Gelassenheit aus. Unser Schritt entschleunigt sich. Es gluckert und plätschert allenthalben. Im April, Mai werden kleine Entenküken auf der gekräuselten Wasserfläche erste Ausflüge wagen. Die Teiche wurden übrigens im Mittelalter von Mönchen zur Fischzucht angelegt. Wären wir, anstatt abzubiegen, geradeaus gegangen, hätten wir den Port du Houillon, seines Zeichens ein Hafen für Freizeitkapitäne, einen sogenannten Port de Plaisance, erreicht, an dem im Sommer rund um die kleine Restauration, den Boots- (ohne Führerschein!) und Fahrradverleih (elektrisch!) munteres Treiben herrscht. Er liegt übrigens am wunderschönen Canal des Houillères de la Sarre, dem Saar-Kohle-Kanal, der ab 1866 zum Transport von Steinkohle diente.
Ambitioniert: Office du Tourisme
Nach ca. einem Kilometer ebenen Geländes gelangen wir an unseren Ausgangspunkt zurück, den Campingplatz. Mit hauseigenem Plage, auf dem ein einsames quietschgelbes Schippchen liegt. Doch der nächste Sommer kommt bestimmt. Dann werden hier wieder Kinder spielen und ihre neuen Schwimmflügel testen. Es wird nach Eis- und Sonnencreme duften. Vielleicht sogar nach Kokos. Jemand wird eine Zigarette rauchen und der Rauch zu uns herüberwehn, von irgendwoher dudelt ein Radio. Auch das gehört dazu. Jedenfalls zählt Camping-Urlaub zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Aufbleiben, bis man vor Müdigkeit auf die Liege kippt. Füße erwursteln sich angenehme Positionen in einem Schlafsack, der immer zu kurz scheint. Draußen am Wäscheseil hängen die nassen Badesachen zum Trocknen. Dumm, dass es heute Nacht regnen wird. Jeden Morgen mit Luftmatratze und Schwimmtier an den Strand. Abends Würstchen vom Grill und Kartoffelsalat. Nudelsalat kam später. Wann ist noch mal die Disco im Dorfgasthof?
Wieso eigentlich muss der Nachwuchs von frühster Jugend an auf Fernreise? Nachhaltiger, oft kreativer kann doch ein Aufenthalt in der Nähe sein. Vielleicht nicht mehr, wenn die Kleinen von überspannten Resort-Animateuren bereits auf Hochleistungs-Freizeitler getrimmt worden sind. Kommt auf die Déformation touristique der Eltern an. Diese Reiseziele im lothringischen Naturpark klingen doch auch gut: Tarquimpol, Rhodes, Langatte. Ersteres ist zudem ein Hort mystischer Erzählungen und eine Fundgrube für Archeologen. Wer möchte nicht der Sage von den Mönchen lauschen, die im Étang de Lindre leben? Maritimes liegt so nah! Brauche eine Kapitänsmütze!
Was kann man hier also für einen gelungenen Urlaub tun? Wandern, Kanu, Barke und Tretboot fahren, zelten, Würstchen braten, eine urige Kota mit rot-weiß-karierten Gardinen mieten, Rad fahren, Vögel beobachten, fischen, schwimmen, sich zum ersten Mal verlieben, Wölkchen zählen, windsurfen, sich nochmal ineinander verlieben, einen Ausflug in die Vogesen unternehmen, Krimis lesen, Boule spielen, Pastis trinken, Tennis spielen, an einem Strohhalm kauen, nichts…
Weck mich…
… wenn der Frühling kommt
Das Restaurant de la Plage, ehedem übrigens ein sehr gutes, dabei preisgünstiges, hat leider dauerhaft geschlossen. Manno! Der Kota-Grill öffnet wohl erst mit Beginn der Kota-Vermietung. Die Bäckerei L´Ami du pain wird hochgelobt, glänzt mit Spezial(!)-Brot und süßen wie herzhaften Teilchen, öffnet aber erst im März. Wer schon jetzt Hunger hat: Chez Petit Jean im vier Kilometer entfernten Héming macht einen soliden Eindruck. Lasst euch von der dortigen Zementfabrik nicht abschrecken. Denkt Camelot, wehrhafte Burg. Die Leute müssen ja irgendwo ihre Flûtes verdienen. Denkt Moules Frites. Im Seengebiet – früher beliebte Sommerfrische für stressgeplagte Saarbrücker – besitzt jedes Dorf sein kleines Café-Restaurant, wenn nicht sogar einen Gourmet-Tempel.
Ach ja: Hunde sind am Strand leider nicht erlaubt. Dann wandern wir eben mit Nuri und tauchen unsere Zehen woanders in den See.
Pays des étangs
Rundwege-Info
Übrigens führt der berühmte Fahrradweg EuroVelo 5 über die Treidelpfade des altehrwürdigen Saarkohle- sowie des Rhein-Marne-Kanals. Für eine mehrtägige Tour könntet ihr also in der Keramikstadt Sarreguemines einsteigen um dann durch das pittoreske Saartal über das Krumme Elsass den Parc naturel de Lorraine zu durchcruisen, bis bei Gondrexange der Canal de la Sarre mit dem Canal de la Marne au Rhin zusammenfließt.
Highlights in der Umgebung: St. Quirin, eins der schönsten Dörfer Frankreichs, zudem ein alter Pilgerort mit herzallerliebsten Kanälchen. Sieben Sakralbauten, Les sept roses genannt, zeugen von der bewegten Vergangenheit des Dorfes, lassen sich auf dem gleichnamigen Circuit erwandern. Rundherum gibt es weitere Wanderstrecken, auf denen sich Gallo-Romanisches entdecken lässt. Essen kann man etwas teurer im Restaurant du Prieuré und auch wohnen. Reservierung nicht vergessen!
Nobel, aber erschwinglich: Auberge de la Forêt, Abreschviller
Abreschviller steht ganz im Zeichen des Waldes. Nach einer ruckelig-romantischen Tour mit dem Train forestier, einer dampfgetriebenen Waldeisenbahn, durch das Tal der Roten Saar, könnt ihr hier formidabel, ebenfalls mit Vorreservierung, in der Auberge de la Forêt speisen. Wenn ihr den – ziemlich authentischen – Indianerangriff, mit dem Einheimische in den Sommermonaten Touristen erschrecken, überlebt… Die Fahrt in der liebevoll gestalteten Museumsbahn macht großen wie kleinen Kindern Spaß. Wissbegierige lernen bei einem Film, was die Eisenbahn hier früher so transportierte. Zwei große Kioske mit Sitzgelegenheit sind angeschlossen. Kauft euch ein Eis, zieht die Badesachen an und kühlt euch im Weiher um die Ecke ab. Abreschviller selbst ist übrigens ein hübscher Ort mit einer wunderbaren Gîte. Es gibt mehrere Wohneinheiten, auch für größere Gruppen. Bei schönem Wetter kann man im Garten einem munteren Bächlein lauschen. Wohnen und sehr gut essen könnt ihr auch im Hôtel du Charme Les Cigognes. Bei schlechtem Wetter reizt ein Innenpool.
Der Wind bläst kräftig an diesem Freitagnachmittag Anfang Februar. Mit einem kleinen Spaziergang ins Wochenende starten, das wollten wir. Zufällig passierten wir Struth, ganz in der Nähe des elsässischen Vorzeige-Örtchen La Petite Pierre, der kleine Stein. Struth also. Gerade mal 251 Einwohner. Und dennoch ein ganz besonderes Dorf. In zweierlei Hinsicht: Hier gibt es eine Synagoge sowie einen Garten der Steine. Angelegt von Monsieur Pierre Richard – nein, nicht dem Pierre Richard. Eine ganze Menge Steine also, und damit scheinen bei Weitem nicht alle Geheimnisse des Dorfes gelüftet zu sein.
Entdecke den Wichtel!
Wuthering Heights. Die Frisur hält nicht. Wir beschließen noch ein wenig durchs Dorf zu bummeln. Beschaulich, unaufdringlich liegt es in der noch zögerlichen Februarsonne. Und recht eben. Ideal zum Fahrradfahren. Könnte auch in Norddeutschland liegen. Der Birnbaum des Herrn von Ribbeck kommt mir unweigerlich in den Sinn. Doch der ist derzeit noch kahl. Stattdessen haben sich die ersten Frühlingsblüher ans Licht gewagt: Winterlinge, Schneeglöckchen, Krokusse. Auch die Häuser und Gärten sind herausgeputzt. Windpiele in den Bäumen, fantasievoll geschmückte Blumenkästen vor den Fenstern, Gartenplastiken in Rostoptik. Man hat den Eindruck durch ein Künstlerdorf zu gehen. Worpswede lässt grüßen. Inzwischen sausen uns die Ohren. Nein, leider, ein Café finden wir hier nicht. Wir beschließen nach Hause zu fahren.
Zuhause, bei einer heißen Tasse Earl Grey und selbstgebackenem Birnen-, nein, Apfelkuchen, finde ich heraus, dass wir an dem ein oder anderen Kleinod vorbeigeweht sind. Allein die kleine Synagoge samt altehrwürdigem Friedhof sind Grund genug also einmal wiederzukommen. Vom siebzehnten Jahrhundert an lebten hier jüdische Familien in friedlicher Eintracht mit – sage und schreibe – vier anderen Religionen. Neben der kleinen neoromanischen Synagoge gab es eine jüdische Schule, heute die Mairie, sowie ein rituelles Bad. Etwas von der Weltoffenheit Struths scheint auch heute noch den Ort zu durchwehen. Doch auch hier mordeten und deportierten die Nazis, machten vielfältiger Kultur ein grausames Ende. Eine Mahnung an uns alle: Wir sollten solchen menschenverachtenden Banden keinesfalls wieder Raum in Deutschland und Europa gewähren. Wir haben die Wahl…
Die Region wirbt übrigens mit dem Slogan „L´océan c´est la fôret“ dafür in die wunderbaren Vogesenwälder abzutauchen. Wer das freundliche Ländle im Département Bas-Rhin erkunden möchte, findet eine übersichtliche Schautafel im Ort. Und dann ist da noch der Jardin de Pierre. Frankreichkenner Gerd Heger, vom Saarländischen Rundfunk, hat einen ausführlichen und schönen Artikel über diese kleine Oase der Ruhe geschrieben. Konnte allerdings nicht in Erfahrung bringen, ob der Garten im englischen Stil noch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Aber es gibt eine Telefonnummer. Gleiches gilt für die Synagoge. Mehr über sehenswerte Gärten im Elsass erfahrt ihr auch hier.
Zur Orientierung
Übernachten kann man in dieser Ferienwohnung. Leider habe ich kein Gasthaus entdeckt. Aber im Umland gibt es reichlich. Mit dieser kleinen Notiz möchte ich euch lediglich inspirieren einmal absteits der Pfade zu wandeln. Die kleinen Struths rechts und links des Wegs zu entdecken. Haltet die Augen offen. Braust nicht einfach so durch.
Und hier noch ein paar Frühlingsgrüße aus meinem Vogesen-Garten. Wenn ich an einem Samstagmorgen durch das leise sprießende Grün spaziere, geht mir das Herz auf. Ein paar freche Blaumeisen zwitschern, knabbern schon an den Futterknödeln. Hie und da lugen schüchtern ein paar Krokusse hervor. Die Luft riecht samtig-frisch. Bin – wenn auch nur zeitweise – Landbewohner. Endlich durchatmen!
Der Frühling
„Leise zieht durch mein Gemüt liebliches Geläute…“
Gestern habe ich Veilchen entdeckt! Und die ersten Zugvögel sind auch schon über uns hinweggezogen!
Lär dig svenska genom att baka en kaka / Lerne Schwedisch durch Kuchenbacken
Tante Majas superzarter schwedischer Rahmkuchen mit Äpfeln. Das Rezept findet ihr hier einmal auf Deutsch und weiter unten auf Schwedisch. Eine weitere Köstlichkeit in der Schwedisch-Lern-Reihe: Baka en kaka. Lycka till! Viel Glück!
Lust auf einen Obstkuchen mit Rahm? Ein Blick in den
Kühlschrank ernüchtert: Sahne ist da, Quark ist da, Milch ist da. Aber von
jedem zu wenig. Hier mein Vorschlag, wie ihr auch mit „Von jedem ein bisschen“
einen lockeren Kuchen zaubert. Und Äpfel braucht ihr nur vier. Backt ihr mit
saftigerem Obst, solltet ihr dieses gut abtropfen lassen.
Der Mürbeteig:
200 g Mehl
100 g Zucker
100 g Butter
1 EL Backpulver
1 Ei
Obige Zutaten verknetet ihr zu einem Mürbeteig und stellt
ihn kühl. Jetzt legt ihr den Boden einer Springform (26 cm) mit Backpapier aus.
Den Rand fettet ihr mit Margarine ein und streut ihn mit etwas Mehl aus.
Beiseitestellen.
Für die Apfelrahm-Rahm-Füllung:
4 mittelgroße Äpfel
100 g Zucker
2 Eier
250 g Magerquark
100 ml Milch
200 g Schlagsahne
1 Päckchen Puddingpulver Vanille
3 Prisen gemahlenen Kardamom
Äpfel schälen, entkernen und in kleine Spalten schneiden. Beiseite stellen.
Den Backofen auf 200°C Umluft vorheizen.
Mürbeteig in der vorbereiteten Springform auslegen. Dabei einen Rand formen, der fast bis zur Oberkante der Form reicht.
Zucker und Eier mit dem Rührgerät schaumig rühren. Die restlichen Zutaten untermischen.
Äpfel unterheben.
Rahm-Apfel-Füllung in die Form füllen und ausstreichen.
Kuchen im vorgeheizten Backofen auf zweitunterster Schiene ca. 45 Minuten backen. Eventuell mit Alufolie abdecken, falls er zu dunkel wird.
Nach Beendigung der Backzeit Kuchen ca. 5 Minuten bei leicht
geöffneter Backofentür im Ofen lassen. Herausnehmen und in der Form abkühlen
lassen. Wer den Kuchen gerne noch etwas warm genießt, kann ihn nach ½ Stunde
aus der Form lösen.
Viel Spaß beim Backen
Mums! Läckert!
Faster Majas superfluffiga svenska ostkaka med äpplen
Det vore skönt med en ostkaka med frukt! En snabbbakad! Men en titt i kylen visar: Grädde finns, till och med kvark och mjölk. Men för lite av allt. Här kommer mitt förslag hur du fortfarande kan trolla fram en superfluffig kaka!Till mördegen behöver du:
200 g mjöl
100 g socker
100 g smör
1 msk bakpulver
1 ägg
Knåda ovanstående ingredienser till en mördeg och ställ den i kylskåpet. Klä bottnen på en springform (26 cm) med bakplåtspapper. Smörj kanten på springformen med margarin och strö över lite mjöl. Lägg formen åt sidan.
Fyllning:
4 medelstora äpplen
100 g socker
2 ägg
250 g kvark
100 ml mjölk
200 g vispgrädde
1 paket med vaniljpuddingpulver
3 nypor kardemumma
Skala, kärna och skär äpplen i små skivor. Lägg dem åt sidan.
Förvärm ugnen till 200 ° C fläktluft.
Fördela din mördeg i formen. Forma en kant som sträcker sig nästan till formens överkant.
Vispa socker och ägg krämigt. Tillsätt resten av ingredienserna och blanda väl. Tillsätt äpplen.
Häll allt i springformen.
Baka kakan på andra bottenskenan i ca 45 minuter. Täck över kakan med aluminiumfolie om den blir för mörk.
När baktiden är över, låt kakan stå kvar i ugnen i cirka 5 minuter med
ugnsluckan något öppen. Låt den sedan svalna i formen och ta ut den. Om du vill
njuta av kakan när den fortfarande är varm kan du ta ut den ur formen efter ½
timme.
In Gent braucht man – fast – keinen Stadtplan. So gut ist der Weg zu den Hotspots ausgeschildert. Man kommt einfach nicht dran vorbei. Ein Grund mehr, sich ganz entspannt treiben zu lassen um Spannendes zu entdecken.
Gent ist Belgiens bestgehütetes Geheimnis. So wirbt zumindest die dortige Tourismuszentrale. Lebhafter als Brügge – immerhin schieben sich jährlich um die 8 Millionen Besucher durch die verwinkelten Gassen des belgischen Kleinods – überrascht die große Schwester mit gutbürgerlicher Gediegenheit und weltoffenem Charme. Und leibhaftigen Einwohnern, ca. 250.000 an der Zahl. Nur ein paar Kilometer von Brüssel entfernt, lockt historisches Kulturerbe neben pfiffiger moderner Architektur. Gegensätze ziehen sich seit jeher an. Im Mittelalter war Gent so bedeutend, dass es in einem Atemzug mit Paris genannt wurde, diesem sogar Konkurrenz machte. Die altehrwürdige historische Innenstadt ist weitgehend autofrei, weshalb man eines der Parkhäuser aufsuchen sollte, um nicht mit den zahlreichen Fietsen sowie Straßenbahn und Bussen zu kollidieren. Wir parken im Kouter am gleichnamigen Plein und ziehen unseren Trolley – ja, einen für zwei plus Dackel – durch belebte Straßen, enge Gassen, großzügige Boulevards.
Musiker am Kraanlei
Unser Best-Western-Hotel, RésidenceCour St-Georges, liegt am Hoogpoort, einer Seitenstraße zur St-Baafs-Kathedrale mit dem berühmten Genter Altar. Vom Konservatorium wehen klagende Geigenklänge herüber. Aus einem hellerleuchteten Fenster perlt ein Sopran. Der Empfang an der Rezeption ist freundlich, locker. Wir haben Zimmer 1. Wegen des Dackels. So ist der Weg nach draußen, falls er mal Gassi muss, nicht weit. Aha, man denkt mit. Allerdings kommen wir so auch in den Genuss aller an- und abreisenden Gäste. Aber für den günstigen Preis inklusive Frühstück kann man nichts sagen. Das Zimmer selbst ist modern, geschmackvoll. Ein Bad mit Badewanne (Hurra!), ein kleiner Flur. Gegenüber das sehenswerte, uralte Brauhaus Sint Jorishof, am Botermarkt 2, aus dem 15. Jahrhundert, eins, wie aus dem Bilderbuch. Dunkle Balken, holzvertäfelte Wände, flämisch Gedrechseltes, flaschengrüne Hochlehner, altersdüstre Porträt-Schinken an den Wänden, schwere Orientteppiche auf dem Boden. Der fröhliche Zecher, der Esser, irgendwie Franz Hals. Gut speisen soll man hier, im ehemaligen Zunfthaus der Schützen. Leider nur mit Reservierung, wie wir feststellen müssen, als wir am Samstagabend gutgelaunt ins Lokal stürmen – und enttäuscht wieder raus. Sint Joris alias Drachentöter St. Georg war nicht mit uns. Auch nicht mit den armen Tieren, die ausgestopft auf die Besucher herabblicken. Der Abend hier hätte durchaus Erlebnischarakter gehabt. Schade.
De Krook
Doch beginnen wir von vorne. Es ist Freitagnachmittag, wir haben eingecheckt. Habe den wirklich informativen Stadt- und Eventführer visitgent , der kostenlos an der Rezeption ausliegt, inspiziert. Möchte jetzt ein wenig städtisches Flair atmen, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Altstadt in Augenschein nehmen. Fünf Minuten später stehen wir auf dem St-Baafs Plein vor der Kathedrale und folgen den Wegweisern Richtung Gravensteen. In einer Seitenstraße nehmen wir ein ungewöhnliches Gemisch aus Tacos, Chorizos samt Käsewürfeln mit scharfem Senf zu uns. Letzteres eine Spezialität. Den vermutlich besten Senf Belgiens gibt seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Familie Tierenteyn-Verlent dazu. Ein Besuch in den historischen Geschäftsräumen lohnt sich, denn „De winkel is weinig veranderd sindsdien“, wie es so heimelig auf der Webseite des Unternehmens heißt. Doch zurück zu unserem Café. Das Etablissement kündet von der Weltläufigkeit der Genter und davon, dass dies eine Universitätsstadt ist – mit viel jungem Volk. Fühle mich alt. Erinnere mich aber wenigstens daran, einmal jung gewesen zu sein. Könnte ich bitte noch ein Bier haben?
Sint-Baafs-Kathedrale
Gefühlte 1 Grad, der Wind pfeift uns um die inzwischen roten, mittelalten Ohren. Also nach links in die belebte Einkaufsmeile, die wirklich nur interessant ist, wenn man sich eine Mütze kaufen möchte. Shoppingkette an Shoppigkette. Jedoch: Am Ende links abgebogen und schon beginnt das Gent, auf das wir hofften: Die Kraanlei, ein malerisches Kai, flankiert von spitzgiebligen Kaufmannshäusern aus Mittelalter und Renaissance, als die emsigen, dabei halsstarrigen Genter Bürger anderen europäischen Städten in puncto Tuchhandel und -Verarbeitung den Rang abliefen. Eine gewinnträchtige Eigenart, die einige flämische Kaufleute mit dem Leben bezahlen mussten. Wo sich Häuser gefährlich nach vorne neigen, damit Kornsäcke leichter nach oben gehievt werden konnten, reiht sich ein Restaurant, ein alternatives Café ans nächste. Mit dem Charme des Selbstgemachten. Kleine Designer-Labels, Trödelläden. Kampf dem Marken-Einerlei. Besonders freundlich, mit viel Sachverstand und Liebe zum Detail, empfängt euch eine Design-Community in der Verlängerung der idyllischen Kraanlei, der Oudburg. Das kleine, feine Label J-oké z.B. steht für ausgefallene Keramikarbeiten und Schmuckkreationen. J-oké gehört zu der Design-Community Belgunique, die Kreative aus ganz Belgien vereint. Mehr über Gent als Design-Mekka findet ihr hier. Im Anschluss an einen Besuch könnt ihr in den gemütlichen Restaurants auf der Oudburg exotische Köstlichkeiten genießen. Kantipur, India Palace, Himalaya Restaurant. Na, wie klingt das? Vielleicht treffen wir ja Tim und Struppi, wie sie von vergangenen Abenteuern träumen…
Achtet auf die Brosche!
Feines Design-Label: J-oké
Dackelverliebtes von Anna Grimal bei J-oké
Rund um die Kraanlei gibt es die weltberühmten Waffeln. Auf zierlichen Eisenstühlen genießt man seinen Cappuccino. Dick eingemummelt sogar im Winter. Im Huis van Alijn, dem Museum des täglichen Lebens, können handygestresste Kinder und Eltern ausprobieren, wie es sich Anfang des 20. Jahrhunderts lebte. Weiter geradeaus stößt man auf den Sint Veerleplein mit dem dazugehörigen Gravensteen, einer Burg mitten in der Stadt mit Fähnchen, Wimpeln, die in der steifen Brise flattern, heute ein rühriger Ort für Ausstellungen, Festivals und Mittelalter-Fans. Belgische Spezialitäten wie Bier und Schokolade sollte man auf dem Veerleplein nicht kaufen. Sie sind ausnahmslos überteuert. Aber im Café ´t Geduld unter einem Wärmepilz eine heiße Schokolade mit üppig Sahne oder ein Westmalle tripel (9,5%) trinken, das sollte man sich schon gönnen. Da direkt nebenan das Touristenbüro liegt, kann man die mit Stadtkarte umherirrenden, ganz aufgeregten Neuankömmlinge von hier aus besonders gut beobachten. An Samstagen treffen sich hier Genter Frauen fortgeschrittenen Alters um den neusten Tratsch auszutauschen. Fühle mich jung, obwohl mittelalt. Überhaupt: Irgendwas machen wir in Deutschland falsch: Alle, mit denen wir geredet haben – die Genter sind freundlich, offen – sprachen neben Flämisch und Französisch auch Englisch und Deutsch. Und zwar fließend. Eine ältere Dame – vermutlich Hellseherin – hat mich sogar auf Schwedisch angesprochen. Schiebe das Polyglotte mal auf den Umstand „Seefahrer-Nation“. Wir schlendern weiter, nehmen links, aus den Augenwinkeln, den Alchemist wahr, wo man seine Bierverkostung fortsetzen könnte. Zumal der kostenlose sowie nachhaltige Wandelbus gerade an uns vorbeirumpelt. Wir biegen links ab, in eine pittoreske Gasse, die auf die Graslei und Korenlei mündet, die Pracht-Ufer der Leie.
Mystische Burg mitten in der Stadt: Gravensteen
Ausflugsboote liegen am Kai. Kuppeldächer, haushohe Sprossenfenster, riesige Lüster sowie die Leuchtmittel der zahlreichen gemütlichen Lokale spiegeln sich im Wasser. Besonders die Cafés in den Innenhöfe laden zum Verweilen ein. Venedig lässt grüßen. In der heraufziehenden Dämmerung ist die Illusion perfekt. Unter den imposanten Brücken herrscht munteres Treiben. Studies sitzen im Schatten mächtiger Pfeiler auf dem Boden. Sehe ich wärmende Decken? Irgendwie nicht. Sie tun, was Studierende in ihrer Freizeit eben so machen: Reden, Rauchen, und ziemlichen Radau. Das machen sie an Wochenenden bis ungefähr 6 Uhr morgens. In Zehnerformationen ziehen sie polternd und angeschickert durch die Stadt und leider auch an Zimmer Nr. 1 vorbei. Wir drücken uns die Nasen am Café Alice platt, das mit barocker Pracht lockt. Morgen werden wir es leider nicht mehr finden. Ist einfach alles zu schön bunt hier.
Elektrische Nachtschwärmer an der Sint-Michiels-Brug
Graslei
Sint Veerleplein: Café t´Geduld
… und Korenlei
Über die Sint-Michiels Brug, die St. Michaels-Brücke, wandeln wir über den Vorplatz der scheldegotischen St-Niklaaskerk, mit dem wunderbar nostalgischen Riesenrad (Das letzte Bier war schlecht!!!) zum Hotel zurück. Die Kirche wurde von reichen Kaufleuten erbaut, dem Heiligen Nikolaus von Myra zu Ehren, der ein Herz für Kaufleute, Tuchproduzenten sowie Getreidehändler gehabt haben soll. Ich dachte immer, er sei gut zu Kindern gewesen. Sei´s drum. Vor unserem Fenster stehen irgendwelche gutgelaunten Herren und machen… Radau. So ein Tag in einer fremden Stadt macht platt. Wir essen in einem Wok-Küchen-Restaurant mit Kantinenflair. So können die Meinungen über ein gemütliches Abendessen beim Chinesen zwischen Eheleuten auseinander gehen! Dachte rote Lampions, winkende Glückskatzen…
Unser Zimmer verfügt über einen Fernseher. So um 21:30 müssen wir eingeschlafen sein. Dann, 2 Uhr nachts: Vor unserem Fenster stehen gutgelaunte Männer mit ihren Trolleys und prosten sich mit Bier zu. Von ferne höre ich krakeelende Studierende. Unser Hund bellt nicht mal mehr ob des Aufruhrs. Er käme sonst zweifelsfrei hinter den Atem.
Unser Hotel …
… Cour St. Georges
London calling
9 Uhr. Taumele übernächtigt in den Frühstücksraum. Eine handbemalte Tapete, schätze mal 17. Jh., spannt sich über die Wände. Exotische Vögel in arabeskem Grün. Ein riesiger Messingleuchter spendet schummriges Licht. Im Hintergrund gediegener Jazz. Das Frühstück ist 1A, lässt nichts zu wünschen übrig. Die übrigen Gäste wirken ausgeruht. Ihre Zimmer gehen nach hinten raus. Meidet Zimmer 1-3!
De Alchemist
Café Alice
Da ist er ja wieder: Der Wind! Meine Wollmütze hat sich jetzt schon bezahlt gemacht. Es ist Samstagmorgen. Wir stiefeln los. Diesmal überqueren wir von der St Baafs-Kathedrale kommend linkerhand die Hauptstraße, gehen Richtung Kouter. Dahinter liegt das modernere, weniger pittoreske, jedoch nicht minder spannende Gent. Geschäfte und Cafés jenseits des Touristentrubels. Die freundliche Frau aus dem alteingesessenen Zigarrengeschäft bringt Wasser für unseren Hund. Er müsse ja Durst haben, bei dem ganzen Geshoppe. Ein aufgewecktes Pärchen mittleren Alters zückt derweil seine Portemonnaies um uns ein Bild ihres Pudelmischlings zu zeigen. Die Frau heißt Helga, erfahren wir. Sie heiße nur so, erklärt sie augenrollend, weil ihr Vater ein Faible für Deutsche habe. Helga komme ja ursprünglich aus dem Nordgermanischen, tröste ich sie. Sie wirkt nicht überzeugt, lacht sich aber einen Ast. Dann verkündet sie, wir sähen jünger aus als wir seien. Was soll ich jetzt davon halten?
Kompetente und freundliche Kosmetikberaterin im Post Plaza am Korenmarkt
Großstädtisch Kaffeetrinken im Post Plaza
Ein wenig wie der Kleine Horrorladen… Sie leben!
Welthandel
Im De Krook, einem durchaus futuristischen Gebäude, sitzen Menschen aller Altersstufen, surfen, unterhalten sich, trinken Kaffee. „Bibliothek und Ort für Wissen, Kultur und Innovationen“, der emsig genutzt wird. Die Genter wirken sehr zufrieden mit ihrer Stadt. Mir steigt der Duft frischgebackener Waffeln in die Nase. Meinem Mann steht der Sinn nach weiteren Bier-Degustationen. Der Kompromiss ist ein Besuch des Genter Altars. Da aber jeweils einer mit dem Dackelchen draußen in der Kälte warten muss, verschieben wir diesen Augenschmaus auf unseren nächsten Besuch in Gent und statten Sint Baafs nur einen kurzen Besuch ab. Wir schnüren noch ein wenig durch die Gassen. Auf dem Vrijdagmarkt mit seinen Gildehäuseren – die erste Bude stand hier bereits 1199 – erstehe ich eine kommerzielle Waffel. Knatschig, klebrig, obersüß! Waffel-Trauma.
Aber im Kaufhaus Post Plaza, da erschnuppere ich das beste Parfüm meines Lebens. Ich sage nicht, was es kostet. Aber ich verrate, dass es mein Budget bei Weitem überstiegen hätte. Dennoch erzählt mir die freundliche Verkäuferin alles über die Marke. Man habe es mit einem ausgeklügelten imaginären Clan, einer duften Familie zu tun, den Penhaligons. Jedes Mitglied habe seinen eigenen Charakter samt entsprechendem Duft. Wer würde nicht gerne einmal wie The impudent cousin Matthew, der unverschämte Cousin Matthew, oder Roaring Radcliff duften? An The Tragedy of Lord George, The Revenge of Lady Blanche oder einem Duft namens Terrible Teddy möchte ich vielleicht nicht mit schuld sein. Mein Favorit ist Heartless Helen. Hoffentlich offenbart sich hier kein Konflikt zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Nur so viel: Kopfnote: Rosa Pfeffer, Mandarine; Herznote: Tuberose, Jasmin; Basisnote: Hölzer, Cashmeran. Meine Güte!
Da wäre dann noch die weltberühmte Schokolade…
Mittagsschläfchen im Hotel. Vor dem Fenster stehen… Na, ihr wisst schon. Bald geht´s wieder los. Wir laufen durch die Gassen, die wir noch nicht erkundet haben, hinter der Greevenburg, daneben. Da, ein gemütliches Waffel-Café. Mein Mann hätte eher Lust auf ein Bier. Er schwärmt vom Alchemist. Da gibt es den besten Gin Tonic der Stadt. Schade nur, dass ich gar keinen Gin mag. Aber ich will mal keine Herzlose Helen sein. Doch es gibt auch Bier. Ein helles für die Dame, ein dunkles für den Herrn. Ganze Familien strömen in die winzige Kneipe. Ein armes Gnu guckt zu. Draußen Betriebsamkeit. Einfach nur dasitzen und Leute gucken. Der Magen knurrt. Wir scheitern im Sint Jorishof, s.o.! Ganz Gent hat reserviert. Überall. Speisen in einem Imbiss.
Um 21 Uhr sind wir wieder zurück. „Party!“, ruft uns die patente
Rezeptionistin zu, als wir in Zimmer 1 verschwinden. 21.30: Wir geben die
Schlummerles.
Sonntag. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Wir genießen das üppige Frühstück. War der feuchte Fleck an der Decke gestern auch schon da? Und die Delle? Wir erfahren, es gebe einen Wasserschaden. Die Managerin kümmere sich darum. Derweil schleicht die Reinemachfrau umher, als fürchte sie um ihr Leben. Stuntmäßiges Stürzen vom ersten Stock in den Frühstücksraum gehört sicher nicht zu ihrer Arbeitsbeschreibung. Auch mein Mann mahnt zur Flucht. Gutgelaunte Männer mit Trolleys winken uns hinterher. Adieu Zimmer Nr. 1. Noch schnell 50 rosarote Tulpen zu tatsächlich 10 Euro am Kouter Plein gekauft, wo sonntagsmorgens ein Blumenmarkt stattfindet. Ich ahne einen Hauch von Früüühling! Sollen wir nicht noch eine Waf…?
Volksnahe Bibliothek, innovatives Kulturzentrum: De Krook
Dabei hätte ich so gern noch gesehen:
Das Schloss von Gerhard dem Teufel: Geeraard de Duivelsteen. Nur, weil er so hieß.
Die Sankt-Bavo- und die Sankt-Peters-Abtei, deren Innenhöfe sehenswerte Oasen für Pflanzenfreunde sind
Das Kunstviertel
Mindestens ein Beginenkloster
Außerdem hätte ich gerne im Tearoom des Café Alice ein lekker Broodje gegessen. Dort kann man sein Winkelmandje, seinen Einkaufswagen, auch online mit Törtchen, Quiches & Co. füllen.
Wer kennt sie nicht? Diese eine, reife Banane, die morgen vermutlich in die Biotonne wandert. Die Alternative ist ein saftiger, nicht zu süßer Low-Carb-Kuchen, der mit einem Klecks Sahne bereits den Nachmittag versüßt. Skandinavisch wird´s mit dem Gläschen Holunder-Sirup (z.B. von Monin).
Auch wenn man keinen Puderzucker mehr zuhause hat super lecker!
Ihr braucht für den Teig:
4 Eier, Größe M
110 g Zucker
100 g Butter
210 g gemahlene Mandeln
½ TL Backpulver
100 ml Holunder-Sirup in Wasser gelöst (von der Süße her so, als wolltet ihr das Gemisch trinken)
1 reife Banane
80 g Mandelblättchen
Etwas gemahlene Mandeln zum Ausstreuen der Form; Puderzucker zum Bestreuen des fertigen, erkalteten Kuchens
So wird´s gemacht:
Eine Springform (26 cm) am Boden mit Backpapier auslegen. Den Rand mit Margarine einfetten und mit gemahlenen Mandeln bestreuen. Backofen auf 175 Grad, Ober-/Unterhitze vorheizen.
Eier trennen. Eischnee steif schlagen. Dabei
ca. 20 g des Zuckers einrieseln lassen. Beiseite stellen. Die restlichen 90 g Zucker
mit dem Eigelb schaumig schlagen, bis die Masse hellgelb wird.
Butter schmelzen und etwas abkühlen lassen, Holundersirup-Wasser-Gemisch unter die Eimasse rühren. Mandeln mit Backpulver mischen und ebenfalls unterrühren. Banane in dünne Scheiben schneiden und unterheben. Zuletzt den Eischnee vorsichtig unterheben.
Teig in die Springform füllen und glattstreichen. Mandelblättchen über dem Teig verteilen. Den Kuchen 35 Minuten auf der zweiten Schiene von unten backen. Der Kuchen sollte goldgelb sein. Nach der Hälfte der Zeit mit Alufolie abdecken, falls er zu dunkel werden sollte.
Kuchen aus Ofen nehmen und erkalten lassen. Mit Puderzucker bestäuben. Fertig!
Habt ihr keine Sahne und keinen Puderzucker – so wie ich, oh Schreck!, wird diese Schmankerl trotzdem – vips! – verputzt sein.
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